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Aktueller Online-Flyer vom 01. Juli 2016  

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Schatzsuche beim sechsten Linken Liedersommer auf Burg Waldeck
Singen und Sammeln
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Lieder am Lagerfeuer, im Seminar und auf der Bühne – oder einfach in die liebliche Landschaft des Hunsrück geschwärmt. Zum sechsten Mal versammelten sich Sängerinnen, Politiker und Poeten, zum einzigartigen Kulturseminar des Deutschen Freidenker-Verbandes auf der traditionsreichen Burg Waldeck zwischen Mosel und Nahe – beim sechsten Linken Liedersommer vom 19. bis 21. Juni 2015.


Konzert am Samstagabend – mit der Polit-Hip-Hop-Band DIE BANDBREITE
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com (Peter Betscher, Anneliese Fikentscher, Senne Glanschneider, Riet Klarenbeek, Andreas Neumann, Ann Rupp)


Mit Musik die Welt verändern


Konzert am Samstagabend – bis in die Nacht


Matinee am Sonntag – Jane Zahn


Konzert am Samstagabend


Konzert am Samstagabend – Daniel Osorio, Musikandes


Konzert am Samstagabend – Ergebnisse des Workshops "Warte nicht auf bessere Lieder!" mit Ernst Schwarz, Frankfurt a.M.


Konzert am Samstagabend –mit spanischen Klängen von Bune und Martin Birkle aus Hanau


Konzert am Samstagabend – Wojna von der Polit-Hip-Hop-Band DIE BANDBREITE singt über den „Arabischen Frühling“: „Einen Frühling hat es dort niemals gegeben, 400.000 Menschen ließen dort ihr Leben… Es war der Untergang von Libyen und Syrien…“


Konzert am Samstagabend – Diether Dehm


Konzert am Samstagabend – Ergebnisse des Workshops "Lieder zum 70. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg" werden vorgetragen


Konzert am Samstagabend – Daniel von Musikandes, Saarbrücken


Konzert am Samstagabend – bulgarische Begleiterin von Diether Dehm


Konzert am Samstagabend – mit Kollege aus dem amazon-Streik


Die Bühne


Widerstand und Musik – Installation von Hartmut Barth-Engelbart mit Philipp Hoffmann im Vordergrund


Kinderzeichnungen (im Vordergrund) und Zelt mit der Ausstellung „Das Bankfurter Loch“ von Hartmut Barth-Engelbart über die EZB in Frankfurt


Rainer Rupp (Mitte) demonstriert Solidarität mit Torben (links) und Wojna von der Hip-Hop-Band DIE BANDBREITE


Solidarität mit den Streikenden von Amazon – Wir sind nicht allein…


Workshop „Mumien leben länger“ mit Dieter Klemm von Floh de Cologne


Kabarettistin und Sängerin Jane Zahn


Workshop "Widerstandskultur mit alten und neuen Medien, auch bei SchönWetterAusfall, Strom- und Internetsperre" mit Hartmut Barth-Engelbart, Gründau


Workshop „Mumien leben länger“ mit Dieter Klemm von Floh de Cologne


„Frieden mit Russland statt weiter in den Dritten Weltkrieg! Deutschland: Raus aus der NATO! NATO: Raus aus Deutschland!“ mit Klaus von Raussendorff (NRW-Freidenker-Landesvorsitzender, links vorne) und Freidenker-Bundesvorsitzendem Klaus Hartmann (hinten rechts)


Matinee am Sonntag mit Diether Dehm und Michael Letz


„Frieden mit Russland statt weiter in den Dritten Weltkrieg! Deutschland: Raus aus der NATO! NATO: Raus aus Deutschland!“ – Kinderbetreuung


Workshop "Warte nicht auf bessere Lieder!" mit Ernst Schwarz, Frankfurt a.M.


Workshop "Auswandern und Ankommen – Lieder von Migration, Flucht und neuer Heimat" mit Amei Scheib, Saarbrücken


Daniel Osorio von Musikandes (Workshop zu Violetta Parra) und Sonja Gottlieb (Workshop "Lieder zum 70. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg")


Workshop mit Jürgen Egert über Manipulation mittels Sprache


Hartmut Barth-Engelbart


Konzert am Samstagabend – Philipp Hoffmann, AMUK, Kassel


Lieder am Lagerfeuer mit Sonja Gottlieb, Philipp Hoffmann, Katja und Rainer Johanterwage, Willi Schulze-Barantin und vielen anderen


Lieder bis spät in die Nacht


Sonntag Mittag – der 6. Linke Liedersommer ist erfolgreich zu Ende gegangen – Fortsetzung 2017 (v.l.n.r.: Gerhard Broquard, Rainer Rupp und Ulrich Lenz von der Jenny-Marx-Stiftung).


„Violeta Parra war die große Volkssängerin Chiles. Sie widmete zwanzig Jahre ihres Lebens dem Erforschen und Sammeln, sie lebte das gleiche Leben wie die Bauern, Bergleute, die Fischer, sie teilte ihren Hunger, die Kälte, ihre Freuden und Leiden. Sie sammelte ihre Lieder, ihre Tänze, ihre Sprichwörter, ihre Kochrezepte, ihr Kunsthandwerk. Sie war die Begründerin des gesellschaftlich engagierten Liedes in Chile. Sie hat uns allen den Weg gewiesen, dem wir jetzt folgen.“ Die Ankündigung der chilenischen Gruppe Musikandes macht neugierig auf die gesammelten und eigenen Lieder einer höchst ungewöhnlichen Frau, die (1967 gestorben) von Daniel Osorio musikalisch zum Leben erweckt wird. Während Pinochets Militärdiktatur waren nicht nur Parras Lieder sondern auch die typischen Instrumente, auf denen sie spielte, verboten.

„Eines Tages fand ich in dem Plattenschrank meiner Eltern Schallplatten von ERNST BUSCH, VICTOR JARA, JUAN & JOSE und vielen anderen. Der Wunsch war geboren selber singen zu können. Ich fing also an, bei meiner Großmutter Gerlinde Hoffmann Gesangsunterricht zu nehmen. Im Sommerschuljahr 2006 begann ich an der Blindenanstalt Nürnberg eine klassische Gesangsausbildung bei Monika Teepe. ... Eines Tages nahm ich eine Harmonika meines Opas zur Hand und konnte plötzlich spielen. Durch mein einjähriges Selbststudium der Mundharmonika geschult waren die Töne schon in meinem Kopf bevor ich sie spielte. Ich begann nun Harmonikas, Knopfakkordeons, Bandonikas zu sammeln“, berichtet der Begründer des Arbeiter-Musik-Archiv-Kassel (AMUK), Philipp Hoffmann. In seinem Archiv sammelt er Liederbücher und Schriften über die Arbeiterkultur und Musiktheorie, Schellack-Schallplatten und moderne Tonträger. Zum zweiten Mal erfreut der 31jährige Philipp die Waldeck-BesucherInnen mit ungewöhnlichen Titeln, seiner Baßbariton-Stimme und einer Auswahl von Blech- und Harmonika-Instrumenten.

Streik- und Arbeiterlieder finden sich auch im Gepäck von Bernd Köhler (Schlauch) und Ernst Schwarz. Letzterer bringt die streikenden amazon-ArbeiterInnen, mit denen er vor Ort um akzeptable Arbeitsbedingungen gesungen und gestritten hat, gleich mit.

Amei Scheib aus Saarbrücken begeistert nicht nur mit ihrer Alt-Stimme. In ihrem Workshop geht es um “Auswandern und Ankommen” – Lieder vom Migration, Flucht und neuer Heimat. Ihre musikwissenschaftliche Tätigkeit verbringt sie mit Frauenforschung und den Werken von Komponistinnen. Sonja Gottliebs glockenhelle Sopran-Stimme klingt aus dem Chor ihrer WorkshopteilnehmerInnen am luftigen, meist regenfernen Sommerabend heraus. Es gibt Lieder zum 70. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg. Die Kabarettistin Jane Zahn beweist mit kämpferischen und selbst getexteten Liedern immer aufs Neue, dass sie und der Geist von Waldeck nicht zahnlos ist.

Das bis zur letzten Minute ausgebuchte Abendprogramm bietet allen Künstlerinnen und Künstlern, allen die den Wunsch haben vorzutragen, ein von Monique Broquard wohl kalkuliertes Zeitfenster. Darunter ist die Politologin Kerstin Gundt aus Berlin. Sie besingt in einem eigenen Titel die Segnungen von Hartz-IV-Empfängerinnen. Der Sänger, Linken- und Europapolitiker und Musikmanager Diether Dehm möchte sich nicht auf die sonntägliche Matinee beschränken und – mit seinen BegleiterInnen auch im Abendprogramm mitmischen. Er trägt seine Version von Bella Ciau vor, zu der im kitapi-Verlag sein Buch erschien: „Dies ist die Geschichte des unbekannten Dichters eines weltbekannten Liedes. Sie handelt von der Freundschaft zweier Jungen, die auseinander bricht, als beide, von der Suche nach Gerechtigkeit getrieben, entgegen gesetzte Wege einschlagen: der eine, Attila, geht zu den Schwarzhemden und lässt sich bedenkenlos auf die faschistischen Ideen ein; der andere, Renzo, schlägt sich auf die Seite der Partisanen im Ossola-Tal, vereint zwar mit ihnen im Kampf gegen die Faschisten, aber misstrauisch beäugt wegen seiner Auffassungen darüber, wie es weitergehen soll in Italien nach dem Sieg. Im tödlichen Kampf treffen Renzo und Attila aufeinander...“

Aktuell und akut politisch wird es immer mit der BANDBREITE aus dem Ruhrgebiet. Zeitgemäßer Rap-Hip-Hop-Sound transportiert und reflektiert die tödlichen Kämpfe spätestens seit dem Jahr des Zeitenwandels nach dem 11. September 2001. Regime-Change ist für viele bis heute ein Fremdwort. Kermit Roosevelt (Teddies Enkel) wirkte erfolgreich beim Sturz von Irans Premierminister Mossadegh. Seither reihen sich Regime-Changes und als Terror-Reaktionen getarnte „Menschenrechts-Kriege“ in einer nicht enden wollenden Kette. In ihrem neuesten Titel bezweifelt DIE BANDBREITE die Abläufe des so genannten „Arabischen Frühlings“. „Frauen aus der Burka bomben“, beschrieb es, bezogen auf den „Anti-Terror-Krieg“ der USA gegen das unschuldige Afghanistan, sarkastisch der Dichter Hartmut Barth-Engelbart. HaBE – ein Polit-Kämpe wie er in keinem Schulbuch zu finden ist – leitete einen Workshop, der sich Willi Münzenberg als Paten für ein zu schaffendes revolutionäres Kultur- und Informationsportal auserkor. Bleiben noch die unsterblichen Mumien (Album zum chilenischen Militärputsch) der in 17 Jahren unnachahmlichen Politband „Floh de Cologne“. Deren Sänger und Manager Dieter Klemm berichtete hautnah, worauf es ankommt. Es geht darum, die zu erreichen, die dazu bereit sind, die Welt aus den Angeln zu heben – oder besser – sie dem heutigen Kriegsgetümmel entsprechend wieder in eine menschliche Achse zu bewegen. Wer hätte das gedacht: auch Erfahrung lässt sich sammeln. Auf das kommende Jahr, in dem die Floh-de-Cologne-Rocker auf ihre Gründung vor 50 Jahren zurückblicken, darf der musik-politisch interessierte, aufrecht gehende und bisweilen denkende und mit-fühlende Mensch gespannt sein. Auf das nächste, kunst-konspirative Waldeck-Treffen 2017 auch! (PK)

Online-Flyer Nr. 517  vom 01.07.2015

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