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Aktueller Online-Flyer vom 25. Juni 2017  

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Der erste Soldatengottesdienst im Kölner Dom mit Kardinal Woelki
Aus Rüstung wird Krieg
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Er sorgt für die Richtigstellung der Begriffe. Er spricht nicht von Rüstungsexport. Er spricht von Kriegsgüterexport. Das Gros der Medien widersetzt sich diesem Sprachgebrauch und macht aus "Kriegsgüterexport" wieder das beschönigende "Rüstungsexport". Er spricht von den „Menschen, die weltweit vor Waffengewalt auf der Flucht sind, die unser Land – auch unser Land – durch den Export von Kriegsgütern verbreitet“. Und er spricht von den Menschen, „die in einem anderen Kontinent unter erbärmlichen, manchmal erbärmlichsten Umständen die Kleider nähen, die ich auf der Haut trage“, und von den Kindern, die „auf den Müllbergen der Millionenstädte auf der Südhalbkugel die hochgiftigen Reste meines Mobiltelefons einsammeln“. Die Person, deren Äußerungen hier wiedergegeben sind, ist der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Er sprach am 22. Januar im Kölner Dom im Rahmen des "Internationalen Soldatengottesdienstes". Doch auch vor dem Dom wurden die Soldaten mit Aussagen zu ihrem mörderischen Tun konfrontiert.


Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki beim "Soldatengottesdienst" im Kölner Dom
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com


"Soldatengottesdienst" im Kölner Dom


Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki beim "Soldatengottesdienst“ im Kölner Dom gedenkt der "Menschen, die weltweit vor Waffengewalt auf der Flucht sind, die unser Land – auch unser Land – durch den Export von Kriegsgütern verbreitet"


Transparente des Internationalen Frauenfriedensarchivs Oberhausen: „Staatsterrorismus – NEIN zu kolonialistischen Kriegen in aller Welt“


"Soldatengottesdienst" im Kölner Dom


Protest vor dem Kölner Dom


„Aufstehn für Frieden – gegen Militarismus, Nato und TTIP. Menschen, junge und alte, empört Euch gegen Kriegshetze und Kriegslügen – gegen weitere Raub-, Mord- und neokoloniale Kriege! Nach den mörderischen und völkerrechtswidrigen Kriegen Deutschlands gibt es für uns nur eine ’Verantwortung’: FRIEDEN! NIE WIEDER KRIEG! Frieden und Freundschaft mit Russland.“


"Soldatengottesdienst" im Kölner Dom


„Kein Militär im Gotteshaus! 5. Gebot: Du sollst nicht töten!“


"Soldatengottesdienst" im Kölner Dom


Ellen Diederich mit Transparent des Internationalen Frauenfriedensarchivs Oberhausen: „Die Waffen nieder! – Bertha von Suttner“


"Soldatengottesdienst" im Kölner Dom


„Kein Militär im Gotteshaus! 5. Gebot: Du sollst nicht töten!“


Soldaten auf dem Weg in den Kölner Dom – Graf Moltke: „Die edelsten Tugenden der Menschen entfalten sich im Krieg!“ – „Im Krieg der Spanier gegen die ihre Unabhängigkeit verteidigenden Marokkaner haben spanische Soldaten den Gefangenen die Köpfe abgeschlagen und aufgespießt.“ (aus der Bild- und Zitatensammlung „Krieg dem Kriege“ von Ernst Friedrich) Die Leichenschändung deutscher Soldaten in Afghanistan lässt grüßen.



Protest vor dem Kölner Dom: „Bundeswehr wegtreten“


Transparente des Internationalen Frauenfriedensarchivs Oberhausen: „Die Waffen nieder! – Bertha von Suttner“


„Kein Militär im Gotteshaus! 5. Gebot: Du sollst nicht töten!“


142 Menschen starben in der "Verantwortung“ eines deutschen Militäreinsatzes in Kundus/Afghanistan am 4.9.2009… Familienväter, Kinder, Bauern… - Niemand hatte sie um diese "Hilfe“ angerufen.


Kein Übergang zur Tagesordnung: „Deutschland führt Krieg. Kunduz 4.9.2009. 142 Menschen ermordet. Kriegsverbrecher Bundeswehr“


Protest vor dem Kölner Dom


Die Düsseldorfer Friedenspreisträgerin Hanna Jaskolski initiierte vor 20 Jahren den Protest gegen den "Soldatengottesdienst" vor dem Kölner Dom. Heinrich Böll: "Es gibt auch keine Gottesdienste für Apotheker..."


Auslöschung statt Rettung: ganze Familien, Familienväter,...


Peace.de


Auslöschung statt Rettung: ganze Familien, Ladenbesitzer, Bauern...


„Weihnachten 1914! Im Dom ließ der Kölner Erzbischof Felix von Hartmann die Gläubigen für den Sieg beten: "Barmherziger Gott, Herr der Heerscharen! Wir bitten Dich in Demut um Deinen allmächtigen Beistand für unser Vaterland. Segne die gesamte deutsche Kriegsmacht!“


„Selig sind, die Frieden stiften.“


Protest vor dem Kölner Dom


Protest vor dem Kölner Dom


Protest vor dem Kölner Dom


Protest vor dem Kölner Dom – Paula Keller: von ihr stammt eine ungehaltene Rede (siehe unten)

Frieden sei mehr als die Abwesenheit von Krieg. Erst Gerechtigkeit schaffe Frieden. Der Feind sei das Ebenbild Gottes. Auch das sagt der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Und er fragt, „welche Rolle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr... zur Verteidigung des Lebens haben werden“. Immerhin! Aber nach Hause geschickt hat der Kardinal die Soldatinnen und Soldaten nicht – noch nicht. Und auch das Versprechen, nie wieder Waffen zu bedienen, hat der Kardinal den Soldatinnen und Soldaten nicht abgenommen – bisher.

Nicht gehaltene Rede von Paula Keller:

Wie jedes Jahr im Januar wird heute im Dom der internationale Soldatengottesdienst gefeiert: Der Katholisch Leitende Militärdekan lädt dazu ein und bittet den Erzbischof von Köln, Herrn Kardinal Woelki, diesen Gottesdienst zu feiern.

In einem Brief bat ich Kardinal Woelki, mir zu erklären, warum ein Christ überhaupt Soldaten in ihrem Tun unterstützt. Im zivilen Leben ist das Töten von Menschen – leider noch nicht von Tieren – ein absolutes Tabu. Jeder Militärseelsorger und auch der Kardinal überschreitet diese Tabugrenze und folgt der Logik der Gewalt, statt der Logik der Liebe. Wer Soldaten segnet, erleichtert ihr Gewissen und sorgt dafür, dass Kriege weiterhin gerechtfertigt werden können.  Kriege gibt es seit tausenden von Jahren. Haben sie der Menschheit je geholfen, friedlicher zu werden? Mein Vater war Soldat der Wehrmacht im 2. Weltkrieg. Er hat andere Menschen getötet! Wofür? Nach dem 1. Weltkrieg lautete die Antwort auf diese Frage „Wofür?“ – „Für ein goldenes Scheißhaus von Krupp.“

Heute erklärt uns der Oberhirte der Katholischen Christenheit in deutlichen Worten Ähnliches. Papst Franziskus sagte: „Wir stecken mitten im 3. Weltkrieg, allerdings in einem Krieg in Raten. Es gibt Wirtschaftssysteme, die, um überleben zu können, Krieg führen müssen.“ Dieses Wirtschaftssystem ist der Kapitalismus. Das Kapital geht über Leichen. „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen.“ sagte Jean Jaurès.

Ich bat in meinem Brief, diesen internationalen Soldatengottesdienst einzustellen oder aber: „Laden Sie zu einem Gottesdienst ein, der seinen Namen verdient: Dienen Sie Gott und seiner Schöpfung, indem Sie die Soldaten auffordern, die Waffen niederzulegen und nach Hause zu gehen. Es ist genug! Fragen Sie die Menschen in Afghanistan, Irak, Libyen, Palästina, Jemen, Somalia, Sudan und einigen anderen Gebieten, was ihnen der Krieg gebracht hat. Sie brauchen Frieden! Sie brauchen Gerechtigkeit! Sie brauchen Liebe! Setzen auch Sie ein Zeichen der Hoffnung!“

Die Antwort auf meinen Brief kam nicht vom Kardinal, sondern vom Katholisch Leitenden Militärdekan. Er zitiert mehrfach aus „Gerechter Friede“, dem Wort der Deutschen Bischöfe von 2000. Dort heißt es: „Das Prinzip der Gewaltfreiheit (kann) mit der Pflicht konkurrieren, Menschen davor zu schützen, massivem Unrecht und brutaler Gewalt wehrlos ausgeliefert zu sein. Dann hat man den Unschuldigen, Schwachen und Bedrängten beizustehen.“ Soweit das Wort der Bischöfe. Dazu erklärt der Katholisch Leitende Militärdekan: „Diese Pflicht kann unter ganz bestimmten Kriterien erfordern, dass im Sinne einer ‚ultima ratio’ (eines letzten Auswegs)  ein militärisches Eingreifen unumgänglich wird.“

Ich frage den Katholisch Leitenden Militärdekan in einem weiteren Brief: „Welches ‚ganz bestimmte Kriterium’ sahen Sie für den Irakkrieg und den Krieg in Afghanistan? Der Irakkrieg begann mit einer Lüge und nicht mit einem Hilferuf der irakischen Menschen. Im Irakkrieg allein sollen über eine Million Menschen ermordet worden sein. Die Zahl der Verletzten, Traumatisierten, Geflüchteten, Verarmten, Verstrahlten, als Krüppel Geborenen – wer kennt sie? Hatten diese Menschen um Hilfe gerufen? Und haben die Militärs und ihre Waffen ihnen Frieden gebracht?  Nennen Sie dieses Ergebnis einen Schutz vor Ungerechtigkeit und Bedrohung? Überall da, wo das Militär zu „Hilfe“ eilte, ist die Lage der Menschen katastrophal. So viele verzweifelte, gedemütigte, gewaltbereite, entwurzelte, verarmte, hungernde Menschen wie heute hat es seit dem 2. Weltkrieg noch nie gegeben – hervorgerufen durch den Einsatz militärischer Gewalt als angeblich letzter Ausweg, als „ultima ratio“.

Und was hat man denn vorher versucht, um diese Verhältnisse von Ungerechtigkeit und Bedrohung abzuwenden? Es müsste doch alles, alles in der Macht Liegende getan worden sein, um zu rechtfertigen, dass man nun keinen anderen Weg mehr weiß, als Gewalt einzusetzen?

Aber diese Soldaten, die hier zum Gottesdienst kommen, dienen immer öfter dazu, als „prima ratio“, als erstes Mittel der Politik der NATO-Staaten herzuhalten. Das ist eine ratio, das ist ein Verstand, der bewirkt hat, dass 2014 weltweit 1,7 Billionen US-Dollar für Rüstung ausgegeben wurden. Es ist eine ratio, die hinterhältige Hinrichtungen mit Drohnen veranlasst – bei einer - zynisch gesagt - „Trefferquote“ von 1:50 – 50 Unschuldige werden hingerichtet, um einen verdächtigen Menschen zu ermorden.

„Gerechter Friede“ will Unschuldige schützen?! Es ist auch eine ratio, die bewirkt, dass irregeleitete junge Männer und Frauen, die zum Militär gehen, aus einem so genannten Einsatz derart traumatisiert zurückkommen und Ekel vor sich selbst empfinden, dass viele von ihnen sich selbst töten.

Wir fordern den Erzbischof von Köln, Herrn Kardinal Woelki auf: Schicken Sie die Soldaten nach Hause. Nehmen Sie ihnen das Versprechen ab, nie wieder Waffen zu bedienen, oder das Morden durch irgendeine Art und Weise zu unterstützen. Kardinal Woelki, lassen Sie diesen Soldatengottesdienst den letzten sein und laden Sie stattdessen im nächsten Jahr alle Flüchtlinge, die zu uns kommen, in den Dom zu einem Fest ein. (Ende der nicht gehaltenen Rede)

Den Krieg in alle Ewigkeit verhindern

„Ich wüßte hier ein praktisch Beispiel“ schreibt Ernst Friedrich in seiner 1924 erschienenen kommentierten Bildzusammenstellung „Krieg dem Kriege“, „den Krieg in alle Ewigkeiten zu verhindern: Vor vielen, vielen Jahren war der Arzt, so sagt man, fürs Leben seiner Patienten voll verantwortlich mit seinem eigenen Hab und Gut und Leben! – Starb der Patient in Händen seines Arztes, starb dieser selbst. So wollte es Gesetz. – Und so sei auch Gesetz für Könige, Präsidenten, Generäle und Zeitungsschreiber nicht zuletzt: Wer Menschen in den Krieg zwingt, oder aufhetzt zu dem Massenmorden, der sei verantwortlich mit seinem ganzen Hab und Gut und mit dem eignen Leben für das Wohl und Wehe der Soldaten! Der König, der zu seiner Fahne ruft, ergreife selbst die Fahne! So ein Soldat verarmt, so mag der König mit ihm betteln gehen! Wenn Hütten niederbrennen in den Kriegen, so mögen auch die Schlösser und Paläste aufgehn in Flammen! Und immer, wenn ein Menschenleben zu beklagen an der Front, so mag ein König oder ein Minister auch auf dem ‚Feld der Ehre’ ruhn fürs Vaterland! Und je zehn Zeitungsschreiber, die zum Kriege hetzen, setzt ein als Geisel für das Leben eines Kriegers!“

Bilderbuch als Kriegs-Bibel

Der Pazifist Ernst Friedrich sammelte unermüdlich Bildmaterial, um die seinerzeitigen Phrasen von „Vaterland“, dem Sterben auf dem „Feld der Ehre“, dem „Heldentod“ anschaulich zu machen, indem er die wahren Kriegsgräuel, die elendiglich Verstümmelten und den (noch lebenden) Soldat als „Ebenbild Gottes“ mit Gasmaske zeigte. Sein Buch „Krieg dem Kriege“, das 1924 zwischen den Kriegen erschien, konnte das weitere große Morden nicht verhindern: „Den Priestern aber, die die Waffen segneten im Namen Gottes, denen sei dies Buch als Kriegs-Bibel gewidmet! Zeigt diese Bilder allen Menschen, die noch denken können!“ (PK)


Hinweis:

Komplette Predigt von Rainer Maria Kardinal Woelki beim Soldatengottesdienst am 22. Januar 2015 im Kölner Dom
http://www.katholische-militaerseelsorge.de/uploads/media/Predigt_2015_01_22_Soldatengottesdienst.pdf

Online-Flyer Nr. 495  vom 28.01.2015

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