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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Für die zionistischen Verbrechen keine Vergebung!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Heute, am 23. September, wird der höchste jüdische Feiertag begangen, ebenso das muslimische Opferfest. Es ist Jom Kippur, der sogenannte Versöhnungstag oder Tag der Sühne. An diesem Tag soll nach jüdischem Glauben Gott die Sünden der Reumütigen vergeben, wenn sie denn ernsthaft bereuen.


Haram al-Scharif, Felsendom auf dem Tempelberg
Quelle: http://m.harunyahya.com

Jom Kippur beendet die 10tägige Reuezeit, nach dem jüdischen Neujahrsfest. In dieser Zeit sollen sich Juden mit Mitmenschen versöhnen. Laut biblischer Überlieferung wurde ein Sündenbock benutzt, um alle Sünden der Israeliten auf sich zu nehmen, der dann in die Wüste getrieben wurde, um dort alle Sünden der Juden in die Einöde zu nehmen.

Was ist aus dem Sündenbock geworden? Tatsächlich haben die Zionisten nur einen Sündenbock, nämlich die Palästinenser, die sie ins Verderben trieben.
Es ist unglaublich, wie der "Jüdische Staat" diesen Tag der Sühne entweiht, indem er Muslime unterdrückt und sie am Beten auf ihrem erhabenen Heiligtum, dem Haram al-Scharif hindert.

Was  in den letzten 10 Tagen geschah, entspricht genau dem Gegenteil, was Tage der Reue bedeuten sollen. Der "Jüdische Staat" hat alles an Provokationen und Demütigungen aufgeboten, was sie in ihrem zionistischen Repertoire haben, um die besetzten Palästinenser gegen sich aufzubringen. Der Tempelberg, wie er von Juden genannt wird, gestattet nur Muslimen dort zu beten und anderen Besuchern nur eingeschränkte Besuche. Netanjahu hat alle diese Regeln ausgehebelt, obwohl er immer wieder betont, am Status quo nicht zu rütteln und diese Regeln einzuhalten. Tatsächlich aber traten dort Likud-Jugendgruppen auf, um ihren Anspruch auf die "jüdische Oberherrschaft" an diesem heiligen Ort zu beweisen.
Auch Kabinettsmitglieder aus Netanjahus Regierung, wie Uri Ariel, Minister der Siedlerpartei "Jüdisches Heim" traten dort mit 30 rechtsradikalen Anhängern auf, um den Anspruch der Juden auf den Tempelberg zu zementieren.

Das alles erinnert  an den 28.September 2000, als Ariel Scharon, der "Schlächter des Libanon" auf dem Tempelberg herumtrampelte, um den Anspruch auf ganz Jerusalem zu legitimieren und damit bewusst und mit voller Absicht die zweite Intifada herausforderte und dann auch auslöste!

Es ist dringlich geboten, die Ursachen der Proteste zu verfolgen und gegen die jüdischen Aggressionen vorzugehen, die nur darauf abzielen die Palästinenser und Muslime von ihren Heiligtümern zu vertreiben und ihnen keine Demütigung zu ersparen. Im Schatten der Weltkrisen wird dieses jüdische Vorgehen immer dreister und bleibt nahezu ungeahndet.
Die Netanjahu Regierung, muss endlich gestoppt werden in ihrer schändlichen Judaisierungspolitik der ethnischen Säuberung Palästina!

Natürlich schickte die Regierung 800 zusätzliche "jüdische Verteidigungspolizisten" in das annektierte Ost-Jerusalem, in die Altstadt und an die vielen Check-Points, an denen die entrechteten Palästinenser schon gewöhnlich ihrer Rechte beraubt und schikaniert werden.
Eine "Versöhnungsprovokation" reihte sich an die andere. Es begann eine wahre Verhaftungsorgie, die besonders palästinensische Jugendliche in Ost-Jerusalem und im besetzten Westjordanland traf.

Wenn Netanjahu vom "Status quo" spricht, dann ist allerdings die Frage zu stellen, welchen Status er meint - den des muslimischen Rechts auf Haram al-Scharif oder den des jüdischen Unrechts auf dem Tempelberg? Hatte er doch sogar den Krieg gegen minderjährige Steinewerfer eröffnet, indem die Strafen gegen sie drastisch erhöht wurden und dabei von Schusswaffen Gebrauch gemacht werden darf, um Jugendliche zu töten, die sich gegen jüdische Besatzung und Rechtsbeugung wehren!

Und der "Kriegsminister" des "Jüdischen Staates", Moshe Jaalon, hat gerade verkündet, die jüdischen Mörder, die den tödlichen Brandanschlag gegen die palästinensische Familie Dawabshah begangen haben, nicht vor Gericht zu stellen, um bei diesen Terroristen "eingeschleuste V-Leute" nicht zu gefährden. (1) Bei Palästinensern zeigt Moshe Jaalon allerdings keine Milde, sondern er ließ kurzerhand zwei Gruppen verbieten, die als "Glaubenswächter" wirkende Gruppe der Murabiten und als deren weibliches Pendant, die Murbitat. Dieses  Unrechtsverbot begründete Jaalon mit dem Vorwurf der Aufwieglung zur Gewalt, weil sie jüdische Besucher auf dem Tempelberg mit "Allah ist groß"-Rufen verscheuchen wollten. Sind diese Wächtergruppen nicht Widerständler im Kampf für das Ende der Besatzung und die Befreiung der muslimischen Heiligtümer in Palästina?

Wenn am heutigen Mittwoch auch noch das islamische Opferfest gefeiert wird, werden erneute jüdische Provokationen nicht ausbleiben, wenn es jüdische Extremisten von der Klagemauer zum Plateau auf den Tempelberg vor die Al-Aqsa Moschee zieht. Und die jüdischen "Grenzpolizisten" werden weiter nicht davor zurückschrecken, einen Krieg mit Tränengas und scharfer Munition gegen die Palästinenser zu führen, schließlich gab es ja schon über 200 Verletzte und über 39 Verhaftungen allein am vergangenen Sonntag.

Dieser Krieg gegen Steinewerfer geht inzwischen sogar so weit, dass der gefürchtete Sicherheitsminister Gilad Erdan Richtern droht, ihnen die Beförderung zu verweigern, sollten sie zu milde Urteile fällen, die der Netanjahu-Regierung missfallen. Nach dem brutalen Mord an dem palästinensischen Jugendlichen Mohammed Khadeir durch jüdische Extremisten, ist es der Gewalt der jüdischen Staatsmacht zu verdanken, dass es in den illegal besetzten Gebieten und im annektierten Ost-Jerusalem zu einem Krieg gekommen ist.

Was haben die Palästinenser schon für Möglichkeiten, sich gegen die Besatzer wirkungsvoll zu wehren? Der "Jüdische Staat" kann hingegen hemmungslos die Gesetze ändern, die Siedlungs- und Besatzungspolitik mit zionistischem Eifer fortführen und tödliche Razzien und Gewalttaten befehlen, ohne dass die Staatengemeinschaft sich wirklich dafür interessiert oder gar Strafmaßnahmen gegen den "Jüdischen Staat" einleitet.

Wie unglaubwürdig sind dabei auch deutsche Politiker wie der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Volker Kauder, wenn er im Interview aus New York, wo er an einer Flüchtlingskonferenz teilnahm, die Lage der Christen weltweit beklagt, aber die Lage der Christen im "Jüdischen Staat" nicht anspricht! (2) Gerade Deutschland mit seiner Flüchtlingspolitik hat doch auch die Pflicht, sich verstärkt für Palästinenser und palästinensische Flüchtlinge einzusetzen!

Stellen wir uns einmal vor, dass Ägypten endlich die Grenze zum Gazastreifen öffnen würde, um das Leid der etwa 2 Millionen Menschen in Gaza zu beenden und diese so als legale Asylsuchende nach Deutschland und Europa fliehen zu lassen. Wäre das nicht eine wunderbare Vorstellung, die Deutschland/Europa beflügeln könnte, die Regierung im "Jüdischen Staat" zur Aufgabe der Besatzung und der völkerrechtswidrigen Verbrechen zu
zwingen?
Ein freies Palästina würde eins der ältesten und wichtigsten Flüchtlingsprobleme lösen!
Die westliche Staatengemeinschaft ist aufgerufen, endlich an dieses Hauptproblem heranzugehen, anstatt ständig über neue Kriege und militärische Eingriffe nachzudenken.
Alle aktuellen Konflikte, Bürgerkriege und Kriege wären ohne westliche Waffen und Intrigen nicht möglich! (PK)

(1)
http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2015/09/16/duma-aufklaerung-oder-schutz-fuer-v-leute.html
(2)
http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlingspolitik-was-merkel-entschieden-hat-war-richtig.694.de.html?dram:article_id=331546

Evelyn Hecht-Galinski, Tochter von Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig
vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt: sicht-vom-hochblauen.de.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.


Online-Flyer Nr. 529  vom 23.09.2015

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