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Aktueller Online-Flyer vom 25. Juni 2018  

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Aufführung des Weber-Herzog Musiktheaters zum 200. Geburtstag von Karl Marx im Mai 2018 in Duisburg
Frau Kapital und Dr. Marx
Von Arbeiterfotografie

„Wir bringen das Hauptwerk von Karl Marx Das ‘Kapital’ – Erster Band in 100 Minuten auf die Bühne: anschaulich, unterhaltsam, unakademisch, humorvoll wie tiefgründig, die Aktualität untersuchend. Unser Musiktheaterspiel greift wesentliche Inhalte vom Kapital auf: Ware, Gebrauchswert, Tauschwert, Ware Arbeitskraft, Mehrwert, Ursprüngliche Akkumulation. Die Musik von Christof Herzog setzt die Tradition von Kurt Weill und Hanns Eisler fort. Unseren Blick richten wir auf die politischen Möglichkeiten der Gegenwart, denn darauf, so Marx, kommt es an. Wir meinen, in einer Zeit zunehmender Arbeitslosigkeit, zunehmender Arbeitshetze, zunehmendem Druck und Verunsicherung, wäre es für jeden hilfreich, sich mit diesem Werk beschäftigten. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich von seinen Lebensumständen ein Bild zu machen. Wer stellt sich heutzutage nicht die Frage: Warum werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer? Woher kommt die Arbeitslosigkeit? Warum gibt es so viele Obdachlose? Warum gibt es Kriege? Auf all diese Fragen findet man bei Marx im ‘Kapital’ Antworten.“ So beschreibt das Weber-Herzog-Musiktheater das eigene Stück, das auf Initiative der Duisburger Gruppe „Marx in Marxloh“ des Deutschen Freidenkerverbandes NRW am 6. Mai 2018 im Haus Kontakt in Duisburg zur Aufführung kam. Die NRhZ gibt einen Einblick.


Dr. Marx zu Frau Kapital: „Deine kapitalistische Hülle muss gesprengt werden… Und der (Arbeiter) wird mithelfen.“ „Nein, nein, nein!“, schreit Frau Kapital entsetzt. Doch es nützt nichts, der Arbeiter packt zu… (alle Fotos: arbeiterfotografie.com)


Edith Fröse begrüßt das Publikum im Namen der Duisburger Gruppe „Marx in Marxloh“ des Deutschen Freidenkerverbandes NRW, auf deren Initiative sich ein Trägerkreis für die Festveranstaltung zum 200. Geburtstag von Karl Marx gebildet hatte.


Ausverkauftes Haus am Sonntag, dem 6. Mai 2018, im Haus Kontakt in Duisburg in der Scharnhorststraße 32


Festrede von Thomas Keuer, Gewerkschaftssekretär ver.di-Bezirk Duisburg-Niederrhein: „Solche Verleumdungen, wie wir sie lesen konnten, haben ein Ziel: es geht letztlich um die Diskreditierung der Lehren von Karl Marx. Für mich als Gewerkschafter ist die Forderung 'Proletarier aller Länder vereinigt Euch' aktueller denn je... Der Kapitalismus kann weltweit keine soziale Gerechtigkeit herstellen.“


Gestatten: das Kapital… Wie mich das aufregt… Ich muss es haben, haben, haben…


Kapital: Dank dieses Herrn (Marx) musste ich fliehen aus Russland, aus Polen, China, Ungarn, ja sogar aus dem schönen Deutschland!
Marx: Leider nur aus der einen Hälfte.
Kapital: Ja, leider! Aber ich habe mich gerächt, ich habe mir die andere Hälfte zurückgeholt!
Marx: Heute holen Sie sich was zurück, morgen wir.


Marx singt: Von Zeit zu Zeit – siegen die Arbeiter, aber nur – vorübergehend. Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist – nicht der unmittelbare Erfolg... sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Sie ersteht immer wieder – stärker – fester - mächtiger. (Marx-Zitat aus dem Manifest)


Kapital: Du willst also wissen, woher mein Profit, mein Reichtum kommt...


Marx: Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform.
Kapital: Bla, bla, bla
Marx: Deshalb beginne ich zuerst mit der Analyse der Ware...


Kapital spricht: Ich lebe jetzt zusammen mit meinem Neandertaler...
Und singt: Kommunisten höre ich ständig reden von Gefahren... durch die ABC-Atomraketen... Was macht das schon? Drückt tatsächlich einer mal auf's Knöpfchen, macht's gleich Bumm, Bumm, Bumm, und ruckizuck in den Himmel steigt ein graues Wölkchen und die gute alte Steinzeit ist zurück.


Marx singt: Wie Darwin das Gesetz der organischen Natur, so entdeckte ich das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die einfache Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion und so weiter treiben können; dass also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich alles andere entwickelt.


Marx: Wir können tauschen. Sagen wir mein Kaninchen gegen Deine zwei Tintenfische
Kapital: Nein, nein, Dein Kaninchen gegen EINEN Tintenfisch
Marx: Wie lange hast Du denn gebraucht, um Deine Tintenfische zu fangen?
Kapital: Drei Stunden.
Marx: Siehst Du, ich habe genau drei Stunden gebraucht, um dieses Kaninchen zu fangen...


Kapital: Ach Kalle, ich hätte Da noch was für Dich, guck mal, na was sagst Du dazu, ein Eisbärfell.
Marx: Ich könnte Dir dafür diesen selbst geschnitzten Holzlöffel bieten. Und dazu noch einen Kamm aus Knochenbein. Und darauf lege ich noch den Pfeil und Bogen.
Kapital: Siehst Du, sie funktioniert nicht, Deine Tauscherei.
Marx: Und warum?
Kapital: Weil jedes Kind weiß, dass ein Eisbärfell mehr wert ist als das alles zusammen. Wir brauchen Geld.
Marx: Ich will Dir ja die ganze Zeit erklären, wie das Geld in die Zirkulation gekommen ist.
Kapital: Welche Zirkulation denn?
Marx: Die Waren und Geldzirkulation. Der Markt, wenn Du so willst.


Marx: Ich könnte Dir dazu noch dieses wunderschöne rote Seidentuch geben.
Kapital: Ein rotes Tuch? Mal sehen...


Marx: Wir besuchen jetzt einen kapitalistischen Markt.
Kapital: Den besuche ich jeden Tag.
Marx: Pass auf, ich bin jetzt ein kapitalistischer Händler, der verschiedenen Waren zu verkaufen hat, z.B. diese Zigarre, oder diese wunderschöne, goldene Uhr


Marx: Ich hätte auch noch einen Arbeiter hier, der seine Arbeitskraft zu verkaufen hat…
Kapital: Und was kostet der variable Kerl?
Marx: Er ist unverkäuflich. Aber seine Arbeitskraft kostet 60 Euro die Stunde.
Kapital: 60 Euro? Ich zahle ihm 8,84 Euro.


Kapital: Ja, das ist die freie Marktwirtschaft.
Marx: Von wem frei? Hinter deinem Fabriktor herrscht absolute Kommandowirtschaft, reinste Despotie.
Kapital: Das ist Kapitalismus!


Kapital singt: Wir haben unsere Hände in allen Taschen der Welt, was euch in die Hände fällt... Geld, Profit, Dividende…


Marx singt: Ihr habt ihnen doch die Maschinen gebaut, womit sie Millionen verdienen. Dafür habt ihr trockenes Brot gekauft. Sie gehören Euch, die Maschinen. Und Euch gehört das Land überhaupt. Und was sie Euch alles gestohlen, geraubt, die kapitalistischen Haie...


Marx und Kapital singen: Im zweiten Jahr stellt der Mann, unser reiche Mann, mit dieser Million, mit der neuen Million die zweite Fabrik hin. Ein Jahr geht wieder ins Land, in der ersten und zweiten Fabrik da wird weiter fleißig malocht schon für die dritte Million...


Marx singt: Doch wenn ihr entschlossen zusammensteht, dann wird das Obere nach unten gedreht. Dann sind DIE an der Reihe...


Marx singt: ... jeder Kapitalist wird exmittiert. So wird rationalisiert…


Marx singt: ... Dann fliegen die Fetzen. Geh auf die Strassen, Genosse. Dann drehen wir um den Spieß...


Marx singt: ... Heute bist Du's und morgen sind die's. Dann heißt es, meinen Herren: dann bestimmen wir. Mit der Ausbeuterei ist es aus. Und machen Sie, dass Sie rauskommen. Hier raus!


Kapital und Marx singen: Stellt euch mal vor, es gäb auf der Welt zwei Scherenfabriken... Die Arbeiterschaft acht Stunden am Tag in beiden Fabriken. Alle zusammen erwirtschaften sie den Scherenbedarf für alle Menschen auf Erden. Bis eines Tags ein schlauer Kerl macht eine Erfindung. Die gleiche Anzahl von Scheren kann jetzt hergestellt werden in der Hälfte der Zeit in Leichtigkeit. Was passiert? Da stell ich mir vor, dass jetzt alle nur noch vier Stunden...


Marx: Du bist zu einer Fessel Deiner Produktionsweise geworden, die unter Dir aufgeblüht ist. Durch Deine Monopolbildung ist der Konkurrenzdruck weggefallen. Deine Innovationen sind nur noch Scheininnovationen...


Marx: Du plünderst die Erde, Du schaffst gigantische Müllberge, tonnenweise hoch radioaktive Substanzen. Und mit Deinem Niedriglohn ermöglichst Du den Menschen der Dritten Welt nicht das Leben, sondern mal gerade das Überleben und immer häufiger das Sterben.


Kapital: Hab' ich denn gar keine Überlebenschance?
Marx: Ich fürchte, da hilft nur ein Eingriff.
Kapital: Was? Operieren? Nein, ich lass mich nicht operieren. Niemals!
Marx: Deine kapitalistische Hülle muss gesprengt werden.
Kapital: Verschwinde, verpiss Dich!


Marx: Und dafür brauche ich Helfer.
Kapital: Oh, komm mir nicht zu nah. Ich erwürge Dich.
Marx: Und der (Arbeiter) wird mithelfen.
Kapital: Nein, nein, nein!
Marx: Und all die werden sich an der Operation beteiligen...
Kapital: Was, die sollen alle an mir rumfummeln? Wie pervers!
Marx: Du wirst auseinander genommen und ganz neu zusammengesetzt


Kapital: Das ist der Weltuntergang
Marx: Das ist die einzige Rettung für Dich, die Erde und die ganze Menschheit...


Und tatsächlich: unter dem roten Tuch wird das Kapital auseinander genommen und ganz neu zusammengesetzt. Es entsteht ein Mensch – und eine menschliche Gesellschaft


Beifall umbrandet verneigen sich die Schauspieler (Martin Orth, Christa Weber und Raiko Hannemann) vor dem Publikum


Das Publikum dankt dem Theaterteam für dessen Leistung – und für die Erfüllung eines Menschheitstraums (links der Komponist Christof Herzog)


Siehe auch:

GRUSS an die Leserinnen und Zuschauer der Neuen Rheinischen Zeitung
Protestieren gegen Krieg, Mietwucher, gegen das Kapital!
Von Christa Weber und Christof Herzog (Weber-Herzog-Musiktheater)



(Video: arbeiterfotografie.com – aus NRhZ 658 vom 09.05.2018)


Weitere Informationen zum Stück hier – auch Aufführungstermine:

http://www.christa-weber.de/links.html


Plakat zum Theaterstück „Frau Kapital und Dr. Marx“ des Weber-Herzog-Musiktheaters


Und siehe:

Filmclip
Was ist der Mensch?
Klaus Hartmann zum 200. Geburtstag von Karl Marx bei der Konferenz des Deutschen Freidenker-Verbands am 28. April 2018 in Hannover
NRhZ 661 vom 30.05.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24890

Ja, das ist richtig!
Passagen aus dem kommunistischen Manifest und Thesen zu ihrer Bedeutung heute
Von Karl Marx, Friedrich Engels und Arbeiterfotografie
NRhZ 661 vom 30.05.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24893

Im Kampf gegen Zensur und Tabu
Zum Erscheinen der ersten "Neuen Rheinischen Zeitung" vor 170 Jahren – am 1. Juni 1848
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 661 vom 30.05.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24909

Online-Flyer Nr. 661  vom 30.05.2018

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