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Aktueller Online-Flyer vom 30. April 2017  

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Kultur und Wissen
Erfurts traditionsreiche Kulturstätte wieder eröffnet
Sebastião Salgado in Erfurt
Von Uwe Pohlitz

Endlich sind die Pforten der Galerie am Fischmarkt im “Haus zum Roten Ochsen“ wieder eröffnet. Im Jahr 1906 öffnete dort eines der ersten Kinos der Stadt unter dem Namen „Scherffs-Bioskop-Theater“ seine Pforten, wurde dann zum „Roland-Kino“ und schließlich zum „Filmtheater der Freundschaft“. Durch den intensiveren Fernsehkonsum wurde die Kulturstätte überflüssig und letztendlich baufällig. Die Kunsthandwerksmesse „Quadrinale“ wurde an Erfurt vergeben. Der Einrichtung einer ansprechenden Galerie wurde notwendig. Das “Haus zum Roten Ochsen“ entwickelte sich zu einem bedeutenden Ausstellungszentrum. Aus dem zerfallenden Kino wurde mit viel Mühe und Aufwand die „Galerie am Fischmarkt“. Nach über 40 Jahren intensiver Nutzung wurde es dringend notwendig, erkannte Mängel zu beseitigen und dem alten Haus ein verjüngtes Gesicht zu geben.


Sebastião Salgado: die Wasserversorgung ist oft weit entfernt von den Flüchtlingslagern, Goma, Zaire, 1994

Mit einer Ausstellung von weltweiter Bedeutung für Freunde der Fotografie und auch für alle emotional ansprechbare Menschen ist die Ausstellung des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado ein wahrscheinlich einmaliges Erlebnis. Er wollte diese Bilder nicht mehr öffentlich zeigen. Bilder von den schlimmsten Brennpunkten der Welt. Salgado hat tief in die Hölle geblickt und das erlebte Geschehen auf schwarz/weiß Film festgehalten.

Vor dieser Zeit war er Wirtschaftswissenschaftler für die International Coffee Organization in London und bekam eine Stellung bei der Weltbank angeboten. Dies lehnte er ab. Seit 1973 verdient er als freischaffender Fotograf sein Geld. Bis 1994 war er Mitglied der bekannten Magnum-Agentur.

Er widmete sich lange Zeit dem Thema Flucht und Vertreibung auch an solchen gefährlichen Orten wie Ruanda und Kongo. Diese Tätigkeit ist für einen Humanisten sicher nur bis zu einer gewissen Grenze möglich. Sebastião Salgado erkranke schwer und zog sich auf seinen Heimatort in Brasilien zurück. Er wurde auch durch sein berühmtes Aufforstungsprogramm auf seinem verwüsteten geerbten Land bekannt. Sein Fazit: „Ich begann zu begreifen, dass Menschen nicht so wichtig sind, wie ich geglaubt hatte. Ich wäre vorher fast gestorben für unsere Gattung, die Menschen. Aber so hart es klingt, unsere Gattung verdient es nicht, dass wir für sie sterben. Ich habe den Glauben an uns verloren.“

Sein neues Projekt nach „Exodus“ nannte er „Genesis“, an dem er acht Jahre gearbeitet hat, zeigt deswegen ausschließlich Eisberge, Urvölker oder Tiere. Zurzeit ist der Fotograf wieder in Asien unterwegs. Vor einem Jahr stellte der Kulturverein „Rotdorn“ den Film „Das Salz der Erde“ über das Leben Salgado vor. Das Interesse war damals leider sehr gering. Das wird sich mit der Ausstellung hoffentlich ändern.

Die Fotos vom Leid der Menschen wollte Salgado eigentlich nicht mehr ausstellen. Er will auf die Schönheiten und die Einmaligkeit dieser Erde hinweisen. Vielleicht führt das eher zum Nachdenken über die Gefahr ihrer Vernichtung. Dem sozial und kulturell engagierten Erfurter Rechtsanwalt Eric Langer gelang es nach langen Gesprächen und den anhaltenden Problemen der weltweiten Fluchtbewegungen, Sebastião Salgado zu überzeugen, die Ausstellung noch einmal für Erfurt zur Verfügung zu stellen. Es ist damit ein weltweit bedeutendes Ereignis der Fotokunst.


... bis 24. April 2017, Erfurt
Exodus: Fotografien von Sebastião Salgado


Kunsthalle Erfurt – Haus zum Roten Ochsen
Fischmarkt 7, 99084 Erfurt
Dienstag bis Sonntag: 11–18 Uhr
Donnerstag: 11–22 Uhr

Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor Kunstmuseen
Tel. +49 361 655-5660, Fax +49 361 655-5669
http://kunstmuseen.erfurt.de/kunsthalle
kunsthalle@erfurt.de

Führung mit Viola Basler im März
Sonntag, 26.03. 11.15 Uhr
siehe auch:
Last Minute ::: Termine ::: Vorschau
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23642

Online-Flyer Nr. 604  vom 15.03.2017

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