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Aktueller Online-Flyer vom 22. Juli 2019  

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Eine Lektion in Geschichte(n) und Bildmontagen
Blut-Orangen – eine Adelsfrucht
Von Jos Deenen

Und wieder einmal hat er zugeschlagen, der niederländische Künstler Jos Deenen, der es sich nicht nehmen läßt, seine kritischen Blicke auf die Zeitgeschichte in Bildmontagen umzusetzen. Immer wieder – und das schon seit Jahrzehnten – gerät die Oranje-Dynastie der niederländischen Königsfamilie in sein Visier. Jetzt hat er eigens eine Broschüre herausgegeben (seit Nov. 2018 auch auf deutsch), die sich dem Oranier-Stamm in Verbindung mit dem deutschen Adelshaus Lippe-Biesterfeld widmet und deren – wie kann es anders sein – edle Beziehungen zum deutschen NS-Faschismus und zur päpstlichen Herrschaft Gottes auf Erden. Skandale sind für Deenen das Brot seiner Kunst. So auch die Fälle sexuellen Mißbrauchs und der ewigen Vertuschung innerhalb der katholischen Kirche. Das „frische Blut“ der Titelgeschichte stammt aus dem argentino-faschistischen Lager Zorreguiteta, der Familie von Königin Máxima an der Seite des derzeitigen Königs Willem Alexander. Star der phantastischen Bildgeschichte ist der Großvater Prinz Bernhard, der bekannt ist für die seit 1954 stattfindenden Bilderberger Treffen. Seine 1936 aus Staatsraison abgelegte NSDAP-Mitgliedschaft machte ihn sogleich zum Widerstandskämpfer und Träger von rund 100 Orden und Ehrenbezeugungen. Genaueres über die unliebsame Vergangenheit sollen niederländische Kinder in der Schule peinlichst nicht erfahren. Stattdessen werden sie erzogen, mit Inbrunst die Nationalhymne „Wilhelmus“ zu singen. (nrhz)



DWV 186, 59 x 49, 1996
The devil lurks behind the cross. III
Der Teufel lauert hinter dem Kreuz.



DWV 230, 58 x 48 cm, 1998
Prinz Bernhards Parole: “Heil Hitler!” Nachdem ein subversiver Venloer 1994 meinte, Prinz Bernhard als faschistischen ‘Zwarte Piet’ auf der ‘U-Seite’ der Volkskrant präsentieren zu müssen, machte ‘Sinterklaas’ ein Jahr später ein riesen Fass auf in ‘Het Parool’ mit einem Artikel, der zeigte, dass es noch viel schlimmer war. Bernhard war nämlich nicht nur ein SS-Mann, er war auch Mitglied in der NSDAP gewesen. Gerard Aalders und Coen Hilbrink stöberten den endgültigen Beweis im Washington National Archive auf. Das Reichsinstitut für Kriegsdokumentation, für dem Gerard und Coen ‘De Affaire Sanders’ untersucht hatte, hatte einiges an dieser Studie auszusetzen. Dies vor allem wegen der Passagen über Prinz Bernhard, der von Verteidigungsminister Henk Vredeling einst als ‘typischer Mof’ bezeichnet worden war. Königin Beatrix fand sogar das wissenschaftliche Niveau der gesamten Forschung ungenügend. In der Folge wurde die Veröffentlichung des Buches ungeniert behindert. (Interessantes Detail: Schon 1948 hatte die niederländische Regierung, die immer noch gut darin ist, unangenehme Fakten über Oranien zu vertuschen, versucht, diesen ‘typischen Mof’ von der NSDAP-Mitgliederliste zu streichen. Glücklicherweise hielten amerikanische Historiker das nicht für eine gute Idee).



DWV 1654, 46 x 40 cm, 2017
Wohlgefällig, ja schon fast selbstgefällig, schweifte Bernhards Blick weg von der beeindruckenden Krönungszeremonie, die der Schah von Persien bis zur Perfektion vorbereitet hatte. “Vor einer Krone knien...”, dachte er bei sich, “...das ist unter meiner Würde...”. Der geschäftige Benno, dem es schwer fiel, seine SS-Vergangenheit zu vergessen, schob seinen etwas weltfremden, aber ach so hundetreuen Spross brutal Richtung Hintertür. Anscheinend wurmte es ihn, dass der Schah, der vor dem Zweiten Weltkrieg so offensichtlich Position für Nazi-Deutschland bezogen hatte, wieder mit dem Westen Geschäfte machte. Und das, wo von Lippe-Biesterfeld doch schon während des Krieges, 1943 auf das Argentinien von Juan Perón gesetzt hatte. (2014 rezensierte Michel Krielaars im NRC die ultimative Loe de Jong-Biographie von Boudewijn Smits. Hier sind ein paar Textproben: “Viele von ihnen haben sich auch über seinen moralischen Ton immens geärgert. De Jong vertrat seine politischen und moralischen Ansichten mit Nachdruck wenn sie seiner Meinung nach im nationalen Interesse lagen. Deshalb verschonte er Prinz Bernhard und nahm den linken CDA-Parteichef Aantjes hart ran. Seinen Spitznamen “Oranje Loe” verdankt er seiner bedingungslosen Treue gegenüber der königlichen Familie, für die er blind Hand und Spanndienste leistete. Ausführlich behandelt er De Jongs wissenschaftlich eher unprofessionelle Arbeitsweise und zerlegt dessen Forschungen über Aantjes und den kontrovers diskutierten François van ‘t Sant, einen Vertrauten von Königin Wilhelmina. Über Letzteren ließ sich De Jong alles Mögliche weismachen und schaltete seine kritische Vernunft aus, weil er Wilhelmina gefallen wollte, die er seit seinem Exil in London vergötterte). Womit das auch geklärt wäre.



DWV 1650, 64 x 45 cm, 2017
Bernhard von Lippe-Biesterfeld war kein romantischer Märchenprinz, der im Schloss einzog, weil er sich in die blonden Zöpfe einer Spitzmützenprinzessin verguckt hatte. Und anders als er uns weismachen wollte, lief er nie mutig seinen Truppen voraus. Vielmehr war Benno der Prototyp eines Mitläufers, ein reinrassiger Opportunist, ein zynischer, skrupelloser Paladin, der alles und jeden vor seinen eigenen Karren spannte. Sogar Sozialpolitiker und die linke Journaille! Ein Vollblut-Nazi, der komplett durchdrehte, wenn man ihn aufs Korn nahm. Kurzum, ein eiskalter Manipulator, der in Sachen Süffisanz, Arroganz und Uniformfetischismus dem Großmeister auf diesem Gebiet, Hermann Göring, in nichts nachstand.


DWV 1651, 44 x 37 cm, 2017
Maxima und ihre Schwiegermutter winken und beklatschen mit an Hysterie grenzender Hingabe einen ‘Oranje-Klompen-Kopf’, der im Zustand höchster Ekstase schreit, dass Prinz Bernhard nie ein Nazi war. Bernhard von Lippe-Biesterfeld, der Mann aus einer verarmten Familie, der durch hinterhältige Praktiken Titel erwarb, mit denen er das hässliche, aber steinreiche Entlein Juliana, das vom gesamten europäischen Adel nicht beachtet wurde, ohne jeden Respekt, wie ein Siegel auf seine Akte setzte. Dieser Prinz Geschaftlhuber, der Vater von Beatrix also, zeigte in Sevilla seinen letzten Trick, indem er seinem Enkel Alex mit der Tochter von Jorge Zorreguieta aufhalste. Jorge, der nun als rechte Hand des blutrünstigen argentinischen Diktators Videla wegen Mittäterschaft bei Mord, Babyraub, Vergewaltigung usw. usw. gesucht wird. Aber egal, nach all der deutschen Inzucht konnte das niederländische Königshaus ein bisschen frisches Blut vertragen.



DWV 1133, 51 x 59 cm, 2013 Mit Ehrfurcht blickt Prinzessin Maxima auf die schier endlose Liste fantastischer Auszeichnungen, die man aus Respekt vor Willems verstorbenen Großvater, einem Vollblut-SS-Mann, der hier in typischer Goebbels-Pose den Betrachter mit seinem arroganten Blick provoziert, neben sein wunderschönes Portrait gehängt hat. Nein, das kann selbst ihr Vater Jorge, ein Handlanger argentinischer Großgrundbesitzer und herausragendes Mitglied des faschistischen Videla-Regimes, nicht vorweisen. (Auszeichnungen sind eigentlich wie a-monetaire Bitcoins für zwielichtige
Angelegenheiten. Man kann sie nicht ans Straßenpflaster verlieren, aber Narzissten unter sich können viel mit ihnen anfangen. Mit so ‘nem ordinären ‘Grootkruis in de Orde van Oranje-Nassau’ lässt sich schnell mal ein hübscher Waffendeal an Land ziehen. Eine kleine Auswahl aus der Reihe Silberner Nelken, Bronzesoldaten, Ehren-Truchsessen, Großen Bänder und andere Fake-Medaillen finden Sie in obiger Liste und werden erschaudern...)



DWV 1079, 64 x 54, 2013 (Cover) “Und hier sehen Sie Prinzessin Beatrix in dem Kostüm, das sie am 9. März 1966 während ihrer Junggesellenparty trug. Supergeil!”



DWV 1618, 45 x 34 cm, 2017
Eine Taucherbrille kann beim Pellen von frischen Zwiebeln nützlich sein. Aber wenn man sein ganzes Leben lang wissenschaftliche Veröffentlichungen über seinen Vater, ein Mitglied der Nazis, mit Falschdarstellungen stoppen konnte, und sie erscheinen dennoch in der Zeitung, ja dann lässt man das Lachen vor Weinen


Angaben zur Technik und zum kunstgeschichtlichen Zusammenhang folgen (hier) in Kürze...




Erstpräsentation (deutsche Fassung)
zur 23. Linken Literaturmesse im November 2018 in Nürnberg:
Frisches Blut für Oranien von Lippe-Biesterfeld bis Zorreguietea
mit Texten von Prof. Roland Günter zur Ausstellung "Art is like Religion",
25 Jahre Galerie Arbeiterfotografie
herausgegeben von Melomaan Venlo und Galerie Arbeiterfotografie
div. Texte/Auszüge zusammengestellt von Jos Deenen
28 Seiten, A4-Format
7,50 Euro plus Versand (2 Euro Inland / 4 Euro Ausland)
zu beziehen über
Galerie Arbeiterfotografie
Merheimer Str. 107, 50733 Köln
T 0221-727 999

Niederländische Fassung
7,50 Euro plus Versand
zu beziehen über
Jos Deenen
Parkstraat 33, NL 5911, em Venlo
Grafisch Atelier De Franse Republiek
T 0031 77 351 0871
www.josdeenen.nl
eMail: josdeenen@home.nl

dort auch: Werküberblick 25 Jahre
The world through the eyes of my scissors
"Seine Arbeit ist im Zusammenhang mit der Verwendung von Collagetechniken in Kunstbewegungen wie Dada, Surrealismus und Pop-Art zu betrachten." (Geert Swaenepoel)


Online-Flyer Nr. 683  vom 21.11.2018

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