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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
ethecon-Schmähpreis "Black Planet Award" für US-Chemiekonzern
DOW CHEMICAL & Bhopal
Von Tanja Brouwers und Peter Kleinert

Die Vorstände und Großaktionäre von "The Dow Chemical Company" wurden für den Internationalen Schmähpreis der Stiftung ethecon "Black Planet Award 2014/2015" nominiert. U.a. erhält der - am Umsatz gemessen - zweitgrößte Chemiekonzern der Welt nach BASF, kurz DOW CHEMICAL, mit Sitz in Midland in den Vereinigten Staaten diesen Schmähpreis für Verbrechen in Bhopal/Indien, denen dort seit 1984 Hunderttausende zum Opfer fielen. Die ethecon-Aktivistin Anabel Schnura ist am 8. Juli 2015 als Freiwillige erneut nach Bhopal gereist, um dort mindestens drei Monate bei der Versorgung der Opfer helfen. Außerdem wird sie mit politischen Aktionen vor Ort die Nominierung für den Schmähpreis begründen und hat einen Offenen Brief an die von ethecon an den internationalen Pranger gestellten Preisträger im Gepäck.

"Black Planet Award" für Vorstandsmitglied Andrew Liveris
NRhZ-Archiv
 
Verantwortlich für die schreckliche Situation vor Ort sind insbesondere die Vorstandsmitglieder Andrew Liveris und James M. Ringler sowie die hinter ihnen stehenden Großaktionäre des US-amerikanischen Chemie-Konzerns DOW CHEMICAL. Im Jahr 2001 hatte DOW CHEMICAL den ebenfalls in den USA ansässigen Konzern Union Carbide übernommen. Entsprechend ist DOW in vollem Umfang verantwortlich für die bis heute andauernden katastrophalen Folgen des größten Chemie-Unfalls der Industriegeschichte. In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1984 explodierte ein Gastank mit Methylisocyanat (MIC) in dem Werk von UNION CARBIDE in Bhopal. Die Explosion forderte unmittelbar Tausende Todesopfer und Hunderttausende Verletzte. Mehr als 100.000 Personen leiden an den Folgen in Bhopal heute noch - 31 Jahre nach dem Unglück - an unheilbaren chronischen Krankheiten durch Verätzungen der Schleimhäute und innerer Organe sowie auch an Schädigungen der Lungen. Täglich sterben Opfer. Immer mehr von ihnen bereits in der zweiten und dritten Generation.
 
DOW CHEMICAL hat nie Entschädigungen an die Opfer gezahlt. Die betroffenen Gebiete wurden nie entseucht. Das Grundwasser wurde und wird heute noch durch die einsickernden Gifte zunehmend verseucht. Täglich vergiften sich Menschen neu, da in den Gebieten rund um das verseuchte Werk über viele Quadratkilometer hinweg auch nicht für eine gesicherte Wasserversorgung gesorgt wird. Die betroffenen Menschen bleiben ohne medizinische Versorgung. Zwei von Freiwilligen im Rahmen internationaler Solidarität und auf Spendenbasis aufgebaute Kliniken können nicht mehr als die allernötigste Grundversorgung leisten.
 
Eine der beiden selbstverwalteten Kliniken ist die Sambhavna Trust Clinic. Dort werden heute noch - über 30 Jahre nach der Chemiekatastrophe - 29.000 vergiftete Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, kostenlos versorgt. ethecon-Aktivistin Anabel Schnura hat bereits 2014 in dieser Klinik drei Monate als Freiwillige gearbeitet.
 
ethecon arbeitet mit den internationalen Bhopal-Kampagnen "Bhopal.org" und "Bhopal.net" zusammen. Die Stiftung unterstützt die Klinik und den Kampf der Opfer um gerechte Entschädigung und die Entseuchung der vergifteten Gebiete auch finanziell.
 
Anabel Schnura wird sich mit politischen Aktionen vor Ort auch an die Vorstände Andrew Liveris und James M. Ringler sowie die hinter ihnen stehenden Großaktionäre von DOW CHEMICAL wenden. Sie hatte bei ihrer Abreise einen Offenen Brief an die von ethecon für den internationalen Schmähpreis der Stiftung nominierten Preisträger im Gepäck.
 
Die Internationalen ethecon Blue Planet Awards ehrten in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009), Elias Bierdel/Österreich (2010), Angela Davis/USA (2011), Jean Ziegler/Schweiz (2012) sowie Esther Bejarano/Deutschland (2013). Die Internationalen ethecon Black Planet Awards hingegen schmähten Manager und GroßaktionärInnen der Konzerne MONSANTO/USA (2006), NESTLÉ/Schweiz (2007), BLACKWATER (XE)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009), BP/Großbritannien (2010), TEPCO/Japan (2011), GLENCORE/Schweiz (2012) und DEUTSCHE BANK/Deutschland (2013).
 
ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen "von unten", die sich mit ihren derzeit 39 ZustifterInnen und dem Leitmotiv "Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!" in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften. (PK) 
 
Weitere Informationen bei:
Tanja Brouwers
Fon: +49 (0)211 - 22 95 09 21
eMail: tb@ethecon.org
 
ethecon
Stiftung Ethik & Ökonomie
Vorstand
Schweidnitzer Str. 41
D-40231 Düsseldorf
Deutschland
Fon +49 - (0)211 - 26 11 210
eMail aks@ethecon.org
Internet www.ethecon.org
 
Nur mit der Entwicklung und Durchsetzung umweltgerechter und menschenwürdiger Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle werden sich drohende ökologische und soziale Katastrophen abwenden lassen. ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie arbeitet mit Vision und Perspektive, weit über den Generationenwechsel hinweg.
 
Spenden auf das Konto EthikBank BIC         GENODEF1ETK IBAN DE58 8309 4495


Online-Flyer Nr. 519  vom 15.07.2015

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