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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Medien
Schmocks aller Medien, im Mainstream gleichgeschaltet - aktuell zur Ukraine
"Spitzmarke"
Von Volker Bräutigam

Die „pro-europäischen“ Akteure auf dem Kiewer Maidan-Platz begleitet Ihr in schöner Einmütigkeit mit Eurem Wohlwollen. Ihr huldigt ihnen als den wahren Demokraten, die sich selbst in bitterster Kälte und größter Not noch solidarisch gegenseitig mit warmer Speis’ und Trank versorgen, seit Monaten mit ihrem letzten Hemd für die Bürgerrechte einstehen und um ihre demokratischen Rechte ringen. 
 
Selbstredend, das ist in Anbetracht des unnachgiebigen Autokraten Wiktor Janukowytsch völlig verständlich, brauchen die Freiheitsliebenden ausreichend Molotow-Cocktails, Helme, Masken und sonstige Schutzkleidung, dazu Knüppel, Wurfgeschosse, nunmehr gar Scharfschützengewehre und Handgranaten.
 
Ihr schildert den von Washington und Berlin aus gelenkten und insgeheim materiell unterstützten Aufstand gegen eine demokratisch gewählte Staatsführung als gerechte Sache, ein der Verteidigung der Menschenrechte dienendes Anliegen, frei nach dem Motto:
 
„...und willst du nicht mein Bruder sein,
 
so schlag ich dir den Schädel ein.“
 
Drum findet Ihr absolut nichts dabei, dass sich Berlin und die EU im Dienste Washingtons mit Sanktionsdrohungen in die inneren Angelegenheiten eines Landes einmischen, das sich anscheinend nur mit Gewaltmitteln aus dem Einflussbereich des verhassten Putin-Russlands herauslösen lässt. Völkerrecht? Das dürfen nur die Guten für sich beanspruchen, und wer die Guten sind, ist doch längst entschieden: die WW (westliche Wertegemeinschaft). Also wir, ne?
 
Kommen wir zum Punkt: Beklebt die Akteure auf dem Maidan endlich mit den üblichen Etiketten, das macht eure Informationen für den Medienkonsumenten verständlicher, wegen des Wiederkennungswerts: „Freiheits-Aktivist“ zum Beispiel, der Abwechslung halber „Menschenrechtskämpfer“, vielleicht und notfalls auch mal „Friedensrebellen“ oder „Radikaldemokraten“.
 
Die Hinterbliebenen der auf dem Maidan erschossenen Polizisten werden es Euch danken.
 
Ihr niederträchtigen Schmieranten in den Redaktionsstuben und Schwätzer an den Mikrofonen:
Auf den Gedanken, die Vorgänge in der Ukraine mal schlichtweg unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten zu betrachten, kommt Ihr offenbar gar nicht. Erst recht nicht auf die doch naheliegende Frage, was wohl geschähe, wenn sich Deutsche in Berlin und Hamburg mit den gleichen Mitteln gegen ihre demokratisch gewählte und mindestens ebenso versumpfte Machtelite wehren würden wie die Ukrainer in Kiew und Lviv.

Inzwischen ist der Staatsstreich in der Ukraine komplett. Ihr Schmocks in den bundesdeutschen gleichgeschalteten Medien könnt Vollzug berichten: Präsident Janukowich wurde unter Bruch der Verfassung abgesetzt. Eine "Übergangsregierung" ohne demokratische Legitimation ist eingesetzt, denn das Parlament beschließt ja nunmehr "frei", will sagen: unter dem "Schutz" des bewaffneten Mobs. Es hat konsequenterweise auch gleich die Freilassung der Oligarchin Timoschenko verfügt, einer rechtmäßig verurteilten Kriminellen, einer Strippenzieherin der ukrainischen Geldelite (und Lieblingsmärtyrerin unserer Kanzlerin Merkel). 
 
Die Polizei ist zu den Rebellen übergelaufen. Anarchie hat die Ukraine heimgesucht. Mittendrin posiert einer unserer edelsten Landsleute, Frank-Walter Steinmeier, als deutscher Außenminister neben den Putschisten in Kiew, unter denen auch der Neonaziführer Tjahnybok ist - und Fotos davon stehen auf der amtlichen Website des Berliner Außenministeriums. (1)
 
Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Der eine Sozn, der andere Neonazi-Sozn, die Ukraine soll eben "heim ins Reich".
 
Und wir? Müssen im Stillen vermutlich sogar noch froh sein, dass der Staatsstreich unter Regie der deutsch angeführten EU stattfindet und nicht unter dem Kommando der USA. Winzig kleines Glück im unermesslichen Unglück, dass "wir Europäer" den Kriegstreibern in Washington beim Fremdputschen zuvorkamen (man erinnere sich an die widerwärtige Bemerkung der US-Vize-Außenministerin Nuland: "Fuck the EU").
 
Was aus der Ukraine werden soll? Wenn es nach der EU geht: ein Markt, der erbarmungslos ausgebeutet werden kann. Wenn es nach den USA ginge: Das Glacis für einen Angriff auf Russland. Wenn es gut geht: Ein zweigeteiltes Land, dessen Westteil sich der EU unterwirft und dessen Ostteil samt der Krim sich Russland assoziiert. Wer den Frieden liebt, muss letzteres hoffen. Drauf bauen darf er nicht. (PK)
 
(1)
 
Als "Spitzmarke" wird vor allem im Journalismus eine einleitende Information zu Beginn einer Nachricht oder einer Pressemitteilung bezeichnet. Mehr "Spitzmarken" finden Sie auf der Webseite www.0815-info.com und dort unter http://www.0815-info.com/Search-query-Spitzmarke.html
Volker Bräutigam schreibt auch für die Zeitschrift Ossietzky, Nachfolgerin der "Weltbühne", die dem deutschen Journalismus zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Ehre gereichte. Ossietzky orientiert sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.» http://ossietzky.net). Seine literarische Figur eines sarkastisch stänkernden Laubenpiepers lässt er in seinem Buch „Die Falschmünzer-Republik - Von Politblendern und Medienstrichern“ ausgiebig zu Wort kommen. Illustriert ist es mit Karikaturen von Klaus Stuttmann.


Online-Flyer Nr. 447  vom 26.02.2014

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