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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Auszüge aus einem von Ingrid von Heiseler übersetzten Buch
Spiritualität und Frieden (2)
Von Graeme MacQueen

Kürzlich erschienen ist die deutsche Übersetzung des Buchs "Spirituality and Peacemaking" des Kanadiers Graeme MacQueen. Sein deutscher Titel: "Spiritualität und Frieden". In dem Buch stellt der Autor Fünf Friedens-Spiritualitäten Asiens vor, dazu behandelt er Acht Aspekte von Friedensspiritualität. In der Einführung heißt es: „In diesem Buch verteidigen wir weder die Religion an sich noch greifen wir sie an. Zwar achten wir auf Fehler und Gefahren von Religion, aber wir geben sie nicht auf, weil wir viel Inspirierendes und Heilsames darin sehen […] Man muss umdenken, einen neuen Rahmen finden und neue Kategorien erfinden. Das haben wir getan […] Wir hoffen, dass auch Menschen, die sich nicht mit einer der traditionellen religiösen Traditionen identifizieren können, die aber meinen, dass ‚Spiritualität‘ sich auf etwas Gutes und Notwendiges beziehe, dieses Buch lesen und sich positiv am Dialog über Frieden, Religion und Spiritualität beteiligen werden.“ Die NRhZ bringt Auszüge aus dem Buch – in drei Folgen – hier Folge 2.

IV.  Widerstand

Kritik entwickelt sich zu Widerstand, wenn die Dissidenten aktiv die Zusammenarbeit mit Systemen verweigern, die sie nicht akzeptieren. Ein Befehl, auf eine protestierende Menge zu schießen, wird verweigert, eine Familie weigert sich, Menschen aus einer verfolgten Minderheit auszuliefern, eine Gemeinde in einer Region, die durch eine ausländische Macht besetzt ist, weigert sich, den Befehlen der Verwaltungsbehörden der ausländischen Macht zu gehorchen, ein Einzelner weigert sich, Steuern zu zahlen. Derartige Aktionen finden in aller Welt statt und sind nicht notwendig mit der formellen Religion verbunden. Die Rolle der Spiritualität im weiten Sinn war und ist jedoch sehr bedeutend.

Kriegsdienstverweigerung, die prinzipielle Weigerung, in einer Armee zu dienen, wird in der christlichen Tradition (allerdings war es die Praxis von Minoritäten) schon früh bezeugt. Nach der protestantischen Reformation wurde sie zu einem Charakteristikum der „historischen Friedenskirchen“ (Mennoniten, Quäker und Brüderkirche). Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war Leo Tolstoi ihr starker Verfechter. Seine Version des Christentums, wie er sie später in seinem Leben in einflussreichen Werken wie Das Reich Gottes ist inwendig in euch3 darstellte, hatte viel mit den früheren radikalen christlichen Sekten gemein. Tolstois Christentum enthielt die Zurückweisung von vielem (darunter auch Krieg), das in der Gesellschaft herrschende Gruppen für gut und richtig hielten, und es misstraute der institutionalisierten Religion. Nach Tolstois Ansicht blieb einem jungen Mann, der zum Militärdienst einberufen worden war, nichts anderes als die Verweigerung übrig. Wenn die Religion des jungen Mannes ihn nicht zum „Gesetz der Liebe“ erweckte – was durchaus möglich war, da er wahrscheinlich einer verdorbenen Form von Religion begegnet war -, würde er dieses Gesetz in dem ihm angeborenen Gewissen finden, das jede der historischen Religionen überschritt.

Die Hingabe an eine höhere Macht, deren moderner Wortführer Tolstoi ist, hält nicht nur den Verweigerer angesichts der Verfolgung aufrecht, sondern sie verändert das Wesen der Erfahrung von Verfolgung. Gesellschaften erhalten ihre Ordnung mit Hilfe  der Zuordnung von Schande und Ächtung ebenso wie durch offene Machtausübung. Einkerkerung, Exil, Anprangerung, Stigmatisierung, Verleumdung und öffentliche Hinrichtung verdanken ihre Macht nicht nur ihrer unmittelbaren Gewalt, Leiden zuzufügen, sondern auch ihrer Fähigkeit zu bewirken, dass Menschen sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Jemand, dessen Widerstand sich in Spiritualität gründet, kann die Furcht, ausgeschlossen zu werden, eher überwinden. Natürlich hilft da das Vorhandensein einer unterstützenden Gemeinschaft Gleichgesinnter sehr, aber auch alleine konnten viele Widerständler großen Druck aushalten. Das Training von Widerständlern umfasst auch die Vorbereitung auf die Erfahrung von Isolation und Stigmatisierung. Sowohl Gandhi als auch Martin Luther King drängten ihre Anhänger beim zivilen Ungehorsam Gefangenschaft als Ehre und gute Gelegenheit anzusehen. (Die Vorbereitung auf die Kampagne des zivilen Ungehorsams 1963 in Birmingham, Alabama ist ein Beispiel dafür.) Eine derartige spirituelle Grundlage kann Einzelnen und Gruppen eine Kraft zum Widerstand geben, wie sie die säkulare Politik weder erfassen noch kopieren kann.

In extremen Situationen, in denen die Widerständler dem Tod gegenüberstehen, kann eine spirituelle Grundlage sogar dazu führen, dass sie ihren Tod akzeptieren. Sowohl Gandhi als auch King wurden ermordet und beide waren anscheinend darauf vorbereitet. Alle Widerstandsbewegungen haben ihre Märtyrer und sogar Märtyrerkulte. Die Friedensspiritualität ist nur insofern einzigartig, als die Märtyrer ihr Leben gewaltfrei hingebe

V.  Gewaltfreiheit

Das Konzept der Gewaltfreiheit ist komplex. Seine Grundlage ist die Empathie mit den potentiellen Objekten der Gewalt. Daraus folgen Abscheu gegen Gewalt und der Entschluss, selbst keine Gewalt auszuüben. In diesem sehr allgemeinen Sinn gebrauche ich an dieser Stelle den Begriff. Vier Aspekte von Gewaltfreiheit, die gesondert behandelt werden müssen, sind Altruismus, Nicht-Vergeltung, feministische Gewaltfreiheit und alternative Technik.

(a) Altruismus

Alle Gesellschaften erkennen Altruismus an: Achtung vor anderen und Mitgefühl ihnen gegenüber. Der Kreis, in dem Altruismus ausgeübt wird, ist von einer Gesellschaft zur anderen ebenso wie von einer Kultur zur anderen unterschiedlich groß. In manchen Gesellschaften und Kulturen werden Menschen dazu angespornt, Mitgliedern der eigenen Gruppe (Gemeinschaft, Clan, Nation usw.) gegenüber starke altruistische Gefühle zu hegen und diejenigen, die nicht zu ihrer eigenen Gruppe gehören, als Untermenschen zu betrachten, denen gegenüber sie weder Achtung noch Mitleid zu zeigen brauchten. Es ist außerordentlich wichtig, dass Einzelne und Bewegungen die Begrenzung des Altruismus kritisieren und Formen ausgeweiteten Altruismus schaffen, der auch die Menschen umfasst, die gewöhnlich als nicht zur eigenen Gruppe gehörig klassifiziert werden. Ausgeweiteter Altruismus beschränkt sich nicht darauf, den frommen Wunsch zu äußern, man müsse nett zueinander sein. Dort, wo der Versuch, die Begrenzung des Altruismus zu überwinden, entschlossen unternommen wird, müssen herkömmliche Vorurteile, Zugehörigkeitsgefühle und Grenzen kritisiert und überschritten werden. Der Preis, den ein Verfechter des ausgeweiteten Altruismus zahlen muss, ist mitunter sehr hoch.

Wie schon gesagt, wurde einer der frühesten und deutlichsten Angriffe auf den begrenzten Altruismus vor 2500 Jahren vom chinesischen Denker Mo Tzu unternommen, der die „universelle Liebe” verfocht und der dachte, dass sie die Macht habe, sowohl direkte als auch strukturelle Gewalt zu vermindern.

Während der Achsenzeit formulierten in China und an anderen Orten weitere philosophische und religiöse Denker Vorstellungen vom ausgeweiteten Altruismus. Indiens asketische Gruppen wie Jainas und Buddhisten experimentierten mit extrem radikalem Altruismus, indem sie den Kreis des Mitgefühls auf alle Lebewesen ausdehnten. Damit kritisierten sie nicht nur den Krieg, sondern auch Tieropfer und den Verzehr von Fleisch.

Zwar wurden die Verfechter eines ausgeweiteten Altruismus oft übergangen, isoliert oder belästigt, ihre Konzepte und Werte jedoch wurden zur Grundlage für die späteren Vorstellungen, die zur Formulierung der Allgemeinen Menschenrechte führten, und auch dafür, dass den außermenschlicher Lebensformen ein ihnen innewohnender Wert zugesprochen wurde.

Ausgeweiteter Altruismus ist für die Friedensstiftung wichtig und in manchen ihrer Formen wirkt er ausgesprochen dynamisch. Die Fünf Nationen z. B. versuchten, rituell Feinde zu Verwandten zu machen, sodass die Vorschriften gegen heimische Gewalt in der Gemeinschaft dazu benutzt werden konnten, kriegerische Handlungen zu verbieten. Die Konföderation zielte darauf, eine zunehmende Zahl von Nationen zu umfassen, die als Verwandte unter dem Friedensbaum miteinander verbunden waren. Das Verfahren, das in heiligen Geschichten und Ritualen ausgearbeitet wurde, war sowohl spirituell als auch praktisch.

b) Nicht-Vergeltung

Altruismus und Nicht-Vergeltung sind nicht dasselbe. Es gibt Gruppen, die die Haltung der Nicht-Vergeltung wegen der Forderungen in heiligen Schriften, wegen doktrinären Glaubens oder wegen des Wunsches nach persönlicher Reinheit eingenommen haben – alles ohne altruistische Gefühle! Aber wenn Nicht-Vergeltung für Gewaltfreiheit auch nicht ausreicht, so ist sie doch eine ihrer notwendigen Voraussetzungen. 

Vergeltung für Verletzung oder Beleidigung der eigenen Person oder Gruppe hat Kriegsdynamik unterstützt. Die menschliche Seele bietet anscheinend einen fruchtbaren Boden für Vergeltungs-Doktrinen. Diese wurden dann durch die jeweilige Kultur auf verschiedene Weise formuliert und ausgearbeitet. Vergeltung kann zur heiligen Pflicht eines guten Sohnes, tapferen Kriegers oder treuen Bürgers werden. Versuche, die Zyklen von Vergeltung zu durchbrechen, sind deshalb für die Geschichte der Friedensstiftung wichtig. Im Westen waren die neutestamentlichen Ideen der Nicht-Vergeltung von besonderer Bedeutung, besonders die Lehren, die Jesus in Matthäus 5-7 (der Bergpredigt) und Lukas 6 zugeschrieben werden. In der Geschichte wurden diese Stellen von neuen christlichen Gruppen immer wieder neu entdeckt. Diese Gruppen begegneten manchmal starkem Widerstand, wenn sie versuchten, sie in die Praxis umzusetzen. Da viele dieser Gruppen  von einem Christentum, das sich der Kriegsführung verschrieben hatte, an den Rand gedrängt wurden, legten diese Dissidenten das Fundament für die historischen Friedenskirchen. Damit wurden ihre Ansichten zunehmend legitimiert und übten seit dem 16. Jahrhundert Einfluss aus. Die Entwicklung von Friedensgruppen im modernen Sinn begann im frühen 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten und in England und wurde stark von christlichen Ideen von Nicht-Vergeltung und Gewaltfreiheit (oder Nicht-Widerstand, wie das damals gewöhnlich hieß) beeinflusst.

Die neutestamentliche Lehre von Nicht-Vergeltung war zwar keineswegs neu, aber sie war historisch  wichtig. Sie stellte eine Fortsetzung der Tradition der Nicht-Vergeltung im Judentum dar.4 Außerdem erkannten viele weitere nicht-christliche Traditionen das Prinzip an. In der modernen Zeit gilt  Nicht-Vergeltung nicht mehr als sektiererisch, denn ihre Verfechter berufen sich bei Befürwortung und Entwicklung der Nicht-Vergeltung auf verschiedene spirituelle Traditionen.

(c) Feministische Gewaltfreiheit

Feministische Spiritualität war in den beiden letzten Jahrhunderten für Gewaltfreiheit und Friedensstiftung im Allgemeinen von großer Bedeutung und wurde in den beiden letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem viel diskutierten Thema. Da es viele Spielarten des Feminismus gibt, gibt es natürlich auch viele Spielarten der feministischen Spiritualität. Man kann drei Hauptgebiete der feministischen Kritik, die für die gegenwärtige Diskussion bedeutsam wurden, unterscheiden.

Feministische Spiritualität hat dualistische Formen der Spiritualität stark kritisiert, die den Geist dem Körper, der Erde oder dem Bereich des Materiellen entgegensetzen. Viele dualistische Richtungen früherer Zeiten haben den Geist mit dem männlichen Prinzip und das, was dem Geist gegenüber stand – alles, was in der spirituellen Praxis zurückgewiesen und sogar verachtet wurde –, mit dem weiblichen Prinzip gleichgesetzt. Die Folgen einer solchen Spiritualität, sagen Feminist/innen, waren sowohl für Frauen als auch für alle menschlichen und nicht menschlichen Lebewesen, die symbolisch in den Bereich des Materiellen verbannt worden waren, verheerend. Eine solche Spiritualität, sagen sie, ist eine entfremdete Spiritualität, die nicht auf der Erde beheimatet ist, lebende Systeme verachtet und bereit ist, sie bei ihrem Strebens nach Reinheit des Geistes zu zerstören.

Feministische Spiritualität ist gleichermaßen kritisch gegen religiöse wie gegen nicht religiöse Ideologien, die sich Herrschaft zum wichtigsten Ziel setzen. In dieser Kritik ist das Paradigma der Herrschaft die der Männer über Frauen. Feminist/innen haben jedoch eine emanzipatorische Theorie und eine emanzipatorische Praxis ausgearbeitet, die allen Herrschaftssystemen kritisch gegenüberstehen und die sich für die Befreiung aller Unterdrückten einsetzen.

Schließlich kritisiert die feministische Spiritualität schon spätestens seit dem 19. Jahrhundert ausdrücklich Krieg und Gewalt. Einige Formen des Feminismus behaupten, dass Frauen biologisch weniger zu Gewalt neigten als Männer. Einige sind der Meinung, dass die Stellung der Frauen in der Gesellschaft als Untergeordnete und Unterdrückte, aber auch als Betreuungsperson mit der Verantwortung für die nährende und die affektive Seite des menschlichen Lebens, dazu geführt habe, dass Frauen sich stärker bei lebenserhaltenden Handlungsweisen engagierten. Andere meinen, dass eher der Feminismus als Denk- und Handlungsmodell Träger der Werte von Lebensbestätigung und Mitgefühl ist als die Frauen selbst. In allen diesen Betrachtungsweisen wird die feministische Spiritualität als etwas gesehen, das Frauen tiefer in die Materie hineinnimmt als bloße Theorie, da sie sie mit Realitäten verbindet, die über abstraktes Denken hinausgehen.

Als Reaktion auf die negativen Aspekte der männerzentrierten spirituellen und intellektuellen Tradition haben Feminist/innen eine Spiritualität formuliert, die im Körper verankert,  emanzipatorisch  und gewaltfrei ist. Ihre Gewaltfreiheit unterscheidet die feministische Theorie und Praxis von anderen emanzipatorischen Systemen. Natürlich waren einige Varianten des  Feminismus bereit, den bewaffneten Kampf zu unterstützen, aber im Ganzen waren Feminist/innen weniger bereit, in Konflikten zu den Waffen zu greifen, als viele andere Gegner von Unterdrückung, deshalb hat der Feminismus sowohl im Bereich der Werte als auch beim Repertoire der Befreiungstechniken beträchtlich zur Gewaltfreiheit beigetragen.

(d) Alternative Technik

Die im Folgenden genannten Kampftechniken gibt es schon seit alter Zeit: Proteste und Hungerstreik, Nichtzusammenarbeit im Kleinen und Großen, symbolische Delegitimierung von Tyrannen, aktive unbewaffnete Konfrontation, Schaffung alternativer Institutionen, Bekehrung des Feindes. Erwartungsgemäß haben diejenigen, deren Spiritualität sie geneigt macht, Gerechtigkeit zu bejahen und sich Gewalt zu widersetzen, im Laufe der Jahre zunehmend Methoden entwickelt, mit deren Hilfe soziale Veränderungen gewaltfrei erreicht werden sollen, besonders da viele von ihnen eher als andere Gruppierungen bereit sind, säkulare Autoritäten infrage zu stellen und deren letztgültige Legitimität zu leugnen. Viele der großen Experimentoren mit gewaltfreier Aktion, die die moderne Tradition geformt haben, haben von einer ausdrücklich spirituellen Grundlage aus gehandelt.

In den letzten fünf Jahrzehnten gehörten die feministischen Aktivist/innen zu den kreativsten Experimentator/innen mit  Gewaltfreiheit, indem sie dauerhafte Widerstandsgemeinschaften aufbauten, Rituale für den gemeinschaftlichen Ausdruck von Trauer und Wut erfanden, Grenzen überschritten und Tabus brachen und Aktionen mit einem gleichzeitig feierlichen und unbeugsamen Geist erfüllten.

Im Nahen Osten experimentieren sowohl jüdische Kriegsdienstverweigerer als auch islamische (und christliche) Palästinenser, die gegen die israelische Besetzung der besetzten palästinensischen Gebiete Widerstand leisten, mit verschiedenen gewaltfreien Techniken. Die israelische Organisation Jesch Gwul („es gibt eine Grenze!”), deren Mitglieder beschlossen haben, im Prinzip den Militärdienst zu akzeptieren, aber den Einsatz im Libanon und in den besetzten palästinensischen Gebieten zu verweigern, bietet ein Beispiel kreativen Denkens auf dem Gebiet der Kriegsdienstverweigerung. Die Versuche einiger Palästinenser, die Menschen in verschiedenen Stationen der Intifada zu ermutigen, eine gewaltfreie Richtung einzuschlagen, haben zu vielen verschiedenen Methoden unbewaffneten Widerstandes geführt. Viele spirituelle Traditionen, die früher den Ausdruck „Gewaltfreiheit“ nicht benutzt hatten, akzeptierten im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert, dass der Ausdruck einen wichtigen Aspekt ihres Selbstverständnisses ausdrücke. Die Bereitschaft verschiedener inoffizieller Vertreter, sich dieser Tradition der Bewegung zur Förderung von Gewaltfreiheit anzuschließen, wird in der Deklaration des Parlaments der Weltreligionen, die 1993 in Chicago abgegeben wurde, verdeutlicht. Sie enthält die „Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltfreiheit und der Ehrfurcht vor allem Leben“5 als die erste der „vier unverrückbaren Weisungen“ für ein auch von den Weltreligionen getragenes „Weltethos“.


Der Autor



Graeme MacQueen wurde in Kanada geboren und wuchs dort auch auf. Er erwarb den "Ph.D. degree from Harvard University" (entspricht der deutschen Habilitation) in „Buddhistischen Studien“. 30 Jahre lang lehrte er in der Abteilung für Religiöse Forschung an der McMaster-Universität in Hamilton in Kanada. 1989 wurde er Gründungs-Direktor des Friedensforschungs-Zentrums an der McMaster-Universität. Danach war er Mitbegründer von Friedenskonsolidierungs-Projekten in verschiedenen Kriegsgebieten. Sein neuestes Buch ist The 2001 Anthrax Deception, Atlanta: Clarity Press 2014. Über das Buch:
http://www.claritypress.com/MacQueen.html (01.03.16)


Das Buch:



Spiritualität und Frieden
Kindle Edition $2.99
Von Graeme MacQueen, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Ingrid von Heiseler (1)

In dem Buch stellt der Autor Fünf Friedens-Spiritualitäten Asiens vor, dazu behandelt er Acht Aspekte von Friedensspiritualität. In der Einführung heißt es: „In diesem Buch verteidigen wir weder die Religion an sich noch greifen wir sie an. Zwar achten wir auf Fehler und Gefahren von Religion, aber wir geben sie nicht auf, weil wir viel Inspirierendes und Heilsames darin sehen […] Man muss umdenken, einen neuen Rahmen finden und neue Kategorien erfinden. Das haben wir getan […] Wir hoffen, dass auch Menschen, die sich nicht mit einer der traditionellen religiösen Traditionen identifizieren können, die aber meinen, dass ‚Spiritualität‘ sich auf etwas Gutes und Notwendiges beziehe, dieses Buch lesen und sich positiv am Dialog über Frieden, Religion und Spiritualität beteiligen werden.“

Letzter Teil des Buches:
Acht Aspekte von Friedensspiritualität (2)
Teil 1:
I. Moralische Grundlage
II. Visionen
III. Kritik
(a) Prophetie
(b) Verweigerung
Teil 2:
IV. Widerstand
V. Gewaltfreiheit
VI. Konfliktlösung und Konflikttransformation
Teil 3:
VII. Versöhnung
VIII. Errichten einer Tradition der Friedensspiritualität


Fussnoten

1 http://www.amazon.com/Spiritualit%C3%A4t-Frieden-Ingrid-Heiseler-Ver%C3%B6ffentlichungen-ebook/dp/B01C44FPIQ/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1456504514&sr=8-1&keywords=ingrid+von+heiseler
http://ingridvonheiseler.formatlabor.net/?p=787

2 Vgl. Graeme MacQueen, "Spirituality and Peacemaking," in Encyclopedia of Violence, Peace, & Conflict (San Diego: Academic Press, 1999). pp. 351 ff.

3 Tolstoi, Leo, Das Reich Gottes ist inwendig in Euch: oder das Christentum als eine neue Lebensauffassung, nicht als eine mystische Lehre ; Bd. 2 / Leo N. Tolstoi. 1. - 3. Tsd. Leipzig: Diederichs, 1903. Sämtliche Werke. Genehmigte Ausgabe von Raphael Löwenfeld; Ser. 1: Sozial-ethische Schriften/Leo N. Tolstoi; Bd. 7.

4 Zerbe, Gordon, Non-Retaliation in Early Jewish and New Testament Texts: Ethical Themes in Social Contexts (Sheffield: Sheffield Academic Press, 1993).

5 Hans Küng, 1993. INHALT: A. Vorwort/ B. Einführung/ C. Die Prinzipien eines Weltethos I. Keine neue Weltordnung ohne ein Weltethos/ II. Grundforderung: Jeder Mensch muß menschlich behandelt werden/ III. Vier unverrückbare Weisungen: 1. Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben, 2. Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung, 3. Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit, 4. Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau./ IV. Wandel des Bewusstseins./ Signaturen.

Online-Flyer Nr. 552  vom 09.03.2016

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