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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Eine Gratulation an den unvergessenen Walter Herrmann und die Kölner Klagemauer
Walter, Du fehlst mir!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Am heutigen 26. Januar 2017 wärst Du 78 Jahre alt geworden. Wie gern hätte ich Dir wieder zum Geburtstag gratuliert. Aber das Schicksal wollte es anders. Am 26. Juni 2016 wurdest Du ganz plötzlich durch eine heimtückische Krebserkrankung aus Deinem so aktiven Leben gerissen. Ich weiß, wie gern Du weiter gelebt hättest, um unverzagt für die Kölner Klagemauer auf der Domplatte zu stehen und für Gerechtigkeit im illegal besetzten Palästina und Gaza zu demonstrieren. Als Du eine Anklage bekamst wegen Verstoß gegen den Kinder und Jugendschutz, weil Du Fotos verletzter und getöteter palästinensischer Kinder an der Klagemauer gezeigt hattest, wehrtest Du dich zu Recht. Ja, es waren politische Zensur und Willkür, die ein Exempel statuieren sollten, wenn es um "einseitige" Kritik an Kriegsverbrechen gegen den "Jüdischen Staat" geht. Wie schriebst Du in Deiner Verteidigungsschrift: „Ich kritisiere Israel wegen der Missachtung des Völkerrechts und schwerwiegender Menschenrechtsverbrechen, im Einklang mit Amnesty International, der Organisation mit der ich eng zusammenarbeite“. Wie schriebst Du mir? „Die Kölner Klagemauer und das Mahnwachen-Projekt zu Gaza distanzieren sich für jeden erkennbar von Gewalt. Es versteht sich als dringlicher Appell gegen menschenverachtende militärische Gewalt. Es ist keine 'Gewaltdarstellung', sondern korrekt müsste es heißen, es ist eine 'Gewaltopfer-Darstellung'.“



2016 feierte die Kölner Klagemauer für Frieden und Völkerverständigung ihr 25jähriges Jubiläum, in dieser Zeit warst Du fast ununterbrochen auf der Domplatte. Du hattest so viele Missstände angeprangert, von Wohnungsnot bis Obdachlosigkeit. Ab 2004 war der Palästina-Konflikt verstärkt Dein Thema. Es gab keinen Anderen, der wie Du ein Mahner an der Klagemauer war, bei Wind und Wetter, auch noch im hohen Alter. Bewundernswert Deine Ausdauer, sie wurde belohnt durch die Verleihung des Aachener Friedenspreises 1998 und den Zuspruch unzähliger Besucher und vieler Prominenter: von Stéphane Hessel bis Lew Kopelew und dem Dalai Lama. Außerdem konntest Du über 500.000 Unterschriften sammeln. Was für ein Zeichen! Auch für die Armen warst Du immer da und engagiertest Du Dich auch in der Suppenküche, immer bereit, um zu helfen und auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen.

Man versuchte, Dich mit allen Mitteln von der Domplatte zu entfernen, aber Du widerstandest. Sogar so genannte Unterstützer von der Alten Feuerwache kündigten Dir die Lagerräume und die Freundschaft. Aber Du hattest viele Freunde und Unterstützer, die mit Dir dagegen kämpften, bis zum bitteren Ende!.

Fast wöchentlich bekam ich Deine langen handgeschriebenen Briefe, die mich tief bewegten und beeindruckten. Wo gibt es heute noch einen so regen handschriftlichen Briefverkehr, wie wir ihn pflegten? Ich vermisse Dich, Deine Briefe und die Kölner Klagemauer.

Inzwischen lebst Du weiter in der NRhZ und Deinen Nachlassverwaltern von der Arbeiterfotografie, Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, unseren gemeinsamen Freunden. Woche für Woche erinnern sie an Dich und Dein unvergessenes Werk.

Kurz vor Deinem Tod hast Du noch u.a. die Papptafeln der Klagemauer an das Kölner Stadtarchiv und das Kölner Stadtmuseum geschenkt. Was eine wunderbare Idee, die Deine Feinde, wie besonders den Grünen Philosemiten Volker Beck zu folgender Hass-Aussage veranlasste, die sogar vor Verstorbenen nicht halt macht! “Was man im Rahmen des Demonstrationsrechts dulden musste, muss nun nicht öffentlich verklärt werden.“ Höchstens unter der Rubrik Schandfleck könne er sich ein Exponat im Museum vorstellen, so Beck und weiter: „Die antisemitische Hetze Herrmanns war ein Skandal und ein Trauerspiel. Sie darf nun keineswegs geadelt werden“.Zitat Ende. Auch hatte Beck in einem offenen Brief an Kardinal Rainer Maria Woelki schon scharf kritisiert, dass ein Teil der Kölner Klagemauer anlässlich der Trauerfeier für Walter Herrmann in der Kirche St. Theodor in Vingst ausgestellt werden sollte.

Wie gern hätte ich am 15. November 2016 in Köln mit Volker Beck auf dem Podium gesessen, um für Dich einstehen zu können. Aber das wusste man zu verhindern, warum wohl?

Volker Beck war genau der Richtige für diese verleumderischen Angriffe gegen eine Klagemauer, die er so gut wie nicht kannte, ebenso wie den Verstorbenen, den er sogar nach seinem Tod diffamierte.

Glücklicherweise wird er voraussichtlich im nächsten Bundestag nicht mehr vertreten sein! Etwa ein Zeichen Gottes, oder nur der politischen (NICHT) Unterstützung?

Wie schrieben Anneliese und Andreas in zwei so treffenden Artikeln in der NRhZ?

Am 27. Juli 2016 "Einen Toten ermorden"
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22983

Am 23. November 2016 "Der Rufmord wird fortgesetzt"
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23320

Inzwischen ist die NRhZ Serie "Die Klagemauer muss leben" schon bei Folge 52 angelangt. Jede Folge ist eine wichtige Erinnerung.
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23477

Lieber Walter, Du bleibst unvergessen in meinem Herzen, und Dein Projekt für Gerechtigkeit wird nicht untergehen, ebenso wie Die Freundschaft zwischen uns. In diesem Sinn mache ich weiter und werde Dich und Deine Klagemauer immer im Herzen tragen und verteidigen gegen schmutzige Angriffe.

Happy Birthday für einen liebenswerten und wertvollen Menschen und Freund, der leider viel zu früh verstarb! In Memoriam Walter Herrmann, geboren am 26. Januar 1939, verstorben am 26. Juni 2016.


Siehe auch Fotogalerie zum 70. Geburtstag von Walter Herrmann:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13407

Mehr lesenswerte Beiträge über Walter Herrmann finden Sie hier:
http://sicht-vom-hochblauen.de/?s=walter+herrmann


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Online-Flyer Nr. 597  vom 26.01.2017

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