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Aktueller Online-Flyer vom 15. August 2018  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
So wird Antisemitismus weltweit gefördert
Von Evelyn Hecht-Galinski

Als ich in meinem riesigen Arsenal von Artikeln und Bildern über menschenrechtsverletzende Misshandlungen und demütigenden israelischen Verbrechen gegen palästinensische Zivilisten blätterte, fiel mir genau dieses Bild ins Auge – das als Symbol der Entmenschlichung um die ganze Welt gehen sollte. (1) Beim Betrachten dieses Foto aus dem Jahr 2016, aufgenommen im illegal besetzten Hebron, fragt man sich nur, was in solchen Soldaten vorgeht. Die für ihre besonders berüchtigten Grausamkeiten bekannten Nehal- und Golani-Brigaden sind für mich das Beispiel einer enthemmten und ungebremsten Mordlust, die nichts anderes kennt, als Grausamkeiten. Sie weiden sich geradezu am Elend und an der Hilflosigkeit ihrer Opfer, den besetzten Palästinensern. Hunderte von Bildern dieser Art existieren, aber in Deutschlands „Leitmedien“ kommen sie so gut wie nicht vor. Schließlich wollen sie uns gemeinsam mit der Politik in eine bestimmte Richtung leiten und das schon seit Jahrzehnten. So wird auch nicht offen darüber berichtet, dass seit Beginn der illegalen Besatzung Palästinas 1967 gerade die IDF Palästinenser als menschliche Schutzschilde benutzt, um ihre riskanten Aktionen so sicher als möglich für die IDF-Soldaten zu machen. (2)

Grausamkeiten der IDF tragen zu Antisemitismus bei

All die gezeigten Grausamkeiten der "moralischsten" aller Verteidigungsarmeen tragen zu einem wachsenden Antisemitismus bei. Denn jeder mitfühlender Mensch fragt sich doch beim Anblick solcher Fotos, wie kann ein Staat, der sich als Folge des Holocaust gründete und diesen ständig instrumentalisiert, der sich selbst als "einzige" Demokratie im Nahen Osten bezeichnet und als "Licht unter den Völkern" sieht, so eine dunkle Besatzungspolitik betreiben? Wie viele unschuldige Palästinenser, auch Frauen, Kinder und Alte mussten auf diese Weise sterben. Seit 2002 gehört diese Taktik zur offiziellen Militärpolitik. Was gibt es doch "schöneres" für den Besatzungssoldaten, als einen hilflosen, angsterfüllten Palästinenser zu erniedrigen?

Alles ist nur möglich, weil die deutsche und die US-Politik so konsequent zu diesem "Jüdischen Staat" halten und diese Besatzungsverbrechen mit Waffenlieferungen und Solidaritätsadressen unterstützen.

Die totalitäre Natur des Zionismus, die allein auf der Judaisierung als Staatsräson aufgebaut ist, wird in Deutschland von Politikern aller Parteien unterstützt. Wie kann man das „Existenzrecht“ eines Besatzerstaates verteidigen, mit einer erfundenen Phrase von Hasbara-Ideologen, die ständig damit beschäftigt sind, neue blumige Begriffe und Metaphern für ihre illegalen Besatzungsverbrechen zu erfinden. Dieser Besatzerstaat hat bis heute keine Verfassung und auch seine Grenzen nicht definiert, und er vergrößert sich ständig mit dem Raub palästinensischen Landes.

Alle wissen um dieses Völkerrechtsverbrechen und alle lassen diesen "Jüdischen Staat" gewähren. Wie kann es eigentlich noch Menschen geben, die diesem Besatzungsstaat Sympathie entgegenbringen? Da bleiben eigentlich nur noch Menschen, die entweder Philosemiten oder Muslimhasser sind.

Tatsächlich haben wir es momentan mit dem Phänomen zu tun, dass der Antisemitismus dank der Israel-Lobby zu einem Hauptproblem in Deutschland und weltweit propagandistisch in die Schlagzeilen gehievt wird. Die traurige Wirklichkeit ist aber eine andere: Während in Deutschland die Anzahl der Brandanschläge auf Moscheen und Flüchtlingsheime steigt, ist der Antisemitismus auf dem Rückzug.

Täglich wird über die Einsetzung von Antisemitismusbeauftragen regional und überregional in Parlamenten und dem Bundestag diskutiert, während der noch nicht amtierende "Heimat-Innenminister" Seehofer schon seinen mehr als fragwürdigen "Masterplan" vorlegt und von Abschiebungen träumt, nämlich offensiv gegen muslimische Straftäter und "Gefährder" vorzugehen. Da ist doch die Frage zu stellen, was sind wirkliche Straftäter, was sind "Gefährder“? Wie und wer soll das entscheiden? Wird es der "Stahlhelmjude" Wolffsohn, seit jeher der CSU verbunden, schließlich wurde er schon einmal als bayerischer Kulturminister vorgeschlagen, oder vielleicht "IM Victoria", Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung als "Gefährder Schnüfflerin" oder vielleicht sogar H.M. Broder als Antisemitismus-Inquisitor? Oder doch noch Volker Beck, dieser "philosemitische Antisemit", der ja dringend einen neuen Posten braucht, aber wie es scheint (gottlob!!!) ist er als Antisemitismusbeauftragter aus dem Rennen.

Während sich die Zeiten für Muslime in Deutschland immer mehr verdüstern, können die Israel-Freunde frohlocken. In Zeiten, wo der Präsident des Zentralrats der Juden Vorurteile gegen muslimische Migranten schürt, indem er ständig darauf pocht, dass diese KZ-Besuche als Pflichtbesuch (!) absolvieren werden sollten, die deutsche Geschichte verinnerlichen und das Existenzrecht des "Jüdischen Staates" anerkennen sollen, um nicht als "Antisemiten" abgeschoben zu werden. Dass dieser Präsident und politischer Funktionär diese Abschiebung als" probates Mittel" mit einem "Abschreckungseffekt“ unterstützt, ekelt mich an.

Mit "Antisemitismus" von Verbrechen im jüdischen Besatzungsland ablenken

Ganz klar, der "Jüdische Staat" und seine Unterstützer versuchen alles, um mit "Antisemitismus" von den Verbrechen im jüdischen Besatzungsland abzulenken. Aber die Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht vertuschen, auch wenn die Zionisten nichts mehr fürchten als diese.

Während Synagogen, jüdische Einrichtungen und Funktionäre bewacht werden, mangelt es an Schutz bei Moscheen und Flüchtlingsheimen. Da ist ein sofortiges Handeln gefragt, bevor die Lage noch schlimmer wird. Die Früchte des Islamhasses und der ständigen Hetze trägt ihre traurigen Blüten. 80 Jahre nach der sog. "Kristallnacht" brennen heute nach den Synagogen, Moscheen. Ja, ich sage es provokant: die Muslime von heute sind die Juden von damals. Glücklicherweise sind wir noch nicht bei den Zuständen wie in Nazi-Deutschland, aber es gibt schon wieder braune Stimmen und Populisten, die genau dieselben Hetz-Parolen gegen muslimische Bürger gebrauchen. Wie schnell sich Stimmungen erzeugen lassen, können wir in Medien und bei Politikern aller Parteien erleben, die sich ständig gegen die Türkei, den Iran und Russland wenden, aber die Verbrechen von Saudi Arabien, Ägypten oder dem "Jüdischen Staat" unter den philosemitischen Tisch kehren.

Nachdem die SPD den momentan einzigen beim Wählervolk beliebten SPD-Politiker als Außenminister abserviert hat (ob wohl die israelischen Freunde die Hände im Spiel hatten?) wird nun Heiko Maas sein Nachfolger. Das ist der Mann, der eine mehr als fragwürdige Konferenz mit der israelischen Kollegin Ayaled Shaked abhielt, einer Frau die den Hass auf Palästinenser verinnerlicht hat und diese mit Schlangen verglich. Mit einer Schauspielerin (Natalia Wörner) hat Maas eine Lebensabschnittpartnerin an seiner Seite, die sogar schon eine Rolle als Diplomatin spielte und dazu beim damaligen Außenminister Steinmeier ein -und ausging und mitreisen durfte. Sind das keine guten Aussichten für Palästina?

An Bösartigkeit kaum zu überbieten

Der "Stahlhelmjude" Wolffsohn hat in diesem Zusammenhang noch eins drauf gelegt und einen Außenminister Gabriel Hetzartikel nachgelegt, der seines gleichen sucht. Man spürt förmlich den Hass der Israel-Lobby und ihrer Vertreter und wie sie sich freuen, dass sie Gabriel los sind. Gabriel bezeichnete den "Jüdischen Staat" zu Recht als "Apartheidstaat". Und dass die "Araber" in Israel volle Bürgerrechte genießen, ist eine glatte Unwahrheit! Die Existenz vom "Jüdischen Staat" wird durch sein Verhalten selbst in Frage gestellt! Im Gegensatz zu Wolffsohn hat Gabriel eine pragmatische und zu unterstützende Position zum Iran und zur Türkei gepflegt, auch mit Russland versuchte er alles, um eine Normalisierung des Verhältnisses zu erlangen. Wenn Wolffsohn Gabriel als "Poster-Boy" der Hamas bezeichnet, wie soll man ihn dann bezeichnen? Als Aushängeschild des israelischen Kriegsministeriums? Die Unterstellung, dass sich Gabriel einen gut dotierten Beratervertrag mit den Mullahs oder Präsident Erdogan verdient hat, ist an Bösartigkeit kaum zu überbieten, gerade von einem Mann wie diesem glühenden Israel-Versteher Wolffsohn, der seine Diffamierungsartikel sicher nicht ohne Honorar schreibt! Gut dass dieser mehr als umstrittene Bundeswehr-Hochschulprofessor, emeritiert ist und keine Studenten mehr vergiften kann! (3)

So hat der scheidende Gabriel noch eine Duftnote hinterlassen, nämlich Deutschlands Unterstützung für das Palästina-Hilfswerk UNRWA gesichert. So wurde Maas vor vollendete Tatsachen gestellt, die 80 Millionen der Bundesregierung des Jahres 2017 fortzusetzen.

Schließlich ist es auch als deutsche Verpflichtung anzusehen, dass den Vertriebenen der Nakba und deren Nachfahren die finanzielle Hilfe gewährt wird, die ihnen immer noch durch die Nicht-Umsetzung der UN-Resolution 194 verweigert wird, nämlich das legale Rückkehrrecht in ihre Heimat Palästina.

Allerdings ist dem Leiter der Hilfsorganisation Wadi zuzustimmen, dass diese Art der Flüchtlingshilfe mitverantwortlich ist für das Leid der Palästinenser. Anstatt endlich den "Jüdischen Staat" zu zwingen, auch und gerade mit Sanktionen und Beendigung der Hilfen, das "Existenzrecht" der palästinensischen Flüchtlinge und Vertriebenen anzuerkennen und das Recht auf Rückkehr nach Palästina zu erzwingen, fördert man so noch das triste und rechtlose Dasein der palästinensischen Flüchtlinge in Flüchtlingslagern. Dadurch hat der "Jüdische Staat" das Problem "von der Backe" und überlässt das Schicksal der Palästinenser als Flüchtlinge auf Lebenszeit der heuchlerischen Staatengemeinschaft!

Solange die "moralischste" aller Verteidigungsarmeen aber ungestraft weiter Palästinenser unterdrücken, foltern, misshandeln und morden kann, und über die Besetzten in schier unglaublicher Brutalität herrschen kann, in einem Land dass die jüdischen Israelis in Unmoralität versinken lässt, vereint im Hass auf Palästinenser und in der blinden Unterstützung dieser mörderischen Soldaten, solange wird es keinen Frieden in Palästina geben.

Meister im Vertuschen und Betrügen

Außergerichtliche Hinrichtungen, erzwungene Geständnisse, Erpressungen sind trauriger Alltag, dazu die ewige Blockade des Konzentrationslagers Gaza, des demnächst gewollt unbewohnbar gemachten Elendsstreifen unter ewiger Kontrolle, mit einer erschreckend hohen Selbstmordrate, einmalig in der Welt. Sie sind Meister im Vertuschen und Betrügen, wenn es darum geht, die Beweislage, die die Armee belasten könnte, umzukehren.

Während Palästinenser generell die Täter und Terroristen sind, wenn sie sich der illegalen Besatzung widersetzen, sind die "moralischsten" aller Soldaten immer hilfsbereite Opfer, die nichts tun außer sich zu "selbstverteidigen" gegen die „Terroristen“!

Das Mitgefühl der Bewohner des "Jüdischen Staates" und seiner Unterstützer reicht immer nur für eigene Belange. Während die palästinensischen Bürger isoliert und ghettoisiert werden im "Jüdischen Apartheidstaat" und wie Gefangene in den besetzten Gebieten gehalten werden, kann sich keine Empathie entwickeln und das ist auch nicht gewollt von der Hasbara.

Zweifelsohne fördert die Politik des "Jüdischen Staates" Antisemitismus, denn solange Grundrechte und Werte entwürdigt werden, und die tiefe Verachtung der jüdischen Bürger gegen die Palästinenser anhält und sich in Besatzungsverbrechen entlädt, solange sollte sich jeder deutsche Bürger, aber besonders die der jüdischen Religion, einmal fragen, wie viel er selbst eigentlich zum angeblich immer stärker werdenden Antisemitismus beiträgt. Jüdische Bürger dürfen sich nicht wundern, wenn sie an Sympathien einbüßen, weil sie, anstatt sich von den Besatzungsverbrechen zu distanzieren immer wieder für den "Jüdischen Staat" die "Davidstern-Flagge" hochhalten und Solidarität üben.

Seit Beginn dieses Jahres wurden beinahe täglich unschuldige Palästinenser, auch Jugendliche, von IDF-Soldaten ermordet, alles wird vertuscht. Warum setzen sich in Deutschland nicht auch jüdische Frauen für die Freilassung von Ahed Tamimi ein, wie es US-Frauen in New York am Internationalen Frauentag getan haben? (4)

Wie Deutschland in philosemitischem Antisemitismus versinkt

Solange es weiter ein Tabuthema ist, Menschenrechtsverletzungen im "Jüdischen Staat" anzuprangern und ganz klar auszusprechen, dass dieser Staat keine deutsche Unterstützung mehr erhalten sollte und inzwischen unisono Israel-Kritik, Antizionismus und BDS Unterstützung gleichgesetzt wird, um sie so zu verhindern, und solange jüdische Israel-Kritiker Auftrittsverbote erhalten, versinkt Deutschland tatsächlich in staatlich gelenkten philosemitischen Antisemitismus.

Auch das traurige, aber sehr faktenreiche Interview aus dem Jahr 2016 mit Ilan Pappe lässt keinen Zweifel daran, dass Israel alles will, nur keinen Frieden. Weder eine Ein- noch eine Zweistaatenlösung ist eine Option für die kolonialistischen Besatzer, wobei Ilan Pappe, den ich seit vielen Jahren kenne und schätze und dessen Meinung ich voll unterstütze, dass nur ein demokratischer Staat für alle seine Bürger zu favorisieren ist, auch wenn dieser mehr als fern ist, und heute, zwei Jahre später, mehr denn je. (5)

Mit Fotos wie diesem Titelbild (1), eines von tausenden, sollte die Welt überflutet werden, damit die Weltgemeinschaft sieht, was den weltweiten Antisemitismus wirklich befördert!


Fussnoten:

1 http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/israel-palestine-soldiers-beat-man-west-bank-hebron-photos-a7322111.html
2 https://www.btselem.org/human_shields
3 http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastbeitrag-professor-tacheles-gabriel-als-posterboy-der-hamas/21059532-2.html
4 https://desertpeace.wordpress.com/2018/03/11/womens-day-in-new-york-highlights-palestinian-freedom/
5 https://de.qantara.de/inhalt/interview-mit-dem-israelischen-historiker-ilan-pappe-weder-ein-noch-zwei-staaten-loesung

Online-Flyer Nr. 651  vom 14.03.2018

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