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Aktueller Online-Flyer vom 28. Juli 2016  

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Literatur
Über das Buch "Der Rechtsstaat im Untergrund" von Wolf Wetzel
Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt
Von Ludwig Watzal

Die Bundesrepublik Deutschland ein "Doppelstaat"? Leistet sich der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat einen Parallelstaat im Untergrund (deep state), quasi einen Staat im Staate? Wolf Wetzel zitiert Horst Seehofer mit folgendem Statement aus 2010: "Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden." Ex-Kanzler Gerhard Schröder konnte noch bei Wahlkampfauftritten behaupten: "Solange dieser Bundeskanzler regiert, wird über Krieg und Frieden in Berlin entschieden und nirgendwo sonst". Gilt das auch noch für Kanzlerin Angela Merkel?


NSU-Vertretung in Wiesbaden-Erbenheim, Standort des von der NSA (National Security Agency) mit genutzten Geheimdienstzentrums der US-Armee (Foto: arbeiterfotografie.com)

Der Autor Wolf Wetzel zeigt die Janusköpfigkeit des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats, dessen Institutionen Recht und Gesetz unterworfen sein sollen. Auf der anderen Seite führt er die Leser in die Unterwelt der Geheimdienste ein, die mit dem Gesetz recht volatil umgehen, dabei aber von ihren Vorgesetzen gedeckt werden. Was der Autor zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) schreibt, lässt die Geheimdienst mehr als schlecht aussehen. Es erscheint wenig glaubhaft, dass Zehntausende von Verfassungsschützern und BND-Mitarbeitern sowie 40 V-Leute 13 Jahre ahnungslos gewesen sein sollen, als drei NSU-Terroristen mordend durch Deutschland gereist sind.

Falsche Personen auf der Anklagebank?

Was der Autor über den NSU enthüllt, entpuppt sich der Prozess als eine einzige Farce, und in München sitzen vielleicht die falschen Personen auf der Anklagebank. Jedenfalls gehört "Kleiner Adolf" auch dort hin, wird aber von den hessischen Behörden gedeckt. Nach dem Bekanntwerden des NSU starteten die Verfassungsschutzämter riesige Akten-Vernichtungs-Orgien. Hatte man etwas vor der Öffentlichkeit zu verbergen? Und warum starben plötzlich drei Zeugen auf mysteriöse Weise?

Auch der Terroranschlag auf dem Münchner Oktoberfest von 1980 wird erneut aufgerollt. Die Mär vom "verwirrten Einzeltäter" lässt sich nicht länger aufrechterhalten. Es scheint als sei dort die "Stay-behind-Organisation", eine paramilitärische Widerstandsorganisation als Instrument des Staates in Aktion gewesen, um falsche Fährten zu legen. Sie soll angeblich aufgelöst worden sein, ebenso wie Gladio, die geheime Terrorarmee der Nato!

Als die Enthüllungen von Edward Snowden über die Abhörpraktiken des NSA bekannt wurden, spielt die Bundesregierung die Ahnungslose. Abhören unter "Freunden", das ginge gar nicht, ließ die Bundeskanzlerin verlauten. Dabei waren die deutschen Regierungen "nicht Opfer, sondern integraler Bestandteil dieses totalitären Überwachungssystems", das von den sogenannten Freunden errichtet worden und das den deutschen Geheimdiensten bekannt gewesen ist, da sie für den "Großen Bruder" Handlangerdienste ausgeführt haben. Wo waren bei all diesen kriminellen Machenschaften die Aufsichtsgremien des Parlaments oder der Geheimdienstkoordinator der Regierung, mit Sitz im Bundeskanzleramt? Wurden sie alle nicht von den Behördenleitern informiert, oder waren sie Teil der Verschwörung gegen das eigene Volk, um dessen absolute Kontrolle und Überwachung es dem Staat geht? Der NSA- und der NSU-Skandal sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Polizei- und Überwachungsstaat vom "Großen Bruder" übernehmen?

Beim NSA-Skandal geht es um die weltweite Erfassung jeglicher Kommunikation, um die Aufhebung aller Schutzrechte und die Abschaltung des Rechtsstaates. Ein Polizei- und Überwachungsstaat soll etabliert werden, den es beim "Großen Bruder" bereits gibt. Beim NSU-Skandal ging es um Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus. In beiden Fällen hat der Rechtsstaat versagt, weil er seine Bürger nicht beschützt hat. Der Autor vertritt die These, dass sowohl die Regierungsparteien als auch die Oppositionsparteien, die bereits regiert haben, von den Machenschaften des "deep state" gewusst haben müssen. Die Linkspartei ist davon ausgenommen, da sie nie im Bund mitregiert hat und folglich nicht eingeweiht worden ist.

Wetzels Buch ist von der ersten bis zur letzen Seite hoch spannend. Kritiker des Buches werfen ihm Verschwörungsdenken vor. Dieser Vorwurf ist jedoch faktenfrei und absolut unbegründet. Nicht der Autor ergeht sich in "Verschwörungstheorien", sondern der Staat hat sich gegen seine Bürger verschworen. Dass die mediale Klasse Teil dieses staatlichen Komplotts geworden ist, zeigt, wie nicht nur die Legitimität des Staates, sondern die Legitimität der Medien als sogenannte vierte Gewalt erodiert ist.

Bedient man Verschwörungstheorien, wenn man auf "Operation Northwoods", Stay behind, Gladio, die Ermordung von JFK und Bobby Kennedy durch ein Komplott, die Lügen beim Überfall auf den Irak oder auf die Ungereimtheiten und zahllosen Widersprüche bei 9/11 hinweist? Alle diese Vorgänge belegen die unendliche kriminelle Energie von "demokratischen Rechtsstaaten". Was Wetzel beschrieben hat, ist brutale Realität in Deutschland, und die politische und mediale Klasse sind vereint im Kampf gegen die Aufklärung der unterirdischen Strukturen.

Der Autor hat auf politische Probleme und staatliche Defizite hingewiesen, die dringend der Lösung harren, will der Staat nicht völlig seine Glaubwürdigkeit und Legitimität verlieren. Diese Aufklärungsschrift sollte sich jeder antun, der die Demokratie in Deutschland erhalten will.




Wolf Wetzel, Der Rechtsstaat im Untergrund. Big Brother, der NSU-Komplex und die notwendige Illoyalität, PapyRossa, Köln 2015, € 14,90.


Siehe auch:

Über eine gelungene imperialistische Operation
Köder NSU begierig geschluckt
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ Nr. 441 vom 15.01.2014
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19908

Online-Flyer Nr. 550  vom 24.02.2016

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