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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Lokales
Sürther Dialoge mit Navid Kermani und den Helping Hands Köln Süd:
„Nicht alte Integrations-Fehler wiederholen“
Von Ann-Kristin Schäfer

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Erzengel-Michael-Kirche am vergangenen Freitag zur vierten Veranstaltung der Reihe „Sürther Dialoge“. Eingeladen hatte das Bündnis „Willkommen in Sürth“ (WiSü) unter dem Motto „Wenn Morgenland auf Abendland trifft – Flüchtlinge im Kölner Süden“.


Navid Kermani, Jule Reimer (Deutschlandfunk, Moderatorin des Gesprächs), Lara Brovot und Bianca Groos (Helping Hands Köln Süd)
Quelle: „Willkommen in Sürth (WiSü)“. 

Eindrücklich schilderte der in Köln lebende Schriftsteller und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Navid Kermani Erlebnisse von seinen Reportagereisen entlang der Fluchtrouten durch Griechenland und die Türkei: „Es gibt Momente, die bleiben einem immer in Erinnerung. Beispielsweise, wenn eine ganz einfache Flasche Wasser jemanden vor
Dankbarkeit auf die Knie gehen lässt.“

Auch die Rodenkirchener Studentinnen Bianca Groos und Lara Brovot berichteten aus eigener Erfahrung. Im September waren sie nach Kos gereist, um dort ankommenden Flüchtlingen zu helfen. „Wir standen am Strand mit Handtüchern, Decken und Nahrungsmitteln. Die Menschen kamen aus dem Wasser – Männer, Frauen, Kinder – alle pitschnass und unterkühlt“, erzählten die Studentinnen. 

Wichtiges Thema des Abends war auch die Flüchtlingssituation in Köln. Marina Walch, Ehrenamtskoordinatorin für die Flüchtlingshilfen der Diakonie Michaelshoven, informierte über den geplanten Einzug mehrerer Hundert Flüchtlinge in den südlichen Stadtteilen Kölns und rief dazu auf, die Flüchtlinge in der eigenen Nachbarschaft kennenzulernen und mit Freizeitaktivitäten deren Integration zu fördern.

„Wir dürfen nicht die Fehler früherer Einwanderungswellen wiederholen, beispielsweise fehlende Sprachförderung“, bestätigte Navid Kermani. Außerdem sitzen die Flüchtlinge hier erst einmal lange in ihrer Unterkunft und warten. Da fängt die Langeweile an. Auch dagegen muss man etwas tun!“ Schon Kleinigkeiten wie eine Einladung zum Kaffeetrinken oder gemeinsamer Sport machten hier einen großen Unterschied. 

Auch aktuelle politische Themen wie der Familiennachzug oder das deutsche Asylrecht wurden an diesem aufschlussreichen und eindrucksvollen Abend diskutiert. Durch das Programm führte Deutschlandfunk-Moderatorin Jule Reimer. 

Willkommen in Sürth e.V.– WiSü ist ein Aktionsbündnis von Bürgerinnen und Bürgern aus Köln-Sürth und den umliegenden Stadtteilen. Die Initiative gründete sich als Reaktion auf die bekannt gewordene Planung eines Flüchtlingswohnhauses in Sürth mit dem Ziel, hier Flüchtlinge willkommen zu heißen. WiSü ist überparteilich und überkonfessionell; wir suchen eine breit aufgestellte Zusammenarbeit mit der Stadt Köln, den ansässigen Kirchen und Vereinen, weiteren örtlichen Organisationen und Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Sürth. 


Navid Kermani
NRhZ-Archiv

Navid Kermani wurde 1967 als Sohn iranischer Eltern in Siegen geboren und lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist, Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste (Klasse der Künste) sowie der Hamburger Akademie der Wissenschaften. 2015 gewann er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Kermani äußert sich immer wieder öffentlich zu aktuellen politischen Debatten. 

Im September dieses Jahres reisten die drei Kölner Studentinnen Janina Schröder, Bianca Groos und Lara Brovot nach Kos. Am Strand der griechischen Insel nahmen die Rodenkirchenerinnen ankommende Flüchtlinge in Empfang und versorgten sie mit dem Nötigsten. Sach- und Geldspenden hatten sie zuvor in Köln eingesammelt. „Unser Aufenthalt auf Kos war für uns der Startschuss, mehr zu tun“, sagt Bianca Groos.

Deshalb haben die Studentinnen gemeinsam mit weiteren UnterstützerInnen den Verein Helping Hands Köln Süd ins Leben gerufen, der sich gerade noch in der Gründungsphase befindet. Ziel ist es, auch weiterhin direkt vor Ort Flüchtlingen zu helfen. (PK)



Online-Flyer Nr. 542  vom 23.12.2015

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Von Kostas Koufogiorgos
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