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Aktueller Online-Flyer vom 16. Oktober 2018  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Ist Fernseh-Dokumentation "Nidals Liste - Gotteskrieger in Europa" ein provokativer Testballon? Ist die Ankündigung der YPG, Kriegsverbrechen an Zivilisten begehen zu wollen, ein Erschrecken wert? Wie ist es erklärbar, dass ein kluger Kopf, die von den Herrschenden verabreichte Definition von "rechts" übernimmt? Wie lässt sich die Propaganda-Sprache des Mainstreams am unauffälligsten übernehmen? Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Provokativer Testballon

in der Doku "Nidals Liste - Gotteskrieger in Europa", zu sehen am 21.3.2018, 22:00h, im BR-Fernsehen, werden die Umtriebe eines "Deutsch-Syrers" namens Nidal geschildert und gelobt, der in Syrien "für seine Heimat und gegen das Regime" (O-Ton Doku) als FSA-Kommandeur kämpft. Anzunehmen ist, dass dieser Nidal auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, aber das wäre möglichst bald abzuklären. In Deutschland und Westeuropa führt FSA-Kommandeuer Nidal laut Doku nun noch eine spezielle Zusatz-Aufgabe durch, und zwar die, unter den syrischen 'Flüchtlingen' Sympathisanten des IS, aber auch von Al Nusra, etc. aufzuspüren, insbesondere auch solche, die - und davon gibt es offenbar viele - von seiner FSA dorthin, zur Konkurrenz quasi, gewechselt hatten.

Dies führt dann zu der besagten "Liste" Nidals, die er laut Doku den deutschen Behörden nahe zu bringen versucht, angeblich um damit Anschlägen wie etwa auf dem Berliner Weihnachtsmarkt entgegen zu wirken, und auch um begangene "Menschenrechtsverletzungen" der IS- oder Al-Nusra-Sympathisanten einer Strafe zuzuführen bzw. dieser näher zu bringen. Es dürfte aber vor allem wohl darum gehen , die FSA hierzulande als 'Kämpfer gegen den Terror' zu inszenieren, und die vermutlich bereits unter der Hand laufende Zusammenarbeit mit ihr offiziell zu machen und auszubauen.

Und weiterhin will Nidal vermutlich seinen FSA-Killern auch klar machen, dass ein unerlaubter Wechsel zur Konkurrenz dann in der - dem aktiven Terror-Dienst in Syrien irgendwann nachfolgende - Ruhestands- bzw. Versorgungsphase in Deutschland Probleme machen kann. Als Finanziers von Nidals einschlägiger Recherche- und Reise-Tätigkeit in halb Westeuropa werden in der Doku, nicht gerade glaubhaft, "Freunde und Sponsoren" genannt, wobei als einziges konkretes Beispiel der Landrover- und Jaguar-Autohändler Michael Gänzle aus Asperg bei Ludwigsburg gezeigt wird. Mir scheint, die Ausstrahlung dieser Doku ist ein provokativer Testballon, und ein vertieftes Aufklären und Aufgreifen dieser Sache ist dringend und auf jeden Fall sinnvoll und geboten.

Kommentar vom 22.03.2018 zur Ausstrahlung der Fernseh-Dokumentation "Nidals Liste - Gotteskrieger in Europa" am 21.03.2018 im BR-Fernsehen


YPG: Kriegsverbrechen an Zivilisten begehen


junge Welt, 23.3.2018, Seite 8 (Ausschnitt)

Der als Pressesprecher der "Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK), die sich aus kurdisch dominierten Kampfeinheiten zusammensetzen" vorgestellte YPG-Mann Mustafa Bali führt im Gespräch dann aus, wie er sich den Guerillakrieg gegen die in den Norden des syrischen Gouvernments Aleppo eingedrungenen türkischen Besatzer konkret vorstellt. Zitat: "Alle Familien von Kämpfern, die jetzt in der Gegend angesiedelt werden, um die Afriner Bevölkerung zu ersetzen, sind für uns legitime militärische Ziele". Denn diese würden an einem "Genozid" teilnehmen. Wohlgemerkt, YPG-Mann Bali redet nicht nur von den FSA-Terroristen oder den türkischen Soldaten selbst, die möglicherweise dort angesiedelt werden, sondern gleichermaßen von deren Familienangehörigen, von deren Frauen und Kindern. Die YPG erklärt also ganz offen ihre Absicht, unter bestimmten Voraussetzungen Kriegsverbrechen an Zivilisten zu begehen. Diese Absicht mag nun überzeugte YPG-Anhänger nicht besonders stören, und auch Gesprächspartner Schamberger hält da nicht etwa erschrocken inne und hakt nach, nein, munter macht er mit der nächsten Frage weiter.

Allerdings muss doch auch der jungen Welt bei etwas Nachdenken jetzt irgendwie dämmern, dass dieses Gespräch bzw. diese offenherzige Äußerung des Herrn Bali die YPG nicht gerade in bestem Licht dastehen lässt. Welche Erklärung hat sie also anzubieten? Dass die YPG-Führung sich von diesem schrecklichen Missgriff Balis in aller Form distanziere und dieser umgehend seiner Funktion als Pressesprecher der "SDK" enthoben worden sei? Oder aber dass aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände die Übersetzung leider völlig verkehrt ausgefallen sei? Oder war es eben doch mal wieder die Praktikantin bzw. Aushilfskraft, die den handschriftlichen Text nicht richtig hat lesen können, und deshalb genau das Falsche in den PC eingegebenen hat? Mal sehen.

Leserbrief zum Artikel "Eine unserer Methoden wird der Guerillakrieg sein", Gespräch von Karem Schamberger mit Mustafa Bali, junge Welt vom 23.3.2018, Seite 8 (Titel in der Online-Version - grammatikalisch fehlerhaft - abgewandelt: "Ein Methode wird der Guerillakrieg sein")


Von den Herrschenden verabreichte Definition von "rechts" übernehmen

Als "eine Art Zentralorgan von allem, was rechts in der BRD ist", d.h. von allem, was kapitalistische Herrschaft, imperialistische Kriege und Antikommunismus propagiert, bezeichnet der sonst kluge Arnold Schölzel keineswegs die seit Jahrzehnten dafür einschlägige, von vormaligen Nazis begründete FAZ mit einer verkauften Auflage von einer Viertelmillion. Auch der gleichermaßen einschlägigen ZEIT, die ihre verkaufte Auflage auf sogar eine halbe Million steigern konnte, verleiht er seine Negativ-Auszeichnung nicht, ebenso wenig der BILD oder der "Bild am Montag". Nein, der so erklärte publizistische Hauptfeind ist für Arnold Schölzel die JUNGE FREIHEIT, ein Blatt ähnlich klein wie seine "junge Welt". Für einen solche Feind-Bestimmung muss man zunächst die eigene gewohnte Froschperspektive verabsolutieren. Vor allem aber muss man die von den Herrschenden verabreichte Definition von "rechts" übernehmen: Dieser zufolge ist "rechts", wer Migrationismus und Multikulturalismus ablehnt oder auch nur beschränken will. Eigentumsfrage und Friedensfrage hingegen - sekundär, wenn nicht ganz unwichtig.

Damit sind dann die Herrschenden mit ihrer im Prinzip migrations- und multikulti-freundlichen majoritätsrechten CDU/SPD/FDP/GRÜNE fein aus dem Schneider. Von der Linken, eigentlich ihr Erzfeind, werden sie nun faktisch in Ruhe gelassen, denn die Linke konzentriert sich voll gegen das vereinseitigt wahrgenommene "rechts" oder, wie Arnold Schölzel den Popanz verbal noch mehr aufbläst, gegen "die neuen deutschen Faschisten", gegen "die Edelnazis". Was zu den verrücktesten Konstellationen führt: Nicht nur, dass diese Linke gegen die majoritätsrechte Regierung Merkel nicht selbst protestiert - nein, sie macht sich geradezu zu deren Büttel, wenn sie gegen die von der konkurrierenden Minoritätsrechten vorgebrachten Anti-Merkel-Proteste mit Gegenprotesten zu unterbinden versucht. Und alles im Namen des "Antifaschismus". Tatsächlich unterscheidet sich dieser irrlichternde Antifaschismus vom Lügen-Antifaschismus eines Joseph Fischer nur graduell. Dessen vorgebliches "Auschwitz verhindern!", ein kaltschnäuziger Missbrauch millionenfachen Leidens, ist seit langem zentrales Motto des deutschen Imperialismus im Umgang mit seinem größten Schandfleck, nicht mehr das zu Strauß' Zeiten dominierende, heute nur noch von der Minoritätsrechten vertretene zynische "Tieferhängen!".

Ist es aber nicht merkwürdig, dass just diese von Arnold Schölzel so genannten neuen deutschen Faschisten dem strategischen Ziel des deutschen Imperialismus, seinem im Sinne Kinkels zäh und geduldig verfolgten dritten Griff nach der Weltmacht per Deutsch-Europa, nun eher zurückhaltend gegenüber stehen? Dass sie in ihrer jüngsten "Erklärung 2018" Deutschlands Grenzen lediglich vor illegaler Einwanderung sichern, und nicht, wie es sich für anständige Faschisten doch gehören würde, vor allem auch kräftig, am besten um ein Vielfaches, nach außen verschieben wollen? Dass sie immer nur ihr mickriges Achtzig-Millionen-Deutschland sehen wollen – und nicht das in ersten Konturen sich schon abzeichnende mögliche 500-Millionen-Reich?

Leserbrief zum Artikel "Handlungsbereit - Neonazis und die höheren Stände", von Arnold Schölzel, junge Welt vom 23.3.2018, Seite 8


Jetzt auch in der jungen Welt: Kim Jong-Un als "der nordkoreanische Machthaber"


Beilage "jW-Shop" vom 23.3.2018, Seite 2 (Ausschnitt)

Die Anpassung der jungen Welt an die Propaganda-Sprache des Mainstream, die sprachlichen Tabubrüche, beginnt man am einfachsten vom Rand her: und so ist es jetzt nicht ein redaktioneller Text, sondern die Werbe-Beilage "jW-Shop" vom 23.3.2018, die in ihrer - sei es selbstverfassten, sei es vom Verlag edition berolina übernommenen - Beschreibung des dort zur Bestellung angebotenen Buchs "Brennpunkt Nordkorea" den Staatschef der KDVR, Kim Jong-Un, als "der nordkoreanische Machthaber" diffamiert.

Leserbrief zur Verwendung der Formulierung "nordkoreanische Machthaber" in "junge Welt" vom 23.3.2018

Online-Flyer Nr. 652  vom 28.03.2018

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