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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Globales
Auf dem Weg zur willenlosen Hinnahme eines Atomkriegs
Russophobie des Westens im Stadium der Psychose
Von Finian Cunningham / LUFTPOST

Die im Westen verbreitete Russophobie – die unbegründete Angst vor Russland – ist schon lange viel mehr als ein zu vernachlässigendes Vorurteil. Diese krankhafte Einstellung herrscht inzwischen in vielen westlichen Staaten vor. Die weit verbreitete Denkweise hat sich von der Realität gelöst und zur Psychose entwickelt. Politiker, Militärführer und konzerneigene Mainstream-Medien westlicher Staaten werfen Russland inzwischen alle erdenklichen Untaten vor – nicht nur die Einmischung in Wahlen anderer Staaten oder aggressive Militärmanöver – die fortschreitende Dämonisierung Russlands treibt immer neue Blüten. Wundern muss man sich dabei vor allem darüber, dass die gegen Russland gerichteten Anschuldigungen immer abenteuerlicher, die vorgelegten "Beweise" aber immer dürftiger und durchsichtiger werden.

Sensationshascherei, Stimmungsmache, Verleumdung


In dieser Woche haben britische Medien die absonderliche Behauptung verbreitet, Russland habe einen Staatsstreich in dem Balkanstaat Montenegro und die Ermordung seines Ministerpräsidenten geplant – ohne irgendwelche Beweise dafür vorzulegen. Es ging ihnen nur um Sensationshascherei und Unruhe stiftende Stimmungsmache. Obwohl eine derart schwerwiegende Verleumdung einen Krieg auslösen könnte, wird sie mit grob fahrlässiger Hemmungslosigkeit verbreitet. Schon vor einigen Wochen wurde der russische Präsident Wladimir Putin in US-Medien als "Mörder" bezeichnet.

Außerdem haben Abgeordnete des US-Kongresses eine offizielle Untersuchung angeblich von Russen durchgeführter Hacker-Angriffe während des US-Präsidentschaftswahlkampfes veranlasst und wollen auch "landesverräterische Kontakte" durchleuchten lassen, die Mitglieder der neuen Trump-Regierung zu russischen Offiziellen gehabt haben sollen. Fanatische US-Politiker haben das angebliche Fehlverhalten der Russen sogar als "Kriegshandlung" etikettiert.

Inzwischen wurde Russland auch in Großbritannien, Frankreich und Deutschland verdächtigt, dort ebenfalls Abstimmungen und Wahlen beeinflusst zu haben oder beeinflussen zu wollen. Vor "russischen Hackern" und angeblich von Russland ausgehenden "Einflusskampagnen" wurde auch in den Niederlanden, Italien, Polen, Bulgarien, Estland und anderen westlichen Staaten gewarnt.

Nur noch manchmal setzen sich realistische Einschätzungen gegen Fantasievorstellungen durch, zum Beispiel in Deutschland; dort haben Geheimdienste festgestellt, dass es keine Beweise für irgendwelche subversiven Aktivitäten Russlands gibt. Ansonsten werden immer mehr haltlose Anschuldigungen und wilde Spekulationen verbreitet.

In der britischen Zeitung "The Independent" war in dieser Woche folgende Schlagzeile zu lesen: "Klare Beweise dafür, dass Russland im Jahr 2015 die Wahlen im Vereinigten Königreich beeinflusst hat, sagt ein ehemaliger Minister." Bei der Lektüre des dazugehörenden Artikel stellt man allerdings fest, dass die antirussischen Behauptungen keineswegs durch "klare Beweise" untermauert werden. Der Vorwurf wird nur mit Hinweisen auf "anonyme geheimdienstliche Quellen" und die unbewiesenen Geschichten über "russische Hacker im US-Wahlkampf" begründet.

Dieser unmoralische Fake-Journalismus ist ein bezeichnendes Beispiel für die Berichterstattung westlicher Medien über Russland. Da wird einfach behauptet, Russland versuche Wahlen zu beeinflussen oder seine Militärs provozierten mit zu Lande, zu Wasser und in der Luft abgehaltenen Manövern; meistens beruhen die von den westlichen Medien verbreiteten Berichte über solche "Vorkommnisse" aber nur auf Gerüchten, Vorurteilen, oder sie dienen der vorsätzlichen Desinformation. Und nahezu täglich werden immer neue ungeprüfte Anschuldigungen dieser Art ausgestreut.

Eigentlich ist das nur antirussische Propaganda, die als "zuverlässige Information" ausgeben wird. Wenn die Öffentlichkeit statt Informationen nur Propaganda serviert bekommt, verwandelt sich die ohnehin latent vorhandene Russophobie in eine kollektive Psychose. Und dieser krankhafte Zustand breitet sich in westlichen Staaten immer weiter aus.

Dass US-Präsident Donald Trump in dieser Woche Generalleutnant McMaster zu seinem Nationalen Sicherheitsberater berufen hat, wurde von den Falken im Kongress mit Beifall aufgenommen. Sie sind begeistert, weil McMaster – im Gegensatz zu seinem zurückgetretenen Vorgänger Micheal Flynn, der die Beziehungen zu Moskau verbessern wollte – als strammer "Russlandhasser" bekannt ist. McMasters Berufung sei als "100-prozentige Bedrohung für Russland" zu werten, erklärte Frants Klintsevitch, der erste Vize-Vorsitzende im Verteidigungs- und Sicherheitspolitischen Ausschuss des russischen Föderationsrates. Klintsevich ergänzte, die Russophobie in Washington nehme damit zu und nicht ab (wie Trump angekündigt hatte).

Manipulation der öffentlichen Meinung mittels Gehirnwäsche

In Anbetracht der in den westlichen Medien ständig ausgeweiteten Hetze gegen Russland, kann es nicht überraschen, dass sich nach einer neuen Gallup-Umfrage die Einstellung der US-Bürger zu Russland signifikant verändert hat. Vor vier Jahren hatten noch 50 Prozent der US-Bürger eine positive Meinung über Russland, heute sind es nur noch 28 Prozent. Das ist ein gutes Beispiel dafür, was sich durch "Manipulation der öffentlichen Meinung" erreichen lässt; durch eine ständige Flut negativer und furchteinflößender Meldungen ist es gelungen, Russland in ein schlechtes Licht zu rücken. Genau das sollte durch die (von den US-Medien verbreitete) Propaganda erreicht werden.

Dabei waren alle gegen Russland erhobenen Vorwürfe entweder unbegründet oder völlig frei erfunden. Russland ist zum Beispiel nicht in die Ukraine eingefallen, wie behauptet wurde. Die USA und von ihr angestiftete NATO-Staaten haben im Jahr 2014 den Sturz der gewählten ukrainischen Regierung inszeniert. Das (faschistische) Regime, das mit westlicher Unterstützung in Kiew an die Macht geputscht wurde, hat sofort einen völkermörderischen Angriffskrieg gegen die Ukrainer russischer Herkunft in der Ostukraine vom Zaun gebrochen, der immer noch andauert. Regierungen westlicher Staaten und die westlichen Medien leugnen diese Fakten und beschuldigen Russland, "die Ukraine destabilisieren" zu wollen.

Wenn denkende Menschen diese offensichtlichen Lügen glauben, ist das ein Zeichen dafür, dass sie einer Gehirnwäsche unterzogen wurden.

Wenn ein russisches Kriegsschiff, das in internationalen Gewässern vor der Ostküste der USA die Kommunikation überwacht, von den westlichen Medien als "Bedrohung" dargestellt wird, die täglich im Schwarzen Meer vor der Küste Russland patrouillierenden US-Kriegsschiffe aber einfach verschwiegen werden, dann sollte auch diese selektive Berichterstattung Skepsis hervorrufen.

Wenn Russland ständig vorgeworfen wird, Wahlen in westlichen Staaten beeinflussen zu wollen und mit "Fake News" zu arbeiten, und westliche Medien selbst immer wieder Falschmeldungen über Syrien, Libyen, den Iran und andere Länder verbreiten, es aber nicht erwähnenswert finden, dass die USA schon in mindestens 80 Staaten illegale Wahlmanipulationen betrieben haben, dann müsste sich doch die Vermutung aufdrängen, dass der westlichen Informationspolitik nicht zu trauen ist. Die Russophobie ist aber schon so tief in westlichen Hirnen verwurzelt, dass sie nicht mehr als krankhaft wahrgenommen wird.

In dieser Woche hat die in London ansässige Menschenrechtsgruppe Amnesty International ihren Jahresbericht veröffentlicht. Darin wird beklagt, dass sich "Berichte über nicht gerechtfertigte Anklagen, Schuldzuweisungen und Panikmache" weltweit häufen. Es wird auch festgestellt, dass sich der politische Populismus im Westen immer weiter ausbreitet und mit ihm "die Islamophobie, der Rassismus, der Sexismus, die Fremden- und Frauenfeindlichkeit".

Das vermutlich gefährlichste "Beispiel für nicht gerechtfertigte Anklagen, Schuldzuweisungen und Panikmache", die Russophobie, kommt in diesem Jahresbericht allerdings nicht vor. Weil Amnestie International hauptsächlich prowestliche Lobbyarbeit betreibt und sich regelmäßig an der Hetze gegen Russland beteiligt, kann man die Russophobie natürlich nicht kritisieren.

Unverzichtbarer Bestandteil der Russophobie ist auch die immer aggressiver werdende Dämonisierung der zweitgrößten Atommacht unseres Planeten. Verwunderlich ist allerdings, dass die Mehrheit der Menschen in westlichen Ländern diese äußerst leichtsinnigen und gefährlichen Provokationen so gelassen hinnimmt.

Neuerdings treten aber immer mehr Menschen im Westen der systematischen Verleumdung Russlands entgegen. Sie verlassen sich offensichtlich nicht mehr auf die von westlichen Medien verbreiteten Nachrichten, sondern vertrauen eher auf russische Alternativen – trotz deren im Westen betriebener Diffamierung. Das hindert die Regierungen westlicher Staaten und die westlichen Medien aber nicht daran, Tag für Tag neue Lügengeschichten über angebliche russische Einmischungsversuche und Übeltaten in die Welt zu setzen. Die Bekämpfung vom Westen unterstützter Terroristen in Syrien wird als "Unterstützung eines Diktators" verunglimpft. Die Hilfe für bedrängte Ukrainer russischer Herkunft im Donbass wird zur "Destabilisierung der Ukraine" umgedeutet. Der Schutz souveränen russischen Territoriums gegen aggressive Provokationen der NATO an den Grenzen Russlands wird als "Bedrohung Europas" dargestellt.

Die im Westen grassierende Russophobie ist zur Psychose geworden


Selbst das autoritärste Regime, das man sich vorstellen kann, wäre kaum zu der verlogenen Propaganda fähig, die sich der Westen leistet, der gleichzeitig behauptet, die freiesten und unabhängigsten Medien zu haben. Die im Westen grassierende Russophobie ist zur Psychose geworden, weil offensichtliche "Fake News" und Lügen nicht mehr als solche erkannt, sondern für "wahr" gehalten werden. Die im Westen verbreitete "Pseudowahrheit" macht nicht frei, sie versklavt die Menschen, damit sie willenlos alles hinnehmen – sogar einen Atomkrieg.


Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung am 08.03.2017 bei LUFTPOST – Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein (dort mit zusätzlichen Hinweisen)
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP03817_080317.pdf

Englischsprachiger Originalartikel:
Finian Cunningham: "Western Russophobia in Psychotic Phase", Information Clearing House, 23.02.2017
http://www.informationclearinghouse.info/46520.htm


Online-Flyer Nr. 604  vom 15.03.2017

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