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Aktueller Online-Flyer vom 22. Februar 2017  

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Glossen
Da War doch noch was?
Donald, das Trumpeltier
Von Harald Schauff

Der Karneval ist vorüber, die Realsatire lebt fort und nimmt allmählich bedrohliche Züge an: Donald Trump, der schlechte Kaugummi-Witz, die rechtspopulistische Persiflage des US-Präsidentschafts-Wahlkampfes hält unbeirrt Kurs Richtung Weißes Haus. Das Unvorstellbare gewinnt Gestalt, die Konturen der Groteske werden schärfer. Auch wenn es am Ende für die polternde Politparodie nicht reicht und die Republikaner doch einem anderen Kandidaten den Vorzug geben: Trump hat längst soviel Staub aufgewirbelt, dass dieser Amerikas politische Landschaft nachhaltig verschmutzt. Was soll die Wählerschaft von dem ganzen Wahltheater noch ernst nehmen? Der Milliardär macht’s den anderen schwer. Egal wie er holpert, stolpert, durch den Porzellanladen trumpelt und welchen Bullshit er durch die Lautsprecher trumpetet: Beifall und Jubel der Massen sind ihm sicher.

In Mexico will er eine Mauer bauen, um Migranten draußen zu halten. Das weiße Amerika soll seinen Nationalstolz zurück erlangen, das Sternenbanner wieder ehrfurchtgebietend im Winde flattern. Waterboarding findet Trump in Ordnung. Die Terroristen sollen ja nicht glauben, sie hätten es mit Weicheiern zu tun. Der Mikro-Macho gibt sich auch gern sexistisch: Frauen findet er dann bemerkenswert, ‘wenn sie gute Brüste oder einen guten Po haben’. Er stuft sie auf einer Skala von 1 bis 10 ein. Heidi Klum, so twitterte er, sei ‘leider keine 10 mehr’ (Siehe DER SPIEGEL 46/2015). Amerikas Wählerinnen dürften diese Anwandlungen kaum gefallen. Gleichwohl: Trumps Plumpheit lässt ihn auf seine Wähler authentisch wirken. Gern verkauft er sich als ehrliche Haut: Letztes Jahr wies er in Dallas sein Publikum darauf hin, dass er im Gegensatz zu anderen Politikern auf Teleprompter verzichtet. Er hat seinen Teletrumpter vor dem inneren Auge. Dort liest er alles ab, was ihm der Absonderung würdig erscheint. Bis alle Klischees verdroschen und alle Gegner mit Schlamm bespritzt sind. Fällt ihm mal nichts ein, weist er auf seine irrsinnig guten Umfrage-Werte hin. Auf jene und die Einschaltquoten kommt es an, will man in der Mediengesellschaft bestehen. So kann diese ‘69 Jahre alte, unpolitische Windmaschine mit schlecht sitzender Föhnfrisur’ (Markus Feldenkirchen im SPIEGEL 46/ 2015) den US-Wahlkampf aufwirbeln.

In Iowa durfte er sich noch mit dem zweiten Platz begnügen hinter dem Hardliner Ted Cruz, der die christlichen Gemüter dieses Staates durch einen Spot betörte, welcher ihn mit seiner Familie händchenhaltend beim Tischgebet zeigte. Trump triumphierte dafür deutlich in New Hampshire. Bei den Demokraten unterlag Hilary Clinton Bernie Sanders. Dem politischen Establishment weht kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Woher dieser rührt? Vom ‘Schlüsselproblem unserer Epoche’ (Obama): Der wachsenden Ungleichheit. Der Kluft zwischen Arm und Reich entsteigen faule Gase, welche den Heißluft-Ballons solcher Populisten wie Trump gewaltig Auftrieb geben. Oh Amerika, was humpelst und was pumpelst du und welchen Zeiten trumpelst du entgegen? Du wirst dich doch nicht eines Tages nach Schorsch W. Bush zurücksehnen?


Harald Schauff ist Redakteur der Kölner Obdachlosen- und Straßenzeitung "Querkopf". Sein Artikel ist im "Querkopf", Ausgabe März 2016, erschienen.

Online-Flyer Nr. 555  vom 30.03.2016

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