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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Lokales
Der Gründer der Kölner Klagemauer - ein Fels in der Brandung
Walter Herrmann wird 75 Jahre jung!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Es gibt nur wenige Menschen, die ich so bewundere wie Walter Herrmann, den Gründer der Kölner Klagemauer. Walter, ich gratuliere Dir von ganzem Herzen zu Deinem 75. Geburtstag und zum 25. Jubiläum der Kölner Klagemauer. Du bist ein unerschütterlicher und aufrechter Mensch, der einzig und allein für die Gerechtigkeit kämpft.
 

Walter Herrmann bei einer Kundgebung
zu Israels Politik gegen die
Palästinenser im Juni 2013
Quelle: wikimedia
Niemand hat es bis dato geschafft Dich von Deinem Weg abzubringen, der immer in die richtige Richtung geführt hat. Konntest Du doch so vielen Menschen die Augen öffnen. Dein Projekt und Dein unermüdlicher Einsatz unter den schwierigsten Umständen wurde schon im Jahr 1998 mit dem Aachener Friedens- preis geehrt.
 
Begonnen hatte alles mit der Klagemauer 1989-1991 mit der Anprangerung der Wohnungsnot in der Kölner Schildergasse. Danach kam der Einsatz für Frieden auf der Kölner Domplatte von 1991-1996. Dann kam der Widerstand und Exil, wie Du schreibst, der dann danach LEGAL 2002, auf der Domplatte wieder fortgesetzt wurde.
 
Der "Urknall", wie Du es so treffend bezeichnest, kam durch die Besetzung eines Warteraums im Kölner Wohnungsamt. Auch das ein wichtiges Datum, war es doch Dein 50. Geburtstag am 26. Januar 1989. Der Warteraum wurde frisch tapeziert und zu einer musterhaften Wohnung umgemodelt, Dir halfen dabei Klaus der Geiger und der SSK Liebigstraße. Danach kamen vergleichbare Aktionen mit dem für mich wiederum einmaligen Slogan "Wohnen ist Menschenrecht". Schon damals warst Du also mit dieser Aktion ein Vordenker in Sachen Wohnungsnot, die ja heute unbeschreiblich größer geworden ist.
 
Ich wurde auf die Klagemauer aufmerksam durch die anderen Problemthemen, die inzwischen dazu gekommen sind. 1991, also nach dem Golfkrieg, als das Themenspektrum erweitert wurde. Menschenrechtsverletzungen, Asyl-Politik und Kriege. Also die ganze Palette der politischen Problemthemen. Besonders aufrüttelnd war für mich persönlich natürlich Dein Einsatz für das palästinensische Volk unter israelischer Besatzung, Unterdrückung und Vertreibung. Kein anderer außer Dir war in der Lage mehr als 350.000 Unterschriften gegen dieses Unrecht in der Klagemauer zu sammeln.
 
Die Idee, Menschen, die die Klagemauer besuchen, aufzurütteln und nachdenklich zu machen ist Dir mehr als gelungen. Appelle auf Zetteln aus aller Welt erreichen Dich inzwischen. Es kamen auch viele prominente Besucher, die es sich nicht nehmen ließen Texte an der Klagemauer zu verewigen, wie auch der wunderbare Stephane Hessel. Du bist zu einer wichtigen Institution in Köln geworden.
 
Ich empfehle allen Touristen, die Köln besuchen, unbedingt die Kölner Klagemauer zu besuchen und sich dort zu verewigen.
Ich empfehle allen deutschen Schulklassen, sollten sie Köln besuchen, einen Besuch an der Kölner Klagemauer.
Das sollte zum Pflichtfach des Schulunterrichts gehören, ebenso wie das Besuchen der Nakba-Ausstellung, die die Geschichte der Vertreibung des palästinensischen Volkes 1948 bei der Staatsgründung von Israel und durch Israel zeigt, auch in dieser Ausstellung NUR wasserdichte Fakten.
 
So wünsche ich Dir lieber Walter nochmals viel Kraft und Stärke, gegen alle Widerstände und Hetze von diversen, aber letztendlich doch so unwichtigen Seiten, die uns alle nicht interessieren sollten, da diese Verleumder keine Argumente haben, außer mit Dreck zu werfen und Gerichtsverfahren anzuzetteln. Aber die "Mauer der Menschlichkeit" basiert nun einmal auf Fakten und hat auch aus diesem Grund so viele Unterstützer!
 
Du brauchst im Gegensatz zu vielen Gegnern die Öffentlichkeit nicht zu scheuen, nein Du kannst stolz auf Dein Lebenswerk sein.
Zu Deinem Geburtstag nochmals alle guten Wünsche von mir, bleib` so fit wie bisher, denn merke, Du wirst gebraucht.
Ich/wir, mein Mann und ich, werden Dich weiter unterstützen, so gut wir können. Ich bin stolz darauf, so einen Freund zu haben wie Dich!
Ach gäbe es nur viel mehr Menschen wie Dich, mit Deiner Aufrichtigkeit und unbeugsamem Willen!
 
Übrigens wurde eine Bitte von mir an Wolfgang Niedecken, für Dich als "Kölner Original" ein Geburtstagslied zu schreiben, abschlägig beschieden. So weit geht die Solidarität dann doch nicht!
Lasse mich die Wünsche beschließen mit einem Gedicht von meinem Lieblingsdichter Erich Fried:
 
Zu den Steinen
hat einer gesagt:
"Seid menschlich."
 
Die Steine haben gesagt:
"Wir sind
noch nicht hart genug."
(PK)

Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro.


Online-Flyer Nr. 442  vom 26.01.2014

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