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Aktueller Online-Flyer vom 21. Juli 2018  

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Medien
Mehr Recherche, weniger "Äquidistanz" zu Nicaragua!
Es geht in Nicaragua um Enthauptung und Regime-Change
Von Hartmut Barth-Engelbart

Statt immer wiederkehrender Verreuterung (1) der Meldungen, Übernahme imperialistischer Kampfbegriffe, Verharmlosungen, bewusster Falschetikettierungen, sprachlicher Nebelkerzen (wie "Auslandseinsätze", "NGO"s, "Menschenrechtsorganisationen") stünde es der Tageszeitung "junge Welt" (jW) gut an, aktuell bei Artikeln über Nicaragua etwas genauer hinzusehen (2). Zur zugegebenermaßen etwas komplizierten Lage unter Präsident Ortega sollten mehr Zentral- und  Lateinamerika-Kenner Vorort befragt werden. Im "Internet-Zeitalter" ist das mit entsprechendem "erkenntnisleidenden Interesse" relativ einfach zu bewerkstelligen. Es geht in Nicaragua um eine klassische Decapitation (Enthauptung), um den Versuch eines "Regime-Change", eine "bunte Revolution" im Stile von OTPOR, mit tiefen Wirkungen bis in die Solidaritätsbewegungen in Europa (3) - etwas, was mit der CUBA-Si-Bewegung auch versucht wurde, mit der US-EU-Propaganda wegen "Menschenrechtsverletzungen", "Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit", "Zensurmaßnahmen" im "diktatorischen" Kuba (Gregor Gysi) (4).

Das mit dem "Regime-Change" in Kuba hat nicht geklappt, in Venezuela auch nicht. Da muss jetzt Ortega gestürzt werden. Nun, es gibt nicht wenige Punkte, an denen er sich angreifbar gemacht hat. Aber das ist bei den Regime-Change-Versuchen immer eine der Voraussetzungen, sonst würden die US-Imperialisten dafür nichts investieren. Auch hier rechnet das Kapital gefühllos binnenrational das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Nicht nur im Falle Nicaraguas hat sich in der linken Szene eine Neigung zur Kombattibilität mit der "farbrevolutionären" Richtung entwickelt, die dem US-Anliegen (und dem der EU gleichfalls) wohl ungewollt aber objektiv Vorschub leistet.


Fussnoten:

1 Anspielung auf die häufige Verwendung von Meldungen der Nachrichtenagentur Reuters und anderer Nachrichtenagenturen

2 In der Tageszeitung "junge Welt" finden sich in der Tat zu häufig Agenturmeldungen mit deren Herrschaftsvokabular. Zum Thema Nicaragua hat die "junge Welt" aber durchaus Artikel veröffentlicht, die die Situation kritisch beleuchten.

Am 5.6.2018 hat die "junge Welt" ein Interview mit dem im Norden Nicaraguas lebenden Stephen Sefton (Publizist und Teil des antiimperialistischen Gegeninformationskollektivs Tortilla con Sal) gebracht. Es trägt die Überschrift "Das ist der Versuch eines Regime-Change - Proteste in Nicaragua: Die Regierung Daniel Ortegas ist den Vereinigten Staaten ein Dorn im Auge." Auf die Frage "Welche Rolle spielen US-Interessen in ihrem Land?" sagt Stephen Sefton: "International galt Nicaragua seit 2010 als außerordentlich stabiles und wirtschaftlich erfolgreichstes Land der Region. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Wirtschaft jährlich um 4,5 bis 5 Prozent wuchs. Aufgrund der sozialistisch inspirierten Wirtschafts- und antiimperialistischen Außenpolitik entschieden die USA wohl, die Lunte in unserem Land anzuzünden. Ich gehe davon aus, dass Unterstützer der US-Politik in Nicaragua durch die Trump-Administration aktiviert wurden, um die legitimen Proteste der Studierenden zu vereinnahmen. Es handelt sich um den Versuch eines 'Regime-Change'."
https://www.jungewelt.de/artikel/333544.das-ist-der-versuch-eines-regime-change.html

Und am 2.6.2018 hat die "junge Welt" einen Artikel von Modaira Rubio aus Caracas veröffentlicht. Der Titel: "Wie in Venezuela - Gewalt in Nicaragua eskaliert. USA, EU und OAS machen Front gegen Regierung Ortega. Erinnerungen an Kampagne gegen Nicolás Maduro 2017". Darin heißt es u.a.: "Ein Vergleich mit den Ereignissen in Venezuela im vergangenen Jahr liegt nahe. Das südamerikanische Land erlebte zwischen April und Juni 2017 eine ähnliche Gewaltwelle, die von Paramilitärs angezettelt wurde, die aus dem Ausland finanziert, von den internationalen Medien allerdings als 'friedliche Demonstranten' gefeiert wurden. Präsident Daniel Ortega war 2016 mit mehr als 70 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt worden. Die Abstimmung war aber von den USA und der Europäischen Union in Frage gestellt worden, ähnlich wie die jüngste Präsidentschaftswahl in Venezuela... Der spanische Akademiker Germán Gorraiz López analysierte bereits im April [2018] in einem auf dem russischen Internetportal Geopolitica.ru veröffentlichten Artikel, dass Venezuela und Nicaragua Opfer des neuen Kalten Krieges würden, den die USA auf wirtschafts- und handelspolitischem Gebiet gegen China entfesselten. Die Trump-Administration wolle um jeden Preis die Regierungen loswerden, die sich mit dem asiatischen Giganten verbündet haben. So müsse Nicaragua nun für den mit China vereinbarten Bau eines Kanals zwischen dem Atlantik und dem Pazifik bezahlen, der dem von Washington kontrollierten Panamakanal Konkurrenz machen werde."
https://www.jungewelt.de/artikel/333494.wie-in-venezuela.html?sstr=nicaragua

3 Siehe dazu u.a. folgende englisch-sprachigen Artikel:

William Whiteman am 4./7.6.2018 bei Russia Today:
US-Fingerabdrücke überall bei den blutigen Unruhen in Nicaragua - Die studenten-geführte Anti-Regierungsbewegung in Nicaragua unterscheidet sich von früheren Angriffen auf die sozialistischen Staaten in Lateinamerika; es hat seinen Ursprung in erster Linie im linken politischen Spektrum. Aber das heißt nicht, dass die USA nicht dahinter stehen.
(US fingerprints all over Nicaragua’s bloody unrest - The student-led anti-government movement in Nicaragua is unlike other recent attacks on the Latin American socialist bloc; it emanates mainly from the left of the political spectrum. But that doesn’t mean the US isn’t behind it.)
https://www.rt.com/op-ed/428718-nicaragua-unrest-us-fingerprint/

Camilo Mejia am 16.6.2018 bei Global Research
Die Protest-Bewegung in Nicaragua: Manipulierte und fabrizierte Belege
(The Protest Movement in Nicaragua: Manipulated and Manufactured Evidence)
https://www.globalresearch.ca/the-protest-movement-in-nicaragua-manipulated-and-manufactured-evidence/5644098

4 Gregor Gysi nennt Fidel Castro in einem am 28.11.2016 veröffentlichten Interview "Diktator" und spricht von einem "diktatorischen Regime", Nordwest-Zeitung (https://www.nwzonline.de/interview/das-war-eine_a_31,1,3887878861.html)
Zitiert in der NRhZ vom 30.11.2016 (http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23323)


Der Artikel basiert auf einer Veröffentlichung vom 17. Juni 2018 bei barth-engelbart.de


Siehe auch:


Demonstration "für Gerechtigkeit und Freiheit", Berlin, 10.6.2018
SOS Nicaragua – Nicaragua in Gefahr
Von Jürgen Steidinger
NRhZ 664 vom 20.06.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24970



Online-Flyer Nr. 664  vom 20.06.2018

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