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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Ein "besonderes" Land!
Von Evelyn Hecht-Galinski

70 Jahre nach Kriegsende und 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee, ist es zu einem gewaltigen Umschwung gekommen. Fassungslos sehe ich, wie der Islam, wie Russland zu einem Hassobjekt vieler Medien und Politiker wird.
 

KZ Auschwitz, Einfahrt, am Tag nach der Befreiung
Quelle: Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0 de
Nach dem Anschlag in Paris, der  bis heute nicht wirklich aufgeklärt zu sein scheint und der viele Fragen offen lässt, ist es zu einem ungebremsten Anti-Terrorkampf und einer ungebremsten Islamophobie gekommen. Nein, es ist nicht der Antisemitismus der mich besorgt, sondern es ist das ungelöste Palästina-Problem und die Politik der Wertegemeinschaft. Drohnen und das Aufzwingen einer sogenannten westlichen Gesellschaftsnorm sind das Gebot der Stunde. 
Haben uns nicht der CIA Folterreport, das Gefangenenlager Guantanamo, die vielen Kollateralschäden, die wir, die westlichen Heilsbringer, anrichten, aufgeweckt aus der Lethargie?

Weit gefehlt. Am 22.Januar fand eine UNO-Sondersitzung zu Antisemitismus  in New York statt. Lange schon vor den letzten Anschlägen in Paris hatten UN-Generalsekretär Ban  Ki Moon und 37 Staaten diese Sondersitzung angeregt.
Bei dieser Sitzung fehlten allerdings die Hälfte der 193 Mitglieder.
Auch kein Staatschef war dabei.
Ist das nicht allzu verständlich? Diese Sitzung war an Polemik und Einseitigkeit nicht zu übertreffen. als Hauptredner hatte man den französischen Kriegsphilosophen Bernard Henri Levy (BHL) eingeladen, also einen Mann der nicht nur als "Kriegsflüsterer" französischer Präsidenten berühmt ist, sondern auch für seine uneingeschränkte Propaganda für den "Jüdischen Besatzertaat"! (1)
BHL appellierte an die Zuhörer mit theatralischen Sätzen wie "Eine Welt ohne Juden wäre keine Welt", "Antisemitismus ist die Mutter allen Hasses und eine moralische Atombombe".

Bernard Henri Levy
NRhZ-Archiv
 
BHL verstand es in seiner altbekannten Schauspiel-"Schmierentheater Vorstellung" alles miteinander zu vermischen: Christlichen Judenhass, pseudo-sozialistischen Judenhass, Holocaustleugnung und Antizionismus. Er stellte fest, dass nach 1945 diese ganzen Aussagen so nicht mehr gesagt werden dürften, so dass jetzt aus dem Antisemitismus eine Judenfeindlichkeit geworden ist. BHL erinnerte daran, dass Israel ein "besonderes Land" ist.

Tatsächlich ist der "Jüdische Staat" ein besonderes Land! Gibt es einen anderen Staat, der sich auch noch selbst als "einzige Demokratie im Nahen Osten" bezeichnet, der so viele Völkerrechts- und Menschenechtsvergehen ungestraft begeht? Der für Angriffskriege, Drohnenangriffe, Kriegsverbrechen, Besatzung, Besiedlung, Administrativhaft, Folter für Kinder, Ermordung von alten palästinensischen Frauen, von Kindern und Zivilisten verantwortlich ist, außerdem Gefängnisse für Flüchtlinge baut, sowie Gaza-Ghetto, das größte Freiluftgefängnis der Welt hält?
Diese kleine Auswahl der Grausamkeiten beschreibt nur ein wenig von den  "Besonderheiten des Jüdischen Staates". Alles nur für die Sicherheit und Selbstverteidigung! Ich setze einen Auswahl an Links dazu, die diese Anschuldigungen mit Fakten belegen.
Der erste Link ist besonders unfassbar und grausam. Da fotografierte ein "Jüdischer Verteidigungssoldat während des letzten Gaza-Krieges eine 74jährige Palästinenserin, der er auf dem Foto Wasser gab, um sie danach mit einem Kopfschuss niederzuschiessen und zu warten, bis sie verblutete. (2)(3)(4)(5)(6)(7)(8)

Dann kam der  mehr als umstrittene und für seine "Hasbara Hetze" bekannte Botschafter des "Jüdischen Staates",  Ron Prosor, der theatralisch über seine neugeborene Enkeltochter referierte: "Es schmerzt mich zu wissen, dass meine Enkelin in eine Welt geboren wird, die noch immer mit Antisemitismus befleckt ist". Weiter beschimpfte Prosor zahlreiche Delegierte der Generalversammlung, die diese Bühne genutzt hätten, um ihre antisemitischen Gefühle auszudrücken, da sie nach Israels "Militäraktion gegen die Hamas im Gazastreifen" auf diesem Podium gestanden und Israel beschuldigt hätten, sich wie die Nazis zu benehmen und einen Holocaust zu schaffen. Prosor versäumte es auch nicht, den Propheten Jesaja und die Bibel zu zitieren: "O Jerusalem ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen". Zitat Ende. Wie diese "Wächter"  der Besatzung aussehen, dass erleben wir zu Genüge im "Jüdischen Besatzerstaat", namens Israel!
 

Israels UN-Botschafter Ron Prosor
Quelle: wikipedia
Es bleibt festzuhalten, dass der "Jüdische Staat" einen Angriffskrieg gegen unschuldige, eingesperrte 1,8 Millionen Menschen im Gazastreifen geführt hat!
Der "Jüdische Staat" versteht es also  meisterhaft von eigenen Verbrechen abzulenken, indem er nur auf den Antisemitismus lenkt.
Dazu muss ich feststellen, dass das nicht dazu beiträgt, mit dem Thema Antisemitismus in angemessener Weise umzugehen, sondern den Hass nur fördert!

Schon einen Tag vorher, hatte Prosor vor der UN in einer unbeschreiblichen Hetze, die Messerattacke eines Palästinensers in Tel Aviv gegen jüdisch/israelische Businsassen für seinen Auftritt instrumentalisiert - ganz im Sinne von Ministerpräsident "Pusch den Bibi" Netanjahu!
Prosor wörtlich: "Das Schweigen der Vereinten Nationen zu Anschlägen wie dem Messerangriff in Tel Aviv legitimiert Terror. Wer hat heute auf Unschuldige eingestochen? Nicht allein der Terrorist aus Tulkarm, die palästinensische Hetze hat auf sie eingestochen, die Staaten die Terror finanzieren, haben auf sie eingestochen." Zitat Ende.
Weiter forderte Prosor von Ban eine sofortige Verurteilung des Anschlags und kritisierte dafür Palästinenserpräsident Abbas.

Ja, Besatzung und Unterdrückung fördern Hass und Gegenwehr! Kann man es jungen Palästinensern verdenken, wenn sie in ihrer Verzweiflung zu Attentätern werden? Es ist grausam, aber fortwährende Besatzung und Unterdrückung ist genauso grausam!

Auch der saudi-arabische UN-Botschafter Abdallah al-Mualimi, der im Namen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit sprach, äußerte sich zu diesem Tatbestand: "Muslimische Staaten verurteilten alle Worte und Taten, die zu Hass, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit führten. Der Anstieg an Hass, Verbrechen und Extremismus, Gewalt und Antisemitismus sei zudem eng verbunden mit der Situation zwischen Israel und den Palästinensern. Kolonialisierung und Besatzung heizt Antisemitismus an". Zitat Ende

Recht hat der saudische Botschafter. Ich würde es allerdings begrüßen, wenn sich Saudi-Arabien endlich auch den Menschenrechten im eigenen Land widmen würde, um dann endlich seine ganze Kraft dafür einzusetzen, dem "Jüdischen Staat" kontra geben zu können.
 
Auch die US-Botschafterin Samantha Power kritisiert noch die "radikale Form des Islam, der predige und glaube, Gottes Arbeit zu erledigen, indem sie Juden töten"! Zitat Ende. Botschafterin Power, vergaß dabei allerdings zu erwähnen, dass US-Drohnen und -Einsätze töten, um die Arbeit der "Christlich/Jüdischen Wertegemeinschaft" zu erledigen, um die Arbeit des sogenannten "Anti Terrorkampfes" zu erledigen! (9) Tenor: Wir sind die Guten und erledigen saubere Arbeit!
 

US-Botschafterin Samantha Power
Quelle: wikipedia
Da hatte der deutsche Vertreter, der Staatsminister für Europa, Michael Roth einen eher blassen Auftritt, ganz wie seine Chefin Merkel: "Die Bundesrepublik werde immer an vorderster Font gegen Antisemitismus kämpfen. Sie verfolge in dieser Hinsicht eine Null-Toleranz-Politik". Zitat Ende. Ach gäbe es doch nur den selben  Eifer  bei der Bundesregierung,  für den Kampf gegen Besatzung und Unterdrückung im "Jüdischen Staat"!

So aber war diese Debatte eine völlig überflüssige! Ebenso überflüssig war die Selbsteinladung von "Pusch den Bibi Netanjahu" nach Paris auf die Fake Demonstration! (10)

Die zweite Konfrontation bahnt sich an mit der Einladung der US-Republikaner durch Netanjahu - ein Affront gegen die Obama-Administration und für das US-Verfassungssystem ein unerhörter Vorgang.
Netanjahu wird also am 5. März vor beiden Kammern des Kongresses sprechen, wie gewohnt vor Irans Atomprogramm warnen und weitere Sanktionen fordern, um so gemeinsam mit den Republikanern die laufenden Atomverhandlungen mit Iran platzen zu lassen.  Ob Netanjahu dazu wieder sein Papp-Plakat mit der lächerlichen Bombenzeichnung mitbringen wird? Seinen " US-jüdischen Casino-Tycoon" und  Gönner Sheldon Adelson wird das freuen. Ebenso AIPAC, die mächtigste jüdische Lobbyorganisation in den USA. Auch  nicht zu vergessen, seinen Freund Mitt Romney,  den er, Bibi, (ohne Erfolg) während des letzten US-Wahlkampfs unterstützte. Jetzt können sich alle seine rechten Freunde bei Bibi in seinem Wahlkampf für den 17. März revanchieren!

Netanjahu bei AIPAC
NRhZ-Archiv

Der "Jüdische Staat" spielt tatsächlich eine gefährliche Konfrontationsrolle in der Welt. Israel lauert förmlich auf einen Iran-Angriff und spielt auf den besetzten Golan-Höhen auch eine gefährliche Rolle, im Einsatz für Dschihadisten. (11)
Wenn es ginge, würde der "Jüdische Staat" auch noch Hisbollah und die Hamas vernichten, alles in einem Abwasch.

Es ist ein gefährliches Spiel. Die  besetzten Palästinenser werden immer frustrierter und hoffnungsloser, was haben sie noch zu verlieren? Jüdische Extremisten bestimmen die Politik im "Jüdischen Staat". Jüdische Politiker wollen Juden überall in Palästina siedeln lassen, Jerusalem soll für ewig ungeteilt bleiben, während den Palästinensern ihr legitimes Rückkehrrecht verweigert wird. Sie haben weder eine Lobby, noch eine handlungsfähige Regierung, die ihre Rechte gegen die Besatzer vertritt.
Der "Jüdische Staat" wendet viele Millionen Euro allein für die Bewachung der völkerrechtswidrigen Siedlungen und Siedler auf. Sie haben nur ein Streben, die ethnische Säuberung Palästinas und die fortschreitende Judaisierung als "Endziel". Sie wollen alles, nur keinen Frieden!

Lebende Holocaustüberlende wurden im "Jüdischen Staat" nicht besonders gut behandelt, sie lebten in Armut. Viele kamen aus diesem Grund auch in das Land der "ehemaligen Täter" zurück. (12)

Das schreibe ich im gemeinsamen Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, denn gerade die Nachfahren dieser Opfer sollten sich daran erinnern, was die Auswirkungen von  Vertreibung, Besatzung, Unterdrückung und Erniedrigung bewirken.
 

Heinz Galinski
NRhZ-Archiv
Ich kann nur das Lebensmotto meines Vaters Heinz Galinski wiederholen: "Ich habe Auschwitz nicht überlebt um zu neuem Unrecht zu schweigen"!

Ich werde nicht schweigen! (PK)


Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt: http://sicht-vom-hochblauen.de/
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro.
Am 28. September 2014 wurde sie mit dem vierten Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik ausgezeichnet.

 
(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20687
(2)(3)(4)(5)(6)(7)(8)
https://www.middleeastmonitor.com/news/middle-east/16463-israeli-soldier-gives-74-year-old-palestinian-woman-water-then-shoots-her-in-the-head
http://electronicintifada.net/content/report-palestinian-children-systematically-abused-israeli-detention/3433
https://handalamarburg.wordpress.com/administrativhaft-im-staat-israel/die-israelische-administrativhaft/
http://www.medico.de/themen/menschenrechte/migration/dokumente/in-die-wueste-geschickt/4626/
http://electronicintifada.net/content/photos-gazas-shattered-families/14197
http://electronicintifada.net/content/month-pictures-december-2014/14162
http://electronicintifada.net/content/gaza-struggles-cope-siege-and-storms/14186
(9) http://www.merkur-online.de/politik/obama-empfaengt-cameron-schulterschluss-im-anti-terror-kampf-zr-4646993.html
(10) http://www.sueddeutsche.de/politik/draengeln-von-israels-premier-in-paris-pusch-den-bibi-1.2304354
(11) http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-golanhoehen-werden-zur-naechsten-front-a-1014237.html
(12) http://www.welt.de/politik/article1384669/Viele-Holocaust-Ueberlebende-leben-in-Armut.html




Online-Flyer Nr. 495  vom 28.01.2015

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