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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Glossen
Die Rückversicherung des Todes
Obama care for war
Von Ulrich Gellermann

Die gute alte MIG 29, Stückpreis 30 Millionen Dollar, fliegt in der Ukraine immer noch. Aber weil das Land schon die letzte Gasrechnung nicht bezahlen konnte und auch die nächste nicht wird bezahlen können, verkauft der ukrainische Staat in diesen Tagen drei von den bewährten Jets an den Tschad. "Vor kurzem", schreibt die österreichische Zeitung DIE PRESSE, "sahen Planespotter (deren Hobby es ist Flugzeuge zu fotografieren) das erste dieser Flugzeuge von einem Flugfeld nahe Lemberg in der West-Ukraine abheben, neulackiert und mit den Hoheitsabzeichen der tschadischen Luftwaffe in Rot/Gelb/Blau." Im Tschad hungern die Menschen. In der Ukraine, wenn der Internationale Währungsfonds mit dem Land fertig ist, bald auch. Aber wen kümmert das, außer die Hungernden?

Rapid Trident-Manöver der USA und Deutschlands in der Ukraine - Juli 2013
U.S. Army photo by Sgt. Daniel Cole
 
Die viel größere Sorge hat der Drohnen-Präsident Obama soeben entdeckt: Weil die Ukraine ihre MIG´s verschleudern muss, will der US-Präsident jetzt eine Milliarde Dollar spenden. Für eine "Initiative zur Rückversicherung Europas". Natürlich erwartet der Friedensnobelpreisträger, dass die Europäer auch diese oder jene Milliarde locker machen. Denn ohne ein paar Kampfjets mehr, diese oder jene neue Korvette oder jede Menge prima Panzer könnten die Ost-Europäer einem Überfall durch Russland nicht standhalten. Und nachdem die "Obamacare", jene nach dem Präsidenten benannte US-Krankenversicherung eher schlecht als recht läuft, steigt der Mann jetzt ins Waffengeschäft ein. Davon versteht er was. Immerhin hat er schon in seinem ersten Wahlkampf den Afghanistankrieg als "seinen" Krieg bezeichnet, war in Libyen an 50.000 Toten beteiligt, im syrischen Bürgerkrieg mischt er verdeckt mit, und wer in Pakistan oder Somalia mit den falschen Leuten vor der Moschee steht, kann jederzeit mit einer erstklassigen Drohne versorgt werden.
 
Weil aber jede Aufrüstung einen Feind braucht, hat Obama befunden, dass die Russen aufrüsten. Nun haben die Russen einen Rüstungsetat von 52.7 Milliarden Dollar und die Amerikaner mit 793,3 Milliarden das 16-fache. Die Russen verfügen nur noch über einen Militärstützpunkt im Ausland, die Amerikaner sind in knapp 40 Ländern mit ihren Militärs vertreten. Aber was solls. Zahlen sind das eine, politische Fantasien das andere. Und nachdem die USA, mit Hilfe der EU, einen halbwegs erfolgreichen Regime-Change in der Ukraine durchgeführt haben - der falsche Oligarch wurde durch den richtigen ausgetauscht - muss das neue Besitztum abgesichert werden.
 
Im Fall der Ukraine wird mehr verteidigt als nur ein neues Regime. Es geht auch darum, die guten Militär-Traditionen, die Partnerschaft zwischen der ukrainischen Armee und den Streitkräften der USA vor den bösen Russen zu retten. Schon 1995 gab es Manöver der beiden Freunde und weil die so erfolgreich waren, beschloss die NATO zwei Jahre später eine "Charta über besondere Partnerschaft" mit der Ukraine. Die arme, ständig von den Russen bedrohte Ukraine musste sich aus purer Angst vor denen auch am Jugoslawienkrieg der USA, am Irakkrieg der USA und am Afghanistankrieg der USA mit Truppen beteiligen. Da geht es den Ukrainern wie den Deutschen: Auch deren Freiheit musste dringend am Hindukusch verteidigt werden. Gegen die Russen, wahrscheinlich. Es wird eine Vorahnung gewesen sein, die schon 2013 Truppen aus den USA und aus Deutschland in der Ukraine zusammenführte, um gemeinsame Manöver unter dem Namen "Rapid Trident" durchzuführen. Und wer jetzt denken würde, dass sich doch dann die Russen hätten bedroht fühlen können, der liegt natürlich völlig schief. Denn es handelte sich nur um einen Teil des Partnership for Peace-Program der USA. Da sagt uns schon der Name, dass die beim Manöver mitgeführten Waffen nur dem Frieden dienten.
 
Schon länger ist die Ukraine der wichtigste Waffenlieferant für den Tschad: Dutzende Transport- und Kampfhubschrauber aus ukrainischen Beständen sind auf Flugplätzen des Tschad zu finden. Brav stehen sie neben den sechs schweren Suchoi Su-25 "Frogfoot"-Erdkampfbombern, die Kiew geliefert hat. Immerhin wird seit 2003 im Doba-Becken Erdöl gefördert. Unter Führung des US-Konzerns Exxon. Über eine 1050 Kilometer lange Pipeline gelangt der Stoff bis zur Atlantikküste Kameruns, um dort amerikanische Tankschiffe zu füllen. Solch kostbare Fracht braucht Schutz. Wahrscheinlich deshalb haben die USA in der "Pan-Sahel-Inititative" mit dem Tschad eine enge militärische Zusammenarbeit vereinbart. Die US-Special-Forces bilden Soldaten des Tschad aus, der Tschad stellt der US-Armee zum Dank Militärbasen zur Verfügung. Wahrscheinlich muss im diktatorischen, korrupten Tschad die Freiheit verteidigt werden. Immerhin gilt der Tschad als das florierende Zentrum des afrikanischen Kinderhandels. Und so kommt die Freiheit des Handels, die verteidigt werden muss, hinzu. Wahrscheinlich gegen die Russen. Da geht ohne Rückversicherung gar nichts. (PK)

Diesen Text haben wir mit Dank übernommen von Ulrich Gellermanns Blog


Online-Flyer Nr. 462  vom 11.06.2014

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