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Aktueller Online-Flyer vom 26. Juni 2017  

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Kommentare "unserer Medien" zur Ramelow-Wahl in Thüringen
Revolution in Erfurt findet nicht statt!
Von Ulrich Gellermann

Grimmigen Gesichts verkündet die Domina unter den Nachrichten-Leuten vom ZDF, Barbara Hahlweg, die tödliche Botschaft: "25 Jahre nach dem Mauerfall stellt die Nachfolgepartei der SED erstmals einen Ministerpräsidenten." Ein Zittern und Beben geht durch das Land: MAUERBAU und NACHFOLGEPARTEI bestimmen das Medien-Echo. Der BAYERISCHE RUNDFUNK spricht gar vom "Roten König Ramelow". Die WELT weiß, die LINKE "arbeitet . . . erfolgreich daran, dem Erbe dieser (DDR-)Vergangenheit neue Wirkkraft zu verleihen." Der greise Wolf Biermann schreibt einem Freund in Erfurt einen privaten Brief, der dann überall veröffentlicht wird: "Die falschen Roten fressen die echten Roten", als sei mit der Wahl Bodo Ramelows auch der Kannibalismus ausgebrochen. Und der BILD-Kommentar zur Ramelow-Wahl in Thüringen deutet düster: "Die gefährliche Rückkehr der SED-Erben an die Macht!"

ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg
Copyright: ZDF/Carmen Sauerbrei
 
Man raunt von Guillotinen, die auf dem Anger, dem zentralen Platz in Erfurt aufgestellt werden. Nur ein gewisser Mangel an Aristokraten verhindert, dass sie an den Laternen baumeln. Und schon ist das Stichwort gegeben: Mangelwirtschaft! Das "Frei" im Begriff "Freistaat Thüringen" wird abgeschafft werden. An den Grenzen zu Hessen und Bayern sollen neue Wachtürme gesichtet worden sein. In den Thüringer Straßen wurden die ersten Aluminium-Sammler beobachtet: Der "Euro" soll zugunsten des "Alu" weichen. Die Rückkehr des Unrechts-Regimes dräut. Der neue Ministerpräsident des Landes verstärkt diese Sorgen: "Lieber Andreas Möller" - ruft er aus dem Landtag einem Stasi-Opfer zu - "Dir und allen deinen Kameraden kann ich nur die Bitte um Entschuldigung überbringen". Ja, wenn der sich entschuldigt, der doch zu DDR-Zeiten im Westen lebte, dann wird was dran sein, an der SED-NACHFOLGE!
 
Fast so sehr wie die reaktionären Rechten fürchten sich die besonders linken Linken: Jetzt spätestens aber würde die Linkspartei sozialdemokratisch, die Revolution sei auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben und all-überall auf den Tannenspitzen sähe man den Opportunismus blitzen. Keine Frage: Erfahrungen mit der Linkspartei in den Koalitionen in Brandenburg, Mecklenburg und Berlin weisen alle das Dienstwagen-Syndrom auf: Hat man endlich einen Dienstwagen, schwarz und schwer und mit Chauffeur, dann will man ihn auch fahren und nimmer hergeben, Da ist dann kein Kompromiss zu billig. Aber Wahlen im bürgerlich-parlamentarischen System sind nur wenig mehr als der Test für den politischen Reifegrad der Wähler. Und in nur einem Bundesland eine Revolution auszulösen ist sehr, sehr schwierig. Auch mangelt es an bewaffneten Kräften, mit denen die Revolution gegen Bundes-Eingreiftruppen zu verteidigen wäre. Nirgends in der Republik sind revolutionäre außerparlamentarische Bewegungen zu sehen. Was hätte der arme Bodo Ramelow machen sollen, als der LINKEN eine Stimme Mehrheit zufiel? Die Wähler um Verzeihung bitten und das Landes-Zepter in den Händen der Frau Lieberknecht belassen?
 
Eine echte Sozialdemokratie, eine von vor Schröder und Hartz IV, wäre so schlecht nicht. Nur für die unechte SPD, die jetzt mit dem TTIP-Freund Gabriel und dem Nazi-Maidan-Steinmeier die alte SPD weiter zertrümmert, wäre eine neue SPD eine ärgerliche Konkurrenz. Es ist das eingetreten, was schon vor der Wahl in Thüringen zu wissen war: Die Revolution in Erfurt findet nicht statt. Wer an diesem Projekt hängt, der wird eine andere Linkspartei, inner- oder außerhalb der jetzigen, formieren müssen. Und er sollte zugleich die linken Truppen in Thüringen darin bestärken, so viele linke Positionen wie möglich in die Thüringer Verhältnisse einzubringen. In der linken Ecke stehen und quengeln ist letztlich unpolitisch. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch Bodo Ramelow, mach was draus. (PK)


Diesen Beitrag haben wir mit Dank von Ulrich Gellermanns Blog übernommen:
http://www.rationalgalerie.de


Online-Flyer Nr. 488  vom 10.12.2014

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