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Aktueller Online-Flyer vom 19. November 2017  

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Medien
Offener Brief an den Chefredakteur der Tageszeitung (taz), Herrn Georg Löwitsch
taz bastelt an Regime-Change in Kuba
Von Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Menschenrecht (BüSGM)

Sehr geehrter Herr Löwitsch, am 2. Oktober 2017 berichtete die taz, dass »zum ersten Mal ein Kubaner« einen nach Gabriel García Marquéz benannten angesehenen lateinamerikanischen Journalistenpreis gewonnen habe. Wir sind mit Ihnen der Auffassung, dass das Wort »gewonnen« statt »verdient« unsere Zustimmung findet. Mit der Überschrift »Der Preis geht nach Havanna« täuschte das Blatt seine Leser, weil es behauptete, der prämierte Artikel des Autors Jorge Lázaro Carrasco sei erstmals in der »unabhängigen« Internetzeitschrift „“El Estornudo“ erschienen. Wie Sie sicher wissen, lebte Carrasco seit mehr als einem Jahr nicht in Havanna, sondern in Miami, wohin sich der El Estornudo-Mitbegründer im August 2016, ein Jahr nach seiner Teilnahme an einem »Kuba-Workshop« der "Taz-Panter-Stiftung", abgesetzt hatte. Es ist Ihnen sicher auch bekannt, dass diese Seminare finanziell vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik gefördert werden. Wie wir weiter erfahren, sollen die Teilnehmer, jeweils zehn junge kubanische Journalisten, von Organisationen wie der vom US-Dienst „National Endowment for Democracy“ (NED), exilkubanischen Contra-Gruppen und den von der französischen Regierung finanzierten „Reportern ohne Grenzen“ (ROG) zugeführt werden.

Im März dieses Jahres erklärte die Bundesregierung durch das Auswärtige Amt, dass durch Besucherprogramme Mediendialoge vorpolitische Freiräume zur „zivilgesellschaftlichen Öffnung“ geschaffen werden sollen. Zu derartigen „Seminaren“ sollen junge Journalisten von staatlich finanzierten öffentlichen Blättern, Blogs oder Sendern und der größte Teil aus Mitarbeitern „unabhängiger“ Medien, abhängig von ausländischen Geldgebern, rekrutiert werden.

Genannt werden der Blog „Generation Y“ und die Onlinezeitung „14 y Medio“ der Bloggerin Yoani Sánchez, deren enge Verbindungen zur CIA und zu anderen US-Geheimdiensten durch zahlreiche von Wikileaks veröffentlichte Dokumente belegt werden. Es ist offensichtlich, dass Sánchez als Stichwortgeber für „westliche“ Medien“ agiert und als Systemgegner offeriert wird.

Wir sind entsetzt, dass die taz einen Systemgegner wie Sanchez unterstützt, der von kapitalistisch geprägten medialen Plattformen, Internetportalen, ausländischen NGOs, Regierungen oder Medienunternehmen unterhaltenen Zeitschriften hofiert wird. Dazu gehören das vom niederländischen Außenministerium unterhaltene Magazin „El Toque Cuba“, die von der US-Medienfirma Fuego Enterprises Inc. herausgegebene Zeitschrift „On Cuba“ oder zahlreiche weitere, aus undurchsichtigen ausländischen Quellen finanzierte Onlineportale wie eben „El Estornudo“ oder „Periodismo de Barrio“.

Wir befürchten, dass auch die taz zu den Medien gehört, deren Praxis die Beschäftigung mit kubanischen Journalisten und Intellektuellen ist, die sich nicht offen zur Konterrevolution bekennen und ihre Absicht mit der Formel »Modernisierung des Systems« verschleiern.

Es ist sicher nicht auszuschließen, dass die „Söldner der Feder und des Wortes“ unbewusste oder bewusste Helfer westlicher Regierungen und Geheimdienste sind, da sie durch Einladungen zu Auslandsreisen eine »viel höhere Bezahlung als in den üblichen Medien erfahren.

Es ist sicher auch nicht auszuschließen, dass mittlerweile sogar Journalisten, die heute in der revolutionären Presse, in „Granma“, „Juventud Rebelde“ und anderen schreiben, am nächsten Tag in feindlichen Medien an dem Regime-Change in Kuba arbeiten. Einer derartigen monetär geprägten Gehirnwäsche unterlag vermutlich der Jungjournalist Rogelio Serrano Pérez, der nach seiner Teilnahme am diesjährigen Seminar seine Stellung bei der Parteizeitung „Adelante in Camagüey“ kündigte, um künftig für einen besser bezahlten Job für ein sogenanntes unabhängiges Medienpamphlet zu schreiben. Das Onlineportal „Amerika 21“ will von den Kollegen des „Abtrünnigen“ erfahren haben, dass er sich nach dem Kuba-Workshop der taz nicht mehr in der Lage sah, weiter bei Adelante arbeiten zu können. Ein großartiger Erfolg der taz für Kapitalismus und Imperialismus! Die mit immerhin 15.000 Dollar verbundene Auszeichnung für Carrasco wirkt für diesen mit Sicherheit monetär stimulierend. Dem US-Neubürger ist, unterstützt durch die taz, der Preis schnell zu Kopf gestiegen, die ihn wie folgt zitiert:

„Wäre Kuba ein normales Land, dann wäre El Estornudo morgen auf der Titelseite der Granma,“ (…) »Wer ehrlich und genau über Kuba erzählen will, ist für die kubanische Regierung Pest, Lepra, Krebsgeschwür.“ Wir entnehmen der Darstellung der taz, dass sich das Blatt als Verfechter einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung begreift und seinen Beitrag an einem Regime-Change im sozialistischen Kuba leisten will oder muss.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand des BüSGM, Gert Julius (V.i.S.d.P.), Peter Dietrich, Lothar Nätebusch, Bernd Cachandt.



Der komplette Titel des Offenen Briefes lautet: "Die taz bastelt gemeinsam mit Organisationen und westlichen Staats-und Medienvertretern an einem Regime-Change in Kuba durch Unterstützung gekaufter Journalisten". Der Nachdruck der Erklärung ist nur in vollständiger Fassung erlaubt.

Online-Flyer Nr. 634  vom 25.10.2017

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