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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Lokales
Ouvertüre in Düsseldorf zum Erdogan-Besuch am nächsten Samstag in Köln?
Japanische Sonne und Blockupy
Von Horst Hilse

Wieder einmal war es soweit: Die Sonne schien nach einigen kalten Regentagen warm vom rheinischen Himmel. In der Landeshauptstadt fand am Samstag wieder ein "Japan-Tag“ statt. Seit 2002 gibt es in der Landeshauptstadt regelmäßig im Mai oder Juni dieses größte europäische Begegnungsfest Europas mit der japanischen Kultur und Wirtschaft. Über 720 000 Besucher mit viel Prominenz aus dem In- und Ausland waren es im letzten Jahr, dieses Jahr, am 13. "Japan-Tag", dürfte die Zahl noch übertroffen worden sein. In Düsseldorf und Umgebung leben rund 8 200 Japaner, die meist in den ansässigen Zweigniederlassungen der japanischen Konzerne tätig sind.

Demo zum "Japan-Tag" in der Düsseldorfer Innenstadt
Fotos: Horst Hilse
 
Da Düsseldorf nun mal im Rheinland liegt und man gerne Karneval feiert, macht man dort aus einer schnöden Wirtschaftspräsentation ein großes Event mit vielen Veranstaltungen (Kampfsportarten, Mangaschulen, Kochkursen, Tanzdarbietungen etc.), das dann in ein großes abendliches Feuerwerk mündet. Zugleich versucht Düsseldorf damit auch der Kölner Konkurrenzshow "Rhein in Flammen“ den Schneid abzukaufen. Unter die Besucherströme mit ihren vielen bunten Gewändern und kunstvollen Papierschmuckstücken mischten sich dieses Jahr jedoch oft ebenfalls fantasievoll kostümierte Demonstranten und de Sambatrommeln von Blockupy.
 
Nicht ganz so zahlreich zwar (knapp 2000), konnten sie jedoch durchaus Aufmerksamkeit erregen. Es war nicht nur die Demo selbst, sondern auch die vielen Aktionen, die anschließend in und um "die Luxusmeile Königsalle“, eine der Einkaufsmeilen Europas mit Leuten mit "feinem Geschmack“ stattfanden und zu Menschenansammlungen führten. Die Hauptkundgebung löste sich in mehrere kleine Kundgebungen mit jeweils mehreren hundert Teilnehmer/innen auf, die vor den "Schicki-Micky-Buden“ der "upperclass“ stattfanden. Normaler Kundenbetrieb war lahmgelegt und an vielen Einkaufsläden hieß es: "Kein Durchkommen!“ Vor der Maredo-Filiale wurde lautstark gegen die antigewerkschaftlichen Aktionen des Managements protestiert, vor H&M-Shops wurden Berichte von Textilarbeiterinnen und ihren Streiks verlesen, vor einer Bankfiliale wurde die Korruption thematisiert, vor einem weiteren Geschäft wurden die "Führungszeugnisse“ verlesen, die die dortige Geschäftsleitungen jenen Frauen ausgestellt hatten, die sich gegen die Zumutungen am Arbeitsplatz beschwert hatten. Eine Filiale wurde belagert, weil sie die Lehrlingsausbildung mit der Begründung eingestellt hatte, dass der „laufende Betrieb“ dadurch gestört würde, etc. etc.
 
Mehrfach stürmten erboste Geschäftsführer und auch betuchte Kundschaft zum "team green" und forderten die Staatsmacht zur sofortigen Beendigung dieser "unverschämten Provokationen“ auf. Eine Kundin vor H&M empörte sich: "Ich werde hier gezwungen, mir kommunistische Propaganda anhören zu müssen.“ Darauf ein Uniformierter unbekümmert: "Aber sie kaufen doch auch die Sachen, die unter derartig schrecklichen Bedingungen produziert werden.“ Darauf die Antwort: “Na hören sie mal, was habe ich denn mit der Produktion zu tun, sie tragen ja auch eine Waffe und können mir nicht sagen, wer die wie wo hergestellt hat.“ Erstaunt griff der Uniformierte an sein Halfter und schaute lange nachdenklich auf die Waffe.
 
Das "team green" befand sich in einer misslichen Situation: Man musste den BesucherInnen und der internationalen Prominenz das Bild einer weltoffenen und toleranten Stadt vermitteln. Ein Vorgehen auf der "Kö“, dem Magnet für Zigtausende hätte den Ruf der Stadt stark beschädigt. Denn es war offensichtlich, dass hier keine Brandsätze flogen, sondern friedliche Kundgebungen mit regem Zulauf von vielen BesucherInnen stattfanden. Auch Japaner und einige Russen lauschten interessiert und ließen sich die Reden übersetzen. Neben der Königsallee zog es auch viele Demonstranten auf den Platz vor dem neuen Gebäudekomplex "Kö-Bogen". Dies wird als "Prestigeobjekt für die oberen 10.000" kritisiert. "Wir wollen solche Luxusobjekte in dieser Stadt nicht", sagte Anita Kiefer, Pressesprecherin des Bündnisses. Mit einer Sitzblockade wurden mehrere Geschäftseingänge blockiert. Nach einiger Zeit schritt die Polizei ein und trug die Demonstranten weg.
 
Diese vielfachen Kundgebungen mit den konkretisierten Anklagen war sicherlich eine der ganz starken Seiten des Aktionstages, und der DGB fände hier genug Anschauungsmaterial, wie man gewerkschaftliche Themen "wirklich spannend rüberbringen“ kann. Zur schwächeren Seite gehörte die Ignoranz dieser deutschen Szene gegenüber angegebenen Uhrzeiten und die nichts sagenden irritierenden Beschallungen zum Kundgebungsbeginn.


Nicht nur der Nahverkehr wurde blockiert – DemonstrantInnen auch im Airport
  
Ab 17 Uhr wurde es dann Zeit, zu einem der größten deutschen Abschiebeflughäfen vorzudringen (4 Minuten Bahnfahrt) um dort gegen die Abschiebepraxis zu demonstrieren. Mehrere hundert Demo-TeilnehmerInnen drückten sich in der Flughafenhalle auch für die vielen ausländischen Gäste im Sprechchor verständlich aus: "No border – no nation – no deportation!"
 
Ein wirklich gelungener Aktionstag, der vielleicht Beginn einer jährlichen Tradition der antikapitalistischen Kräfte werden könnte. Übrigens: Nach dem Vorgehen der türkischen Regierung beim Grubenunglück in Soma sorgt laut Frankfurter Rundschau "der von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geplante Auftritt in Köln für Unmut in Deutschland. Politiker von SPD, CSU und Grünen kritisieren die für den kommenden Samstag geplante Veranstaltung in der Lanxess-Arena. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) sagte der WAZ: "Der Besuch kommt einem Missbrauch des Gastrechts nahe." Schneider forderte Erdogan auf, seine Rede in Köln abzusagen. Hoffen wir, dass wir viele der Mitstreiter in Düsseldorf auch am kommenden Samstag, dem 24. Mai, bei der geplanten Großkundgebung gegen Erdogans Besuch in Köln (13 Uhr am Ebertplatz) wieder sehen werden. Mischen wir uns, um sie aufzumischen!
 
Horst Hilse aus Köln ist aktiv engagiert bei SOKO, der "Sozialistischen Kooperation“ www.sozialistische-kooperation.de/


Online-Flyer Nr. 459  vom 21.05.2014

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Von Kostas Koufogiorgos
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