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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Ablenkungsmanöver als Machtstrategie der Politik
Von Evelyn Hecht-Galinski

Wer sich mit Populisten gemein macht und deren Sprache, Meinungen und hohle Floskeln übernimmt, darf sich nicht wundern, wenn die Gewaltbereitschaft und Verrohung immer stärker um sich greift. Wo bleibt die Demokratie, wenn Menschen in ihrer Würde verletzt werden? In Zeiten ständig neu erzeugter Feindbilder, derzeit zwei, von hervortretenden, verschiedenen "Interessenvertretern" erzeugte, nämlich die der "Islam-Hasser" und die der "Antisemitismusjäger". (1)(2) So ist es an der Zeit, sich wirklich zu fragen, was ist nur aus Deutschland geworden? Was sind das für Töne, wenn Kanzlerin Merkel im Bundestag davon spricht, dass "unser Deutschland so bleibt wie es ist, "mit allem was uns lieb und teuer ist". Was meint sie damit? (3)


Kongress "Natürlich für Israel" am 11. September 2016 in der Kölner Flora (Foto: arbeiterfotografie.com)

Hat sich Deutschland unter ihrer "Regentschaft" nicht schon nachhaltig verändert? Zumal es weder "ihr" noch "unser" Deutschland ist, sondern Deutschland insgesamt. Mir zum Beispiel ist an Deutschland "lieb und teuer" eine "multi-kulturelle" Republik, die in all ihren Facetten wohltuend weltoffen und eben auch offen für ALLE ist, unsere muslimischen Mitbürger eingeschlossen. Was allerdings seit Merkels eigenmächtiger Flüchtlingspolitik vor sich geht, kann einem tatsächlich Anlass zu großer Sorge geben. Was haben die "christlich-jüdischen" Werteheuchler angerichtet, was jetzt den Rechtspopulisten zu so einer unangebrachten Attraktivität verhilft? Da gab es einen Zentralratspräsidenten Schuster, der vor muslimischen Flüchtlingen und deren angeblichem Antisemitismus warnte, und der Obergrenzen für eine Flüchtlingsaufnahme forderte. Er gab also den "jüdischen Seehofer" mit Äußerungen, die jeder Substanz entbehren und zudem nicht verfassungskonform sind. Anstatt einmal vor der eigenen Haustür zu kehren und einmal den "Jüdischen Staat" und dessen rassistische Einwanderungspolitik zu kritisieren, die ganz im Sinne der deutschen Rechten nur jüdische Flüchtlinge einbürgern will, während schwarze Immigranten inhaftiert werden, oder zurückgeschickt werden in eine tödliche Zukunft. Und als Pendant dazu wollte die neue Rechte, wie AfD-Gauland, schon einmal das Asylrecht für Muslime "aussetzen", und die CSU will in ihrem Papier "christliche Flüchtlinge" bevorzugen. Alles soll "ethnisch sauber", "völkisch" bleiben! (4)(5)(6)(7)

"Rasse"-Politik

Erneut haben wir es also mit einer "Rasse"-Politik zu tun, die für uns ja alles andere als neu ist. Hier zeigt sich ein Phänomen, wie sich „Zionisten“ und „Faschisten“ einander angleichen, weil alles die gleichen Ideologien sind. Ausgerechnet am 11. September hatte Netanjahu doch tatsächlich die Chuzpe, ein Video ins Netz zu stellen, in dem er vor "ethnischen Säuberungen" in den (illegal!) besetzten palästinensischen Gebieten warnte! Mit diesem perfiden Ablenkungsmanöver soll doch nur davon abgelenkt werden, dass der "Jüdische Staat" seit seiner Gründung 1948 die ethnische Säuberung Palästinas betreibt. (8)(9)(10)

Zusätzlich hatte er noch die Dreistigkeit, einen Gedenktag gegen "islamistischen Terror" zu fordern, auch das nur ein Ablenkungsmanöver von eigenem Staatsterror und dem überfälligen Gedenken an die tausende von ermordeten Palästinenser durch judaistischen Terror. (11)

Es begann mit der Nakba, der Katastrophe der Vertreibung und Zerstörung Palästinas zum Zwecke der Judaisierung und führte sich fort in dem ständig wachsenden Siedlungsbau, mit heute mehr als 500.000 illegalen jüdischen Siedlern im judaisierten Palästina. Ständig neue Siedlungsgenehmigungen und die illegale Zerstörung von mehr als 700 palästinensischen Häusern, allein in letzter Zeit, zeigen doch ganz klar, welche Politik das Netanjahu-Regime und deren Vorläufer schon immer zelebrierten: die endgültige Judaisierung ganz Palästinas, inklusive Jerusalem als "ewig ungeteilte" Hauptstadt eines "Jüdischen Staates". Dass die Hälfte der jüdischen Bevölkerung für einen „Transfer“, d.h. Vertreibung der Palästinenser in die Wüste ist, sollte uns allen doch zu denken geben! Und Woche für Woche häufen sich die Morde der "jüdischen Verteidigungssoldaten", zumal sie sich sicher sein können, straflos zu bleiben und von der jüdischen Bevölkerung noch bejubelt zu werden für ihre Verbrechen. All das allerdings findet in der deutschen Presse und Politik wenig Beachtung, da man viel zu beschäftigt ist mit dem Kampf gegen „Antisemitismus“, verpackt in "Israel-Kritik" und "Judenhass"! So wird uns Israel immer wieder als Vorbild dargestellt, was gerade angesichts der deutschen Vergangenheit ein Hohn ist.

Ethnokratie Israel

Während den vertriebenen Palästinensern bis heute ihr legales Rückkehrrecht nach Palästina verweigert wird, dürfen jüdische Staatsbürger aus aller Herren Länder "zurückkehren". So hat es die Ethnokratie Israel von Anfang an darauf angelegt, sich als „jüdischer“ Staat zu behaupten, während die Palästinenser in Israel nur Bürger zweiter oder dritter Klasse sind, und zu Parias der jüdischen Gesellschaft degradiert werden, und man in den illegal besetzen Palästinensergebieten ein Schreckensregime aufgebaut hat, welches die jüdischen Besatzer zu ethnischen Herrschern über die Besetzten machte.

Gnadenlos wird diese Besatzungspolitik verfolgt, mit immer neuen Schikanen, Ideen und Drangsalierungen. Zusätzlich wurde ein Kollaborationssystem zwischen den israelischen Besatzungsbehörden und der "Vichy-Abbas"-Behörde aufgebaut, was eine fast identische Interessenpolitik verfolgt und den Status Quo erhalten will, den beide Partner unbedingt erhalten wollen, da sie mehr als gut damit leben können. Allerdings wird das palästinensische Volk und speziell die Jugend, die hoffnungslos und frustriert und ohne Perspektiven lebt und nichts anderes kennt als Besatzung, von beiden Seiten mit Missachtung bestraft. So war es mehr als voraussehbar, dass weder Israel, noch die Palästinenserbehörde freie Wahlen in den illegal besetzten Gebieten wollen. Beide wissen ganz genau, dass die – demokratisch gewählte – Hamas-Regierung aus dem Konzentrationslager Gaza, die ebenfalls bei der im Oktober angedachten Wahl antreten wollte, haushoch gewinnen würde. Das allerdings wäre natürlich kontraproduktiv für die jüdischen Besatzer und die im illegal besetzen Westjordanland regierende Fatah. Seitens des Netanjahu-Regimes werden immer wieder Pfeile gegen den "gemäßigten" Präsidenten Abbas abgeschossen, kürzlich wieder die alten Kamellen von Abbas als vormaligen KGB Agent, oder die von Netanjahu immer mal wieder vorgebrachte Hetze gegen Abbas mit dem – auch vor die UN-Vollversammlung gebrachten – absurden Vorwurf, einen zukünftigen palästinensischen Staat „judenrein“ halten zu wollen.

Netanjahu hat ja schon so viele Ablenkungsmanöver gestartet, um von eigenen Schwierigkeiten abzulenken. So hat die Judaisierung und die rechtsradikale Besatzungspolitik nur dazu geführt, dass sich die jüdische Bevölkerung Israels immer weiter diesem populistischen Gedankengut angenähert hat und immer mehr Politiker im "Jüdischen Staat" diese Hass-Politik übernehmen. Wie jetzt auch der ehemalige TV-Moderator, Finanzminister und Vorsitzende der Zukunfts-Partei Jair Lapid, der mit seinen Rechtsruck sogar noch den Likud von Netanjahu schlagen würde, wären jetzt Neuwahlen. Außerdem muss Netanjahu ablenken von den zu erwartenden Ermittlungen gegen ihn, seine Ehefrau Sara und seinen Sohn. Allerdings haben Bibi und Sara bis jetzt alle Skandale und Prozesse unbeschadet überstanden! Aber was er aktuell in seinem Video verbreitete, war schon so unverschämt, dass dies sogar die US-Freunde in Washington empörte. Aber was heißt das schon? Empörung ist eine Sache, aber Konsequenzen daraus zu ziehen, eine andere. Wenn die USA weiter die finanzielle Unterstützung, die Milliarden für die Rüstung und Besatzung aufrecht erhalten, und davon ist auszugehen, dann wird sich nichts ändern. Auch die EU, die zwar ständig die illegale Besatzung kritisiert, aber klaglos mit unseren Steuergeldern alles wieder aufbaut, was die jüdischen Besatzer zerstört haben.

Verdrehung und Geschichtsklitterung

Verdrehung und Geschichtsklitterung ist die Spezialität von Netanjahu und seinem Regime. Ja, in der Tat, es ist abscheulich, wie die Welt zusieht, wie dieser Staat die Genfer Konvention missachtet, die doch eine Ansiedlung eigener Bevölkerungsteile – die Siedler – auf besetztem Land verbietet. Kritiker dieser Politik diffamiert er als „ethnische Säuberer“, obwohl er und sein Regime diese in Fortsetzung voriger Regierungen schon immer betrieben hat. Die gleiche Politik betreibt die Israel-Lobby in Europa und speziell in Deutschland, die Kritiker der illegalen israelischen Besatzung in die antisemitische Schmuddelecke drängen.

Derzeit ist eine bisher nicht für möglich gehaltene Kampagne im Gange, mit der versucht wird, Existenzen und freie Meinungsäußerung zu verhindern. Besonders verwerflich ist, dass sich Politiker aller etablierten Parteien daran beteiligen, die sich von den Lobbyisten einschüchtern lassen und sofort in die Falle laufen und sich eilfertig distanzieren von einem vermeintlichen Antisemitismus distanzieren.

Ein weiterer Skandal ist die wohlwollende Begleitung jüdischer Organisationen, die hier Spenden für die illegale jüdische Besatzung sammeln dürfen, oder die Gelder bereitstellen, um deutsche Bürger jüdischer Religion zur Solidarität mit der Besatzungsmacht Israel ermutigen, oder noch schlimmer, für eine Auswanderung nach Israel motivieren. (12)(13)

Der "Jüdische Staat" will alles, nur keinen Frieden

All das also, was türkischen Organisationen in Deutschland verboten werden soll, genau das ist bei jüdischen Organisationen erlaubt. Ein gerade beendeter Kongress in Köln, "natürlich für Israel", zeigte in empörender Weise, wie die "Grünwaschung" der Landraub- und Vertreibungspolitik immer wieder von deutschen Medien und durch die Politik unterstützt wird. (14)(15)(16)(17)(18)

Die zunehmende Aggressivität und Verrohung der Sprache fördert die Stärke der Rechtspopulisten, ebenso wie die immer stärker werdende Ablenkungs- und Verleumdungskampagnen der Israel-Lobby. Dem müssen wir widerstehen, dass wir mit windigen Argumenten dieser Hetz-Lobby alle zu Antisemiten gemacht werden. Schier unglaublich, wie diese Einschüchterungen immer mehr Wirkung zeigen, während sich die echten Antisemiten entspannt zurücklehnen können. (19)

Dazu die Forderungen des Botschafters des "Jüdischen Staates", Hadas-Handelsman, dass Israel-Kritik in Israel bleiben sollte, gemünzt auf die Organisation "Breaking the Silence", und Vorgehen gegen internationale Hilfsorganisationen wie World Vision, und Geheimprozesse gegen den beschuldigten Al-Halabi, oder denken wir noch an das Vorgehen gegen die Mavi Marmara, und als das Netanjahu-Regime das neue "umstrittene" Gesetz gegen Nichtregierungsorganisationen verabschiedete, um kritische Organisationen auszuschalten. (20)(21)(22)(23)(24)

Es bleibt dabei: der "Jüdische Staat" will alles, nur keinen Frieden. Wir sollten uns durch diese Ablenkungsmanöver nicht hinters Licht führen oder beeindrucken lassen!


Fussnoten:

1 https://www.klassegegenklasse.org/wie-kritik-an-israel-als-antisemitismus-diffamiert-wird/
2 http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/10239-ursachen-fuer-islamophobie
3 http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-09/angela-merkel-generaldebatte-bundestag-haushalt
4 http://www.deutschlandfunk.de/csu-forderungskatalog-bevorzugung-christlicher-fluechtlinge.694.de.html?dram:article_id=365489
5 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zentralrat-der-juden-warnt-vor-antisemitismus-durch-fluechtlinge-a-1100329.html
6 https://www.tagesschau.de/inland/afd-petry-voelkisch-101.html
7 http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/afd-vize-alexander-gauland-will-asylrecht-fuer-muslime-aussetzen-14359784.html
8 http://www.wiwo.de/politik/ausland/israel-netanjahu-loest-mit-vorwuerfen-zu-ethnischer-saeuberung-zorn-aus/14529682.
9 http://mondoweiss.net/2016/09/netanyahus-cleansing-department/
10 http://www.aljazeera.com/news/2016/09/netanyahu-faces-backlash-ethnic-cleansing-remark-160910130443136.html
11 http://www.stern.de/panorama/netanjahu-fordert-am-9-11-gedenktag-kampf-gegen-islamistenterror-7052380.html
12 http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26445
13 http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26453
14 http://www.ksta.de/politik/-natuerlich-fuer--israel--in-koeln--bild--herausgeber-kai-diekmann-geehrt-24725414
15 http://bdsberlin.org/2013/02/15/kann-kolonisation-gruen-sein-der-juedische-nationalfonds-jnfkkl-in-israel-palaestina/
16 http://www.tagblatt.ch/nachrichten/international/tb-au/Umstrittene-Baeume-in-Israel;art120098,3369288
17 http://www.deutschlandfunk.de/islamverband-hessen-will-zusammenarbeit-mit-ditib.1947.de.html?drn:news_id=655376
18 http://www.bz-berlin.de/berlin/hamas-unterstuetzer-werben-in-der-berliner-u-bahn
19 http://sicht-vom-hochblauen.de/badische-zeitung-wir-werden-alle-zu-antisemiten-gemacht/
20 http://www.ksta.de/politik/juedischer-kongress--israel-botschafter-kritisiert--breaking--the-silence--24718574
21 http://www.deutschlandfunk.de/prozess-gegen-world-vision-mitarbeiter-in-gaza-verfahren.1818.de.html?dram:article_id=364617
22 http://www.deutschlandfunk.de/world-vision-affaere-ein-mann-wird-zum-politikum.1773.de.html?dram:article_id=362316
23 http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-knesset-verabschiedet-umstrittenes-ngo-gesetz-a-1102531.html
24 http://www.spiegel.de/politik/ausland/viele-tote-und-verletzte-blutiger-angriff-israels-auf-gaza-hilfsflotte-a-697642.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzen der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 579  vom 14.09.2016

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