NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 27. Mai 2017  

zurück  
Druckversion

Fotogalerien
Fronleichnam am 26. Mai 2016 in Köln
Schrei nach Würde, Frieden und Gerechtigkeit
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

„Wir können heute nicht Fronleichnam feiern, ohne alles zu tun, um gegen die Ungerechtigkeit und das Elend dieser Welt mit den uns zur Verfügung stehenden Kräften anzukämpfen. Dazu müssen wir die Verursacher benennen. Wir müssen sagen: die von uns gewählten Politiker sind es, die im Interesse der wenigen Superreichen handeln und damit verantwortlich sind für Ungerechtigkeit und Elend dieser Welt. Die von uns gewählten Politiker sind es, die das Elend verursachende Embargo gegen Syrien aufheben könnten – aber sie tun es nicht. Die von uns gewählten Politiker sind es, die das Schüren des Krieges gegen Syrien beenden könnten – aber sie tun es nicht. Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken – jeden Tag, tausendfach. Jeder Tod ein Tod Gottes! Gott aber ist ein Gott des Lebens! Deshalb wird Christus uns einst fragen: Hast Du mich wirklich erkannt, als ich als Flüchtling in Dein Land kam und Deine Hilfe brauchte? Und vor allem: hast Du denen ins Gewissen geredet, die für das In-die-Flucht-Schlagen verantwortlich sind – den Kriegstreibern, denjenigen, für die das Kapital über allem steht? Sprecht sie an! Ihre Gehilfen sitzen in Washington, London, Paris und vielen anderen Hauptstädten, auch in Berlin. Wartet nicht! Beginnt damit gleich heute!“ Ist das ein authentisches Zitat? Hat Rainer Maria Kardinal Woelki das bei seiner Fronleichnamspredigt so gesagt? Nein, bedauerlicherweise nicht.


Der Ort des Friedens auf der Domplatte ist verwaist…(alle Fotos: arbeiterfotografie.com)


Rainer Maria Kardinal Woelki (Mitte) in einem Flüchtlingsboot vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Rainer Maria Kardinal Woelki bei seiner Predigt in einem Flüchtlingsboot: „Ihr Schrei nach Gerechtigkeit, ihr Schrei nach Würde und Frieden ist Gottes Schrei...“


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Gottesdienst vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz


Die Fronleichnamsprozession startet auf dem Roncalliplatz


Die Fronleichnamsprozession startet auf dem Roncalliplatz


Die Fronleichnamsprozession startet auf dem Roncalliplatz


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt


Schneise zum Eingang des Doms


Der Ort des Friedens auf der Domplatte ist verwaist. Hier stand Jahrzehnte lang Walter Herrmann mit seiner Klagemauer für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht, doch seit Anfang 2016 nicht mehr….


Aber immerhin: einiges davon hat Kardinal Woelki tatsächlich gesagt: „Wir können also... heute nicht Fronleichnam feiern, ohne alles zu tun, um gegen die Ungerechtigkeit und das Elend dieser Welt mit den uns zur Verfügung stehenden Kräften anzukämpfen... Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken – jeden Tag, tausendfach... Jeder Tod ein Tod Gottes! Gott aber ist ein Gott des Lebens! ... Deshalb wird Christus uns einst fragen: ... Hast Du mich wirklich erkannt, als ich als Flüchtling in Dein Land kam? Hast Du mich wirklich erkannt, als ich Deine Hilfe brauchte?“

Ihr Schrei nach Gerechtigkeit, nach Würde und Frieden ist Gottes Schrei

Und er hat gesagt: „Wenn wir daher in wenigen Augenblicken den am Kreuz hingeopferten Leib des Herrn in der Monstranz durch die Straßen unserer Stadt tragen, dann ist das derselbe Leib des Herrn, dem wir auf den Straßen in den Armen und in den Fluten des Meeres, in den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und in den unheilbar Kranken, in den traumatisierten Kindern aus Bürgerkriegsregionen, in ihren verzweifelten Müttern und den verschleppten Vätern – in jeder Frau, jedem Mann, jedem Kind, das auf Zukunft hofft, antreffen. Ihr Schrei nach Gerechtigkeit, ihr Schrei nach Würde und Frieden ist Gottes Schrei...“

Der Glaube schenkt uns die Kraft, den Wenigen ihre Macht zu nehmen

Und Kardinal Woelki hat auch Sätze ausgesprochen, die ahnen lassen, wer die Verantwortlichen sind – beispielsweise: „Wer nur für die Menschen Medikamente und Impfstoffe entwickelt, die an Zivilisationskrankheiten leiden, der lässt andere in ärmeren Ländern verenden.“ Aber im Wesentlichen geht er nicht über das Benennen der Symptome hinaus, wenn er z.B. sagt: „Hast Du mich wirklich erkannt, als ich als Flüchtling in Dein Land kam? Hast Du mich wirklich erkannt, als ich Deine Hilfe brauchte? Der Glaube ... schenkt uns die Kraft und die Entschiedenheit, uns der Armut, der Verzweiflung und der Ausweglosigkeit der Menschen zuzuwenden.“ Aber er sagt nicht: der Glaube schenkt uns die Kraft, die wenigen dafür Verantwortlichen zu sehen – auch wenn sich diese Wenigen nahezu unsichtbar an abgelegenen Orten dieser Welt hinter Sicherheitszäunen in ihren Villen verschanzt haben. Und er sagt nicht: der Glaube schenkt uns die Kraft, den Wenigen ihre Macht zu nehmen.

Der Ort des Friedens ist verwaist

Und Kardinal Woelki hat seinen Auftritt unter freiem Himmel auf dem Roncalli-Platz nicht genutzt, um sich bei einem Kämpfer für den Frieden zu entschuldigen, der ganz in Nähe – in Sichtweite – Jahrzehnte lang fast Tag für Tag dafür gesorgt hat, dass die Verantwortlichen von Kapital-Verbrechen beim Namen genannt werden. Er hat nicht nur die schrecklichen Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki beklagt. Er hat auch die US-amerikanischen Täter benannt. Er hat sich nicht nur darauf beschränkt, den so genannten Nahost-Konflikt mit seinen Opfern zu thematisieren. Er hat deutlich gemacht, dass der "Konflikt" ein Verbrechen ist, das das zionistische israelische Regime über Jahrzehnte systematisch betrieben hat und die Mitverantwortlichen auch im Deutschen Bundestag sitzen. Kardinal Woelki hat es versäumt, auf den verwaisten Ort auf der Domplatte hinzuweisen, an dem Walter Herrmann Jahrzehnte lang die Klagemauer für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht betrieben hat. Kardinal Woelki hätte zum Ausdruck bringen können, wie sehr er es bedauert, dass ein Mensch, der mit allen seinen zur Verfügung stehenden Kräften „gegen die Ungerechtigkeit und das Elend dieser Welt“ angekämpft hat und nach Kräfte zehrenden Auseinandersetzungen – auch mit seiner Kirche – derart angeschlagen ist, dass der Ort der Klagemauer seit Anfang des Jahres leer geblieben ist. Aber der Kardinal kann das Versäumte noch nachholen.


Komplette Predigt von Kardinal Woelki:
http://www.erzbistum-koeln.de/export/sites/ebkportal/erzbistum/erzbischof/.content/documentcenter/predigten_rcw/160526_rcw_pr_fronleichnam.pdf


Siehe auch:
APPELL KIRCHLICHER WÜRDENTRÄGER AUS SYRIEN:
Die Sanktionen gegen Syrien und die Syrer sind unverzüglich aufzuheben
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22834

Online-Flyer Nr. 564  vom 01.06.2016

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP
FOTOGALERIE


Hafentage: Gegen Faschismus und Krieg gestern und heute
Von Arbeiterfotografie / Steidinger