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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Lokales
"Mut zu Alternativen war und ist ein Gewinn für unsere Stadt"
Sanierung der Kölner Bühnen
Von Frank Deja

Die ehemaligen Initiatoren des Bürgerbegehrens für den Erhalt des Schauspielhauses haben sich zum Scheitern des Zeit- und Kostenplans für die Bühnensanierung geäußert. Sie tun dies in ihrem persönlichen Namen, da die Initiative„Mut zu Kultur“ mit dem Erfolg des Bürgerbegehrens und der Begleitung des Prozesses am „Runden Tisch“ ihren Zweck erfüllt und sich aufgelöst hat. „Köln kann auch anders“ (K2A2) veröffentlichte die Stellungnahme.

Opern- und Schauspielhaus Köln - Vorplanungsmodell
NRhZ-Archiv
 
Angesichts der Versuche, im Lichte der jüngsten Entwicklung das gesamte
Sanierungsvorhaben schlechtzureden, weisen die ehemaligen Initiatoren des Bürgerbegehrens für den Erhalt des Schauspielhauses auf die Probleme hin, die als Ursachen für die jetzige Situation erkennbar sind und erklären: „Nicht eines dieser Probleme wäre bei der Kombination aus Opernsanierung mit Abriss und Neubau des Schauspielhauses vermieden worden. Die nun entstehenden Mehrkosten würden stattdessen auf ein von vornherein teureres, funktional schlechteres und städtebaulich umstrittenes Projekt aufaddiert. Die Entscheidung, es anders zu machen, war und bleibt „ein hoffnungsvolles Signal“. Angesichts der… Problemlage jetzt einzelne Sündenböcke in der Verwaltung zu suchen, ist schäbig und lenkt von der politischen Aufgabe ab, diese Probleme zu lösen.“
 
Sie weisen darauf hin, dass die Stadt und ihre Bürger nach wie vor stolz darauf sein können, Alternativen zu vermeintlich alternativlosen Planungen entwickelt zu haben und appellieren an alle Beteiligten, alles dafür zu tun, aus dem geretteten Ensemble und der sanierten Bühnenlandschaft ein im Ergebnis erfolgreiches Projekt zu machen.

Kölner Schauspiel- und Opernhaus in der Vergangenheit
Quelle: wikipedia/Raimond Spekking
 
Weit über 50.000 Bürgerinnen und Bürger Kölns haben „Mut zu Kultur“ bewiesen und sich 2010 mit beispiellosem Engagement in die Gestaltung dieser Stadt eingemischt und die Mehrheit des Rates überzeugen können, eine vorher getroffene Entscheidung zu korrigieren. Im Leitartikel des Kölner Stadtanzeigers hieß es damals: „Die Entscheidung des Stadtrats, in einer für die Kölner Kulturlandschaft eminent wichtigen Frage dem Bürgerbegehren zum Erhalt des Schauspielhauses zu folgen, stellt zumindest eine Zäsur dar. Sie könnte nach Jahren des politischen Niedergangs und vielen Fehlentscheidungen sogar dazu führen, dass Teile der Stadtgesellschaft, die sich spätestens nach dem Einsturz des Stadtarchivs von der Politik abgewendet hatten, wieder auf diese zugehen. Das gewaltige Interesse an der Debatte um das Schauspielhaus, die fast 55.000 Unterschriften, die binnen weniger Wochen zu dessen Erhalt gesammelt wurden, sind ein hoffnungsvolles Signal.“

Eingestürztes Kölner Stadtarchiv
NRhZ-Archiv
 
Die Bürger, der Rat und die Verwaltung haben anschließend bewiesen, dass es tatsächlich Alternativen zu vermeintlich alternativlosen Planungsprozessen gibt. So wurde eine grobe städtebauliche Fehlentwicklung verhindert, ein wertvolles denkmalgeschütztes Ensemble im Herzen der Stadt erhalten, eine gegenüber dem sogenannten „abgespeckten Neubau“ funktional überlegene Lösung auf den Weg gebracht und der nach der menschengemachten
Archivkatastrophe gründlich ruinierte Ruf unserer Stadt zumindest teilweise wieder aufgebessert. Ganz zu schweigen von den um einen zweistelligen Millionenbetrag geringeren Kosten.
 
Nun sind ein Jahr vor der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach Abschluss von rund 85 % der Arbeiten sowohl der Zeitplan als auch die Kosten aus dem Ruder gelaufen.
 
Für Außenstehende erkennbare Gründe sind:
- erhebliche Aufwand- und Kostensteigerungen im Bereich der Oper;
- Mängel in der Steuerung des Projekts (viele sind zuständig, aber niemand verantwortlich, Entfernung des Projektsteuerers nach Einbiegen auf die Zielgerade);
- unzureichende Kontrolle des Baufortschritts bei den technischen Gebäudeanlagen;
- das Agieren zumindest einer an zentraler Stelle tätigen Baufirma, deren Geschäftsmodell Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen ist.
 
Nicht eines dieser Probleme wäre bei der Kombination aus Opernsanierung mit Abriss und Neubau des Schauspielhauses vermieden worden. Die nun entstehenden Mehrkosten würden stattdessen auf ein von vornherein teureres, funktional schlechteres und städtebaulich umstrittenes Projekt aufaddiert. Die Entscheidung, es anders zu machen, war und bleibt „ein hoffnungsvolles Signal“.
 
Angesichts der oben beschriebenen Problemlage jetzt einzelne Sündenböcke in der Verwaltung zu suchen, ist schäbig und lenkt von der politischen Aufgabe ab, diese Probleme zu lösen.
 
Stattdessen sollte alles getan werden, um aus dem geretteten Ensemble und der sanierten Bühnenlandschaft ein Projekt zu machen, auf dass unsere Stadt und ihre Bürger stolz sein können. Dafür sollten alle Beteiligten die eingetretene Situation als Chance begreifen, die Lehren zu ziehen und die Mängel bei Steuerung, Kontrolle und Verantwortungszuordnung zu beheben. Dazu muss auch die Beschaffung der notwendigen Expertise gehören, um bei Neuausschreibung und Vergabe der ausstehenden Bauleistungen nicht dem „billigsten“, sondern dem wirtschaftlichsten Angebot den Zuschlag zu erteilen.
 
Köln, den 29.08.2015, die ehemaligen Initiatoren des Aufrufs „Mut zu Kultur“:
Peter Busmann (Architekt), Frank Deja (Dolmetscher), Jörg Jung (Journalist), Verena Kluth (Architektin), Thomas Luczak (Architekt), Sabine Röser (Architektin), Ruba Salim (Physiotherapeutin), Walter Thiess (Architekt)
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: „Köln kann auch anders“, Frank Deja, Pionierstraße 5, 50735 Köln. (PK)
 
Mehr Informationen unter www.koelnkannauchanders.de


Online-Flyer Nr. 526  vom 02.09.2015

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