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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Filmclips
Stadt-Reinigung – Von der Privatisierung öffentlicher Räume
"Z" 1994 (KAOS Kunst- und Video-Archiv)



https://youtu.be/UfLy2mr7HGIUfLy2mr7HGI

"Z", das Magazin für Politik, Satire und Kunst in Kanal 4 thematisiert in seiner Sendung 13/1994 die Vertreibung von obdachlosen Menschen aus der Kölner Innenstadt. Diese Vertreibung ist kein lokales Thema rund um den Kölner Dom, sondern eine deutschland- und weltweit zu beobachtende Entwicklung des kapitalistischen Gangs über Leichen im wahrsten Sinne des Wortes. Das Magazin „Z“ und der vom ehemaligen NRhZ-Herausgeber Peter Kleinert wesentlich mit initiierte Kanal 4 ist zur Zeit der Einführung kommerzieller Fernsehsender selbst ein Politikum. Die Aktualität der Thematik ist verblüffend: als Bollwerk für den Frieden und gegen die Vertreibung der Armen steht die Kölner Klagemauer vor dem Dom. Walter Herrmann, ihr Betreiber und späterer Friedenspreisträger, lebt in seinem Einsatz gegen die Vertreibung in Wort und Tat auf. Dass die Stadt Köln und ihre Honoratioren sich gegen seine Klagemauer – welcher Thematik auch immer – aussprechen, kann nicht mehr verwundern.

Der satirische Kommentar „Kölner Fenster“ zum Vorgang erscheint in einem weiteren Kurzvideo (aktuell im youtube-Kanal von arbeiterfotografie). Der dokumentarische Beitrag ist leicht gekürzt wiedergegeben.

Der nachfolgende, von Peter Kleinert verfasste Text stammt aus der Filmbeschreibung des KAOS Kunst- und Video-Archiv.

    Wie Obdachlose aus den Einkaufszentren der Großstädte vertrieben werden. Beispiele aus Köln, Berlin und Rio de Janeiro

    "Dank der Kölner Polizei" wurde aus einer geplanten "Z"-Reportage über Obdachlose unter dem Schutz der Klagemauer von Walter Herrmann am Kölner Dom ein "Knüller" in den ARD-Tagesthemen. "Walter, die Bullen wollen den Jupp vom Wallraffplatz vertreiben", meldete ein Obdachloser aufgeregt auf der Domplatte unserem Gesprächspartner. Wir begleiteten ihn und wurden Zeugen eines brutalen Polizeieinsatzes gegen "Rollstuhlfahrer Jupp", der dort von der Polizei "Platzverweis" hatte. Obdachlose sind weder in der Kölner noch in der Berliner Innenstadt von den Geschäftseigentümern gern gesehen.

    In Berlin ist man schon einen Schritt weiter als in Köln. Da werden private Sicherheitsfirmen gegen Bettler und Obdachlose eingesetzt. Der nächste Schritt, so befürchtet Volmer do Nascimiento aus Rio de Janeiro – dort Unterstützer von Obdachlosen und Straßenkindern und inzwischen vor der Polizei nach Deutschland geflüchtet – ist nicht mehr weit: In den Großstädten seiner Heimat bringen Polizei und Sicherheitskräfte die lästigen Menschen einfach um. Sie schaffen sie nicht nur einfach in einen Wald und lassen sie dort erfrieren, wie gelegentlich in Deutschland.

    Einen Tag nach der Sendung unserer Reportage in den ARD-Tagesthemen berichtete die Kölner Boulevardzeitung EXPRESS unter der Schlagzeile "Ist Kölns Polizei zu brutal? – Staatsanwalt ermittelt nach Aktion gegen Behinderten":

    Einen Tag vor seinem Abschied stand Kölns Polizeipräsident Jürgen Hosse noch einmal böser Ärger ins Haus. Sind seine Beamten zu brutal? Wie weit darf ein Polizist bei einem Einsatz gehen. Seit gestern ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Kölner Polizeibeamte wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Der Grund war Sonntagabend bundesweit in den "Tagesthemen" zu sehen und veranlaßte zahlreiche Bürger zu entsetzten Kommentaren. Die Fernsehbilder dokumentierten, wie mindestens acht Beamte den Behinderten unter dem Einsatz körperlicher Gewalt von der Domplatte zerrten, weil er ihren Anweisungen nicht gehorchte..."

    EXPRESS einen Tag später (Der Polizeiübergriff wird im Blatt inzwischen zum Aufmacher auf Seite 1):

    „Köln – Empörung über Einsatz gegen einen Behinderten: ‚So kann man doch nicht mit einem Menschen umgehen.’ Empörte Anrufe bei EXPRESS und WDR. Die Bilder des brutalen Polizeieinsatzes gegen einen Rollstuhlfahrer erschüttern in ganz Deutschland...“

    EXPRESS-Überschrift einen weiteren Tag danach: "Politiker vertreiben die Armen" – Gestern 16 Uhr im Rathaus. Die Grünen schieben ein Fernsehgerät vor den Sitzungssaal. Gezeigt wird der Tagesthemen-Bericht über die Polizeiaktion gegen den Rollstuhlfahrer Jupp Riesel. Sie haben das Thema auf die Tagesordnung gesetzt und verlangen, daß sich die anderen Parteien von der Verwaltung distanzieren. Das Gegenteil passiert. Albert Schröder (CDU) dankt Stadtverwaltung und Polizei dafür, "daß Sicherheit und Ordnung wieder hergestellt werden." Heinz Lüttgen (SPD) ist der Antrag der Grünen "billige Polemik", der Vorfall mit dem Rollstuhlfahrer eine "Inszenierung". Detlef Hartmann, Anwalt des Behinderten, kündigt Strafanzeigen gegen die Polizei an...

Autoren: Peter Kleinert und Helmut Dietrich
Produktionsjahr: 1994
Länge (ungekürzt): 29,3 min
Copyright: KAOS Kunst- und Video Archiv


Der vollständige Magazin-Beitrag (u.a. mit Kommentar) ist als DVD oder ggf. als Download zu beziehen über das KAOS Kunst- und Video-Archiv per Anfrage über arbeiterfotografie@t-online.de.


Kommentar zum Beitrag "Stadt-Reinigung":



Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 577  vom 18. Dezember 2017



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Von Kostas Koufogiorgos
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