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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Medien
Begründung für die Kündigung des Spiegel-Abos
Machtlos gegen die Kampfmedien?
Von Albrecht Müller

Am 4. März 2017 erscheint das Wochenblatt "Der Spiegel" mit einer Art Doppelportrait auf der Titelseite. Gezeigt wird US-Präsident Trump mit Gesichtszügen des russischen Präsidenten Putin. Darunter steht: "Der Doppelregent - Wieviel Putin steckt in Trump?" NachDenkSeiten-Herausgeber Albrecht Müller kommentiert: "Dieser Spiegel-Titel brachte das Fass zum Überlaufen." Er fordert die Spiegel-Leser auf: "Abo kündigen!" Und weiter schreibt er: "Ein NachDenkSeiten-Leser hat das heute getan. Nachmachen! Hier kommt gleich die Begründung für die Kündigung des Abos von Seiten des NachDenkSeiten-Lesers Roland Kern und anschließend ein paar Gedanken zu den Hintergründen der aktuellen Kampagne. Sie zielt erkennbar nicht nur gegen Putin, sondern sehr viel mehr gegen Trump, und sie wird vermutlich aufs Ganze gehen."


Spiegel-Titel vom 4.3.2017

Begründung von Roland Kern für die Kündigung des Spiegel-Abos:
    Habe heute Post bekommen: die neueste Ausgabe des Spiegel-Abonnements. Ich lese ihn regelmäßig seit 1970. Schweren Herzens habe ich mit sofortige Wirkung gekündigt.

    Grund: seit einiger Zeit fühlt sich der „Spiegel“ nicht mehr in erster Linie einer objektiven Berichterstattung verpflichtet, sondern gefällt sich zunehmend als Kampfblatt gegen eine vernünftige, ausgewogene, durchaus auch kritische Friedenspolitik.

    An allem ist der Russe schuld. Ob in China ein Sack Reis umfällt oder Mails im US Wahlkampf auftauchen: der Russe wars.

    So beginnt der Krieg in den Köpfen. Vergessen ist der alte lateinische Spruch: Höre immer auch den anderen Teil.

    Doch nun ist der „Spiegel“ schwer beleidigt: Nachdem sich der neue Führer der freien westlichen Welt nicht mehr als Speerspitze im Kampf gegen alles Böse (personifiziert natürlich durch Putin) versteht, liefert der „Spiegel“ die Erklärung, plakatiert durch ein Titelbild: Trump ist in Wirklichkeit Putin, so die Suggestion.

    Der „Doppelregent“ – ein allerliebstes, harmloses Wortspiel?

    Wenn als Assoziation statt „Doppelregent“ dann „Doppelagent“ verstanden wird – auch gut. Nein eben nicht gut. Schlimm! So hetzt man Menschen auf, lieber Spiegel. Hant ihr das nötig? – Offensichtlich.

    Dann bitte ich allerdings um Verständnis, dass ich solche Kalte-Kriegs-Bemühungen nicht mehr mit meinem bescheidenen Abonnement auch noch unterstützen werde.

Konsequenzen sind auch bei anderen Kampfmedien fällig, die früher einmal überwiegend aufklärend veranlagt waren: SZ, FR, TAZ, u.a.m. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern müssen wir ähnlich reagieren, wenn wir das könnten. Bei den kommerziellen sowieso.

Zu den wahrscheinlichen Hintergründen der eigenartigen Doppelkampagne und des Zusammenbindens von Trump mit Putin: das dient der Vorbereitung zu einem Regime Change made in USA und angewandt auf die USA selbst.

Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass eine ausländische Macht das Wahlergebnis eines Landes entscheidend bestimmen kann, schon gar nicht mit einer punktuellen kurzfristigen Aktion. Wenn eine ausländische Macht Wahlergebnisse zumindest bei uns und das schon seit Jahrzehnten mitbestimmt, dann sind es die USA über ihren Einfluss auf einzelne Journalisten und Medien und über so genannte NGOs und über ihren direkten Einfluss auf Parteien. Oder auch Israel mit seinem Einfluss auf den Springer-Konzern.

Alle diese verschiedenen Einflüsse, die wir seit Jahren erleben, sind um vieles gravierender als ein möglicher Versuch Russlands, auf die Präsidentenwahl in den USA Einfluss zu nehmen. Und dennoch wird zum ersten die Behauptung, dass dies geschehen sei, und zum zweiten die Behauptung, dass dies die Präsidentenwahl in den USA entscheidend beeinflusst habe, seit Wochen verbreitet und in unsere Köpfe und Herzen gehämmert. Das wiederholende Stakkato wirkt vermutlich. Wir sehen das an solchen absurden Erscheinungen wie der Verknüpfung von Trump und Putin beim Kölner Karneval und dort typisch bei einer Karnevalssitzung, die eigentlich den linksliberalen kritischen Teil der Gesellschaft abdeckt – bei der sogenannten Kölner Stunksitzung (abrufbar hier und hier - ab Minute 57). Oder eben jetzt beim Spiegel-Titel.

Vermutlich wird damit ein größerer Coup vorbereitet.

Es ist zu hören, dass die Geheimdienste der USA einschlägiges Unangenehmes über Privates und Geschäftliches des neuen Präsidenten der USA gesammelt haben und dass dies auch Beziehungen der Person des jetzigen Präsidenten zu Russland betrifft. In einer vom verbalen und militärischen Widerstreit aufgeheizten Atmosphäre geraten besonders enge Beziehungen zu Russland in die Nähe von Landesverrat. Und genau dies könnte Trump das Genick brechen.

Findige Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten könnten schon einmal recherchieren, was uns ins Haus steht, wenn der Vizepräsident Mike Pence, wie von der Verfassung vorgesehen, das Amt des Präsidenten übernimmt.

Zur Vermutung, es könnte uns ein westlicher Regime Change im Kernland der Regime Change-Betreiber ins Haus stehen, noch eine einschlägige Lesermail:
Fazit A.M.: Spannende Zeiten. Schlimme Zeiten. Auf die Informationen zu den Weißhelmen und dem Oscar für einen Film über sie kommen wir zurück.


Dieser Text erschien zuerst am 6. März 2017 bei NachDenkSeiten. Die Verwertung durch uns erfolgt im Rahmen der Creative Commons Lizenz 2.0 Non-Commercial, unter welcher er publiziert wurde.

Online-Flyer Nr. 603  vom 08.03.2017

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