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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Die Wurzel allen Übels!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Musste es noch Beweise geben für die Verbrechen der "jüdischen Verteidigungsarmee", so wurden diese letzte Woche auf schreckliche Art erneut bestätigt. Da erschoss, und nicht zum ersten Mal, ein "jüdischer Verteidigungssoldat einen schwer verletzt am Boden liegenden Palästinenser. Diese Hinrichtung hatte ein zufällig am Tatort anwesender Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation B`tselem filmen können. Auf diesem Video kann man außerdem erschreckende Sätze hören wie "er verdient es zu sterben, dieser Hund". Schon im letzten November war in Jerusalem ein palästinensisches 14jähriges (!) Mädchen, bereits am Boden liegend, von mehreren Schüssen eines "jüdischen Verteidigungssoldaten“ hingerichtet worden. Ein weiteres Video zeigt die Ermordung eines 18jährigen Palästinensers durch einen jüdischen Siedlermob. Diese Vorfälle ließen sich seitenlang fortsetzen. (1) (2) (3) (4) (5)

Tatsächlich häufen sich seit letztem Oktober die verzweifelten Versuche einer durch zeitlebens erlittene Besatzung hoffnungslosen und gedemütigten, verzweifelten palästinensischen Jugend, nur bewaffnet mit Scheren, Messern und Steinen, sich gegen die übermächtigen Besatzer zu wehren, und in der Gewissheit, gegen die jüdische Besatzerübermacht keine Chance zu haben. Während die ältere Generation schon in lethargischer Hoffnungslosigkeit erstarrt ist, versucht die Jugend, sich zu erheben, und geradezu gnadenlos werden diese jungen Widerständler hingerichtet von "jüdischen Verteidigungssoldaten". Wenn jetzt noch Premier Netanjahu als Verteidiger der feigen Mörder-Soldaten auftritt, so ist das nur natürlich für dieses Besatzer-Regime. Er wagt es doch tatsächlich, von den "hohen ethischen Werten" der "jüdischen Verteidigungssoldaten" zu sprechen, die unter schwierigen Bedingungen gegen blutrünstige Mörder kämpfen. Was für eine Schamlosigkeit. Diese Armee ist weit entfernt von ethischen Werten, das haben die vielen Hinrichtungen, Razzien, Häuserzerstörungen und Angriffe, wie zuletzt der Gaza-Völkermord bewiesen.

Endziel Judaisierung

Ich warte nur noch darauf, dass sich Kanzlerin Merkel auch noch aus dem Osterurlaub meldet und Netanjahu ihre Solidarität in diesem "Anti-Terrorkampf" zusichert. Wird uns doch tatsächlich in diversen Medien der "Jüdische Staat" immer wieder als Vorbild hingestellt. Was für eine Bodenlosigkeit! Ist nicht vielmehr der "Jüdische Staat" eine wichtige Ursache der Wut, die uns jetzt als Terroranschläge erreichen? Der "Jüdische Staat" mit seiner illegalen Besatzung Palästinas ist ein schwelender Hauptkonflikt seit Jahrzehnten durch die zionistisch motivierte Kolonialisierung ganz Palästinas, als Endziel der Judaisierung als Staatsräson. Natürlich erreicht man dieses ehrgeizige Ziel nur mit dem ewigen Mythos des um Sicherheit kämpfenden, von Feinden im Innern, wie von außen umzingelten Judenstaates. Der selbst angeblich nur Frieden will, aber keinen Friedenspartner findend nur auf militärische Stärke bauend, eine Sicherheitskultur aufgebaut hat, die ihresgleichen in der Welt sucht. Mit dieser zionistischen Staatsideologie hat sich bisher jede Regierung im "Jüdischen Staat" ihre Macht gefestigt. Geradezu euphorisch haben sich inzwischen die jüdischen Bürger in Israel auf dieser Besatzer-Ideologie eingelassen, im Rausch der Macht gegenüber den Palästinensern als ewig Leidtragenden.


"Bilin, Gaza..." - Gemälde von Ursula Behr, 2009

Die jüdische Besatzung Palästinas ist Staats-Terror und trägt große Schuld an vielen Konflikten, Kriegen und Terrorangriffen. Dieser "Jüdische Staat" baut sich tatsächlich auf zwei Säulen auf, der Macht der hochgerüsteten Militärmacht, dem Zivilmilitarismus, der das ganze Volk prägt, und die jüdische Religion, die der Staat instrumentalisiert, indem nur die jüdischen Gesetze als staatliche Gesetze fungieren und das Pochen auf Anerkennung als "Jüdischer Staat".

Da haben wir es also wieder, die Instrumentalisierung der Religion für schreckliche politische Ziele, völlig undemokratisch. Jüdisch und demokratisch als Staat geht gar nicht!

Islam und Islamismus: Feindbild Nummer 1

Feindbilder haben wir momentan genug, ständig wird uns der Islam und der Islamismus als Feind Nummer 1 vorgeführt, während der "Judaisimus" der jüdischen Extremisten negiert wird. Nochmals, wenn ständig von der Politik gefordert wird, dass sich Muslime von islamistischen Terroranschlägen distanzieren sollen, aber andererseits von jüdischen Bürgern nicht verlangt wird, dass sie sich von Verbrechen des "Jüdischen Staates" distanzieren sollen, dann sind das nicht hinnehmbare Doppelstandards! Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass ich von mir bekannten Muslimen noch nie gehört habe, dass sie sich mit den die schrecklichen Terrortaten solidarisieren, aber ich habe sehr wohl von jüdischen Bürgern gehört, die sich vollkommen mit dem "Jüdischen Besatzerstaat" solidarisieren, noch bestärkt von jüdischen Funktionären und deutschen Politikern.

Diese Wut und Erbitterung ist doch mehr als verständlich. Ebenso die ständige Stigmatisierung der "arabisch stämmigen Flüchtlinge" als potentielle Antisemiten, weil sie den "Jüdischen Besatzerstaat" und dessen Unterstützer nicht mögen. Was verlangt man da, Integration sei nur möglich bei Anerkennung der deutschen Staatsräson für Israel, und wenn das Existenzrecht des "Jüdischen Staates" anerkannt wird. Dieser bösartige Unsinn passt genau zu der Politik des Innenministers de Maiziere mit seinem aktuellen Integrations-Forderungskatalog für Flüchtlinge, was für eine verlogene Scharfmacher Politik, nach dem Merkel Isolations-Desaster. (6)

Für überhaupt nicht Integration fördernd erscheint mir allerdings das Ansinnen Volker Kauders, "der Spezialist für christliche Flüchtlinge", für deren Schutz in Flüchtlingsheimen vor Muslimen. Wäre es nicht viel wichtiger, Flüchtlingsheime vor rechtsradikalen Brandstiftern zu schützen und zu bewachen? (7) Volker Kauder der CDU Fraktionschef macht so wieder Stimmung gegen muslimische Flüchtlinge!

Jahrzehntelange Menschenrechtsverletzungen der jüdischen Besatzer

Was sich über Ostern in diversen deutschen Medien abspielte, spiegelte den traurigen Zustand der Republik wider. Die Medien überschlugen sich förmlich in Lobeshymnen auf den "Pfarrer Präsident Gauck", für seine „mutigen Worte“ in China für die Menschenrechte. Nur die "berüchtigte Giftsuppenköchin" der Süddeutschen Zeitung, Constanze von Bouillon, kritisierte Gauck für den fehlenden Satz: "Deutschland akzeptiert die Menschenrechtsverletzungen in China nicht". Was für eine Verlogenheit, Gauck zu loben für seine „offenen Worte“ in der Türkei und in China, während er bei seiner Reise in den "Jüdischen Staat" kein kritisches Wort gegen die jahrzehntelangen Menschenrechtsverletzungen der jüdischen Besatzer sagte, und sich im Gegensatz zu seinem Besuch in China auch mit keinem oppositionellen Palästinenser oder jüdischen Dissidenten getroffen hat. Diese scheinheilige Verlogenheit dieser Werteheuchler ist unerträglich! Ich erinnere hierzu nochmals an meinen damaligen offenen Brief an Gauck vor dessen Reise in den "Jüdischen Staat", der leider bis heute unbeantwortet blieb. (8)

Ja, in der Tat, es waren und sind schreckliche Anschläge in Paris und Brüssel, und sie sind verabscheuungswürdig und mit nichts zu rechtfertigen! Aber was ist mit den barbarischen Luftangriffen, Drohnenangriffen, oder gezielten Tötungen vermeintlicher Terroristen, der Lizenz zum töten, die uns alles gestattet? Wodurch sind diese Verbrechen zu rechtfertigen? Weil wir die „Guten“ sind und „unsere Werte“ verteidigen? Es war wieder einmal die Zeit der Brennpunkte und selbsternannten Terrorexperten, die sich mit ihrem Halb- und Unwissen brüsteten. Erschreckend dabei die Tatsache, dass in die verständliche Angst nach dem Schock sofort das Thema Flüchtlinge und Integration auf dem Plan stand. Es wurde geradezu eine Bedrohung durch eingeschleuste Dschihadisten, Salafisten und Feinde "unserer Werte" aufgebauscht, die durch keine Fakten zu belegen sind.

Während die wirklichen Ursachen und Hintergründe, die den heutigen Zuständen zu Grunde liegen, bewusst im Dunkel bleiben. Ursache und Wirkung, das ist die Frage, die gestellt werden sollte. Gerade über Ostern brüstete sich die US-Regierung mit der gezielten Tötung von sogenannten IS-Führer, ohne allerdings weitere Details zu nennen. Immer wieder müssen "unsere Werte" herhalten, die es zu schützen gilt, was sind denn das für Werte? Die der westlichen Werteheuchler, die Irak und Libyen angriffen, die Afghanistan retten wollen, die Aufständische in Syrien bewaffneten, die in Afrika ihr Unwesen treiben, die wie jetzt im Jemen eine saudische Armee unterstützen, die aufgerüstet durch uns ihre mörderischen Luftangriffe fliegt?

Anti-Terror-Jagd gegen alles Recht und alle Werte

Fing nicht alles an nach 9/11 und der ungezügelten Anti-Terror-Jagd gegen alles Recht und alle Werte? Entspricht es unseren Werten, wenn immer nur bestimmte Politiker vor dem Internationalen Gerichtshof, dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag landen? Vielleicht zu Recht, aber bitte, wo bleiben die westlichen Kriegsverbrecher - Bush, Netanjahu und viele andere? Da ist noch viel zu tun!

Ist es vielleicht Integration fördernd, wenn muslimische Bürger europaweit als nicht zu uns gehörend missachtet werden, ausgegrenzt von der "christlich-jüdischen Wertegemeinschaft" wie in Frankreich und Belgien in Ghetto-Bezirken lebend? Natürlich ist das nur ein Aspekt unter vielen, aber hier sind wir wieder bei der Hauptfrage nach Ursache und Wirkung. Nur desillusionierte und hoffnungslose Menschen verzweifeln an den Zuständen und sind dann sogar bereit, ihr Leben einzusetzen. Dazu braucht es keine Religion, sondern nur die ständige Dissonanz zwischen der Hoffnung auf Besserung und der Wirklichkeit.

Solange die Entrechtung und Enteignung der Menschenwürde im illegal besetzten Palästina und in anderen von uns unterstützen Staaten immer so weiter geht, solange diese nicht als Probleme anerkannt und beendet werden, und solange ein sogenannter Anti-Terrorkampf zusammen mit Staatsterroristen als Werteordnung gilt, solange wird es auch immer Gegenterror geben.

Konzentrationslager Gaza kein Thema für die "christlich-jüdische" Wertegemeinschaft

Ostern im illegal besetzten Palästina war ein Trauerspiel. Papst Franziskus hätte gut daran getan, nicht nur die Füße von Flüchtlingen zu waschen und zu küssen, sondern auch Palästinenser aus dem Konzentrationslager Gaza nach Rom zu holen, um ihnen als Geste und Zeichen gegen das Unrecht der Besatzung und Unterdrückung, und im Namen des Palästinensers Jesus, die Füße zu waschen. (9) Gaza ist aus den Schlagzeilen und die eingesperrten Menschen haben keine Lobby in ihrer Verzweiflung. Aber das ist kein Thema für die "christlich jüdische" Wertegemeinschaft.

Auch Ostern im illegal annektierten Ost-Jerusalem war ein Trauerspiel. Die jüdischen Besatzer haben die Altstadt übernommen, immer mehr jüdische Familien judaisieren Ost-Jerusalem, während die ursprünglichen Eigentümer, die palästinensischen Ureinwohner verdrängt werden. Immer enger ziehen sich auch die Siedlungsgürtel um Jerusalem herum, damit arbeiten die jüdischen Besatzer auf das ewig ungeteilte jüdische Jerusalem hin, ein himmelschreiendes Unrecht, das von der „Wertegemeinschaft“ ignoriert wird!

Und auch jetzt wieder wurden willkürlich palästinensischen männlichen Gläubigen im Alter zwischen sechzehn und fünfzig der Zugang zur al-Aqsa Moschee verwehrt, immerhin der drittheiligste Ort für Muslime nach Mekka und Medina. Ihnen wird das Beten verboten, während jüdische Touristen und orthodoxe Beter ihr Purim-Karnevals-Unwesen treiben konnten. Nichts neues also, während die jüdischen Besatzer feiern, sperrt man die Besetzten aus.
Entspricht das Ihren "christlich-jüdischen Werten", Frau Merkel? (10) Die jüdischen Besatzer verwehren vielen der Besetzten ihren Zugang nach Jerusalem, ein Status Quo, genau nach Art des Netanjahu Besatzer Regime. (11)

Widerstand gegen die illegale Besetzung Palästinas

Das internationale Recht verlangt den freien Zugang zu allen Heiligtümern im annektierten Ost-Jerusalem und das Ende der illegalen Besetzung Palästinas, dieses Recht muss endlich durchgesetzt werden. So ist der Widerstand gegen die illegale Besetzung Palästinas legitim, und nur das natürliche Recht auf Selbstverteidigung der Besetzten. Solange aber die heuchlerische Wertegemeinschaft ihre Unterstützung der Besatzung Palästinas nicht endlich beendet, das internationale Recht und das Rückkehrrecht der Vertriebenen durchsetzt, solange wird es keinen Frieden und keine Sicherheit geben! Das ist die Wurzel allen Übels!


Fussnoten:

1 http://www.dw.com/de/israelischer-soldat-erschie%C3%9Ft-schwer-verletzten-pal%C3%A4stinenser/a-19141522
2 https://electronicintifada.net/blogs/maureen-clare-murphy/netanyahus-hypocritical-condemnation-videotaped-hebron-execution
3 http://www.spiegel.de/politik/ausland/benjamin-netanyahu-weist-kritik-am-israelischen-militaer-zurueck-a-1084311.html
4 http://mondoweiss.net/2015/10/palestinian-jewish-audience/
5 http://www.n-tv.de/politik/Schuelerinnen-stechen-auf-alten-Mann-ein-article16416136.html
6 http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/fluechtlinge-integration-thomas-de-maiziere-verpflichtung-sanktionen-gesetz
7 http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.unionsfraktionschef-fordert-kauder-christen-in-fluechtlingsheimen-besser-schuetzen.1483e7b3-7597-469c-a866-15ed1a6833e2.html
8 http://tv-orange.de/2012/05/offener-brief-von-frau-evelyn-hecht-galinski-an-den-bundespraesidenten-der-bundesrepublik-deutschland/
9 http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/nach-terror-in-bruessel-papst-waescht-fluechtlingen-die-fuesse-a-1084119.html
10 http://www.timesofisrael.com/israelis-celebrate-purim-carnival-with-costumes-and-drink/
11 https://www.maannews.com/Content.aspx?id=770732


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzen der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)




Online-Flyer Nr. 555  vom 30.03.2016

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