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Aktueller Online-Flyer vom 28. März 2017  

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Fotogalerien
Arbeiterfotografie ruft Jugendliche auf zum Jahresthema „Meine Zeit – Meine Welt“
Das ist unsere Perspektive
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Wo in dieser Welt haben Kinder und junge Menschen die Chance in Frieden aufzuwachsen und ein glückliches Leben zu führen ohne Existenzangst, Hunger, Not, Krieg... Davor, dass der Hunger wieder nach Europa kommt, warnen seit Jahrzehnten soziale Aktivisten. Nach zwei Weltkriegen und dem Zusammenbruch von Sozialsystemen stellt sich die Frage: wie nehmen junge Menschen im westlichen Konsumüberfluss ihre heutige Lebenssituation wahr, welche Chancen sehen sie, in dieser Welt, in ihrer Umgebung mitzuwirken und Einfluss auf die Gemeinschaft zu nehmen? Wie sieht ihr Wunschzettel aus? Wie präsent sind die Bilder der Vergangenheit, einer vergangenen Zeit, die die Menschen dieser Zeit prägten. Der Bundesverband Arbeiterfotografie ruft insbesondere Jugendliche dazu auf mitzumachen, ihre Vorstellungen fotografisch ins Bild zu setzen. Einzelfotos, Serien, Montagen, Collagen oder Plakate und Videos könnten ein Spiegelbild dieser Zeit ergeben, so wie die Fotos einer vergangenen Zeit sie uns überliefern.


Walter Ballhause, "Duschen", Ferienlager der 'Roten Falken', Hannover-Bothfeld, 1930/31


Walter Ballhause, "Pennäler marschieren mit", "Führers" Geburtstag, Hannover, 20.4.1933


Walter Ballhause, "Der Erbe (mein Sohn Rolf mit Kinderwagen vor Ruinen)", Dresden, 1949


Walter Ballhause, "Um den Häuserblock", Hannover, 1930-33


Walter Ballhause, "Der Weg ins Leben", An der Talsperre Pirk bei Plauen, Sommer 1953


Horst Sturm, Im Flüchtlingslager Chatila, Beirut, 1980


Horst Sturm, Am Grab des Vaters, Beirut, 1982


Toni Tripp, Waffenschau der Bundeswehr, Anfang der 1960er Jahre (Die Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit ist das wichtigste Ziel unserer Politik - Adenauer)


Toni Tripp, "Bescheid vom Wohnungsamt", Düsseldorf, 1951


Ernst Thormann, "Sonne, aber kein Grün", Berlin, Nähe Alexanderplatz, 1929


Ernst Thormann, Zeitungsjunge, 1929


Eugen Heilig, "Das Kino kommt aus's Dorf", Sowjetunion, 1927


Eugen Heilig, "Das Kino kommt aus's Dorf", Sowjetunion, 1927


Eugen Heilig, Hunger im Frankenwald, 1930


Walter Martin, Sonntag Nachmittag, Schleswig-Holstein, 1938


Walter Martin, Arbeitskollege, Feinmechaniker, Rechlin, 1935


Lewis Hine, Breaker boys in der Pennsylvania Coal Co., South Pittston, Pennsylvania. Januar 1911


Lewis Hine, trapper boy – Junge als Wettertürhüter in einer Kohlemine, West Virginia, Oktober 1908

„Von 1914 bis 1918 tobte in Europa und darüber hinaus der Erste Weltkrieg mit dem Ergebnis zahlloser toter und verkrüppelter Soldaten und Zivilisten sowie unvorstellbarem Leid und Zerstörung von Häusern und Kulturgütern. Vor allem für unzählige, besonders junge Menschen endeten in den sinnlosen, industriell geführten ‘Abnutzungsschlachten’ die positiven Lebensaussichten“, erinnert der Kölner Arbeiterfotograf Christian Fiege an eine fast vergessene Zeit, die niemand mehr erleben möchte. Aber wo stehen wir heute? Wie bewahren wir die Welt vorm Wahnsinn? Antwort: Kreativ!

„Wir brauchen Alltagsreportagen aus der Sicht des Alltäglich- und Allnächtlichen, Lichtbilderbücher und Zelluloid-Streifen mit Lichtblicken und Perspektiven, die immer erst entstehen können und keine neuen Trugbilder sind, wenn Ihr Youngsters Eure Lage wirklich erkennt und nicht nur unter ihr begraben bleibt, verschüttet werdet... Ihr könnt Euch erheben, dass die Objektive die Lage in den Fokus kriegen und Ihr Euch eine Übersicht, eine subjektive mit Objektiv objektivierte Übersicht verschafft. Zeigt Eure Wünsche, Sehnsüchte, Probleme beim Leben, Arbeiten, Spielen, Tanzen ...“, wünscht sich der Dichter und Sänger Hartmut Barth-Engelbart zum Thema Jugend und Zukunft.

„Zu den Jugendlichen sage ich: Fotografiert bitte weiter so, wie Ihr das immer macht, aber vergesst nicht den Alltag zu Hause, in der Schule, an der Uni, beim Sport, bei der Arbeit, bei Festen, Veranstaltungen und beim Ausgehen. Auch simple Geschehnisse und ganz normale Straßenszenen können später von nicht einzuschätzender Aussagekraft sein. Nicht nur Ihr selbst, sondern auch Eure Umgebung soll Teil Eurer Bilder sein“, regt die Niederländerin Riet Klarenbeek an. Und: „Lösch nie alle Bilder, heb einige auf, druck sie aus. Denn was heute ‘stinknormal’ ist, betrachtet man in 10, 15 oder gar 50 Jahren mit völlig anderen Augen. Dann wird es heißen: Das ist typisch Anfang des 21sten Jahrhunderts. – Ein Zeitbild ist geschaffen!“

Die hier gezeigten Fotoarbeiten stammen aus dem Umfeld der historischen Arbeiterfotografie, die zeitweise 3000 Mitglieder hatte. Der US-amerikanische Fotograf Lewis W. Hine schloss sich der „Film- und Photoleague“ an, einer vergleichbaren Organisation in den USA. Der heute weltbekannte Fotograf und ehemalige Vorsitzende Eugene Smith äußerte 1976: "Die Photo League war weit und breit einer der besten Orte, an denen junge Fotografen eine Vorstellung von Idealismus gewinnen konnten." 1947 wurde der Presse eine Liste von ‘totalitären, faschistischen, kommunistischen oder subversiven’ Gruppen übermittelt. Darunter befand sich die Photoleague. Peter Mönnikes schreibt in der Zeitschrift Arbeiterfotografie Nr. 84 (1997): „1947 war das Jahr der Truman-Doktrin, des Marshallplans, damals wurden die politischen und ideologischen Grundlagen des Antikommunismus und des Kalten Krieges gelegt; im Januar 1948 wurden die Amerikaner auf die Möglichkeit eines unmittelbar bevorstehenden 3. Weltkrieges vorbereitet.“

Im Herbst werden die eingesandten Arbeiten im Rahmen von 25 Jahre Galerie Arbeiterfotografie in eine Ausstellung einfließen. Für Nachfragen oder Hilfestellungen steht die Arbeiterfotografie zur Verfügung, u.a. in zwei Workshops. Im Spätsommer wird noch ein Fotoworkshop in Bremen stattfinden. (PK)

InteressentInnen können sich wenden an:

Galerie Arbeiterfotografie
Merheimer Str. 107, 50733 Köln
Telefon: 0221 727 999
Näheres: arbeiterfotografie.com/jugend
Einsendungen bis 30. September 2015

Hinweise:

20. Juni 2015: Burg Waldeck im Hunsrück, Workshop (auch für Jugendliche)
"Widerstandskultur mit alten und neuen Medien" mit Hartmut Barth-Engelbart beim Linken Liedersommer, mehr: linker-liedersommer-waldeck.de
18. Juli 2015: Köln, Workshop für Jugendliche
„Meine Zeit – meine Welt“ mit Hinrich Schultze (Pressefotograf, freelens)
mehr: arbeiterfotografie.com/252015

Online-Flyer Nr. 511  vom 20.05.2015

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