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Globales
Über die lähmende, paralysierende Wirkung der Anschläge vom 11. September 2001
Was ist aus der Linken geworden?
Von Paul Craig Roberts / LUFTPOST

Viele meiner Bekannten, die meiner Generation angehören, fragen sich, was mit den US-Linken los ist. Als die USA noch nicht ständig Krieg führten, der Monopolkapitalismus die Menschheit noch nicht so dreist bestohlen hat, die Eliten noch nicht so reich und so mächtig waren, die Polizei noch nicht so gewalttätig gegen die Bürger vorging, die soziale Sicherheit noch nicht so bedroht und die Militarisierung, Privatisierung und Deregulierung noch nicht so weit fortgeschritten waren, die Medien nicht nur Propaganda verbreiteten und es um unseren Staat noch besser stand, war die Linke doch viel präsenter und hat ständig lautstark gegen alle Missstände protestiert und demonstriert.

In fünfzehn Jahren haben die USA in sieben Staaten Krieg gegen die Bevölkerung geführt - die Zerstörung Jugoslawiens unter dem Clinton-Regime mitgezählt: in acht - und dabei Millionen Menschen umgebracht, zu Krüppeln gemacht oder aus ihrer Heimat vertrieben. Unser Land wurde in einen Polizeistaat verwandelt, die von unserer Verfassung garantierten Bürgerrechte wurden abgebaut, und Regierungen unter drei US-Präsidenten haben schwere Verbrechen begangen, die sowohl nach unseren eigenen Gesetzen als auch nach dem Völkerrecht strafbar sind. Sie haben gefoltert, Operationen unter falscher Flagge durchgeführt, verbrecherische Angriffskriege angezettelt und US-Bürger ohne richterliche Anordnung ausspionieren oder sogar ermorden lassen. Und die Linke hat sich kaum zu all dem geäußert.

Offensichtlich beginnen meine Bekannten die linke Kritik zu vermissen, die sie früher auf Missstände und Fehlentwicklungen aufmerksam gemacht hat. Ich weiß, wie sie sich fühlen. Weil wir von Vorurteilen und stereotypem Denken geprägt waren, kam es uns mitunter ganz gelegen, wenn Linke am Käfig unserer vorgefassten Meinungen rüttelten. Jetzt sind wir ständig der Propaganda unserer Regierung ausgesetzt, und nur im Internet gibt es noch einige dagegen argumentierende Stimmen.

Ich erinnere mich daran, nach einem 1992 im Rahmen der Frank M. Engle Lectures gehaltenen Vortrag in einer Frage-und-Antwort-Runde mit den Zuhörern gesagt zu haben, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie sehr wir Brennan und Marshall, die beiden (linken) Richter am Obersten Gerichtshof der USA, einmal vermissen würden.

"Demokratische" Regierungen haben sich die Macht diktatorischer Regime angeeignet

Heute bräuchten wir die Linke viel dringender als in früheren Zeiten, als sie sich noch regelmäßig zu Wort meldete. Unsere sich demokratisch gebenden Regierungen haben sich die Macht diktatorischer Regime angeeignet. So wurde zum Beispiel der von unserem Recht und unserer Verfassung garantierte Habeas-Corpus-Act (der einen richterlichen Haftbefehl vorschreibt) außer Kraft gesetzt. Und was noch schlimmer ist, Mitarbeiter des Weißen Hauses können Listen von US-Bürgern erstellen, die ohne Gerichtsverfahren und ohne Urteil ermordet werden dürfen. Das war bisher nur in Diktaturen möglich. Jetzt sind derart diktatorische Maßnahmen auch bei uns üblich, und kein Linker protestiert dagegen.

Man sollte meinen, dass die entlassenen US-Arbeiter, die mit ihren ins Ausland verlegten Jobs auch ihre finanzielle Sicherheit verloren haben, auf der Straße protestieren würden, wie ihre französischen Kollegen das tun. Man hört und sieht sie aber nicht. Als sie der US-Präsidentschaftskandidat Ross Perot 1992 vor ihrer drohenden Entlassung gewarnt hat, glaubten sie ihm nicht und stimmten deshalb auch nicht für ihn. Wenn die US-Arbeiter aus ihren Erfahrungen gelernt hätten und besser geführt würden, könnten sie jetzt Trump wählen, weil der wenigstens erkannt hat, dass mit dem Verlust so vieler Arbeitsplätze 99 Prozent der US-Amerikaner auch jede Zukunftsperspektive verloren haben. Wenn Trump nicht gewinnt oder keine neuen Arbeitsplätze schafft, hätten sie wenigstens erkannt, dass sie sich wehren müssen.

Die Aussichten der US-Linken, Gehör (und Anhänger) zu finden, sind heute besser als jemals zuvor. Warum hört man dann nichts von ihnen?

Hier ist meine Antwort auf diese Frage: Die Linke erlitt mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion einen gewaltigen Rückschlag. Er beraubte die Linke der Hoffnung, dass es eine Alternative zum "demokratischen" US-Kapitalismus geben könnte. Und er entmutigte die Linke auch, weil mit dem Untergang der Sowjetunion fast der gesamte Widerstand gegen den Herrschaftsanspruch Washingtons erlosch. Als sich auch China vom Maoismus lossagte und ins kapitalistische Lager wechselte, ging der Linken auch ihr letzter bedeutender Fackelträger verloren.

Die US-Regierung lügt, wenn sie nur den Mund aufmacht!


Die Anhänger der Linken sind auch verunsichert, weil sich die Linke nicht von den unter falscher Flagge inszenierten Terroranschlägen der US-Regierung distanziert. Warum verteidigt die Linke, die bisher jeder Behauptung der Regierung misstraut hat, ausgerechnet dem offiziellen US-Untersuchungsbericht zu den Anschlägen am 11.09.2001, den Leute ohne politische Ambitionen – Architekten, Ingenieure, Physiker, Nano-Chemiker, Mitglieder Feuerwehr und der Rettungsdienste, Piloten privater Fluggesellschaften und der Air Force – auf Grund vorliegender Beweise zu Recht anzweifeln? Die Linke hat doch selbst darauf hingewiesen, dass der so genannte Tonkin-Zwischenfall nie stattgefunden hat und nur als Vorwand für den Vietnam-Krieg diente, dass Saddam Hussein keine "Massenvernichtungswaffen" hatte und dass der Iran kein Atomwaffenprogramm betrieb. Die Linke weiß doch selbst, dass die US-Regierung lügt, wenn sie nur den Mund aufmacht! Warum hält sie dann ausgerechnet die völlig unwahrscheinliche Verschwörungstheorie der US-Regierung über die Anschläge am 11. September 2001 für wahr?

Ich glaube, dass die Linke nach der Niederlage des Marxismus nur noch eine einzige Hoffnung hat: Sie hofft, dass sich die vom Westen unterdrückten Völker erheben und dessen Herrschaft abschütteln werden. Für die Linke sind die Anschläge am 11.09. deshalb ein Zeichen der Gegenwehr der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker. Darum redet sich die Linke ein, die offizielle Lügenstory über den 11.09. träfe tatsächlich zu. Und wahr seien auch die offiziellen Berichte über die "Terroranschläge" in Orlando und Nizza, obwohl auch dafür keine stichhaltigen Beweise vorgelegt wurden.

Wenn man den US-Linken früher erzählt hätte, ein mit einer Geschwindigkeit von 56 Meilen (90 km) pro Stunde fahrender großer Lastwagen habe 185 Menschen niedergemäht und unmittelbar danach seien an dem LKW kein Blutfleck, kein Fetzen Stoff, keine Leichenteile und noch nicht einmal eine Beule zu sehen gewesen, hätten sie die Behauptung sofort und lautstark als Falschmeldung zurückgewiesen.

Wer mit dieser Geschwindigkeit schon einmal einen Hund oder ein Reh überfahren hat, weiß, wie viel Blut dabei fließt und wie groß der Schaden an seinem Auto ist. Fragen Sie Experten, ob eine Person, die unter einen mit dieser Geschwindigkeit fahrenden Lastwagen gerät, ohne sichtbare Wunden und ohne Blutlache auf der Straße liegen bleibt?

Sie brauchen aber eigentlich nicht erst zu fragen, um zu wissen, dass da etwas nicht stimmen kann. Wenn ein 56 Meilen pro Stunde fahrender LKW einen Menschen überfährt, werden dessen Körperteile über ein längeres Stück Straße verteilt. Das ist auf Fotos von Nizza aber nicht zu sehen.

Wenn die US-Linken früher erfahren hätten, dass die Leiterin der Videoüberwachung bei der städtischen Polizei in Nizza vom französischen Innenministerium in Paris angewiesen wurde, die von den Überwachungskameras entlang der Straße, auf der 185 Menschen von einem LKW überfahren wurden, aufgenommenen Videos komplett zu löschen und den Polizeibericht von dem Vorkommnis abzuändern, hätte die Linke Rechenschaft von den Behörden gefordert, und nicht die um Aufklärung bemühten Menschen als "Verschwörungstheoretiker" diffamiert.

Wer Fragen stellt, wird von der Linken zum Schweigen gebracht

Heute versucht die US-Linke diejenigen zum Schweigen zu bringen, die Fragen zu diesen seltsamen "Anschlägen" stellen – die nicht glauben wollen, dass einige Saudis mit minimalen fliegerischen Kenntnissen große Passagierflugzeuge kapern und die US-Flugsicherung austricksen konnten, oder dass 185 Menschen von einem großen Lastwagen überrollte Menschen keine Blutspuren auf der Straße hinterlassen und deshalb wissen wollen, warum Videobeweise zerstört und Polizeiberichte verfälscht werden mussten.

Mit der offiziellen Story über die Anschläge am 11. September 2001 hat die US-Regierung ihre sämtlichen nachfolgenden (völkerrechtswidrigen) Angriffskriege gerechtfertigt. Es ist schwierig Kriege abzulehnen, wenn man die dafür angegebenen Gründe für zutreffend hält. Mit der Anerkennung der offiziellen Verschwörungstheorie der US-Regierung über die Anschläge am 11.09. hat die US-Linke auch die Antikriegsbewegung der USA gelähmt.

Warum glaubt die Linke der US-Regierung ausgerechnet deren Behauptungen zur Rechtfertigung ihrer Kriege und zur Errichtung eines Polizeistaates? Meiner Meinung nach lautet die Antwort darauf, dass die Linken sich davor fürchten, von den Zweiflern ihrer Hoffnung beraubt zu werden, die unterdrückten Völker könnten begonnen haben, sich zu wehren und ihre Unterdrücker abzuschütteln. Das hat mir sogar Alexander Cockburn einmal selbst bestätigt. Er sagte mir, wenn er die abweichende Meinung der Experten über den 11.09. akzeptiere, gebe er damit seine Hoffnung auf, dass die Anschläge der Beginn der Auflehnung der unterdrückten Völker seien und nehme ihnen damit ihre Würde. Ich weiß, was Alex meinte. Ich verstehe auch, dass jede Bewegung Hoffnung braucht. Die Hoffnung darf aber nicht den Blick auf Tatsachen verstellen.

Vertrauen in die Wahrheit

Ich biete der Linken oder besser ihrem traurigen Rest eine Alternative zu ihrer trügerischen Hoffnung an: das Vertrauen in die Wahrheit. Ihr solltet euch nicht länger vor den Karren der Unterdrücker spannen lassen! Greift sie (mit der starken Waffe Wahrheit) an, und ihr werdet staunen, wie eure Kraft wächst. Die Menschen lassen sich nicht auf Dauer zum Narren halten. Sie sind reif für die Wahrheit, weil ihre persönliche Situation immer stärker in Widerspruch zu den Geschichten gerät, mit denen man sie zu täuschen und ruhig zu stellen versucht. Wenn sich aber niemand an ihre Spitze stellt, kann ihr Missmut nicht zur Revolte werden.

Der Westen braucht eine starke linke Bewegung, die all die Lügner entlarvt, die uns in einen Krieg treiben wollen, der alles Leben auf unserer Erde auslöschen könnte. Ich würde eine reformistische Linke einer revolutionären vorziehen, aber selbst eine revolutionäre Linke wäre mir lieber als die derzeit unangefochtene Schreckensherrschaft der Neokonservativen.


Anmerkung von LUFTPOST: Wir haben den Artikel besonders für die Antideutschen, die Spalter der Friedensbewegung und diejenigen Mitglieder der Partei DIE LINKE übersetzt, die für eine Koalition mit der SPD und den GRÜNEN auch noch die letzten marxistischen Prinzipien opfern wollen.


Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung am 11.9.2016 bei LUFTPOST – Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein (dort mit zusätzlichen Hinweisen)
http://luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP12316_110916.pdf

Englischsprachiger Originalartikel:
What Became of the Left?
Institute for Political Economy, Paul Craig Roberts, 19.08.2016
http://www.paulcraigroberts.org/2016/08/19/what-became-of-the-left-paul-craig-roberts/


Online-Flyer Nr. 579  vom 14.09.2016

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