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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Neue Forschungsergebnisse unserer Wissenschaftscommunity
Lob der Wissenschaft
Von Wolfgang Bittner

Mehrere aufsehenerregende wissenschaftliche Unternehmungen, die von dem hohen Rang unserer Forschung innerhalb der Weltspitzenklasse zeugen, haben in letzter Zeit die Gemüter der Wissenschaftler nicht nur in unserem Lande bewegt. An dieser Stelle sollen drei der wesentlichsten Forschungsergebnisse vorgestellt werden.


Quelle: http://www.wwf-jugend.de
  
Einem Hamburger Arzt ist nach langwierigen Fremd- und schließlich sogar Selbstversuchen der Nachweis gelungen, dass Bienenhonig eine große Zahl hochwertiger Wirkstoffe enthält und sich, regelmäßig über einen Zeitraum von wenigstens drei Jahren eingenommen, förderlich sowohl auf die Verdauung als auch auf den gesamten menschlichen Organismus auswirkt. Der Forscher, vor Jahren bereits bekannt geworden durch seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet des Freizeitverhaltens deutscher Imker, erhielt unmittelbar nach Bekanntwerden seiner Entdeckung den großen Wissenschaftspreis eines unserer führenden Stärkungsmittelunternehmen.
 
Ein nicht minder eindrucksvolles Beispiel engagierter und in diesem Fall wissenschaftsübergreifender Betätigung lieferte ein Team von Soziologen und Psychologen der Bamberger Otto-Friedrich-Universität, die seit jeher als Hort der Wissenschaft bekannt ist und als solcher weltweites Ansehen genießt. Hier wurde in enger Zusammenarbeit mit Experten aus rechtsprechender Justiz und Strafvollzug sowie durch eingehende und systematische Untersuchungen zahlreicher Strafgefangener festgestellt, dass dieser Personenkreis unter offenen und versteckten Aggressionen gegenüber dem Personal der Justizvollzugsanstalten leidet. Als weiteres Ergebnis dieser Forschungsarbeit, die von der Stiftung „Wissenschaft und Gesellschaft“ des Bundesfamilienministeriums ermöglicht wurde, trat zutage, dass auch das Personal der Justizvollzugsanstalten offene und versteckte Aggressionen hegt, und zwar gegenüber dem von ihm zu betreuenden Personenkreis.
 
Diese Ergebnisse können insofern als bahnbrechend bezeichnet werden, als damit die Voraussetzungen geschaffen sind, Häftlingen wie auch Aufsichtsbeamten bewusst zu machen, dass sie Träger von Aggressionen sind. Weiter eröffnet sich erstmals die Möglichkeit, dass die Beamten im Justizvollzugsdienst aufgrund dieser empirisch untermauerten soziopsychologischen Erkenntnisse angehalten werden können, die in den Strafanstalten Einsitzenden humaner als bisher zu behandeln, damit es zu einem Abbau der Aggressionen wenigstens auf dieser Seite kommt. Um herauszufinden, wie ein Aggressionsabbau auf Seiten der Beamtenschaft erfolgen kann, werden jedoch noch weitere umfangreiche Untersuchungen nötig sein, die – so war zu erfahren – vom Familienministerium mit erheblichen Mitteln gefördert werden sollen.
 
Zunächst wurde ein Modellversuch gestartet, um herauszufinden, wie sich Tapetenmuster in den Frühstückräumen auf die Befindlichkeit des Aufsichtspersonals auswirken. Es scheint sich zu beweisen, dass großflächige Landschaftsmotive beruhigender wirken, als Blumendekors oder vertikale Streifenmuster in Schwarz-Weiß. Des Weiteren gehört zu den Versuchsreihen die Einspielung akustischer Stimulantien wie Meeresrauschen und Vogelgezwitscher. Dagegen ist bereits erwiesen, dass die Einspielung von Hundegebell, Verkehrsgeräuschen und Politikerreden zu einem deutlich erhöhten Aggressionsstau führt.
 
In diese Versuchsreihen soll demnächst auch der Personenkreis der Häftlinge einbezogen werden, bei dem derzeit noch – selbstverständlich mit Zustimmung der Häftlinge – die Pharmaindustrie mit Psychoaufhellern wie „Sunshine“ und „Happy hour“ experimentiert, dem Vernehmen nach erstaunlich erfolgreich. Jedenfalls verlautete das von der Pressestelle der Universität, die zudem bekannt gab, dass zu einzelnen der genannten Themen juristische, soziologische und medizinische Dissertationen vielversprechender junger Wissenschaftler in Arbeit sind.
 
Das seit langem wohl spektakulärste Forschungsergebnis erzielte allerdings ein Münchener Kinderpsychologe, dem unter anderem der Nachweis gelang, dass Kleinkinder schon in frühestem Alter zielgerichtete Bewegungen auszuführen, zwischen männlichen und weiblichen Stimmen zu differenzieren sowie die Mutterbrust von einer Gumminachbildung zu unterscheiden vermögen. Diese erstaunlichen Erkenntnisse zum frühkindlichen Verhalten, die durch jahrzehntelange Arbeit eines Forschungsteams der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität vorbereitet und anschließend in jahrelangen Einzelversuchen mit wissenschaftlicher Akribie nachgewiesen wurden, machen die Münchener Universität mit einem Schlage zu einer der führenden Forschungsstätten auf dem Gebiete der Kinderpsychologie.
 
Es steht zu erwarten, dass weitere wichtige Erkenntnisse unserer Wissenschaftscommunity in nächster Zeit folgen werden. (PK)
 
Wolfgang Bittner (72) lebt als freier Schriftsteller in Göttingen. Bis 1974 arbeitete er u.a. als Fürsorgeangestellter, Verwaltungsbeamter und Rechtsanwalt. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Vorderasien, Mexiko, Kanada und Neuseeland. Wolfgang Bittner schreibt für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erhielt mehrere Literaturpreise. Mitarbeit bei Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen. Seine jüngsten Bücher "Minima Politika", Politische Texte und Karikaturen (Ill. v. Kostas Koufogiorgos), Horlemann 2008; "Der schmale Grat", Gedichte, Lyrikedition 2000 / Allitera 2010; "Schattenriss oder Die Kur in Bad Schönenborn", VAT Verlag André Thiele, 2011 und Hellers allmähliche Heimkehr“, VAT Verlag André Thiele, 2012.
 


Online-Flyer Nr. 440  vom 08.01.2014

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