NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 21. August 2017  

zurück  

Filmclips
Augenzeuge der Revolution
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann



http://www.youtu.be/taR62hQxesctaR62hQxesc

Für Klaus Steiniger ist die portugiesische Nelkenrevolution des 25. April 1974 „der bisher weitreichendste antikapitalistische und antiimperialistische Vorstoß im Westen Europas seit der Pariser Commune von 1871“. Sie gelang im Zusammenwirken revolutionärer und antifaschistischer Kräfte der portugiesischen Bewegung der Streitkräfte MFA und dem entschlossenen Einsatz der Bevölkerung. Gemeinsam erreichten sie den Sturz des Kolonialkrieg führenden Caetano-Regimes und seiner Geheimpolizei PIDE, die die Gegner verfolgte, wegsperrte, folterte.



„Der Tod aller fortschrittlichen Kräfte ist das Sektierertum“, ist die Lebensweisheit eines Mannes, der stolz darauf ist, über 65 Jahre aktiver und überzeugter Kommunist zu sein.

Wer ist Klaus Steiniger und womit war er über zwei Jahrzehnte lang als Auslandskorrespondent und „Augenzeuge“ beschäftigt? Die Frage beantwortet Franz-Karl Hitze dicht gepackt: „Politischer Berichterstatter des Neuen Deutschland auf vier Kontinenten, halboffizieller Vertreter der DDR im Vorfeld der Aufnahme diplomatischer Beziehungen in den USA, Japan oder Portugal, Reporter, der mit viel diplomatischem Geschick führende Persönlichkeiten in den von ihm besuchten Staaten interviewte. In den USA, von wo Klaus Steiniger über den Prozess gegen Angela Davis berichtete, war er der erste Deutsche mit DDR-Pass, dem die US-Behörden die Einreise für journalistische Arbeit außerhalb New Yorks gestattet hatten. In San José begegnete er Henry Winston, dem legendären Nationalen Vorsitzenden der KP der USA. In Portugal traf er mehrfach den PCP-Generalsekretär Àlvaro Cunhal, aber auch führende Konterrevolutionäre, wie General Spinola und andere. Als Beobachter der Revolution und der Konterrevolution arbeitete er von 1974 bis 1979 in Portugal.“

Im Verlauf dieser Jahre greift der Sonderkorrespondent, der zwischenzeitlich auch in Franco-Spanien und Paris, aber überwiegend in Lissabon stationiert war, immer wieder zur Kamera und schafft mehrere tausend einzigartige Bilddokumente auf hohem ästhetischen Niveau. Als er mit vielleicht 300 Fotos in der Tasche im Sommer 1974 in Berlin eintrifft, tritt die Chefredaktion der DEFA-Wochenschau an ihn heran. Die Medientechnik befindet sich im Umbruch, das tagesaktuelle Fernsehen löst die Kinowochenschauen „mit Ereignissen aus aller Welt und ein bißchen Sport“ ab. Klaus Steinigers Film „Die Nelkenrevolution“ ist einer der ersten, vielleicht sogar der erste Beitrag der von nun an thematisch gestalteten Wochenschauen, produziert im Herbst 1974 und veröffentlicht in der ersten Januarwoche 1975 als Kino-Wochenschau, im großen Kino International in der Karl-Marx-Allee vor sieben- bis achthundert Zuschauern aufgeführt. Amüsiert erinnert sich der erfahrene Journalist, dass ein hervorragender bulgarischer Kameramann aus seinen Fotoabzügen eine Bilderschau zusammenstellte, die er später im Studio kommentierte. Lediglich eine Passage von der ersten Kundgebung in Grandola liest er vom Blatt, der Hauptteil ist improvisiert und frei gesprochen. Nach zwei Stunden war alles im Kasten. Seine Erfahrungen mit der Revolution seien bis zu diesem Zeitpunkt noch recht bescheiden gewesen, er habe noch kein Portugiesisch gesprochen, nur Spanisch. Später wird Klaus Steiniger Duz-Freund des Präsidenten Vasco Goncalves, von dem er zweihundert handschriftliche Briefe erhält.

Fürs Fernsehen liefert der auf vielen Parketten Versierte im Laufe von fünf Jahren aus dem RTP-Studio aus Lissabon, das mit der Revolution aus den Händen der Faschisten befreit war, zahlreiche Lifebeiträge nach Berlin.

Franz-Karl Hitze (w.v., in jungeWelt vom 28.8.2004) : „Steinigers außergewöhnliche Aufzeichnungen resultieren aus seiner hohen wissenschaftlichen Bildung – er ist promovierter Jurist –, seinen jahrzehntelangen journalistischen Erfahrungen und seinen politischen Überzeugungen.“ Der Zeit- und  „Augen“-Zeuge Klaus Steiniger pflegt bis heute – bald 82jährig – seine Gesellschaftsvision als Chefredakteur des „RotFuchs“, von dem im September 2014 die zweihundertste Ausgabe erscheint.(PK)


Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 468  vom 21. August 2017



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Venezuela in guter Verfassung
Film von Elke Zwinge-Makamizile
FOTOGALERIE