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Aktueller Online-Flyer vom 15. August 2018  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Wo haben Menschen das Grundrecht auf Wohnen – in dem Land, aus dem sie stammen, oder auch in jedem anderen Land? Was würde fehlen, wenn es den "Antisemitismus" als politisch korrekte Schuld-Zuweisungs-Schublade nicht gäbe? Wie ist ein Autor zu beurteilen, der sagt: "Das russische Veto lähmt die Uno. Nur der entschlossene Druck der Weltöffentlichkeit kann den Verbrechern in Syrien, darunter Putin und Lawrow, das Handwerk legen." Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Grundrecht auf Wohnen ist generell ein Recht der Bürger gegenüber IHREM Staat!

Selbstverständlich sind Arme nicht rechtlos. Doch ob arm, oder nicht arm: Wer für sich das Recht einfordert, muss es auch selbst respektieren. Letzteres tut jedoch nicht, wer in ein anderes Land geht, dort das Recht in Form der Besitzverhältnisse und Bauvorschriften für irrelevant erklärt und eben mal ein illegales "Camp" errichtet. Zumal dann, wenn er in seinem Heimatland - und das dürfte für die allermeisten der hier in Frage stehenden Rumänen zutreffen - durchaus eine, sei es auch vielfach bescheidene, Wohnunterkunft hat. Insofern ist die Behauptung besonders sinnwidrig, den Rumänen sei nun durch die Räumung des rechtswidrigen "Camps" das Grundrecht auf Wohnen verwehrt worden.

Nein, das Grundrecht auf Wohnen ist generell ein Recht der Bürger gegenüber IHREM Staat. Dieser muss dafür sorgen, dass entsprechend den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes jeder Bürger, der sich einigermaßen sozialverträglich verhält, eine hinsichtlich Größe, Ausstattung und vor allem Kosten zumutbare Wohnmöglichkeit hat (keineswegs aber muss überall da in der Welt, wo jemand länger bleiben will, auch der dortige Staat für dessen Wohnmöglichkeit sorgen!).

Dieses wirkliche Grundrecht auf Wohnen wird nun im reichen Deutschland millionenfach vor allem in Ballungszentren verletzt. Die Opfer dieser Grundrechtsverletzung sind allerdings weniger das Klientel der Sozialarbeiter und Straßenmagazinen, sondern größtenteils ziemlich normale Leute. Und so wird die den Normalbürgern auferlegte Wohnungsnot im Gespräch zwar missbilligend erwähnt, aber Empathie, eine Empörung gar, ist da nicht zu merken. Schließlich handelt es sich da nur um Mehrheitsbevölkerung.

Und sich einsetzen, so hat man als gutmenschlich zugerichtete Linke mittlerweile tief verinnerlicht, muss man sich ja immer für die Minderheit. Also verkämpft man sich lieber für das nicht existierende Recht rumänischer Roma (Ausländer UND Roma, also doppelte Minderheit, doppelt unterstützungswürdig!) auf Errichtung und Beibehaltung illegaler "Camps", als dass man sich für das Millionen von Menschen vorenthaltene tatsächliche Grundrecht auf Wohnen wirklich mit Energie einsetzt.

Leserbrief zum Artikel "Nur weil jemand arm ist, ist er nicht rechtlos", Gespräch von Markus Bernhardt mit Julia von Lindern, junge Welt vom 31.3.2018, Seite 8


"Antisemitismus" als politisch korrekte Schuld-Zuweisungs-Schublade


Antisemitismus - wieder einmal wird das Wort als Kampfbegriff speziell gegen Palästinenser-Freunde, aber tendenziell auch gegen alle, die den Herrschenden nicht in den Kram passen, missbraucht. Diesmal seitens der extrem-zionistisch ausgerichteten CRIF. Insoweit im Westen nichts Neues - Zeit der Verleumder eben. Die Frage aber ist, warum Melenchon - wie übrigens auch Marine LePen - sich den Verleumdern derart anbiederte und aufdrängte, dass er trotz expliziter Ausladung unbedingt mit diesen an dem von ihnen organisierten Marsch teilzunehmen versuchte?

Das Naheliegende wäre doch gewesen, eine eigene Protest- und Trauer-Kundgebung anlässlich des Mordes an der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll zu organisieren. So aber hat er just den CRIF-Verleumdern gewissermaßen eine privilegierte 'Zuständigkeit' (und damit auch eine entsprechende Deutungshoheit) bei antisemitisch motivierten Verbrechen in Frankreich zugesprochen.

Die andere Frage ist jedoch, ob aus der besonderen Tragik der Ermordung einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden tatsächlich auch auf Antisemitismus als entscheidendes Motiv der Mörder geschlossen werden muss. Das wird generell bejaht, obwohl die bislang dazu verlautbarten Fakten eher dünn sind. Das mag sich in der nächsten Zeit ändern und die Behauptung als richtig herausstellen. Oder auch nicht.

Sicher ist jedenfalls, dass mit der Tat-Erklärung "Antisemitismus" eine politisch korrekte Schuld-Zuweisungs-Schublade sich auftut, die fehlen würde, wenn man hier einzig ein aus Habgier von muslimischen Nachbarn begangenes Verbrechen, sprich einzig eine Tat mit Migrationshintergrund, konstatieren müsste. Denn die andere, üblicherweise zur Externalisierung des Bösen - weg vom Täter, hin zu einer auf diesen ausgeübten Einflussnahme von außen - benutzte Schublade "Islamismus" oder gar "IS" stünde dann ja ebenfalls nicht zur Verfügung.

Leserbrief zum Artikel "Das Herz verschlossen" von Hansgeorg Hermann, junge Welt vom 31.3.2018, Seite 6


In der Praxis längst NATO-Handlanger

"Das russische Veto lähmt die Uno. Nur der entschlossene Druck der Weltöffentlichkeit kann den Verbrechern in Syrien, darunter Putin und Lawrow, das Handwerk legen." So das Resümee des in der WORK-Zeitung vom 29.3.2018 veröffentlichten Textes "Lavrovs Pech" des Autors Jean Ziegler. Doch nicht erst seit gestern betätigt sich der einstens über jeden Verdacht erhabene Banken- und Schweiz-Kritiker als handfester Kriegshetzer für die Imperialisten; schon vor zwanzig Jahren zog er in ihrem Sinne gegen Milosevic los. Ziegler, ein ziemlich übler Fall also.

Nicht jedoch für den anonym bleibenden TV-Vorschlag-Macher der jungen Welt. Für ihn ist Ziegler vielmehr "ein schwieriger , also ein interessanter Fall". Solcherart kann man fortgesetzte politische Falschmünzerei - in der Theorie weiterhin Anti-Kapitalist, in der Praxis längst NATO-Handlanger - natürlich auch beschönigen.

Und anstatt Ziegler mit zwei, drei nüchternen Sätzen von dem Sockel zu holen, auf dem nicht wenige Wohlmeinende, aber unzureichend Informierte ihn immer noch stehen sehen, überhöht der jW-Anonymus den Falschmünzer auch noch: "Wir sind gespannt", so verkündet er im Pluralis Majestatis voller Erwartung. Und zwar darauf, beim Anschauen des vom Propagandasender ARTE gezeigten Films "Jean Ziegler - Der Optimismus des Willens" dann mit dem Titel-Helden dahin gehen zu dürfen, "wohin dieser sonst nur alleine geht". Und damit sind nun nicht profane Orte gemeint, sondern gewissermaßen die geistigen Sphären von Zieglers ach so bedeutsamen "Zweifeln und Widersprüchen".

Leserbrief zum Medien-Vorschlag "Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens", junge Welt, 3.4.2018, Seite 14

Text in junge Welt: "Jean Ziegler ist ein schwieriger Fall. Also ein interessanter. Er kommt in Thun zur Welt, einer Kleinstadt in der Deutschschweiz. Nach Abschluss der Schule führt ihn sein Wissensdrang nach Paris. Er verkehrt mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Mit einem Doktortitel in Rechtswissenschaften und Soziologie wird Ziegler von den Vereinten Nationen engagiert. Er reist in den Kongo, der unter der Führung von Patrice Lumumba gerade seine Unabhängigkeit errungen hat. Dort wird Ziegler Zeuge der extremen Grausamkeit der von Mobutu angeführten und von den USA unterstützen Konterrevolution. Der Filmemacher Nicolas Wadimoff, ein ehemaliger Student Zieglers, nähert sich dem Schweizer Soziologen und Weltbestsellerautor mit kritischer Empathie. Er geht mit ihm dahin, wohin dieser sonst nur alleine geht: zu seinen Zweifeln und Widersprüchen. Wir sind gespannt. Arte, 22.25 Uhr"

Bis auf den Beginn "Jean Ziegler ist ein schwieriger Fall, also ein interessanter" und den letzten Satz "Wir sind gespannt" ist der Text der arte-Filmbeschreibung entnommen. Was in der jungen Welt fehlt, ist das Wort "umstritten". Bei arte heißt es: "Der Filmemacher... nähert sich dem umstrittenen Schweizer Soziologen und Weltbestsellerautor mit kritischer Empathie." Und noch etwas ist weggelassen: Zieglers kippendes Verhältnis zu Kuba. Bei arte heißt es: "1964 begegnet er bei einer Konferenz in Genf Che Guevara. Begeistert will er mit dem Revolutionär nach Kuba aufbrechen. Doch Guevara möchte, dass Ziegler in der Schweiz und Europa bleibt, um gegen 'den Kopf des kapitalistischen Monsters' zu kämpfen. Seither kennt Ziegler... keine Ruhe, um in Büchern und Vorträgen die Ungerechtigkeiten zu geißeln, die Macht der kapitalistischen Oligarchien und deren Verantwortung für den Hunger in der Welt. Sein Engagement ist ungebrochen. Doch als er, begleitet von seiner Frau Erica, schließlich selbst nach Kuba reist, begegnet er einer Insel im Wandel und sieht plötzlich seine revolutionären Ideen infrage gestellt."


Online-Flyer Nr. 653  vom 04.04.2018

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Von Kostas Koufogiorgos
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