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Aktueller Online-Flyer vom 19. September 2018  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Der Mythos von der Bedrohung des "Jüdischen Staates" auf Lügen gebaut
Von Evelyn Hecht-Galinski

Eine Drohne kam geflogen, ein Davidsternbomber fiel vom Himmel, und schon ist die Hölle los, die uns alle an den Rand des Abgrunds führen kann. Hat es jemals solch eine Aufregung gegeben, wenn "Davidstern-Drohnen" über souveräne Staaten, beispielsweise tagtäglich (!) über dem Libanon kreisen oder die Menschen im Konzentrationslager Gaza in Angst und Schrecken versetzen? Mitnichten! Warum auch, schließlich fliegen "jüdische Drohnen" und Bomber nur zur Friedenserhaltung. Nun haben sich doch tatsächlich Assad-Truppen erlaubt, eine Aufklärungsdrohne von Palmyra aus zu starten, die es „gewagt“ hat, das "Hoheitsgebiet" von König Bibi zu überqueren. Sofort verdächtigte das israelische Regime iranischen Terror hinter dieser Drohne. Als daraufhin ein Davidsternjet auf "friedlicher Mission“ abgeschossen wurde, fiel er vom Himmel, allerdings auf illegal besetztes Gebiet, nämlich den syrischen Golan.

Während die deutschen Medien sich überboten im Verständnis für das bedrohte kleine Israel, fliegen schon seit längerem Davidstern-Bomber der "jüdischen Verteidigungsarmee" mehr als hundert Angriffe gegen souveräne Nachbarstaaten, ganz unbeanstandet von den Besatzer-Verstehern. So wird dieser Staat ohne Verfassung und ohne definierte Grenzen, und immer auf Aggressionen und Raubzug aus, weiter einseitig von der westlichen "Werteallianz" unterstützt.

Die geschäftsführende Bundesregierung, das Auswärtige Amt (will Gabriel sich anschmeicheln?) die wahrlich andere Sorgen haben sollten, mischen sich schon wieder einseitig ein und kritisieren Irans angebliche "aggressive" Haltung, während sie dem Netanjahu-Besatzer-Regime das Recht auf „Selbstverteidigung“ zugesteht. (1)

Genau das wirft die Frage auf, wieso diese noch-Bundesregierung die Lieferung von drei U-Booten in den nächsten 10 Jahren zum großen Teil auf deutsche Steuerzahler-Kosten von immerhin 540 Millionen Euro in guter alter Regierungstradition noch schnell genehmigte – Korruptionsvorwürfe gegen Netanjahu hin oder her. (2)

Jüdisches Staatsterror-Regime will Iran ausschalten

Das Jüdische Staatsterror-Regime unter Netanjahu legt es schon seit Jahren darauf an, den Iran auszuschalten. Nicht Iran ist der Fremdkörper in der Region, sondern es ist der "Jüdische Staat", der es von Beginn seiner Gründung 1948 darauf angelegt hatte, mit keinem seiner Nachbarn in Frieden zu leben – ganz nach Herzls Vorstellung des Judenstaates in ein „Land ohne Volk mit einem Volk ohne Land“ zu ziehen und dieses zu kolonialisieren. Auch das ein Grund, dass Israel mit aller Macht versucht, als "Jüdischer Staat" anerkannt zu werden, damit das Judentum, also die Religion, zu einem nicht existierenden "jüdischen Volk" wird. Damit sind dann zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, nämlich ganz Palästina zu judaisieren und jede Kritik daran zu Judenhass werden zu lassen und so zu stigmatisieren, dass alle Kritiker zum Schweigen gebracht werden. Aber ich wiederhole es gern immer wieder: Nichts fürchten die Zionisten mehr als die Wahrheit, aber die Wahrheit lässt sich nicht ewig unterdrücken.

Was also bewog den "Jüdischen Staat", so auf Konfrontationskurs zu gehen? Endlich sah man eine Gelegenheit, das geschwächte Syrien so zu unterwandern, dass es niemals einen Anspruch auf die Rückgabe illegal besetzter syrischer Gebiete mehr erheben kann.

Immer schon verstanden es die Regierungen im "Jüdischen Staat" meisterhaft, den Mythos der ewigen Bedrohung des "Jüdischen Staates" aufrecht zu erhalten. Schließlich schweißten nur Bedrohung und Feindbilder diese kriegerische Gesellschaft zusammen. Netanjahu hat dieses Denken nochmals intensiviert. Vergessen wir niemals seine legendären UNO-Auftritte, in denen er unbehelligt seine primitiven Bombenzeichnungen und Lügen verbreiten konnte. Immer war der Iran das Hauptziel und Feindbild Nr. Eins, fast konkurrenzlos.

1967 – Israels zweite Geburt

Denken wir allerdings zurück an den so genannten Sechstagekrieg, als der Mythos der Gefährdung schauspielerisch glanzvoll dargestellt wurde und israelische Generäle förmlich dafür beteten, dass Ägypten und Syrien angreifen würden. Der israelische Historiker Tom Segev schildert eindringlich in seinem Buch „1967 – Israels zweite Geburt“, dass die "jüdische Verteidigungsarmee" versucht hat, den schwelenden Konflikt mit Syrien eskalieren zu lassen. Gerade aber dem israelischen Historiker Ilan Pappe ist es zu verdanken, dass die Gräueltaten nicht nur der Nakba, sondern auch die im Sechstagekrieg 1967, in seinem Standardwerk "Die ethnische Säuberung Palästinas" für die Nachwelt  dokumentiert wurden. (3)

Wie schon 1948 während der Nakba wurden durch "jüdische Verteidigungssoldaten" massenhaft Gräueltaten begangen, wie  Exekutionen von Kriegsgefangenen und Massaker an unschuldigen Zivilisten. Alles das sollte unter Verschluss gehalten werden, um den Mythos der "moralischsten" aller Armeen nicht zu zerstören. 2015 machte die israelische Dokumentarfilmerin Mor Loushi einen Film aus dem Buch "der Siebente Tag" von Amos Oz und Abraham Shapira, in dem Tonbandaufzeichnungen  von IDF-Soldaten aufgezeichnet wurden, die genau schilderten, was wirklich geschehen war. Allerdings gestattete die israelische Zensurbehörde, nur 70% des Materials freizugeben, damit  nichts davon an die Öffentlichkeit gelangen sollte. Alles das wiederholt sich heute erneut, wenn die  israelische Organisation "Breaking the Silence" zum Schweigen gebracht werden soll. (4)(5)

Immer wieder am so genannten "Nakba-Tag" gedenken Palästinenser in den besetzten Gebieten an diese Niederlage, die zur endgültigen illegalen Besiedlung immer größerer Teile Palästinas führte. (6)(7)

Wie man uns die Notwendigkeit von Angriffskriegen verkauft

Allerdings sollte es uns hellwach machen und daran erinnern, wie man uns immer die Notwendigkeit von Angriffskriegen gerade von US-Regierungen und zionistischen Regimen "verkauft" hat. Und erinnern wir uns an den denkwürdigen Auftritt des damaligen US-Außenministers  Collin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003, also vor 15 Jahren. Diese Rede, in der er dem Irak Besitz von Massenvernichtungswaffen vorwarf, hatte weit reichende Konsequenzen. Sie führte zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak. Später entschuldigte sich Powell für die in der Rede verbreiteten Lügen und schämt sich noch heute dafür. Allerdings macht das die hunderttausenden Toten nicht wieder lebendig. (8)

Niemals war und ist vom Iran eine Bedrohung für den "Jüdischen Staat" oder die Welt ausgegangen, wie uns Netanjahu und US-Freund Trump  uns weismachen wollen. Nie hat er einen Angriffskrieg geführt! Die Bedrohung geht eindeutig von den USA und dem "Jüdischen Staat" aus, der mit aller Gewalt seinen Hegemonieanspruch über die ganze Region erhalten und ausweiten möchte, mit allen seine Kräften und aller Macht, notfalls sogar mit atomarer. Schließlich ist der "Jüdische Staat" ebenso wie Freund USA Atommacht, im Gegensatz zum Iran. Merke: Was der "Jüdische Staat" darf, wird anderen Staaten nicht gestattet. Nach dem Holocaust ist fast alles möglich! Bedenkenlos lässt man den "jüdischen Staat" und seine Auslandsvertreter und Unterstützer gewähren. Wohin das führt, erleben wir täglich. Das soll aber vertuscht werden.

Gegen die Propaganda zur Wehr setzen

Wenn also hunderte von Bombenangriffen und Drohnenflüge der "Jüdischen Verteidigungsarmee" als "Selbstverteidigung" dargestellt werden und der "Jüdische Staat" nicht als das, was er ist, bezeichnet werden darf, nämlich als Aggressor, dann müssen wir uns wehren gegen diese Propaganda. Wenn sich Politiker aller Parteien diesen Lügen anschließen, dann stimmt etwas nicht in Deutschland. Nicht umsonst sind die neuen Bewunderer des "Jüdischen Staates" in den USA, aber auch in Europa und Deutschland, die weißen Nationalen Rechten, wie ein bemerkenswerter Artikel von Harry Blain darlegt: (9)

So halte ich die Vergleiche (was nichts zu tun hat mit „gleichsetzen“!) zwischen den nationalsozialistischen Verbrechen und den Verbrechen des "Jüdischen Staates" für legitim und historisch gerechtfertigt. Wir müssen den "Jüdischen Staat" daran hindern, den Nazi-Judenmord weiterhin zu instrumentalisieren, ihn als Freibrief zur "Lizenz zum Töten" zu missbrauchen und alle seine Völker- und Menschenrechtsverbrechen zu legitimieren.

Wahrheit ist unsere Macht! Und Widerstand gegen dieses Apartheid-Besatzer-Regime ist oberstes Gebot! Das illegal besetzte Palästina und das gedemütigte palästinensische Volk braucht unsere Hilfe. Das ist unsere Verpflichtung, gerade auch in Deutschland!

Völker- und Menschenrechtsverletzungen nicht als Selbstverteidigung tolerieren

Provokationen, Völker- und Menschenrechtsverletzungen dürfen nicht als Selbstverteidigung toleriert werden, weil eine angebliche Bedrohung des bis an die Zähne bewaffneten Atom-Staates ein Mythos ist, der auf Lügen aufgebaut ist!


Fussnoten:

1 http://www.faz.net/aktuell/politik/bundesregierung-kritisiert-irans-aggressive-haltung-15444862.html
2 https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/hmp-uboote-deutschland-israel100.html
3 https://www.amazon.de/ethnische-S%C3%A4uberung-Pal%C3%A4stinas-Ilan-Pappe/dp/3942989867/ref=dp_ob_title_bk#reader_B012U7H846
4 https://www.nytimes.com/2015/11/20/movies/review-in-censored-voices-soldiers-reflect-on-the-six-day-war.html
5 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sechstagekrieg-mor-loushys-dokumentarfilm-censored-voices-14351108.html
6 http://linkswende.org/sechstagekrieg-1967-der-mythos-von-der-permanenten-bedrohung-israels/
7 http:/ www.taz.de/!5119252/
8 http://www.deutschlandfunkkultur.de/auf-luegen-gebaut.932.de.html?dram:article_id=236068
9 https://www.juancole.com/2018/02/israels-admirers-nationalist.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 647  vom 14.02.2018

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