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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Die Banalität des gezielten Wegschauens!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Von allen Seiten prasselt es auf die Flüchtlinge ein, die geballten Forderungen nach Integration. Wenn Integration heißt, Israel zu lieben, dann bin ich, obwohl waschechte Berlinerin und Deutsche, nicht integriert. Diese Forderungen sind ein fauler Witz, angesichts eines "Jüdischen Staates", der alles dafür tut, dass man ihn verachtet. Schlimm genug ist es, dass wir mit unseren Steuergeldern seine Besatzungsverbrechen mit finanzieren und dadurch aktiv unterstützen. Die deutschen Medien haben es geschafft, ganz banal durch Weglassen von diesen Verbrechen im illegal besetzten Palästina abzulenken, und auf den Zug der Terrorgefahr durch „den Islam“ und seine gefährlichen Terroristen aufzuspringen. Was konnte den jüdischen Staatsterroristen besseres passieren?


Protest in Berlin, 2014

Überhöhung alles jüdischen und des Judentums

Gerade in Deutschland ist eine Überhöhung alles jüdischen und des Judentums zu spüren, die immer groteskere Züge annimmt. Ich möchte es als Paranoia vom Antisemitismus zum Philosemitismus beschreiben. Ein gefährlicher Zustand, der nichts mit Wiedergutmachung der Schuld zu tun hat, sondern nur neue Schuld hervorruft. Wie kann man so brutal die Augen verschließen, wenn Kinder, und aktuell ein kleines 12-jähriges palästinensisches Mädchen, zu mehreren Jahren Haft verurteilt werden? (1) Wie kann man die Augen verschließen vor den unzähligen verletzten und traumatisierten Kindern durch die Verbrechen der "jüdischen Verteidigungsarmee"? (2) Unglaublich mit welcher Brutalität "jüdische Verteidigungssoldaten" gegen Familien, Frauen und Kinder vorgehen. (3)

Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 wurden 1300 Palästinenser durch jüdische „Verteidigungs“soldaten verletzt, keine Zeile darüber in deutschen Medien. (4) Sobald es aber jüdische Bürger im "Jüdischen Staat" betrifft, wird dies groß aufgemacht, um dem deutschen Michel immer wieder die Gefährdung des kleinen "Heiligen Landes" durch „palästinensische Terroristen“ vor Augen zu führen, ohne allerdings die Ursachen des Konflikts zu benennen. Wer spricht über die unzähligen Frauen und Mädchen in israelischer Unrechtshaft? (5)

Wer protestiert gegen die massiven illegalen Häuserzerstörungen der "jüdischen Verteidigungsarmee", die allein an einem Tag 124 palästinensische Menschen obdachlos gemacht haben? (6) Wer hinterfragt die Tatsache, dass jüdische Mediziner in Israel dabei helfen, palästinensische Gefangene zu foltern, ist das mit der medizinischen Ethik zu vereinbaren, oder entspricht das der "jüdischen Ethik"? (7) Als Besonderheit hat der "Jüdische Apartheidstaat" die Rassentrennung in seinen Krankenhäusern eingeführt; schwangere palästinensische Mütter werden als potenzielle Gefahr angesehen, die ja einen kleinen Terroristen gebären könnten. Als Konsequenz dieser rassistischen Politik befürworten 41% der jüdischen Israelis diese rassistische Praxis. (8)(9)

Kein Wunder, dass dieser jüdische Rassismus immer stärker wird, denn schon 2014 hat die Justizministerin des Netanjahu-Regimes, Ayelet Shaked, zum Völkermord aufgerufen, als sie forderte, alle palästinensischen Mütter in Gaza zu töten, ihre Häuser zu zerstören, damit sie keine Terroristen gebären können, da diese Mütter nur Schlangen züchten und Schlangenkinder gebären. Shaked ist zudem für das neue mehr als undemokratische NGO-Gesetz verantwortlich, das nicht genehme Nichtregierungsorganisationen diskriminiert und finanziell unter Druck setzt. Dazu meinte sie, dass sich die Richter am Obersten Gerichtshof vom Talmud inspirieren lassen sollten, anstatt sich an allgemeinen Gesetzen und europäischem Rechtsgut zu orientieren. Darüber hinaus lehnt Shaked einen Palästinenserstaat als „Selbstmord“ für den "Jüdischen Staat" ab. (10)

Fußtritt gegen das deutsche Grundgesetz

Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr als absonderlich, dass der SPD-Justizminister Maas mit dieser seiner Amtskollegin im Dezember 2015 eine Konferenz ausgerechnet zum Thema "Demokratie und Rechtsstaat" veranstaltet hat. (11) Ein Skandal der besonderen Art, sich mit dieser jüdischen Rechtsauffassung gemein zu machen, und ein Fußtritt gegen das deutsche Grundgesetz! Je mehr Hingabe an den jüdischen Besatzerstaat, desto mehr bekämpfen deutsche Politiker, quer durch die Parteien, die gewaltfreie BDS-Kampagne (Boykott-Desinvestitionen-Sanktionen), anstatt ihre Energie für ein Ende der illegalen Besatzung Palästinas – übrigens das Ziel der BDS-Kampagne – einzusetzen! (12)

Diese BDS-Kampagne wird weltweit immer effektiver und wird deshalb auch vehement von Politikern im "Jüdischen Staat" angegriffen, und hochrangige Minister rufen sogar zur „zivilen gezielten Tötung“ von BDS-Aktivisten auf. In einem offenen Brief ruft der BDS-Mitbegründer Omar Barghouti dazu auf, „diese beispiellose Anstiftung zur Gewalt gegen Palästinenser und andere Verteidiger der Menschenrechte durch die israelische Regierung eindeutig zu verurteilen. (13)

Dazu gehört auch die Schmier/Hetzkampagne des berüchtigten Kampagnenjournalisten Benjamin Weinthal von der Jerusalem Post, auf deren Intervention die DAB Bank München das BDS-Konto gekündigt hat. Ein massiver undemokratischer Eingriff in deutsche Souveränität, die wir nicht hinnehmen dürfen! (14)(15)(16)(17) Ich kann nur immer wieder betonen, wie wichtig diese BDS Bewegung für die Befreiung des illegal besetzten Palästinas ist.

Ebenso skandalös ist auch die immer wieder in den deutschen Medien wiederholte Parole von "Israel lernen", wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht. Es ist eine Schande, so philosemitisch die Augen zu verschließen vor dem Flüchtlingselend der nicht-jüdischen Flüchtlinge und Asylsuchenden im "Jüdischen Apartheidstaat"! Hier kam es geradezu zu einem medialen Tsunami der deutschen "Medienschleimer", die an Verlogenheit ihresgleichen suchte! Da wollte kaum eine Zeitung nicht dabei sein. Das war die Propaganda, die die Israel-Lobby brauchte und bekam. (18)(19)(20)

Motto: was gut für Juden ist, ist erlaubt

Eine Mehrheit von über 50% der jüdischen Israelis befürwortete schon Ende 2015 die illegalen Hinrichtungen, das "Töten auf der Stelle" durch "jüdische Verteidigungssoldaten". (21) Über 66% der jüdischen Israelis stimmen dem sephardischen Rabbiner Jitzhak Josef zu, der alle Angreifer mit Messer sofort töten lassen will. Da wird immer vom gefährlichen Islamismus gesprochen, aber der "Rabbinistische Judaismus" und der Koscher-Stempel für Tötungen wird beiseite gelassen, nach dem Motto: was gut für Juden ist, ist erlaubt. Leider hatten schon verschiedene seiner Kollegen mit rassistischen Aussprüchen auf sich aufmerksam gemacht. Diese Sprüche gehen leider unter in der Anti-Islam- Stimmung! (22)

Wie entlarvend ist es, dass nach der brutalen Hinrichtung eines verletzten wehrlosen Palästinensers durch einen "jüdischen Verteidigungssoldaten", dies auch noch von einer großen Mehrheit der jüdischen Bürger im Besatzerstaat befürwortet wird, ebenso vom Ministerpräsidenten Netanjahu, der sich sofort hinter die Armee stellte und dem Vater des Schützen "Mut" zusprach. 56% der jüdischen Bürger halten einen Prozess gegen den Mordschützen für falsch und 42% sind sogar der Meinung, er habe "verantwortungsvoll" gehandelt. So wurde die Mordanklage auch sofort fallen gelassen und er kam aus dem Militärgefängnis in den offenen Arrest. Was ist also von einem "Jüdischen Staat" mit solch einem Rechtsverständnis zu halten? (23)(24)

Das war nur ein kleiner, mehr als trauriger Überblick, der in der Banalität der Manipulation des nicht Berichtens unterging. Denn bedauerlicherweise haben die Palästinenser nicht die Mittel und schon gar nicht die Lobby, um auf das ihnen täglich zugefügte Unrecht mediengerecht hinzuweisen. Die Macht der Worte weiß die Hasbara und das jüdische Besatzer-Regime für sich zu nutzen. Es ist ein ungleicher Krieg gegen ein wehrloses Volk, denn es sind nicht zwei Staaten, die gegeneinander kämpfen, sondern es geht um einen übermächtigen Besatzerstaat, der ein besetztes Volk als ewigen Feind vertreibt und ethnisch säubert. In dem nur das Leben der eigenen Soldaten und Bevölkerung zählt, während das gedemütigte palästinensische Volk vertrieben und dezimiert wird.

Es ist ein neuer schleichender Völkermord, der hier unter den gleichgültigen Augen der heuchlerischen Weltgemeinschaft vor sich geht, jetzt noch unheilvoller unter dem gemeinsamen Kampf gegen vermeintlichen islamischen Terror. Und weil sie zu dem so offensichtlichen Unrecht schweigt und wegschaut, macht sich diese „Wertegemeinschaft" wieder mit schuldig am Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Schluss mit der Banalität des gezielten Wegschauens!


Fussnoten:

(1) http://www.aljazeera.com/news/2016/03/youngest-israeli-prisoner-12-year-girl-160317064812932.html
(2) http://mondoweiss.net/2016/04/another-palestinian-boy-is-shot-in-head-with-rubber-coated-bullet-in-occupied-jerusalem/
(3) http://www.spiegel.de/politik/ausland/video-aus-israel-soldat-kaempft-mit-palaestinensischer-familie-a-1050601.html
(4) https://www.middleeastmonitor.com/news/middle-east/24916-israeli-forces-injured-1300-palestinians-in-first-three-months-of-2016
(5) http://muftah.org/trapped-between-prisons-palestinian-women-in-detention/#.VwpcH59XopE
(6) https://www.middleeastmonitor.com/news/middle-east/24925-israeli-demolitions-displace-124-palestinians-in-just-one-day
(7) https://electronicintifada.net/blogs/charlotte-silver/israeli-doctors-assist-torture-palestinian-prisoners
(8) http://www.jpost.com/Israel-News/Report-Various-Israeli-hospitals-separate-pregnant-Jewish-Arab-on-request-450271
(9) http://www.telesurtv.net/english/news/Poll-41-of-Israeli-Jews-Want-Racially-Segregated-Hospitals-20160409-0046.html
(10) http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-justizministerin-ayelet-shaked-sagt-zweistaatenloesung-ab-a-1074681.html
(11) https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/DE/2015/12072015_Deutschland_Israel_Justizkonferenz.html
(12) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/25130
(13) http://bds-kampagne.de/2016/04/03/israelische-minister-rufen-zur-zivilen-gezielten-toetung-von-bds-aktivisten-aufomar-barghouti-israelische-regierung-bedroht-palaestinensische-verteidiger-der-menschenrechte/
(14) http://www.actvism.org/politics/kampagne-gegen-die-bds-bewegung/
(15) http://www.jpost.com/Israel-News/Israel-warns-German-banks-over-anti-Semitic-BDS-accounts-450678
(16) https://www.rt.com/news/339080-israel-bds-terrorism-german-banks/
(17) http://bds-kampagne.de/2016/02/29/exklusiv-bds-kampagne-bedankt-sich-bei-der-jerusalem-post-und-benjamin-weinthal/
(18) http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/deutschland-kann-in-der-fluechtlingskrise-von-israel-lernen-13815287.html
(19) http://www.sueddeutsche.de/politik/terror-was-europa-von-israel-lernen-kann-1.2920793
(20) http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Weltlage/article149990007/Von-Israel-lernen-wie-man-Einwanderer-integriert.html
(21) https://deutsch.rt.com/international/35501-studie-israelis-fordern-extralegale-totungen/
(22) https://www.middleeastmonitor.com/news/middle-east/24919-over-66-of-jewish-israelis-agree-with-rabbis-controversial-statement
(23) http://www.spiegel.de/politik/ausland/benjamin-netanyahu-weist-kritik-am-israelischen-militaer-zurueck-a-1084311.html
(24) http://www.sueddeutsche.de/politik/israel-volk-gegen-armee-1.2940662


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzen der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 557  vom 13.04.2016

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