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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Lokales
Ausgliederung von Bayer MaterialScience
Kritiker reichen Gegenanträge zur BAYER HV ein
Von Peter Kleinert

Die BAYER AG hat am vergangenen Freitag zu ihrer Hauptversammlung eingeladen. Axel Köhler-Schnura, langjähriges Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren, (CBG) hat daraufhin bei der Rechtsabteilung des Konzerns einen Gegenantrag eingereicht. Er fordert, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten und wird hierzu auch in der Versammlung am 27. Mai in Köln sprechen.
 

Axel Köhler-Schnura
NRhZ-Archiv
 
Axel Köhler-Schnura kritisiert, dass die angekündigte Ausgliederung der Kunststoff-Sparte Bayer MaterialScience zu Lasten der Belegschaft geht. Wörtlich heißt es in dem Antrag: „Leidtragende dieser Entwicklung sind die mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Um die Kunststoff-Sparte im Unternehmen zu halten, waren ihnen in den vergangenen Jahren zahlreiche Zugeständnisse abgepresst worden. So hatte BAYER mittels mehrerer „Effizienz-Programme“ über 2.000 Arbeitsplätze vernichtet, mehrere Werke ge- schlossen und Bonus-Zahlungen gestrichen. Nun zeigt sich, dass diese Opfer umsonst waren.“
 
Welche Entwicklung langfristig droht, zeigt die ehemalige Chemie-Sparte von BAYER, die vor zehn Jahren unter dem Namen Lanxess ausgegliedert wurde. Mehrere Tausend Arbeitsplätze wurden laut CBG seitdem vernichtet. Ein großer Teil der Belegschaft habe Lohneinbußen erlitten oder wurde in andere Werke versetzt. Über die Jahre wurde Lanxess immer weiter parzelliert; mehrere Bereiche wurden geschlossen, andere verkauft. Besonders in den USA, wo BAYER 95% der Belegschaft einen Tarifvertrag verweigere und wo die Gewerkschaften aus fast allen BAYER-Werken gedrängt wurden, drohe ein sozialer Kahlschlag.
 
Ein weiteres Problem sei die Störfall-Sicherheit: unter dem Dach von Bayer MaterialScience befänden sich zahlreiche hochgefährliche Anlagen. So kämen bei der Produktion von Polyurethan und Polycarbonat riesige Mengen toxischer Stoffe wie Chlor, Ammoniak, Kohlenmonoxid und sogar des ehemaligen Kampfgases Phosgen zum Einsatz.

Proteste vor einer BAYER-Hauptversammlung
NRhZ-Archiv
 
Hierzu heißt es in dem Antrag: „Die künftigen Besitzer werden versucht sein, den von BAYER eingeschlagenen Kurs fortzusetzen und die Kosten für Wartung, Personal und Feuerwehr weiter abzusenken. Dies führt automatisch zu höheren Störfallrisiken. Da BMS einige der – nach Atomkraftwerken – gefährlichsten Industrieanlagen in Deutschland betreibt, droht ein Anstieg der Gefährdung für die AnwohnerInnen. Es ist unverantwortlich und inakzeptabel, hochgefährliche Anlagen in die Welt zu setzen, ohne für deren Sicherheit dauerhaft die Verantwortung zu übernehmen.“
 
In einem weiteren Gegenantrag zum TOP 2 heißt es: "Der BAYER-Konzern beteiligt sich an unlauterer Werbung im Internet. So hat BAYER eine Agentur in Wien beauftragt, unter falschem Namen Kommentare in sozialen Netzwerken zu posten. Beworben wurde u.a. die Hormonspirale MIRENA, obwohl Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten ist. Inzwischen wurde gegen BAYER Strafanzeige eingereicht.
 
Wie systematisch die sozialen Medien unterwandert werden, offenbarten Dokumente, die das österreichische Magazin "Datum" publiziert hat. Demnach veröffentlichte allein die Wiener Agentur Mhoch3 mehrere Hunderttausend gefälschter Postings. Mitarbeiter der Agentur schufen Tausende von Identitäten, die sich im Netz über Reiseziele, Autos, Glücksspiele oder neue CDs ausließen.
 
Die von Mhoch3 gefaketen Kommentare finden sich auf Plattformen und sozialen Netzwerken wie Facebook, GuteFrage.net oder YouTube und auf Nachrichtenseiten wie Spiegel Online oder Focus.de. Die PR-Mitarbeiter geben sich als Privatpersonen aus, die aus Freundlichkeit Unterstützung anbieten. Rechtschreibfehler und persönliche Fragen sollen Authentizität suggerieren. Zur Aufgabe der Agentur gehört es auch, Einträge bei wikipedia „aufzuhübschen“. Vor der Kampagne erhielten die PR-Mitarbeiter eine Schulung von BAYER. Viele der gefakten Kommentare finden sich bis heute im Netz."
 
Im Fall von BAYER habe Mhoch3 unter anderem für Flohmittel wie Advantix, Advantage und Kiltix aus der Veterinärsparte des Konzerns geworben. Zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigens ein Haustier erfinden. In Interneteinträgen hieß es dann etwa: „Benny was hast du deiner katze letzt endlich gegeben damit die Flöhe verschwinden? Wir behandeln immer mitn Spot On von Bayer namens Advantage- kennst du das?...wünsch Euch viel Glück!“.
 
Noch kritischer zu bewerten sei das Marketing für die umstrittene Hormonspirale MIRENA, durch das auch eine Gesundheitsgefährdung der Anwenderinnen in Kauf genommen werde. Denn obwohl für MIRENA Berichte über teils schwerwiegende Nebenwirkungen vorlägen, veröffentlichte die Agentur Postings im Tonfall hilfsbereiter Freundinnen: „also ich hab mir vor einem jahr die hormonspirale mirena einsetzen lassen und ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden damit bin. hatte am anfang angst vor dem einsezten, doch das war halb so schlimm“ (Olivia34, psychologie.at) oder: „Ich habe mir die Mirena einsetzen lassen, ist ebenfalls eine hormonspirale und damit hatte mein Frauenarzt sehr gute Erfahrungen bereits gemacht (…) – das kann ich voll empfehlen“.
 
Auch habe es zu den Aufgaben der Agentur gehört, die zahlreiche Berichte über unerwünschte Reaktionen zu entkräften: „@ sporzal: mein tip es könnte auch eventuell nicht von der mirena kommen, sondern eventuell eine Allergie sein, ich hab das leider auch erst mal in vor kurzer zeit festgestellt, ich hatte echt total oft Kopfweh und das ist nicht lustig – das kann ich nachvollziehen“. Die erfundene Userin „MauMau“ begab sich hierfür eigens in das hormonspirale-forum.de, in dem sich betroffene Frauen über ihre Erfahrungen mit MIRENA austauschen.
 
Für BAYER habe sich die Kampagne offenbar gelohnt. Im internen Fazit heißt es laut Süddeutscher Zeitung: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Internet eine ideale Plattform zur Verbreitung von Informationen zum Thema Verhütung darstellt“. In zahlreichen Fällen hätten die Reaktionen der Nutzerinnen gezeigt, dass sie den freundlichen Kommentaren Glauben schenkten und sich für die Spirale interessierten.
 
Zwar kenne niemand die Zahl der Agenturen, die Fake-Kommentare anbieten. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass keine Nische des Internets frei von Fälschungen ist. Im vorliegenden Fall sollten offensichtlich auch Gesetze umgangen werden, denn Werbung für verschreibungspflichtige Präparate wie MIRENA sei verboten.
 
Um das Werbeverbot für Medikamente zu umgehen, betreibe BAYER zudem webseiten wie Pille.com oder testosteron.de, die als „Informationsangebote“ getarnt würden. Insgesamt gebe BAYER pro Jahr rund 11 Milliarden Euro für Werbung und Vertrieb aus. Eine Aufschlüsselung verweigere der Konzern. Häufig überschreite BAYER dabei die Grenzen des Erlaubten: Strafen für unlautere Werbung würden von vornherein mit einkalkuliert und aus der Portokasse beglichen.
 
BAYER betreibe für viele Medikamente unverantwortliches Marketing. Aktuell seien auch die Antibabypillen aus der YASMIN-Reihe oder der Gerinnungshemmer XARELTO zu nennen – "beides Präparate mit hohem Gefährdungspotenzial". Zudem unterwandere die Pharmaindustrie systematisch Selbsthilfegruppen und Patienten-Verbände.
 
Zusammenfassend lasse sich sagen: "Für goldene Bilanzen geht BAYER notfalls über Leichen." (PK)


Online-Flyer Nr. 504  vom 01.04.2015

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