NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

zurück  
Druckversion

Lokales
Ende einer fast endlosen Skandalgeschichte in Mülheim ist absehbar. Gut so!
Das Fallwerk Jost
Von Lothar Reinhard

Seit Ende Oktober ist dieses Schild an der Timmerhellstraße im Gewerbegebiet des Mülheimer Hafens zu sehen: Die Schrott verarbeitende Firma Jost, kurz „Das Fallwerk“ genannt, hat nun das städtische Gelände an der Timmerhellstraße per Erbbaurecht gepachtet, wie das Schild beweist. Noch arbeitet der hochgradig störende Betrieb an der Weseler Straße am Rande der Wohngebiete von Hofacker- und Eltener Straße. Wahrscheinlich wird er im nächsten Jahr umziehen und wohl kurz vor der OB-Wahl - rein zufällig, versteht sich - ganz von der Weseler Straße verschwunden sein.


Foto: Lothar Reinhard 

Was dann dort auf dem zweifelsohne stark belasteten Gelände in Zukunft passieren wird, ist noch unklar. Doch darf dort wohl keine Schrottverarbeitung wie bisher mehr betrieben werden und ganz sicher auch keine Falltürme mehr. Nach jahrzehntelangem Kampf für die Verlagerung des Fallwerks Jost freuen sich die Mülheimer BürgerInitiativen (MBI) mit den Anwohnern, dass diese lange überfällige Maßnahme jetzt absehbar Realität wird. Die MBI bedauern, dass dabei die städtebaulichen Möglichkeiten zur Reparatur von städtebaulichen Mängeln in Speldorf nicht genutzt werden, doch egal.

Blick in das Fallwerk Jost
Quelle: MBI
 
Seit fast 60 Jahren bearbeitet das Werk nicht nur Schrotte aller Art und Größen mit unterschiedlichen Methoden und unter freiem Himmel. Es erzeugte seit Anbeginn auch eine weltrekordverdächtige Lawine von Protesten und Beschwerden wegen Höllenlärms, unzumutbaren Erschütterungen und Belastung von Luft und Boden mit Giftstoffen. Fragt man z.B. den vor über 10 Jahren altersbedingt bereits pensionierten ehemaligen Jugendamtsleiter (dem sicherlich niemand MBI-Nähe unterstellen wird), so wird er ausführlich berichten, wie schon sein Vater als seinerzeitiger Vorsitzender des Speldorfer Bürgervereins Ende der 50iger Jahre heftig gegen dieses Werk protestierte und Beschwerden verschickte - vergebens wie viele zig-tausende in den folgenden Jahrzehnten bis heute. Dabei hätte es seit Anbeginn bis heute immer wieder Ansatzpunkte für die Behörden von Stadt und Land gegeben, die massiven Beeinträchtigungen von Bevölkerung und Umwelt zumindest deutlich zu reduzieren, so man denn gewollt hätte.
 
Bereits die ursprüngliche Genehmigung war sehr bedenklich, immer wieder haarsträubende Berechnungen zu den real unzumutbaren Lärmbelästigungen insbesondere durch den Impulslärm der Falltürme, die Schrottschere usw., dazu unerträgliche Erschütterungen über den zulässigen Werten, Bodenverseuchung im Wasserschutzgebiet und dann auch noch die Staubmessungen seit 2002 mit bedenklich hohen Schadstoffwerten in der Luft für Nickel, Chrom etc.. Die Vielfachbelastungen durch dieses Werk an einem Standort, wo es nie hätte genehmigt werden dürfen, waren mehr als bedenklich, das jahrzehntelange Vertuschen der Probleme oft skandalös.
 
Nun ist ein Ende endlich absehbar nach langem, häufig sehr frustrierenden Widerstand der Bürgerinitiative und der MBI gegen die offensichtlichen Unzumutbarkeiten des Fallwerks Jost.
 
Die 33.000 qm Betriebsgelände an der Weseler Str. liegen an der Nahtstelle zwischen Gewerbe-/Industriegebiet Hafen und den Stadtteilen Speldorf/Broich. Ein Nachnutzungskonzept hätte wichtige Impulse und Möglichkeiten insbesondere für Speldorf, aber auch für die nahe Hochschule im Aufbau bringen können. Das aber wurde seitens der Stadt anscheinend bei den Verhandlungen über die Verlagerung des Fallwerks auf das für Jost viel größere und attraktivere städtische Grundstück (u.a. auch Wasseranschluss) entweder nicht versucht oder nicht durchgesetzt. Ein MBI-Antrag im Stadtrat, dazu den B-Plan Z 11 neu aufzulegen, also neben Jost auch die Bürger mit einzubeziehen und die Ziele für das durchaus spannende Grundstück neu zu bestimmen, wurde von Verwaltung sowie von SPCUFDGrüne abgelehnt. Schade, weil eine große Chance vertan wurde, die städtebaulichen Sünden der Vergangenheit wenigstens in Teilen zu korrigieren.

Lothar Reinhard (MBI) zeigt, wo seiner Meinung nach zwischen den Grundstücken von Jost und Schauenburg eine Verbindung zur Weseler Straße geschaffen werden könnte.
Quelle: WAZ/DER WESTEN/Foto: Oliver Müller, 8.11.2014
 
Mehr Informationen dazu finden Sie auch in einem MBI-Antrag für die Sitzung der Bezirksvertretung 3 am 14.9.14 und des Planungsausschusses am 16.9.14 zur zügigen Weiterbearbeitung des 1996 auf Eis gelegten B-Plans Z 11 „Emmericher Str./Weseler Straße“ für die Zeit nach der anstehenden Verlagerung des schrottverarbeitenden „Fallwerks“ von der Weseler an die Timmerhellstraße hier: http://www.mbi-mh.de/2014/07/20/fallwerkverlagerung-fuer-die-dringend-notwendige-staedte-bauliche-reparatur-nutzen/ und am 16.8.14 in einem WAZ-Artikel: “MBI fordern – Jetzt Speldorf reparieren” hier: http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/mbi-fordern-jetzt-speldorf-reparieren-id9706516.html (PK)
 
Lothar Reinhard, ist MBI-Fraktionssprecher im Stadtrat und war vor Gründung der MBI lange Jahre Sprecher der BI „Emmericher Str./Fallwerk“


Online-Flyer Nr. 484  vom 12.11.2014

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Männerbünde
Aus dem KAOS-Kunst- und Video-Archiv
FOTOGALERIE


Schwarzer Freitag für H&M
Von Arbeiterfotografie