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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Wie von Tesla Motors 2003 nun auch hier die Zeichen der Zeit erkannt?
Motore für Elektroautos von Siemens
Von Franz Alt

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech sagt: „Ich halte nicht viel vom reinen Elektroauto“. Wie Volkswagen aber mit dieser Strategie des alten Verbrennungsmotors in wenigen Jahren zum „größten Autobauer der Welt“ werden will, bleibt das Geheimnis des Patriarchen aus Wolfsburg. Die Gegenstrategie entwickelt jetzt ausgerechnet Siemens. Der Technologiekonzern aus München hat soeben angekündigt, groß ins Automobilgeschäft der Zukunft einzusteigen und zwar dort, wo es den etablierten Autobauern am meisten wehtut: beim Elektroauto!

Seit 2003 baut Tesla erfolgreich Elektroautos in den USA
Quelle: http://www.teslamotors.com
 
Siemens-Chef Joe Kaeser vollzieht damit einen radikalen Schwenk gegenüber seinem Vorgänger Peter Löscher. Der war 2007, kaum im Amt, aus der Elektronik-Autosparte ausgestiegen. Mit dem Einstieg von Siemens ins Zeitalter der E-Mobilität, dürfte das Elektroauto sein bisheriges Image, allenfalls für Golfplätze oder Altersheime tauglich zu sein, bald loswerden.
 
Was die deutschen Autobauer bisher an E-Autos auf den Markt brachten, hat noch lange nicht für den Durchbruch zu einer neuen Mobilität gereicht. Auch der i3, den BMW seit 2013 baut, hat noch das Image des hässlichen Entleins. „Muss ein Elektroauto unbedingt aussehen wie eine von koreanischen Designern entworfene Playmobil-Ambulance?“ fragte die Süddeutsche Zeitung spöttisch.
 
Bislang hatte die E-Mobilität primär ein Image-Problem gegenüber dem klassischen Benziner. Der kalifornische Hersteller Tesla bewies als erster und erfolgreich, dass es auch anders geht und baute eine 400-PS starke, vollelektronische Rennmaschine, die sich mit sämtlichen Oberklasse-Modellen der alten Autobauer messen kann. Wer auch nur einmal einen Tesla getestet hat und in knapp vier Sekunden von null auf 100 Kmh durchstartete, hat jedes Vorurteil gegenüber einem elektrischen Antrieb verloren.
 
Das BBC-Automagazin „Top Gear“ testete vor einigen Monaten einen elektrischen Tesla in Konkurrenz zu einem Benzin-Maserati. Das Ergebnis: Nie hatte die Redaktion ein besseres Auto gefahren als den Kalifornier. Dieser Wagen werde die gesamte Automobilwirtschaft revolutionieren.
 
Die Zukunft gehört der Elektromobilität. Ampere statt Oktan!
 
Und jetzt also Siemens. Aber natürlich passt der Elektroantrieb besser in eine Zukunft mit erneuerbaren Energien als der bisherige Verbrennungsmotor. Wenn künftig die Batterien an Tankstellen ausgetauscht anstatt lange geladen werden müssen, kann der Durchbruch noch weit schneller gelingen als sich das heute viele vorstellen können.
 
E-Mobilität bedeutet: Der Antriebsstoff kommt aus Sonne und Wind, die Batterien werden dann geladen, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, und die Batterien der Autos sind zugleich die Speicher für den privaten Stromverbrauch, die Städte werden ruhiger, die Luft sauberer und die Lebensqualität steigt. Anders ist das Leben in Städten wie Peking oder Shanghai, in Sao Paulo oder Kairo, in Mexiko-City oder Kalkutta künftig gar nicht mehr vorstellbar.
 
Noch fährt in Europa nur ein Nischenpublikum elektrisch. Aber soeben hat der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Peking gelernt, dass Millionen Chinesen auf neue Autos warten. Freilich nicht mehr auf Benziner.
 
„Wir brauchen keine brennenden Autos“, hat Ferdinand Piech noch kürzlich gespottet als ein Tesla in den USA in Flammen aufgegangen war. Hat der VW-Patriarch noch nie ein brennendes Benzin-Auto gesehen?
 
Nicht der überholten Technik des 19. Jahrhunderts gehört die Zukunft, sondern im Wesentlichen Technologien, die aus erneuerbaren Quellen gespeist werden. Tesla hat beschlossen, jedes Jahr künftig 100.000 Elektroautos mit 300 PS zu bauen. Das ist eine Kampfansage an BMW, Daimler und VW.
 
Auch Siemens, so scheint es, hat die Zeichen der Zeit erkannt und will künftig jedes Jahr 100.000 Motoren für E-Autos bauen – zuerst in China und dann auch anderswo. Und zwar in Kooperation mit dem chinesischen Autohersteller Beijing Automotive Industry (BAIC).
 
Kaum eine Regierung fördert zurzeit die E-Mobilität mehr als die in Peking. Vielleicht wird Siemens bald selbst zum Autohersteller. Die Münchner haben noch einiges unter der Haube. (PK)
 
Franz Alt arbeitete von 1968 bis 2003 als Journalist für den Südwestfunk (SWF, heute: SWR), für den er 20 Jahre lang das Politmagazin Report moderierte. Die Veröffentlichung seines Buchs "Frieden ist möglich", in dem er Zweifel an der Politik der Nachrüstung anmeldete, führte zu jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen Alt und seinem Sender. Von 1992 bis 2003 leitete Franz Alt die Zukunftsredaktion im SWR und moderierte außerdem in 3sat die Magazine Querdenker und Grenzenlos. Seine Bücher wurden in zwölf Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von über zwei Millionen. Auf seiner Homepage http://www.sonnenseite.com/ , von der wir diesen Artikel mit Dank übernommen haben, gibt Franz Alt einen Überblick über die Alternativen der Energieerzeugung.


Online-Flyer Nr. 457  vom 07.05.2014

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