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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Literatur
Dieter Höss/Klaus Hansen: „Aller guten Dinge sind Dreiku“
Amnesty International und Zärteleiku
Von Karl Feldkamp

Wenn zwei ausgewachsene und ältere Querdenker zum dritten Mal im ungewöhnlichen Lang-DIN C 6-Quer-Format Texte und Bilder präsentieren, können dabei nur noch skurrilere  Kleinkunstwerke als bei dem letzten Haiku(h)-Bildband herauskommen. Dieter Höss liefert in gewohnter satirischer Manier Texte, die sich Lesern zumeist nur erschließen, wenn sie bereit sind, um nicht nur eine Ecke zu denken. Und die Bilder Klaus Hansens sind jeweils aus einem fotografischen Blickwinkel geschossen, der Realitäten einfängt, die allerdings nicht real zu sein scheinen und sich daher erst durch mehrfaches Hinschauen verstehen lassen.


Höss beginnt den Band mit einer „Kettengedichtreaktion“ und erläutert darin ausgiebig und zugleich kurzweilig, was einen japanischen Haiku ausmache. Er prophezeit darüber hinaus, dass ein Haiku als „deutscher Dreizeiler kein heißes Eisen“ scheut. Und genau an diese Vorhersage hält sich der Autor, wenn er Amnesty International und Metzgereien, Scheinhinrichtungen, Muttertags-Torten, die Narretei, Zärteleien sowie andere vermeintliche Unsagbarkeiten gekonnt in jene notwendigen siebzehn Silben und drei Zeilen des Haikus presst. 

So lässt er sich in einem Maffayku über die Verkehrsprobleme in und um seine Wahlheimat Köln aus mit: „Der Schwerlastverkehr/geht über sieben Brücken./Bis gar nichts mehr geht.“ Wie Sänger Peter Maffay das gefallen mag, konnte der Rezensent leider nicht in Erfahrung bringen. Dennoch wäre ein Plakat mit dem Sänger und diesem Dreizeiler vor der unreparierbaren Leverkusener Brücke sicherlich ein auffälliger Hinweis, der auch so manchen Kapitän der Landstraße und Autobahn daran hindern könnte, rückwärts von der Brücke zurück zum nächsten Umleitungsschild zu fahren.

Und selbst als nachhaltiger Ernergiesparer versucht sich Dieter Höss in seinem Standbyku, in dem er mahnend feststellt: „Ständig unter Strom,/ohne noch viel zu bringen./ Das frisst Energie.“ 

So blödelt er sich ausgesprochen (oder besser ausgedruckt) intelligent durch Politik, Gesellschaft und Privatleben, albert sich bis zur hinteren äußeren Umschlagseite voran, um dort am Ende festzustellen: „Die Versfüße wund./Aller Dreizeiler müde./Doch guter Dinge.“ 

Die Leser werden vermutlich, dennoch nicht so müde sein und das Querformat gleich zur Seite legen. Bestimmt machen sie sich zu einem zweiten oder gar dritten Durchgang auf, um in Bildern und Versen neue versteckte Wahrheiten zu entdecken, die ihnen das Leben bisher so nicht beschert hat. 

Aller guten Dinge sind Dreiku ist ein literarisch-fotografisches Kleinod für Leser und Bildbetracher, die den Ernst und die Absurdität der derzeitigen Weltlage ernst nehmen wollen, ohne dabei das Lachen und Schmunzeln zu vergessen.

 

Dieter Höss (Verse), Klaus Hansen (Fotos), Aller guten Dinge sind Dreiku, Köln/Bergisch Gladbach, Herbst 2015, 54 Seiten, € 6,80
Der Band kann bestellt werden bei: Dieter Höss, Marsdorfer Str. 58 – 60, 50858 Köln



Online-Flyer Nr. 536  vom 11.11.2015

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