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Aktueller Online-Flyer vom 30. September 2016  

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Inland
Offener Brief zur Bundeszentrale für politische Bildung an de Maizière:
Eine Außenstelle israelischer Propaganda
Von Izzedin Musa

Kennern der politischen Bildung gilt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) schon seit Jahren als eine Außenstelle des israelischen Propagandaministeriums. Seit den Zeiten der Nazis hat sich kein Staat mehr offiziell ein Propagandaministerium (Hasbara-Ministerium) geleistet, außer Israel natürlich. Dem zionistischen Staat scheint alles erlaubt zu sein.

Innenminister Thomas de Maizière
NRhZ-Archiv
 
Ich verfolge seit Jahren genau die Publikationen, die die bpb veröffentlicht. Immer wieder habe ich meine Kinder davor gewarnt, die Publikationen dieser Institution über den Nahen Osten in die Hand zu nehmen. Auch ohne das Propagandamaterial haben sie das Abitur bestanden. Jüngst fiel mir eine Ausgabe des so genannten Jugendmagazins "Fluter" in die Hände. Schon der Umschlag schockierte mich. Er bildet eine langweilige Strandszene ab und im Vordergrund den Rücken eines überdimensionierten israelischen Soldaten, der „absolute“ Sicherheit versprühen sollte. Der Titel dieser Ausgabe lautet: "Wo geht's hin?" Selbst in einem Jugendmagazin wird für den zionistischen Siedler- und Kriegerstaat Israel geworben.
 
Dieses so genannte Jugendmagazin versprüht den Charme der DDR-Veröffentlichungen aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die bpb macht also selbst in ihrem so genannten Jugendmagazine Reklame für eine Killerarmee, die gerade über 2.139 meiner Landleute massakriert, über 10.000 schwer verletzt, 400.000 obdachlos gemacht und eine Spur der verbrannten Erde im Gazastreifen hinterlassen hat. Die Kriegsverbrecher des zionistischen Regimes gehören vor ein Kriegsgericht oder wenigstens vor den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.
 
In den Publikationen der bpb liest man davon nichts. Israel wird weißgewaschen und in schillernden Farben nach den Vorgaben des israelischen Hasbara-Ministeriums gezeichnet, wie in den Informationen zur politischen Bildung, Heft 278, geschehen. Auf dem Cover werden Bildchen gezeigt, die den Eindruck vermitteln, als handele es sich um ein Land in Copacabana-Laune. Dies überrascht nicht, gehört doch die verantwortliche Redakteurin, Jutta Klaeren, als stellvertretende Vorsitzende der deutsch-israelischen Gesellschaft in Bonn an.
 
Es kommt noch schöner: Die Vorsitzende dieser zionistischen Vereinigung, Hanna Huhtasaari, ist ebenfalls als Referentin in der bpb tätig. Beide vermengen ihr privates Engagement für einen Rassistenstaat mit ihrem beruflichen Auftrag der politischen Neutralität, indem sie ihre Arbeit für diese zionistische und rassistische Gesellschaft durch ihren Titel der bpb aufwerten. In ihrer Selbstbespiegelung schreibt die Außenstelle des israelischen Hasbara-Ministeriums: "Ihre Aufgabe erfüllt sie in eigener gesellschaftspolitischer, pädagogischer und publizistischer Verantwortung. Sie ist überparteilich und wissenschaftlich ausgewogen." Von Überparteilichkeit und Ausgewogenheit kann in den Materialien über Israel keine Rede sein. Das israelische Hasbara-Ministerium kann mit den Mitarbeitern der bpb voll zufrieden sein.
 
Utta Klaeren schreib wider besseres Wissen in ihrem Editorial in Heft 278, dass die meisten Israelis schon "aus Sicherheitsgründen den besetzten Gebieten fern" blieben. Als Propagandabeauftrage sollte sie eigentlich wissen, dass es jedem Israeli bei Strafe verboten ist, in die besetzten Gebiete zu fahren. Diese Ausgabe beschreibt ein Land, das es so in der Realität gar nicht gibt. Dass es sich bei Israel um einen Kolonial- und Besatzerstaat handelt, wird auf den 82 Seiten mit keinem Wort erwähnt.
 
Selbst für die Jugendlichen, die nur noch häppchenweise Informationen konsumieren, hält die bpb mit "Israel kurzgefasst" ein propagandistisches Kleinformat als "Informationsbroschüre" bereit. Gisela Dachs, Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit", hat dieses einseitige, bebilderte Bändchen von 180 Seiten verfasst. Jeder informierte Zeitungsleser verbindet mit dem Namen Gisela Dachs einseitige Berichterstattung aus Israel. Seit 1996 berichtet sie aus diesem Land und lebt in Tel Aviv. Wie kann sich die "Zeit" solch eine Korrespondentin noch leisten? Aber bei einem Herausgeber wie Josef Joffe ist das keine Überraschung, der eine Blitzkarriere vom kleinformartigen Provinz-Journalisten zum Herausgeber einer einstmals renommierten und geachteten Wochenzeitung schaffte, die sich zunehmend zum Sprachrohr des israelischen Hasbara-Ministeriums entwickelt hat. Doch es wirft die Frage auf, wie ein zionistischer Israel-Trommler eine solche Karriere machen konnte, ohne massiv von der zionistischen Israellobby gefördert worden zu sein. Auch hier hat die stellvertretende Vorsitzende der deutsch-israelischen Gesellschaft in Bonn das Vorwort geschrieben.
 
Auch in dieser Publikation wird der Eindruck vermittelt, als sei Israel solch ein komplexes Gebilde, das nur schwer zu verstehen ist. Dadurch versucht die bpb nicht nur von dem alltäglichen Rassismus, der Israels Politik und Gesellschaft bestimmt und ein verbrecherisches Besatzungsregime errichtet hat, abzulenken. Weiter wird der Eindruck erweckt, als sei der Nahostkonflikt so komplex, dass er kaum zu lösen sei. Auch dies ist eine Täuschung der bpb-Verbraucher. "Araber ins Gas" und "Tod den Arabern" hört man auf jeder Demonstration von Rechtsextremisten in Israel.
 
Ich bin nicht verwundert, dass diese Behörde in solch ein Fahrwasser geraten ist, seit Thomas Krüger (1) Präsident dieses Propagandahaufens ist. Auch ein Blick auf die Buchveröffentlichungen der bpb spricht Bände. Ich erspare mir, jeden einzelnen Band zu aufzuzählen. Also, Hände weg von dieser Hasbara-Einrichtung, die massive Manipulation der Meinung von Jugendlichen und Verbrauchern auf Kosten der Steuerzahler betreibt. Die „Bundeszentrale für politische Bildung“ hat ihren Zweck und Auftrag, ausgewogene politische Bildung und Aufklärung zu vermitteln, längst verfehlt. Die bpb gehört umgehend geschlossen. (PK) 
 
(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18535&css=print
 
Dr. Izzeddin Musa, geb. 1938 in Haifa, Palästina. Die Familie zog 1945 nach Nablus. Sie floh vor den Übergriffen der Terrorgruppen Stern-Bande und Irgun. In Nablus besuchte er die Grundschule. Ende 1956 beendete er seine Schulausbildung mit dem Abitur in Nablus und kam Anfang 1957 nach Deutschland. Hier studierte er Naturwissenschaften und promovierte.
Als Diplom-Geologe arbeitete in einem Ingenieurbüro in der Nähe von Köln und machte sich dann selbstständig. 1991 gründete er zusammen mit einer Gruppe von Deutschen und Deutsch-Palästinensern einen gemeinnützigen Verein: Gesellschaft zur Humanitären Unterstützung der Palästinenser e. V. Seit einigen Jahren gibt er eine Zeitschrift im Internet (www.palaestina-stimme.de) heraus. Inzwischen ist er Rentner.
 


Online-Flyer Nr. 474  vom 03.09.2014

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