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Aktueller Online-Flyer vom 17. Juni 2019  

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Kommentar
Antisemitismus-Vorwurf gegen #Aufstehen
Ditfurth riecht Juden
Von Ulrich Gellermann

"Judenriecher" nannte man während der Nazi-Zeit umgangssprachlich jene ekligen Existenzen, die gern hinter bestimmten Namen oder Tätigkeiten "Juden" witterten. Vom "Judenriecher" war es nicht weit zum Denunzianten: "Herr Blockwart, der Herr Rubinstein heißt nicht nur so, der hat auch ganz viel Geld, da muss man sich mal drum kümmern." So oder so ähnlich kann der Leidensweg für manchen Juden begonnen haben. Nun geht auch Jutta Ditfurth, von der man eher annahm, dass sie philosemitisch sei, diesen Weg der üblen Denunziation. Mit einem Tweet behauptet die Dame: "Lisa Fitz lädt ein zum antisemitischen Tango bei #Aufstehen. Was für eine nationale, teils antisemitische #Sammlungsbewegung."

Die Kabarettistin Lisa Fitz hat ein Lied produziert: "Ich sehe was, was Du nicht siehst". Der Text handelt von Oben und Unten, von Arm und Reich. Und er kennt "Schattenstaat, die Schurkenbank, Gierkonzern" als Verantwortliche für Krieg und Armut. Zum Beispiel so: "Gierige Männer, Mördergreise, spielen vom Tod die böse alte Weise, reißen im Fallen die halbe Welt mit sich, wach auf und handle und lass dich nicht im Stich." Na klar, sagt da die Judenriecherin Ditfurth, wenn über viel Geld gesungen wird, dann wird man wohl die Juden meinen. Zumal ja im Text von Frau Fitz auch solche Namen vorkommen wie "Rothschilds, Rockefeller, Soros & Konsorten". In der Eile der Denunziation macht die Ditfurth den braven Yankee und Baptisten Rockefeller auch zum Juden. Aber auf solche Feinheiten kann die Verleumderin leider keine Rücksicht nehmen.

Denn der Ditfurth geht es ja nicht primär um die Lisa Fitz. Sie ist auf größeres Wild aus: Die von Sahra Wagenknecht initiierte Sammlungsbewegung #Aufstehen hat sie im Visier. – Als es im Frühjahr 2014 so aussah, als könne die Friedensbewegung eine größere Breite durch die "Mahnwachen für den Frieden" erreichen, hatte die ehemalige GRÜNE und einstige Intellektuelle Ditfurth den Geruch der Querfront, der Zusammenarbeit von Rechten und Linken, in der Nase. Und sie entdeckte den "verkürzten Antikapitalismus". Über Jahre hatte man von Jutta wenig bis nichts gehört. Aber plötzlich erschien sie genau jenen Medien bedeutend, die bisher aktive Feinde der Friedensbewegung waren, sich aber jetzt mit der Ditfurth zum Schutz einer rein linken Friedensbewegung aufwarfen. Diese Patronage hatte einen gewissen Erfolg: Statt sich gemeinsam um die nächsten großen Aktionen zu kümmern, kümmerten sich Teile der Friedensbewegung um sich selbst und ihre ideologische Reinheit.

Bisher gibt es in der deutschen LINKEN durchaus Zweifel an der noch nicht nicht so recht sichtbaren Sammlungsbewegung #Aufstehen. Aber die olfaktorische Schwalbe Jutta lässt hoffen: Wenn die in eine Medien-Schlacht eingeflogen wird, könnte es nach einem politisch eher langweiligen Sommer doch einen heißen Herbst geben. Denn wenn die üblichen Medien die Ditfurth an die Font werfen, also eine scheinbare Linke als Sprechpuppe benutzen, dann vermuten sie größeren politischen Widerstand. Deshalb darf die Schwalbe vom Bordstein des Mainstreams ohne jeden Beleg öffentlich von einer "antisemitischen #Sammlungsbewegung" schwätzen.

Danke Jutta, Dein Fronteinsatz macht Hoffnung auf Sammlung und Bewegung.


Erstveröffentlichung am 20. August 2018 bei rationalgalerie.de – Eine Plattform für Nachdenker und Vorläufer

Top-Foto:
Ulrich Gellermann (aus Video-Interview: deutsch.rt.com)


Online-Flyer Nr. 670  vom 22.08.2018

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