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Aktueller Online-Flyer vom 23. März 2019  

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Krieg und Frieden
„Friedensnobelpreis – die Nobel-Stiftung muss ihren Unterausschuss ersetzen, das norwegische Parlament“
Alfred Nobels Vision: Die Entmilitarisierung der internationalen Beziehungen – „Die Waffen nieder!“
Von Rudolf Hänsel

Der Friedensnobelpreis wird seit über einem Jahrhundert jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel vergeben. In diesem Jahr ging er an Denis Mukwege und Nadia Murad für ihre Aufklärungsarbeit darüber, wie sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kriegen als Waffe verwendet wird. In diesem Zusammenhang ist es wert, uns Alfred Nobels Vision für den von ihm geschaffenen Friedensnobelpreis in Erinnerung zu rufen: Die Entmilitarisierung der internationalen Beziehungen – „Die Waffen nieder!“. Da die norwegische Nobel-Stiftung nach Auffassung des norwegischen Juristen, Schriftstellers und Friedensaktivisten Fredrik Heffermehl dem Willen von Alfred Nobel nicht nachkommt, unterstützt er in einem Kommentar die Forderung eines Kollegen, dass die Nobel-Stiftung ihren Unterausschuss, das norwegische Parlament, ersetzen müsse.


Friedensnobelpreis-Medaille von 1933 (Foto: gemeinfrei)

Würdigung von Denis Mukwege und Nadia Murad für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt

Der Friedensnobelpreis ging dieses Jahr an Denis Mukwege und Nadia Murad
für ihre Aufklärungsarbeit darüber, wie sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kriegen als Waffe verwendet wird. „Wir ehren heute zwei der stärksten Stimmen der Welt“, sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. Sie machte in ihrer Rede weiter deutlich, in welchem Ausmaß die misshandelten Frauen, für die sich Murad und Mukwege einsetzen, teilweise vergewaltigt wurden: „Eine Frau, die von dreißig oder mehr Männern vergewaltigt wurde, kann das nicht einfach vergessen und ihr Leben normal fortführen.“ Deswegen sei die Arbeit von Mukwege und Murad auch so wichtig. Die Nobelpreis Lesungen der beiden Geehrten waren sehr bewegend. Die Menschen im Publikum sprangen auf und applaudierten laut. Eine Seltenheit bei der Vergabe von Nobelpreisen. (1)

Nadia Murad Basee Taha ist eine Überlebende des vom IS verübten Genozids an den Jesiden 2014, irakische Menschenrechtsaktivistin und seit September 2016 die erste Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel der Vereinten Nationen. Sie wurde vom IS als Sex-Sklavin gehalten. Ihr gelang die Flucht und nun kämpft sie dafür, dass die Terroristen sich vor einem internationalen Gericht verantworten müssen. In ihrer Nobelpreis Lesung forderte sie die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihr Volk zu schützen und sich für die Freilassung von Tausenden von Frauen und Kindern einzusetzen, die noch immer in den Händen von Dschihadisten sind.

Denis Mukwege, Vater von fünf Kindern, ist kongolesischer Arzt und betreibt seit 1999 ein Krankenhaus in Bukavu. Dort behandelt er Frauen, die schwer misshandelt wurden. Oft wurden sie mit Gewehrläufen, Bajonetten oder abgebrochenen Flaschen vergewaltigt. „Die Körper von Frauen sind zu Schlachtfeldern geworden“, sagte der Arzt. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, zu handeln. Es reiche nicht mehr aus, nur darüber zu reden. (2)

Alfred Nobels Vision für den in seinem Testament geschaffenen Friedensnobelpreis

Auch wenn in diesem Jahr zwei sehr mutige Menschen gewürdigt wurden, sollten wir uns dennoch Alfred Nobels Vision für den in seinem Testament geschaffenen Friedensnobelpreis in Erinnerung rufen: Der Friedenspreis sollte nicht an Kriegsbefürworter wie Barack Obama oder die Europäische Union vergeben werden. Er sollte eigentlich auch nicht an gute Menschen vergeben werden, deren Arbeit wenig oder gar nichts mit Frieden zu tun hat, wie das bei den meisten anderen Empfängern der letzten Zeit der Fall war.

Der Friedenspreis ist für "die Person, die die meiste oder beste Arbeit für die Bruderschaft zwischen den Nationen, für die Abschaffung oder Reduzierung der stehenden Armeen und für die Durchführung und Förderung von Friedenskongressen geleistet haben soll."  Der Preis ist keine Lebensverleihung, sondern geht zusammen mit den anderen Nobelpreisen "an diejenigen, die im vergangenen Jahr den größten Nutzen für die Menschheit erbracht haben". (3)

Der norwegische Jurist, Schriftsteller und Friedensaktivist Fredrik Heffermehl setzt sich seit Jahren für die Durchsetzung des Willens von Alfred Nobel ein. "Die Briefe, die Nobel geschrieben hat, bestätigen", sagt Heffermehl, "dass er seinen Preis ins Leben gerufen hat, um ein Versprechen an Bertha von Suttner zu erfüllen", ein Versprechen, einen Preis zu schaffen, um die Arbeit für die Kriegsabschaffung zu finanzieren. Im März 2012 beauftragte die schwedische Stiftungsbehörde die Nobel-Stiftung, den Willen zu prüfen und die Einhaltung sicherzustellen. Als die nächste Auszeichnung an die Europäische Union unter eklatanter Verletzung des Testaments vergeben wurde, protestierten ehemalige Empfänger – darunter Adolfo Esquivel, Mairead Maguire und Desmond Tutu. Die Nobel-Stiftung hat sich dem Auftrag zur Willensvollstreckung widersetzt und eine dauerhafte Ausnahme von dieser Aufsicht beantragt. (4)

„Friedensnobelpreis – die Nobel-Stiftung muss ihren Unterausschuss ersetzen, das norwegische Parlament. “


Fredrik Heffermehl gilt seit 2007 als überzeugter Kritiker des norwegischen Nobelkomitees, das seiner Meinung nach dem Willen von Alfred Nobel nicht nachgekommen ist. („The Nobel Peace Prize Watch“) (5) Am 10. Dezember 2018 verfasste er einen kurzen Kommentar zu einem sehr wichtigen Artikel in der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“ (10. Dez. 2018), in dem der Verfasser die Nobel-Stiftung auffordert, ihren Unterausschuss, das norwegische Parlament, zu ersetzen:

„Heute hörte die Welt die sehr bewegenden Preisreden von Denis Mukwege und Nadia Murad, die den Friedensnobelpreis 2018 teilten. Die beiden verurteilten sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg, sprachen sich aber auch nachdrücklich gegen Ungerechtigkeit, Korruption und Waffen als Kriegsgrund aus. Nicht nur durch die Verurteilung von Verbrechen und Gräueltaten und bestimmten Waffen in Kriegen, sondern auch durch die Aufforderung zur Abrüstung und zum Ende des Krieges selbst haben sie dem eigentlichen Zweck des Nobelpreises wirklich Ehre gemacht, da Nobel seinen Preis für "die Verfechter des Friedens" einrichtete. Das sagt Tomas Magnusson, ein Führer der schwedischen und internationalen Friedensarbeit. In einem Artikel, der heute in der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter veröffentlicht wurde, forderte Magnusson die Achtung der ursprünglichen Absicht von Alfred Nobel. Eine Demilitarisierung der internationalen Beziehungen - "Die Waffen nieder!" – hätte enormes Potenzial, das Los der Frauen zu verbessern, die Achtung von Recht und Menschenrechten, die Gesundheit zu verbessern, wertvolle Ressourcen zu schonen, Schadstoffemissionen zu begrenzen usw.

In einer kürzlich im norwegischen Parlament geführten Debatte stimmten jedoch 167 Delegierte dagegen, die Absicht von Nobel in Betracht zu ziehen, eine notwendige Voraussetzung für die Aufnahme in das norwegische Nobelkomitee, das den jährlichen Friedenspreis verleiht. Nur zwei Parlamentarier befürworteten die vorgeschlagene Qualifikation für die Aufnahme in den Fünferausschuss. Die Nobel-Stiftung, die die Gesamtverantwortung für die Umsetzung von Nobels Willen trägt, kann nicht von Gremien unterstützt werden, die den Willen von Nobel nicht respektieren wollen, sagte Tomas Magnusson, ein Führer der schwedischen und internationalen Friedensarbeit, der den dn.se-Artikel als Sprecher der Nobelpreiswache (nobelwill.org) schrieb.“ (6)


Fußnoten:

(1) https://de.euronews.com/2018/12/10/friedensnobelpreis-mukwege-und-murad-fur-ihren-kampf-gegen-sexuelle-gewalt-gewurdigt
(2) A.a.O.
(3) https://www.globalresearch.ca/save-the-nobel-peace-prize-from-itself/5352459
(4) A.a.O.
(5) www.nobelwill.org
(6) http://www.nyhetsdatabasen.se/artikel/4762288/nobelstiftelsen-maaste-agera-mot-feltolkning-av-fredspriset.htm
Übersetzung des Kommentars von Fredrik Heffermehl aus dem Englischen durch den Autor. Er hat ihn dem Autor persönlich zur Verfügung gestellt.


Dr. Rudolf Hänsel ist Erziehungswissenschaftler und Diplom-Psychologe




Online-Flyer Nr. 686  vom 12.12.2018

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