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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Sterilisationsprodukt ESSURE: Interview mit Erin Brockovich zur BAYER-HV
Aktivistin unterstützt US-Geschädigte
Von Jan Pehrke und Philipp Mimkes

Die Umweltaktivistin Erin Brockovich unterstützt die Kampagne gegen das Sterilisations-Produkt ESSURE, das mit schweren Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wird. Brockovich hatte 1993 die Firma PACIFIC GAS AND ELECTRIC wegen Grundwasser-Verschmutzung verklagt und wurde im Jahr 2000 durch den Hollywood-Film Erin Brockovich (2000) von Steven Soderbergh berühmt.
 
Essure ist ein nicht-hormonelles Sterilisationsprodukt, das direkt in die Eileiter implantiert wird. Kunststoff-Fasern sorgen für ein starkes Wachstum des Bindegewebes, wodurch die Eileiter verschlossen werden. Der BAYER-Konzern hatte das Produkt im vergangenen Jahr von der Firma Conceptus übernommen.
 
Allein in den USA berichten rund 7.000 Frauen über schwere Nebenwirkungen, darunter Blutungen, chronische Schmerzen, Hautausschläge, Übelkeit und Allergien. Mehrere Betroffene mussten sich die Gebärmutter entfernen lassen. Brockovich fordert BAYER auf, das Produkt vom Markt zu nehmen und alle Nebenwirkungen unabhängig untersuchen zu lassen.
 
Zur Hauptversammlung des Konzerns am kommenden Dienstag in Köln werden zwei Aktivistinnen aus den USA, Michelle Garcia und Angela Lynch, anreisen und in der Versammlung sprechen. Unterstützt werden Sie von der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die zur Versammlung zahlreiche Gegenanträge eingereicht hat.
 
Anlässlich der Versammlung hat die Coordination gegen BAYER-Gefahren ein Interview mit Erin Brockovich geführt:
 
Frage: Was sind die größten Probleme, die von ESSURE ausgehen?
 
Erin Brockovich: Neben ungewollten Schwangerschaften sind das vor allem Verletzungen durch losgelöste Spulen, wodurch innere Organe perforiert werden können. Um die Spule in einem solchen Fall zu entfernen, sind meist größere Operationen notwendig.
 
Wie kommt es, dass Sie sich für die Betroffenen einsetzen?
 
Die geschädigten Frauen haben sich an mich gewandt. Ich hoffe und erwarte, dass ihre Berichte gehört werden und dass die großen, negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen bekannt werden.
 
Gibt es unabhängige Studien zur Sicherheit von ESSURE?
 
Es gibt Studien, die die Sicherheit von ESSURE belegen sollen. Diese sind aber aus unserer Sicht weder gründlich noch sachgerecht. Die Betroffenen haben zahlreiche Untersuchungen gesammelt, die ein anderes Bild zeigen.

Und die Untersuchung der US-Aufsichtsbehörde FDA?
 
Aus meiner Sicht war die Studie der FDA nicht umfassend genug, auch wurden die Geschädigten nicht ausreichend einbezogen. Von daher war sie unzureichend. 
 
Ist Ihnen bekannt, ob ESSURE in der Geburtenplanung in Entwicklungsländern eingesetzt wird, z. B. von der Bill & Melinda Gates Foundation oder der US Agency for International Development?
 
Das ist mir nicht bekannt. Ich würde mich mit der Gates Foundation und der Agency for International Development gerne austauschen, um auf die ernsten Risiken für die Frauen in Entwicklungsländern hinzuweisen. 
 
Zwei Betroffene aus den USA reisen zur BAYER-Hauptversammlung nach Deutschland. Was fordern Sie vom Vorstand und den Aktionär/innen des Konzerns?
 
Meine Botschaft an den Vorstand und die Aktionäre lautet: Hören Sie den Frauen aufmerksam zu, weil Sie von ihnen erfahren können, was mit diesem Produkt schief läuft. Dies ist eine Gelegenheit für das Unternehmen, eine richtige Entscheidung zur treffen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen. (PK)
 


Online-Flyer Nr. 455  vom 25.04.2014

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