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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Gedanken angesichts der letzten Tage - Nein, nicht die der Menschheit
Ist die "junge Welt" noch zu retten? Und die alte Welt?
Von Hartmut Barth-Engelbart

Die Frage ist verkehrt gestellt. Richtig muss sie lauten: Kann die alte Welt mit der marxistischen Tageszeitung "junge Welt" (jW) noch gerettet werden? Oder vielleicht eher so: Kann die junge Welt – so wie sie jetzt schreibt – etwas zur Rettung der alten Welt beitragen? Ja, hie und da schon ein Wenig, aber... Angesichts der Auflage und der "Einschaltquote" bei der jW-E-Paper-Internet-Version im Vergleich mit Renmin Ribao (Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas) oder Zeitungen der verbliebenen kommunistischen Parteien Europas wie RIZOSPASTIS, AVANTE, Towarischtsch usw. oder - um in Deutschland zu bleiben - mit KenFM-Einschaltquoten, mit denen der NRhZ, der NachDenkSeiten, rt-deutsch usw. ist doch etwas Bescheidenheit angesagt.

Nun denn: Sooo wenige jW-Lese-Gemeinde-Mitglieder waren es nicht, die in den letzten Tagen - Nein, nicht die der Menschheit :-O))) – sehr heftig auf meine jW-Schelte reagiert haben. Natürlich geht es mir bei meiner jW-Kritik auch um die "letzten Tage der Menschheit", doch ich hoffe immer noch, dass sich Trump trotz des Flynn-Abschusses durch Sorosisten gegen die Killarysten und Drohnobamas mit seinen Deeskalationswünschen durchsetzen kann und die russische Föderation nicht glaubt, es handele sich bei den durch die Mainstream-Medien meist gefakten Trump-Katastrophen um tatsächliche Schritte in Richtung Angriff auf Russland und China. Gut, dass Putin und seine Leute wachsam bleiben - wie die Staats- und Parteiführungen Chinas und Nord-Koreas ebenfalls - und sich auf alles gefasst machen. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich in der CIA, aber auch im Pentagon, in der Army und der Airforce ausreichend Killary-Parteigänger, Bombobama-Freunde und Soros-geführte Schläfer befinden, die losschlagen und das Losschlagen dem medial als Falke aufbereiteten Trump in die Schuhe schieben. Dass allesamt dann ins nicht mehr vorhandene Gras beißen müssen, ist wenig tröstlich. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Und schon gar nicht an eines nach dem Atomtod.

Langsam aber sicher von einem Haufen Zionisten umgedreht


Es sind auch nicht die letzten Tage der “jungen Welt”, auch wenn sie sich oft für so wichtig hält (siehe oben & nun gut, wer tut das nicht?). Aber da gibt es doch eine Reihe von wichtigen politischen AnalytikerINNEn, die aus der jungen Welt rausgemobbt wurden. Nein, es waren ihrerseits offene politische Positionen, die mit verdeckten Reaktionen aus der Redaktion beantwortet wurden. Da ist als erster Werner Pirker zu nennen, mit dem ich seit 1969 eng befreundet war. Er ist mit seinem Tod dem Hinausmobben aus der jW-Redaktion zuvorgekommen. 2011 hat er bei der Wiener KriLit aus dem Nähkästchen erzählt, als wir uns abends immer noch einmal in Ottakring zum "Chillout" getroffen haben oder schon zum Frühstück in der ÖGB-Zentrale auf der Brigittenau, vor meinen Früh-Lesungen – nachmittags kamen dann meine Spätlesungen dran. Werner Pirker O-Ton: “Die junge Welt wird langsam aber sicher von einem Haufen Zionisten umgedreht, die die VVN/BdA schon weitgehend besetzt haben, ganz besonders die Bundeszentrale und das sich scheinheilig 'antifa' nennende Zentralorgan!” 2011, da hatte der VVN/BdA-Bundesgeschäftsführer und 'antifa'-Chefredakteur Willms seine "Querfront!"-An- und Auswürfe noch nicht geschrieben.

Kurz nach Rüdiger Göbel - mit dem ich nach der Trauerfeier für Werner Pirker in Wien ohne die rechte jW-Abteilung sprechen konnte - ging dann der Mann, der 1982 mit seiner Arbeit als Top-Spion TOPAS in der NATO-Kommandozentrale einen Atomkrieg mit verhindern konnte. Es ging wörtlich um Minuten dabei. Rainer Rupp verließ im offenen politischen Streit die jW, als aus der Redaktion nur noch gemobbt wurde. Ich habe – so wie jetzt viele mich bei der jW per mail und Telefon halten wollen - versucht, Rainer Rupp bei der jW zu halten: “Es geht um unser wichtigstes Medium! Wenn Du gehst, schwächst Du die Linke in der jungen Welt!” usw.... Er ist zunächst dann doch noch geblieben, aber die Knüppel zwischen die Beine wurden immer dicker.

Auf einen Droste-Preis auf meinem Grab bin ich nicht so scharf


Klar, nicht alle die gingen, wurden gleich totgemobbt, auch nicht alle, die nach ihm gingen: Rüdiger Göbel, Gerd Schumann, Rainer Rupp. und nicht alle, die gemobbt werden, sterben gleich dran oder halten es nicht mehr in diesem Mobbing-Center aus und gehen. Der Arbeitsmarkt für linke Journalisten sieht nicht so rosig aus. Indirektes Berufsverbot könnte man es nennen. Umschulen? Deutschlehrer für Flüchtlinge? Als mich vor Kurzem ein afrikanischer Freund in sein Flüchtlingslager einludt, um dort Deutsch-Unterricht zu halten, Musik mit den Flüchtlingen zu machen, Kinderlieder einzuüben, da erwartete mich bereits ein sehr freundlicher "Kommunikator" der regionalen Polizeidirektion zusammen mit vielen mir bekannten Rechtsauslegern und einer Reihe von Geisterbahn-Figuren und männlichen Beutegreifern auf der Suche nach geeigneten Generika. Ich in diesem Umfeld als pädagogischer Durchlauferhitzer? Dann doch lieber Halbierte Pension und HARTZ4-Aufstocker! Welch ein Luxusleben! Eben!

Ich schwanke in Gedanken an eine Reihe von KollegINNen, die weiter in der und für die junge Welt schreiben, werben, zeichnen, forschen, recherchieren... Seid mir nicht gram. Ich kann jetzt nicht mehr. Ich muss meine Energie in hoffnungsvollere Projekte investieren. Und auf einen abschließenden Droste-Preis auf meinem Grab bin ich nicht so scharf, hab ich echt keinen Bock. KenFM erreicht täglich Hunderttausend Menschen, RT-Deutsch auch, die Neue Rheinische Zeitung gewinnt immer mehr glänzende Autoren, messerscharfe Analytiker und immer mehr an Bedeutung. Nur, was ist, wenn der große Bruder im Internet das Licht ausmacht? Sind wir dann weg vom WINDOW? Können wir so schnell auf andere Kommunikation umstellen?

Bei diesen Gedanken wird mir bange, solange die virtuelle Vernetzung nicht in reale umgesetzt wird. Und dazu habe ich der jW seit Jahren vorgeschlagen, ihr Feuilleton dafür zu nutzen, es in ein interaktives KulturForum umzugestalten, um die Basis-Kulturarbeit zu stärken. Die jW hat das "Münzenberg-Projekt" abgelehnt bzw. auf den ersten und auch den zweiten Vorschlag überhaupt nicht mehr reagiert...

Online-Flyer Nr. 605  vom 22.03.2017

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