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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Inland
BigBrotherAwards 2016
Die Freiheit stirbt scheibchenweise
Von bigbrotherawards.de

"Die Freiheit stirbt scheibchenweise, erst wenn sie verschwunden ist, wird es bemerkt und dann ist es zu spät. Die BigBrotherAwards wollen gegen diese Entwicklung mobil machen." Das waren die Schlussworte der Gast-Laudatorin Sabine Leutheusser-Schnarrenbergger bei der Verleihung der BigBrotherAwards 2016. Jeweils einen BigBrotherAward bekamen das Bundesamt und die Landesämter für Verfassungsschutz, die Datensammelplattform change.org, die Berliner Verkehrsbetriebe für Ihre Fahrcard, IBM für ihr Social Dashboard, die Generali Versicherung für ihr Kundengängelungssystem, und einen Neusprech-Award bekam das Wort "Datenreichtum". Wie üblich konnten die Gäste am Ende der Verleihungsveranstaltung wählen, welcher Preis sie besonders „beeindruckt, erstaunt, erschüttert, empört, …“ hat. Das Ergebnis ist auffallend deutlich: den Publikumspreis 2016 erhielt mit absoluter Mehrheit der "Verfassungsschutz".



Nachfolgend sind die Kurzbegründungen für die Verleihung der BigBrotherAwards 2016 wiedergegeben.

Bundesamt für Verfassungsschutz / Landesbehörden für Verfassungsschutz

Der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ erhält rechtzeitig zum Eintritt ins Rentenalter den BigBrotherAward 2016 in der Kategorie „Lifetime“ für 65 Jahre Datenschutz- und Bürgerrechtsverletzungen. Ausgezeichnet wird der „Verfassungsschutz“ insbesondere für Überwachung und Stigmatisierung staats- und gesellschaftskritischer Gruppen und Personen, für sein unkontrollierbares V-Leute-System, für heillose Verflechtungen in mörderische Neonazi-Szenen und die Vertuschung illegaler Praktiken. Trotz ihrer Skandalgeschichte werden die Verfassungsschutzbehörden nicht etwa wirksam gezügelt, sondern noch weiter aufgerüstet und mit neuen Geheimbefugnissen ausgestattet. (Laudator: Dr. Rolf Gössner)

Change.org (Kampagnenplattform, Berlin und USA)

Die US-Firma und Kampagnenplattform change.org erhält den BigBrotherAward 2016 in der Kategorie Wirtschaft für ihr Geschäftsmodell, personenbezogene Daten von Unterzeichner.innen zusammen mit deren politischen Meinungsäußerungen zu vermarkten. Change.org kommt als alternatives Projekt daher, ist aber eine gewinnorientierte US-Firma. Dabei gibt es datenschutzrechtlich viele Mängel, zum Beispiel werden die Daten der Nutzer.innen auch weiterhin in den USA gespeichert, obwohl der Europäische Gerichtshof das "Safe Harbor"-Ankommen für ungültig erklärt hat. (Laudatoren: Dr. Peter Wedde und Sönke Hilbrans)

IBM für die Software "Social Dashboard"

Die Firma IBM erhält den BigBrotherAward 2016 in der Kategorie Arbeitswelt für ihre Software "Social Dashboard", mit der Firmen das Sozialverhalten von Angestellten kontrollieren und auswerten können. "Social Dashboard" bedient sich an Metadaten aus dem firmeneigenen sozialen Netzwerk "Connections" und vergibt für Likes und Weiterleitungen eine Punktzahl und ein "Soziales Ranking". Es ist ein Versuch, die Bewertung von sozialem Verhalten einer Maschine zu überlassen. Es setzt falsche Anreize und führt zu mehr Arbeitsdruck. (Laudator: Frank Rosengart)

Die Generali-Versicherung

Die Generali-Versicherung erhält den BigBrotherAward 2016 in der Kategorie Verbraucherschutz, weil sie ihren Versicherten Vorteile verspricht, wenn diese ihre Fitnessdaten und ihr Einkaufsverhalten per App oder Sportkleidung an die Versicherung weiter melden, die sie wiederum an ein Bonuspunkte-System nach Südafrika übermittelt. Dies führt zur Entsolidarisierung und widerspricht dem Grundgedanken unseres Sozialsystems. (Laudator: padeluun)

Berliner Verkehrsbetriebe BVG

Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG erhalten den BigBrotherAward 2016 in der Kategorie Technik für ihre elektronische VBB-Fahrcard, auf der bei jedem Einsteigen Datum, Uhrzeit, Buslinie und Haltestelle abgespeichert wurden. Preiswürdig ist besonders die Informationspolitik der BVG, die lange wider besseren Wissens behauptete, eine solche Speicherung sei technisch unmöglich. Dieser BBA kritisiert auch die Absicht vieler anderer Verkehrsunternehmen, Papiertickets durch Chipkarten zu ersetzen. Wenn der Datenschutz hier nicht schon von Anfang an eingebaut wird, werden freie Bewegung und unbeobachtetes Reisen in Zukunft nahezu unmöglich. (Laudatorin: Rena Tangens)


Weitere Informationen hier:
https://www.bigbrotherawards.de/2016


Die BIGBROTHERAWARDS DEUTSCHLAND wurden ins Leben gerufen, um die öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz zu fördern – sie sollen missbräuchlichen Umgang mit Technik und Daten aufzeigen. Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland die BigBrotherAwards an Firmen, Organisationen und Personen verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen, Datenschutz und Bürgerrechte verletzen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen. Die BigBrotherAwards sind ein internationales Projekt: In bisher 19 Ländern wurden solch fragwürdigen und bürgerrechtswidrigen Praktiken mit diesen Negativpreisen "ausgezeichnet". Einmal jährlich werden die bundesdeutschen Datenschutznegativpreise BigBrotherAwards in Bielefeld vergeben.

Online-Flyer Nr. 561  vom 11.05.2016

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Von Kostas Koufogiorgos
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