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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Globales
Rede von Donald Trump in Cincinnati/Ohio
Schluss mit Regime-Change! Stabilität, nicht Chaos!
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Die Regime-Change-Praxis des US-Imperiums soll nach den Worten des neu gewählten US-Präsident Donald Trump ein Ende haben. Das brachte er am 1. Dezember 2016 bei einer in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio gehaltenen Rede zum Ausdruck. Wörtlich sagte er: „Leute! Wir werden eine neue US-Außenpolitik verfolgen, die endlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernt. Wir werden mit dem Versuch aufhören, Regime zu Fall zu bringen und Regierungen zu stürzen... Unser Ziel ist Stabilität, nicht Chaos.” (“We will pursue a new foreign policy that finally learns from the mistakes of the past. We will stop looking to topple regimes and overthrow governments, folks... Our goal is stability, not chaos...”) Doch dieser Mann, der es wagt, solche für führende US-Kreise ungewöhnliche Vorstellungen zu äußern, ist selber Zielscheibe von Regime-Change-Absichten. Soros lässt grüßen. Das zeigt sich auch in der deutschen Friedensbewegung, aus der der Ruf erschallt: "Auf den Straßen und Plätzen weltweit: Trump stoppen!".


Screenshot aus einer Videoaufzeichnung der Rede von Donald Trump in Cincinnati/Ohio am 1.12.2016

"RT Deutsch" berichtet am 2.12.2016 wie folgt über die Äußerungen Trumps in einer Meldung mit dem Titel „Trump: Die USA werden keine Regimes oder Regierungen stürzen" wie folgt: "Der neu gewählte US-Präsident Donald Trump hat versprochen, keine Regimes anderer Länder zu stürzen. Das erklärte er bei seinem Auftritt in der Stadt Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. 'Wir werden den IS vernichten. Gleichzeitig werden wir eine neue Politik betreiben, indem wir unsere vorigen Fehler endlich berücksichtigen. Wir werden keine Regimes oder Regierungen stürzen. … Unser Ziel ist Stabilität, kein Chaos. Deswegen wollen wir unser Land wiederaufbauen', so Trump.“

Die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" zitieren am 2.12.2016 unter dem Titel „Donald Trump kündigt neue US-Außenpolitik an – Donald Trump will der US-Praxis, Regierungen im Ausland zu stürzen, ein Ende bereiten" Trump wie folgt: "Wir werden eine nationale Anstrengung unternehmen, um unsere schwer vernachlässigte Armee neu aufzubauen. Wir haben keine Wahl. Wenn wir auf diese Welt schauen, sie ist ein Pulverfass (tinder box). Wir möchten eine starke Armee – und wir wollen sie nicht einsetzen müssen. Idealerweise werden wir sie nicht einsetzen müssen. Aber wir werden ISIS zerstören. Gleichzeitig werden wir eine neue US-Außenpolitik verfolgen, die endlich aus den Fehlern der Geschichte lernt. Wir werden mit dem Versuch aufhören, Regime zu Fall zu bringen und Regierungen zu stürzen. Erinnern Sie sich: Sechs Billionen Dollar haben wir an Kosten im Nahen Osten ausgeben. Unser Ziel ist Stabilität, nicht Chaos. Denn wir wollen unser Land aufbauen – es ist an der Zeit.“

Palästina: Frieden ist machbar

Das sind nicht die ersten ungewöhnlichen Äußerungen. Zum Thema Palästina/Israel hat Trump am 23. November 2016 im Interview mit der "New York Times" erklärt: „Gerne wäre ich derjenige, der Israel und Palästinensern Frieden bringen kann... Ich würde das sehr gut finden. Es wäre eine großartige Leistung, denn niemand war dazu bislang fähig... Einflussreiche israelische Geschäftsleute sagen mir, das sei nicht zu machen, das sei unmöglich. Ich stimme dem nicht zu. Ich glaube, Frieden ist machbar. Ich glaube, die Menschen sind es leid, erschossen und getötet zu werden... Ich habe Gründe zu glauben, dass ich es schaffen kann.“

Mit Russland gut auskommen

Und hinsichtlich der Beziehungen der USA zu Russland und hinsichtlich des Krieges in Syrien hat Trump im Interview mit der "New York Times" geäußert: „Ich möchte gern mit Russland gut auskommen und ich denke, dass auch Russland gerne mit uns gut auskommen möchte. Das ist in unserem gemeinsamen Interesse... Wäre es nicht schön, wenn wir gut mit Russland auskämen. Wäre es nicht schön, wenn wir gemeinsam gegen den Islamischen Staat vorgingen... Wir müssen dem Wahnsinn, der sich in Syrien abspielt, ein Ende setzen.“

IS: Gründung von Obama und Hillary

Und am 11. August 2016 sprach Trump im Rahmen einer Wahlkampfrede folgendes aus: „Der IS (Islamische Staat) ehrt Präsident Obama. Er ist der Gründer des IS. Er ist der Gründer des IS – okay? Er ist der Gründer! Er hat den IS gegründet! Und ich möchte sagen, Mitgründerin dürfte die betrügerische Hillary Clinton sein. Mitgründerin! Die betrügerische Hillary Clinton! Das ist es, worum es geht!“ („ISIS is honoring President Obama. He is the founder of ISIS. He is the founder of ISIS, okay? He's the founder! He founded ISIS! And I would say, the co-founder would be crooked Hillary Clinton. Co-founder! Crooked Hillary Clinton! And that's what it's about!”)

Solch ein Mann, der sich derart ungewöhnlich äußert, wird zur Zielscheibe. Ein Mann, der erklärt, Frieden in Palästina schaffen zu wollen, soll gestoppt werden. Ein Mann, der erklärt, mit Russland gut auskommen zu wollen und den Krieg in Syrien beenden zu wollen, soll gestoppt werden. Ein Mann, der erklärt, die Regime-Change-Praxis der USA beenden zu wollen, soll gestoppt werden. Ein Mann, der in Sachen IS Klartext redet, soll gestoppt werden. Der Mann, der die Regime-Change-Praxis beenden will, soll selber per Regime-Change beseitigt werden.

Eine neue Form von Querfront entsteht

Und diese gegen Donald Trump gerichteten Regime-Change-Absichten, wie sie sich in einem George Soros und seinen Farbrevolutionen verkörpern, werden getragen von den Herrschaftsmedien – im Verbund mit Kräften in der Friedensbewegung. Das sieht ganz nach einer neuen Form von Querfront aus, wie sie sich bereits 2014 bei den Attacken gegen die so genannte "Neue Friedensbewegung" gezeigt hat. Was können die Kräfte in der Friedensbewegung damit bewirken wollen? Wenn Donald Trump tatsächlich am 20. Januar 2017 als nächster US-Präsident vereidigt werden sollte, wenn alle Versuche, dies im Vorfeld zu verhindern, scheitern sollten, und dann tatsächlich am Tage der Vereidigung zusammen mit Regime-Change-Kräften in den USA in Berlin am Brandenburger Tor unter dem Motto "Auf den Straßen und Plätzen weltweit: Trump stoppen!" demonstriert werden sollte, stellt sich die Frage: wofür? Für Clinton? Allein die Ankündigung einer solchen Demonstration trägt dazu bei, in Deutschland in einem "linken" Spektrum den Boden zu bereiten für die Akzeptanz, wenn Trump auf die eine oder andere Weise aus dem Weg geräumt werden sollte.

Konfrontiert mit Kritik an der Anti-Trump-Demonstration, reagiert einer ihrer Initiatoren allergisch. Man solle sich doch nicht den Unsinn einreden lassen, dass dieser Kerl Trump irgendetwas mit Frieden zu tun habe, und spricht von einem Milliardärskriegskabinett, ohne darzulegen, dass US-Präsidenten generell Milliardärsinteressen vertreten, und ohne daran zu erinnern, dass Linke und Friedensbewegung sich im Fall Obama ganz anders verhalten haben. Eine Demonstration gegen einen der größten Kriegspropagandisten unter dem Motto "Auf den Straßen und Plätzen weltweit: Obama stoppen!" hat es bei dessen Vereidigung nicht gegeben – selbst am Beginn seiner zweiten Amtsperiode nicht, als schon klar war, dass sich hinter seinen schönen hohlen Worten nur deren Gegenteil verbarg: Mord über Mord und Krieg über Krieg.

Antiamerikanismus kommt in Mode

Es bleibt die Frage: was ist mit Donald Trump so anders, dass sogar überwiegende Teile der Herrschaftsmedien gegen ihn Front machen? Woher rührt diese Welle von "Antiamerikanismus" – insbesondere unten denen, für die bislang "Antiamerikanismus" ein Kampfbegriff war, mit dem Kritik an den USA abgewehrt werden sollte? Wolfgang Effenberger erklärt es wie folgt: „Das Prinzip 'Gruppe Clinton' lautet: 'Was gut für General Motors ist, ist gut für die USA.' Dagegen hat das Prinzip der 'Gruppe Trump' eine kleine aber wichtige Ergänzung: 'Was gut für General Motors ist, ist gut für die USA nur dann, wenn General Motors in den USA produziert und in den USA Steuern zahlt.' Trump, gut integriert in die US-Eliten, ist also Teil eines Systems, welches untereinander einen äußerst harten inneren Kampf zwischen den kapitalistischen Nationalisten und den kapitalistischen Internationalisten führt, deren Interessen, Ziele und Visionen nicht kompatibel sind.“

Es zeigt sich: die Herrschaftsmedien wie SPIEGEL, ZEIT, TAZ etc. sind der verlängerte Arm der kapitalistischen Internationalisten. Soll das, was den Herrschaftsmedien – Clinton als US-Präsidentin zu installieren – nicht gelungen ist, jetzt die Aufgabe der Linken und der Friedensbewegung sein?


Quellen:

Meldung von RT Deutsch vom 02.12.2016
Trump: Die USA werden keine Regimes oder Regierungen stürzen
https://deutsch.rt.com/newsticker/43842-trump-usa-werden-keine-regimes/

Meldung der Deutschen Wirtschafts Nachrichten vom 02.12.2016
Donald Trump kündigt neue US-Außenpolitik an
Donald Trump will der US-Praxis, Regierungen im Ausland zu stürzen, ein Ende bereiten
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/02/donald-trump-kuendigt-neue-us-aussenpolitik-an/

Videoaufzeichnung der Rede von Donald Trump vom 01.12.2016 in Cincinnati/Ohio
CBS News: Donald Trump holds victory rally in Cincinnati
President-elect Donald Trump holds his first public event since his election night address
https://www.youtube.com/watch?v=JPMgPlj3G08

Washington Examiner an 01.12.2016
Trump's new foreign policy: 'We will stop looking to topple regimes'
http://www.washingtonexaminer.com/trumps-new-foreign-policy-we-will-stop-looking-to-topple-regimes/article/2608687

Russia Today am 02.12.2016
'New era of peace': Trump vows to stop US toppling of regimes during 1st stop of 'Thank You' tour
https://www.rt.com/usa/368951-trump-us-toppling-regimes-isis/

NRhZ 590 vom 30.11.2016
Interview der "New York Times" mit Donald Trump
„Gerne wäre ich derjenige, der Israel und Palästina Frieden bringen kann“
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23326

Videoaufzeichnung von USA TODAY vom 11.08.2016
Trump: Obama, Clinton co-founded ISIS
https://www.youtube.com/watch?v=mCHuZM_9qTk

Daily Mail am 01.08.2016
'He is the founder of ISIS': Trump repeatedly claims Obama is to blame for creating the terror group and calls Hillary its 'co-founder'
http://www.dailymail.co.uk/news/article-3734124/He-founded-ISIS-Trump-claims-Obama-deserves-credit-creating-Middle-Eastern-terror-army-names-crooked-Hillary-founder.html

Tagesanzeiger vom 11.08.2016
Trump bezeichnet Obama als Gründer des IS
Während einer Rede in Florida liess sich Donald Trump erneut zu unbedachten Äusserungen hinreissen. Dieses Mal nahm er den US-Präsidenten ins Visier.
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Trump-bezeichnet-Obama-als-Gruender-des-IS/story/16598936

NRhZ 512 vom 27.05.2015
Geheimes Pentagon-Dokument aus dem Jahr 2012: IS-Terror made in USA
Von Rainer Rupp
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21663

NRhZ 583 vom 12.10.2016
Eine Betrachtung gegen die Orientierungslosigkeit
Ein Hoch auf unsere Herrschaftsmedien (II)
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23189

NRhZ 590 vom 30.11.2016
Donald J. Trump
Hoffnungsträger oder Zeitbombe?
Von Wolfgang Effenberger
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23340


Text des Aufrufs „Auf den Straßen und Plätzen weltweit: Trump stoppen!“

Am 20. Januar 2017 soll Donald Trump in sein Amt als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika eingeführt werden. In vielen Orten und Städten der USA werden Menschen gegen Trump demonstrieren. Wir auch! In Berlin und in vielen anderen Orten Deutschlands – wo immer möglich! Wir demonstrieren gegen Trump – der wie dessen soziales Umfeld für eine Politik der massiven Aufrüstung, der Konfrontation u.a. gegen den Iran und Kuba aber auch Russlands steht.

Wir wollen endlich von den USA eine Politik, die aufhört, Kriege in aller Welt anzuzetteln. Wir wollen eine Politik, die nicht weiter aufrüstet, die Schluss macht mit den Drohnenmorden. Wir wollen, dass von den USA endlich Frieden ausgeht.

Wir sind den USA dankbar für ihren Beitrag zur Befreiung Europas vom Faschismus. Gerade dieser Beitrag der Vereinigten Staaten fordert heute von der Regierung der USA zu verlangen, nicht länger Russland mit Sanktionen und Krieg zu bedrohen. Zusammenarbeit für den Frieden zwischen den USA und Russland kann auch dazu beitragen, den furchtbaren Krieg in Syrien zu beenden. Sicherheit in der Welt erfordert globale soziale Gerechtigkeit, Abrüstung und die Stärke des Rechtes gegen das Recht der Stärkeren überall auf der Welt

Unsere Antwort an Trump: US-Atomwaffen aus Deutschland abziehen und NATO abbauen!

Wir treffen uns zur Friedenskundgebung auch mit dem anderen friedlichen Amerika am 20.01.2016 um 17.00 am Brandenburger Tor.


Siehe auch:

Stellungnahme zum Aufruf "Auf den Straßen und Plätzen weltweit: Trump stoppen!“
Warum ich den Aufruf nicht unterstütze
Von Doris Pumphrey
NRhZ 591 vom 07.12.2016
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23346

Online-Flyer Nr. 591  vom 07.12.2016

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