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Aktueller Online-Flyer vom 20. Januar 2019  

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Globales
Propagandistische Klischees über verstorbenen US-Senator McCain
Im grotesken Widerspruch zu den Propagandabildern einer freien, „liberalen Weltordnung“
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Das Staatsbegräbnis von US-Senator McCain degenerierte nicht zu einer internationalen Würdigung eines ehemaligen unehrenhaften US-Offiziers, wie es zu befürchten war. Seine Untaten in Vietnam kennzeichnen ihn als Kriegsverbrecher, aber propagandistische Klischees dominieren die Presse aus Ländern der so genannten "Wertegemeinschaft" und wollen diese hässliche Wahrheit vertuschen, indem sie ein völlig falsches Bild suggerieren, wenn sie den ehemaligen Offizier als "Held" porträtieren.


Montage: NRhZ

McCain war ein Kriegsverbrecher

John McCain war alles andere als ein Held. Kein „Mann von Ehre“, kein „mutiger Mann“. Es ist historisch dokumentiert, dass die USA seit Februar 1965 barbarische Luftangriffe gegen die Demokratische Republik Vietnam (Nordvietnam) führten.
    Der „Held“ John McCain war ein Kriegsverbrecher, der „mutig“ Bomben auch auf Zivilisten, vor allem Frauen und Kinder, abwarf.

    31jähriger John McCain am völkerrechtswidrigen Luftkrieg gegen das vietnamesische Volk beteiligt

    Ende Oktober 1967 berichteten der Rundfunk, die Vietnamesische Nachrichtenagentur (VNA) und die Zeitungen des Landes mit Fotos und Personalangaben über 15 US-Piloten, die in den Tagen zuvor nach dem Abschuss ihrer Maschinen gefangen genommen worden waren. Unter ihnen befand sich John McCain, ein Offizier mit Tradition. Der Großvater befehligte im Zweiten Weltkrieg die US-Flugzeugträger im Pazifik, der Vater die US-Flotte in Europa. Der damals 31jährige John McCain hatte bis zu seinem Abschuss 23 Angriffe gegen Nordvietnam geflogen und sich damit an dem völkerrechtswidrigen Luftkrieg gegen das vietnamesische Volk beteiligt. Er folgte dem Befehl seines Chefs im Strategic Air Command, General Curtis Le May, der Vietnam „in die Steinzeit zurückbomben“ wollte.

    Entgegen den Behauptungen in Washington, die Luftwaffe müsse kaum Verluste verkraften, räumte McCain damals ein, dass das Feuer der Luftabwehr besonders über Hanoi „sehr dicht und sehr präzise“ sei... Die Air Force verliere zehn und mehr Prozent ihrer Maschinen, so McCain. Hanoi hatte gerade gemeldet, dass bis dahin 2.194 US-Flugzeuge abgeschossen worden waren.

    Nordvietnamesischer Leutnant rettete McCain das Leben

    McCains Angaben ... bestätigten nur, was auch andere Piloten vor ihm schon gesagt hatten. Robin Olds etwa hatte in Washington gewarnt, dass man die von der Sowjetunion aufgebaute nordvietnamesische Luftabwehr nicht unterschätzen solle. ... Mc Cain landete nach seinem Abschuss im Truc-Bach-See von Hanoi, brach sich Arme und Beine und wäre ertrunken, wenn ihn Leutnant Mai Van On nicht aus dem Wasser gezogen hätte.

    Am Ufer hielt dieser Offizier der nordvietnamesischen Volksarmee wütende Hanoier davon ab, gegen den US-Soldaten handgreiflich zu werden. Eine (vietnamesische) Krankenschwester leistete ihm Erste Hilfe. Kurze Zeit später wurde McCain in Gewahrsam genommen. ... 1973 konnte McCain nach Hause zurückkehren. Ab 1985 besuchte der inzwischen in den US-Kongress gewählte republikanische Politiker mehrfach Hanoi, ohne nach seinem Lebensretter zu fragen. Erst 1996, er war inzwischen Senator, traf er sich mit Mai Van On und überreichte ihm eine „Erinnerungsmedaille“ des US-Kongresses.

    In den Jahren 2000 und 2008 bewarb sich McCain für die Republikaner um die Präsidentschaft der USA. Die humane Rettungstat eines vietnamesischen Offiziers passte nicht in das Konzept seiner Wahlkampfreden. Im Gegenteil, er behauptete, die Nordvietnamesen hätten ihn misshandelt.

    Aus der Niederlage der USA im Krieg gegen Vietnam nichts gelernt

    Aus der Niederlage der USA im Krieg gegen Vietnam... hat er, wie das offizielle Washington, nichts gelernt. Der „Mann von Ehre“ blieb ein Kriegsverbrecher.

     („Der McCain, den ich kannte“ von Gerhard Feldbauer, junge Welt, 29.8.2018, Subtitel d.A.)

20 bis 30 Millionen Todesopfer durch US-geführte oder US-angezettelte Kriege

Die Zahl der Todesopfer der allein nach dem II. Weltkrieg von den US-geführten und angezettelten Kriege und Konflikte steigt auf 20 bis 30 Millionen. Diese brutale Wirklichkeit steht im grotesken Widerspruch zu den Propagandabildern einer freien, „liberalen Weltordnung“ oder westlicher Gesellschaft. Gerade zu diesen falschen Propagandabildern des sogenannten Westens gehört der verstorbene Senator John McCain. Deshalb wäre es falsch und beschämend für Europa gewesen, sein Begräbnis in ein internationales Ereignis degenerieren zu lassen.

US-Imperium im Niedergang

"Die ökonomische, militärische und propagandistische Offensive des 'freien Westens' sind keine Marotten des gegenwärtigen US-Präsidenten... Es ist der verzweifelte Versuch des Imperiums im Niedergang, die Zeit aufzuhalten. Und es ist gefährlich." („Die westliche Wertegemeinschaft“ von Klaus Wagener, UZ, 31.8.2018)

Unterstützung US-amerikanischer Bürger für den US-Präsidenten Donald Trump unverändert und sogar angestiegen


Trotz der penetranten wiederholten Anti-Trump-Kampagnen, die von frustrierten US-Demokraten orchestriert werden, bleibt die Unterstützung US-amerikanischer Bürger für den US-Präsidenten Donald Trump unverändert. Laut letzter Umfrage ist sie sogar auf 46% angestiegen. Die wirtschaftliche Schwäche der USA und ihr Verfall der Infrastruktur sind hausgemacht – ebenso ihr rapide Ansehensverlust in der Welt. Amerikas Zerfall geht auf das Konto der vorherigen US-Regierungen Clinton/Bush/Obama. Ihr Versagen steht für die US-Bürger fest.

Politische Kraft des demokratischen Sozialismus taucht in USA auf

„Doch nun taucht eine politische Kraft auf, die in der amerikanischen Ausnahme kaum vorgesehen war: Der demokratische Sozialismus, der mit Veteranen wie Bernie Sanders und jungen Kämpferinnen wie Alexandra Ocasio-Cortez bei den Kongresswahlen im November eine Rolle spielen könnte.“ („Trumpamerika wird bleiben“ von Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaft in Gießen, SZ, 1.9.2018)

Schon am 27. Juni hat Alexandria Ocasio-Cortez einen führenden demokratischen Kongressabgeordneten in den Vorwahlen in Bronx/New York für ein Abgeordnetenhausmandat in Washington geschlagen. Ihr Sieg am vergangenen 27. Juni 2018 weckt Erinnerungen an 2014, als eine Niederlage eines Republikaners die Trump-Revolution ankündigte.

Quasi über Nacht ist Ocasio-Cortez zu einem neuen Star der politischen Linken geworden. Bei ihrer ersten politischen Kandidatur hat sie bei den Demokraten einen verblüffenden Sieg davongetragen und den langjährigen Amtsinhaber Joseph Crowley in den Kongressvorwahlen deutlich geschlagen. Ihr Sieg war auch ein Schock für die Führung der Demokraten.

Sich in Berlin von Kriegs- und Terrorpolitik lösen - Zivilisatorische Richtlinien für eine neue Außenpolitik aufstellen


Losgelöst von den internen politischen Vorgängen in den USA, die auf Veränderungen zum Besseren hoffen lassen, ist das deutsche Panorama: Eine deutsche Position, kein Versteckspiel, sondern eine substantielle offizielle deutsche Erklärung für ein humanistisches Europa schließt die weitere Kollaboration Deutschlands mit dem Trio Infernale USA, Großbritannien und Frankreich völlig aus, Regierungen, die dabei sind, durch ihre unzähligen barbarischen Interventionskriege und Terroranschläge die Welt in den Abgrund zu stürzen. Die Berliner Regierung muss sich endlich von diesen Ländern und deren Kriegs- und Terrorpolitik lösen und zivilisatorische Richtlinien für eine neue Außenpolitik aufstellen.

In diesem Zusammenhang sind die humanitäre Hilfe und die Beteiligung am Wiederaufbau in Syrien auf die Tagesordnung zu setzen, wie schon Präsident Wladimir Putin bei seinem Treffen mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schloss Meseburg am 18.8.2018 gefordert hatte. Das setzt voraus, dass zu Syrien wieder normale diplomatische Beziehungen hergestellt werden, jegliche Unterstützung illegaler Kampf- und Sabotagegruppen wie die Weißhelme unter anderen in Syrien eingestellt und die feindseligen Sanktionen gegen die notleidenden Menschen in Syrien sofort aufgehoben werden. Kann sich die Regierung dazu nicht durchringen oder wird sie sogar auf ihrer unmenschlichen, gesetzwidrigen Politik beharren, werden immer mehr Kräfte im Land dafür kämpfen, dass ein Untersuchungsausschuss im Bundestag eingesetzt wird zum Thema Regierungskriminalität und dass die internationale Strafjustiz zum Zuge kommt, wenn die Staatsanwaltschaft hierzulande daran gehindert wird, Ermittlungen in Sachen deutsche Regierungskriminalität in Syrien und anderen Ländern aufzunehmen. Beate Klarsfeld hat es vorgemacht, wie man erfolgreich kämpft und die Justiz wachrüttelt.


Verfasst am 2.9.2018 unter Bezugnahme auf Meldungen der letzten Tage zum Tod von US-Senator John McCain (dpa, SZ, DLF, Phoenix, ARD-Tagesschau, ZDF heute, DW, u.a.), Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 1.9.2018: „Trumpamerika wird bleiben“ von Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaft in Gießen


Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war tätig im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.


Siehe auch:

Andere Menschen und Kulturen in ihrer Unterschiedlichkeit annehmen!
Von persönlicher Freiheit zur Würde des Menschen
Von Jürgen Heiducoff (zur Zeit Dalian/Volksrepublik China)
NRhZ 671 vom 29.08.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25156

"Den unvollendeten Kampf des US-Senators müssen nun andere weiterführen – gegen Donald Trump."
John McCain: Heiligsprechung eines Kriegsverbrechers
von Rainer Rupp
NRhZ 672 vom 05.09.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25182

Plädoyer für einen John-McCain-Feiertag am 1. September
Gangster-Politik und Luder-Journaille
Von Ullrich Mies
NRhZ 672 vom 05.09.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25184

Online-Flyer Nr. 672  vom 05.09.2018

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