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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Medien
Der Mülheimer VHS-Skandal, Frau OB Mühlenfeld und die manipulative Presse
Widerstand ist keine Silbe wert
Von Lothar Reinhard

Vor einer Woche schickte der VHS-Spanischkurs seine deutliche Stellungnahme zu den skandalösen Vorgängen um die VHS an die OB, die Fraktionen und auch an alle Mülheimer Lokalmedien. Bis heute haben sich alle penetrant geweigert, darüber auch nur ein Sterbenswörtchen zu bringen. Auch dass der VHS-Förderkreis vergangene Woche die ersten fast 1.800 Unterschriften für den Verbleib der VHS am heutigen Standort Frau OB Dagmar Mühlenfeld offiziell überreichte, war allen Lokalmedien keine Silbe wert. Oder wollte die OB ausnahmsweise damit lieber mal nicht in der Öffentlichkeit erwähnt werden?
 

OB Dagmar Mühlenfeld
NRhZ-Archiv
Dafür in der WAZ gestern folgende Meldung „Politiker drängen auf VHS-Konzept – Die Grünen fordern die Stadtverwaltung auf, endlich eine Alternativkonzeption für den Standort der VHS vorzulegen. … „Das Konzept“, so die Kulturex-pertin Dr. Daniela Grobe, „erwarten wir bis spätestens in der letzten Novemberwoche weit im Vorfeld der Ratssitzung am 18. Dezember. Es muss ausreichend Zeit geben, sich mit dem Entwurf auseinanderzu-setzen.“ Auch die CDU hatte bereits ihren Unmut geäußert, dass immer noch kein VHS-Konzept vorliegt.
 
Die VHS-Geschichte ist ein großer Skandal, nicht erst seit dem Abrissantrag, obwohl die vollständig funktionierende VHS keinerlei Gefahr im Verzuge o.ä. aufweist. Ein Abriss einzig, um einem möglichen Denkmalschutz zuvorzukommen, ist rechtsstaatlich höchst bedenklich und den Menschen in der VHS gegenüber eine bodenlose Unverschämtheit, wie man sie sonst eher aus China oder anderen Diktaturen kennt.
 
Anstatt die berechtigte hochgradige Empörung der Betroffenen zu thematisieren, reihen die Medien sich ein in das menschenverachtende, kulturlose Vorgehen von Stadtspitze und Ratsmehrheit. Mit der oben erwähnten Meldung soll der Eindruck erweckt werden, als sei das Plattwalzen unserer VHS nicht mehr zu verhindern. Zu kritisieren sei lediglich das immer noch fehlende VHS-Alternativkonzept. 
 
Es schaudert einen, wenn das der erlaubte Umgang mit den real existierenden Menschen in unserer Stadt sein sollte. Erst beseitigen, dann schauen, ob und wie es weitergehen könnte. Und das bei einer Pflichtaufgabe der Stadt wie der VHS, deren große Bedeutung niemand leugnen kann und darf. Doch wie öfter in Mülheim reicht anscheinend der Spruch „Es wird sich schon was finden“, und Medien wie Ratsmehrheit sind zufrieden.
 
Da bejubelte z.B. die WAZ diese Woche den Baubeginn für die Luxussportanlage in Heißen und der heutige Wochenkommentator schreibt „…geht für viele Sportfreunde ein ganz alter Wunsch in Erfüllung. Es zeigt sich, dass immer noch ein Stück Stadtentwicklung möglich ist – auch in einer so hoch verschuldeten Stadt. Zum Glück.“ Dass just dieses Projekt hochgradig bedenklich war und ist, verschweigt die WAZ. Die unseriöse Finanzierung ist himmelschreiend, der Widerstand vieler anderer Vereine dagegen war riesig bis hin zum Boykott aller Stadtturniere.
 
Dass auch der Styrumer Schulsportplatz von-der-Tann-Straße zur Finanzierung der Heißener (ganz alten) Wünsche verkauft werden soll, ist skandalös, auch weil keine Alternative auch für diese Pflichtaufgabe in Sicht war und ist. Bereits vor 4 Jahren wurde behauptet, man fände was. Das ist aber bis heute nicht der Fall, was niemanden überraschen kann.
 
Dass auch der Regierungspräsident Gesetze missachten musste, um dem Projekt nach einem Jahr der „Prüfung“ sein OK zu geben, scheint nicht zu interessieren. War auch egal, weil die Stadt bereits vorher mehrere Millionen zum Kauf des Grundstücks ausgegeben hatte. Dass die Stinnes-Stiftung, die sich aus RWE-Aktienbesitz finanziert, viele kleine Projekte nicht mehr finanzieren können wird - wie z.B. die Städtepartnerschaften -, aber den „ganz alten (Luxus-)Wunsch“ „vieler Sportfreunde“ finanziert, ist alles andere als unproblematisch, vor allem, wenn man bedenkt, dass der OB-Gatte und damalige Ratsherr auch Präsident des einen der beiden begünstigten Heißener Sportvereine war, als die bedenkliche Geschichte gnadenlos durchgezogen wurde. Dass das Ehepaar Mühlenfeld am Rande des Platzes des anderen begünstigten Vereins wohnt und ihr Haus sicher keinen Wertverlust erleiden wird, wenn der Platz künftig von Eigenheimen statt wie bisher von lärmenden Fußballern bevölkert sein wird, all das ist sicher nur Zufall und - wie die WAZ es ausdrückt: „…ein Stück Stadtentwicklung… Ein Glück“
 
Für die Schulkinder der Grundschule Augustastraße oder der Gesamtschule Styrum ist das dann halt Pech; genau wie vorher für die Grundschulkinder vom Blötterweg und jahrelang auch der Arnoldstraße, denen man für das (inzwischen völlig gescheiterte) Stadionmodell für den VfB Speldorf den fußläufig erreichbaren Schulsportplatz einfach wegnahm. Und auch dort fand sich keine Alternative mehr, da man die Kinder auf keinem Rest des Neubaugebietes auf dem alten VfB-Gelände an der Blötte haben wollte!
 
Nicht viel anders könnte es den Dozenten und Nutzern der VHS ergehen.
 
Irgendwie scheint die Demokratie („Herrschaft des Volkes“) in Mülheim kaum noch als solche erkennbar. Was es bedenklich bzw. sogar bedrohlich macht, ist, wenn die Medien bei solchen Skandalen brav mitspielen. (PK)
 
Lothar Reinhard ist Fraktionsvorsitzender der Mülheimer BürgerInitiativen (MBI) im Stadtrat


Online-Flyer Nr. 484  vom 12.11.2014

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