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Aktueller Online-Flyer vom 15. Dezember 2017  

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Fotogalerien
Noch ein Dorf fällt dem Braunkohlebagger im Tagebau Inden zum Opfer
Alt-Pier stirbt
Von Rüdiger Haude und Elmar Aretz

Braunkohle ist nicht nur der klimaschädlichste fossile Brennstoff, sondern ihre Förderung im Tagebau richtet auch besonders schlimme Verwüstungen an. Der Solarförderverein Deutschland hat bereits im Jahr 2006 eine ausführliche Fotodokumentation über die Zerstörung von Natur und von Siedlungen (damals: der Ort Otzenrath) durch den rheinischen Braunkohletagebau Garzweiler veröffentlicht. Der Kultur- und Naturfrevel, den die Riesenbagger anrichten, ließ sich daran ermessen - dass man das mit der "Umsiedlung" verbundene menschliche Leid nur erahnen konnte.


Ein Schaufelrad-Bagger bei der Arbeit, unmittelbar hinter den Resten von Pier- Pommenich. Das Foto macht die Dimension dieses Riesen deutlich. Im Vordergrund sieht man das ehemalige Restaurant Rosarius und einen "normalen“ Bagger.
Alle Fotos: Elmar Aretz


Vorsicht Absturzgefahr


„Bier aus Pier, das mundet Dir“. Die ehemalige Biergroßhandlung Gareis, kurz vor dem Abriss


Der Ortsteil Vilvenich


Die Lichter gehen aus ...


Die leeren Häuser (im Hintergrund: die Reste von Pier-Pommenich) sind jetzt "Werksanlagen".


Der Bagger bei der Arbeit


"Economies of scale". Gut zu sehen sind die beiden Kabinen, in denen ein Baggerführer seiner Arbeit nachgeht. 2 bis 3 Mitarbeiter reichen für den Betrieb des gesamten Baggers aus.


Zersägtes Gedenken. Fragmente von Grabsteinen inmitten von Schutt


Faszination an der Kante


So sieht eine schon seit vielen Jahren nicht mehr belebte Straße aus (in Pommenich). Viele Fenster und Türen sind aus Sicherheitsgründen zugenagelt.


Der Zufall hat die Seite mit der Kinderzeichnung vom "Kampf mit dem Drachen" im Schutt platziert.


Das Klavier im Saal des ehemaligen Restaurants Rosarius


Restaurant Rosarius, Rückseite


Ein Bild aus tiefstem Frieden ...


Vor den Trümmern eines Hauses in Pommenich


Ausblick aus einem Schuppen in Pommenich


Errichten einer Pumpstation, Verladen von Schutt


Fortschritte beim Abriss des Restaurants Rosarius


Menschen suchen in den Trümmern ihres Hauses nach einem Stück Erinnerung.


Es ist vollbracht. 
 
Inzwischen ist das Zerstörungswerk in den drei großen deutschen Tagebau-Revieren - im Rheinland, im mitteldeutschen Revier bei Halle und Leipzig, und in der Lausitz, wo unter anderem auch die alte Kultur der Sorben unter den Baggerschaufeln verschwindet - weiter fortgeschritten. Es ist an der Zeit, wiederum mit einer aktuellen Fotodokumentation daran zu erinnern. Der Fotograf Elmar Aretz hat uns dankenswerterweise Bilder zur Verfügung gestellt, die er im Jahre 2014 in den rheinischen Tagebaugebieten angefertigt hat. Wir zeigen heute eine Serie von Fotos, die Aretz beim Tagebau Inden aufgenommen hat. Sie dokumentieren das Ende des Dorfes Pier, dort, wo die Bagger sich in Richtung der Stadt Düren voranarbeiten. Die nachfolgende Karte zeigt den Tagebau Inden und den Nachbartagebau Hambach (die schraffierten Gebiete werden noch in der Zukunft 'ausgebeutet').


Rheinische Braunkohletagebaue Inden und Hambach
Quelle: Wikipedia. CC BY-SA 2.0
 
Elmar Aretz schrieb uns zu seinen Bildern: "Pier war ein Ortsteil von Inden im Kreis Düren. Zu Pier zählten auch die Siedlung Pommenich, das denkmalgeschützte Haus Verken und die Siedlung Vilvenich. Pier hatte ca. 1.465 Einwohner. Da Pier dem Braunkohletagebau weichen muss, verloren alle diese Menschen ihre Heimat. Mit der Umsiedlung begonnen wurde im Jahr 2005. Der „Rückbau“ (so bezeichnet RWE den Abriss eines Ortes) begann im Jahr 2009.

Meine ersten Aufnahmen entstanden im Januar 2014. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Anwesen RWE-Eigentum und die noch verbliebenen Häuser, Höfe und Straßen waren deutlich sichtbar als „Werksgelände“ ausgezeichnet. Während meines ersten Besuchs von Pier traf ich einen älteren Mann, der gedankenverloren mit seinem Fahrrad auf der Straße stand und mit den Tränen kämpfte. Wir kamen ins Gespräch, er zeigte auf ein Haus und sagte: „Da hat mein Opa gewohnt“. Ich habe ihn leider nie wieder getroffen und das Haus seines Großvaters ist mittlerweile ebenfalls abgerissen. Dieses Erlebnis hatte jedoch zur Folge, dass ich mich weit über die Fotografie hinaus mit dem Thema Tagebau beschäftigt habe und beschäftige.
 
Im Laufe der Zeit habe ich schon sehr viele Geschichten erlebt oder erzählt bekommen, die im Zusammenhang mit der Braunkohlegewinnung stehen. Diese sind oftmals traurig, nicht selten unglaublich, aber trotzdem wahr und häufig auch skurril. Ich wünsche mir, dass meine Fotos viele Menschen dazu veranlassen, sich selbst einmal mit dem Braunkohletagebau und den Folgen für Mensch und Natur auseinanderzusetzen." (PK)
 
Wilhelm Robertz, der uns diese Fotogalerie mit der Bitte um Veröffentlichung zugeschickt hat, ist Mitglied im Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V.


Hinweise:


website des Solarenergie-Fördervereins Deutschland e.V. (SFV)
https://www.sfv.de

Braunkohleabbau - hautnah
Fotodokumentation zum Braunkohle-Abbaugebiet Garzweiler (bei Köln) von Georg Engelhard und Susanne Jung, 04.05.2006
https://www.sfv.de/lokal/mails/kd/garzweil.htm

Verheizte Heimat
Ausstellung der Arbeiterfotografie Köln über den Braunkohletagebau im Raum Köln-Aachen
fotografiert von April bis Juli 1990 in und bei Pattern, einem Dorf, an dessen Stelle das Braunkohlentagebaugebiet Inden I entstanden ist
http://www.arbeiterfotografie.com/af-koeln/verheizte-heimat/index.html

Andreas Neumann zum Projekt "Verheizte Heimat" in der Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgabe 69 (1991)
http://www.arbeiterfotografie.com/zeitschrift/af69/verheizte-heimat.html


Online-Flyer Nr. 497  vom 11.02.2015

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Von Kostas Koufogiorgos
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